• Mit Rad und Zug nach Wismar

    28 maggio, Germania ⋅ ☀️ 19 °C

    Heute Morgen geht es nach Wismar – mit Rad und Zug und dem Mecklenburg-Vorpommern-Ticket. Online gebucht, Fahrradtickets gleich dazu… dachte ich.
    Denn wie das so ist: eins klappt, fürs zweite bleibt keine Zeit mehr. Wir wollen den 11:30-Zug nehmen – und offenbar hat irgendwer über Nacht die Uhr vorgestellt. Der nächste fährt nämlich erst eine Stunde später.
    Also: keine Diskussion. Mit fliegenden Fahnen zum Bahnhof.
    Inzwischen kennen wir uns in Schwerin ja aus, kein planloses Herumirren mehr. Rein in die Halle, schnell noch das zweite Radticket am Automaten gezogen – und da steht er auch schon, unser Zug.
    Startet hier, also alles entspannt. Räder rein, Platz sichern, durchatmen.
    Keine 25 Minuten später: Wismar.
    Und gleich die erste Frage: Toilette? Fehlanzeige. Na gut – dann eben später.
    Handy raus, Navi an. Die Tour bastle ich mir kurzerhand im Zug zusammen – wird schon passen.
    Wir starten an der Alten Mühle und folgen dem Mühlenbach Richtung Altstadt. Wirklich weit kommen wir nicht, denn schon ruft die St.-Nikolai-Kirche.
    Und die meint es ernst. Riesig, hoch, beeindruckend – da wird selbst der größte Schnacker leise. Früher die Kirche der Seefahrer und Kaufleute. Kein Wunder, dass hier alles eine Nummer größer wirkt.
    Ich zünde eine Kerze an – für Michael. Mache ich inzwischen in jeder Kirche. Gehört einfach dazu.
    Draußen wieder Sonne, und weiter geht’s. Räder abgestellt, und dann zu Fuß durch die Altstadt.
    Und die kann was.
    UNESCO-Welterbe – und man sieht sofort warum. Diese Giebelhäuser! Eins schöner als das andere. Pastellfarben, Verzierungen, kleine Details überall. Man kommt aus dem Gucken gar nicht raus.
    Es ist inzwischen richtig warm. Überall Menschen – einige mit Kamera im Anschlag, andere mit Eis in der Hand, wieder andere fest verwurzelt im Café.
    Wir schließen uns der letzten Gruppe an. Kaffee, Kuchen, Sonne – passt.
    Danach weiter durch die Gassen. Am Marktplatz bleiben wir hängen. Die Wasserkunst steht da wie ein kleiner Palast – früher lebenswichtig, heute einfach schön anzusehen.
    Wir bummeln weiter, lassen uns treiben, entdecken hier noch einen Laden, da noch einen Hinterhof, und plötzlich ist wieder eine Stunde weg.
    Zurück zu den Rädern, einmal locker um die Altstadt – und dann ab zum Alten Hafen.
    Und da ist richtig Betrieb. Sonne scheint, Wasser glitzert, Menschen überall. Und vor dem Fischimbiss: Schlange. Natürlich.
    Wir vertagen das Thema erstmal und laufen an der Hafenkante entlang.
    Die Möwen übrigens auch. Die stehen da nicht rum – die beobachten. Ganz genau. Jede Bewegung. Jedes Fischbrötchen. Und ich bin sicher: die haben einen Plan.
    Irgendwann geben wir nach. Ohne Fischbrötchen fahren wir hier nicht weg. Also anstellen.
    Und diesmal klappt’s.
    Die Möwen gehen leer aus – wir nehmen unser Abendessen einfach mit rüber in die Altstadt und setzen uns unter einen Baum. Sicher ist sicher 😄
    Inzwischen: 16:30 Uhr. Zeit, so langsam an den Rückweg zu denken.
    Also wieder zum Bahnhof. Der 17:00-Zug fährt nicht durch – entweder umsteigen in Bad Kleinen oder eine Stunde warten.
    Der Zug steht schon da. Wir auch. Also rein.
    Diesmal: voll. Richtig voll.
    Und dann der Blick auf die Uhr: fünf Minuten zum Umsteigen. Gleis 2 auf 4. Mit Aufzug. Mit Rädern. Mit Menschen. Viele Menschen.
    Ich sag mal so: sportlich ist noch nett formuliert.
    Mein Vorschlag, einfach von Bad Kleinen zurückzuradeln, wird freundlich ignoriert.
    Und dann wird’s tatsächlich eng. Im Fahrstuhl wird gedrängelt, als gäbe es Freikarten für irgendwas. Ich komme rein, Anne bleibt draußen – Stimmung: sagen wir mal… ausbaufähig.
    Aber dann zeigt sich: Bahnfahren hat auch seine guten Seiten.
    Der Anschlusszug hat Verspätung. Zehn Minuten.
    Plötzlich ganz viel Entspannung. Wir stehen am Gleis, atmen durch und steigen ganz normal ein.
    Zurück geht’s an Pfaffenteich und Ziegelsee vorbei – richtig schön, besonders am Abend.
    Und am Ende: Womo, See, Füße hoch.
    Ein Tag mit allem drin – Sonne, Stadt, Hafen, Möwen und ein bisschen Bahn-Drama.
    Genau so muss das sein. 🚐🌊
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