• Von wegen gemütliche Radtour! 🚲😅

    Yesterday in Germany ⋅ ☁️ 20 °C

    Eine Runde um dem Twistesee.

    Der Tag beginnt erstaunlich warm. ☁️ Die Sonne allerdings ziert sich noch ein bisschen und hat erst einmal die grauen Wolken vorgezogen. Na gut, vielleicht kommt sie ja später noch aus ihrem Versteck.
    Bevor wir irgendetwas unternehmen können, steht das übliche Wohnmobil-Morgenprogramm an: Müll wegbringen, Abwasser entsorgen, Frischwasser nachfüllen – eben all die kleinen Arbeiten, die irgendwie immer länger dauern, als man denkt. Dann noch frühstücken, ein bisschen räumen und schwupps – ist es schon 11 Uhr. Wo bleibt eigentlich immer die Zeit?
    Als Erstes suchen wir den Aldi in Volkmarsen. Der Weg führt uns durch die kleine Innenstadt mit ihren hübschen Fachwerkhäusern und der Kirche mittendrin. Heute fällt der Einkauf etwas größer aus, aber irgendwie bekommen wir alles auf den Rädern verstaut. 😅
    Zurück am Wohnmobil wird alles eingeräumt und dann starten wir zur eigentlichen Unternehmung des Tages. Wir haben uns extra eine einfache und nicht allzu lange Radtour ausgesucht. So jedenfalls die Theorie! 🤣

    Noch einmal durch Volkmarsen, dann über kleine Orte zum Twistesee, am See entlang bis nach Bad Arolsen. Gut 15 Kilometer für eine Strecke – das klingt doch wirklich harmlos.
    Und zunächst läuft es auch wie geschmiert. Der Radweg führt uns aus der Stadt hinaus, an einem kleinen Bach entlang, durch Wiesen und ein Stück Wald. Herrlich! Das Rad rollt fast von alleine.
    "So könnte es bleiben!“, denken wir.
    Hätten wir das mal lieber nicht gedacht. 😂
    Irgendwann verpassen wir nämlich den richtigen Weg und – wie sollte es bei uns anders sein – stehen plötzlich wieder auf einer dieser wunderbaren Wald-Feld-Wiesen-Strecken. Zurückfahren oder weiter?

    Wir entscheiden uns schweren Herzens fürs Weiterfahren. So schlimm kann es ja nicht werden.

    Ein Satz, den wir eigentlich inzwischen aus unserem Wortschatz streichen sollten. 🤣

    Aber tatsächlich landen wir nach einiger Zeit wieder auf der richtigen Strecke und vor uns liegt endlich der Twistesee. Der See ist Ende der 1970er-Jahre mit dem Bau der Twistetalsperre entstanden. Die Talsperre wurde 1979 fertiggestellt, der See ist etwa drei Kilometer lang und kann bis zu 9,1 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen. Heute ist er längst nicht nur Hochwasserschutz, sondern ein beliebtes Freizeitgebiet mit Strandbad, Wasserski, Golf und einem rund sieben Kilometer langen autofreien Rundweg.

    Wir machen erst einmal Pause und ich schaue mir natürlich den Reisemobilhafen an.! 😄 Und ich staune nicht schlecht: Der Platz ist richtig voll. An einem Montag Ende September!
    Am See selbst ist es dagegen angenehm ruhig. Wir trinken etwas, schauen übers Wasser und stellen dabei fest, dass wir nicht wie in der Tour geplant über den Damm kommen – gesperrt.
    Na prima.
    Und nun?
    Da rast ein Radfahrer an uns vorbei und verschwindet auf unserer Seite des Sees. Aha! Da geht also auch ein Weg Richtung Bad Arolsen.
    Also hinterher.
    Fehler! Großer Fehler! 😂
    Was jetzt kommt, ist keine gemütliche Seeumrundung mehr, sondern eine Berg-und-Tal-Prüfung für Mensch und E-Bike. Rauf, runter, wieder rauf. Manche Steigungen kommen so plötzlich, dass ich denke, wir sollen senkrecht die Wand hochfahren.
    Das E-Bike ächzt. Ich ächze gleich mit.

    Mitten in einer dieser Steigungen laufen vor uns zwei Fußgänger. Ich klingele. Ich rufe. Aber sie gehen nicht zur Seite. Schließlich muss ich mitten am Berg anhalten.
    Und damit ist Feierabend.
    Keine Chance, wieder anzufahren.
    Also schiebe ich das Rad den Berg hinauf und denke oben angekommen, mein Herz springt mir gleich aus der Brust. Zum Glück steht dort eine Bank. Ich lasse mich darauf fallen, trinke erst einmal etwas – und dann wird gegoogelt:
    Wie war das noch mal mit der Schiebehilfe beim Bosch-Motor?
    Ich wusste es schon einmal. Irgendwann. Irgendwo. Aber mein Gehirn hat wohl beschlossen, diese Information nicht dauerhaft zu speichern. 🙈
    Weiter geht es. Rauf und runter, rauf und runter. Immerhin haben wir zwischendurch wunderschöne Blicke auf den Twistesee. Aber ganz ehrlich: In diesem Moment könnte er auch türkisblau in der Südsee liegen – ich würde wahrscheinlich nur denken: Wo ist hier der nächste ebene Radweg? 😂
    Irgendwann erreichen wir das Ende des Sees und die Straße. Neben der Bundesstraße gibt es zunächst tatsächlich einen Radweg.
    Gott sei Dank!
    Nur leider hört der irgendwann auf.
    Natürlich.
    Also Zähne zusammenbeißen und ein Stück auf die Bundesstraße. „Ist ja nicht weit“, denken wir.
    Noch so ein Satz, den wir dringend aus unserem Wortschatz streichen müssen.
    Es zieht sich nämlich endlos. Und natürlich geht es wieder bergauf.
    Hatten wir nicht irgendwann auf dieser Reise gesagt, dass wir uns jetzt mal eine Gegend ohne Berge aussuchen?
    Hat hervorragend geklappt. 🤣🤣
    Als wir einen kleinen Rastplatz entdecken, ist Schluss. Pause! Wasser trinken, durchatmen, Beine beruhigen. Was essen.
    Dann sehen wir Fußgänger aus einem Waldweg kommen. Wir fragen, ob dieser Weg nach Bad Arolsen führt.
    Ja!
    Also hinein in den Wald – und dieses Mal haben wir Glück. Der Weg bringt uns tatsächlich direkt in die Stadt und schließlich stehen wir mitten in Bad Arolsen.
    Und plötzlich hat sich die ganze Plackerei doch ein bisschen gelohnt. ❤️
    Bad Arolsen ist eine ehemalige Residenzstadt der Fürsten zu Waldeck und Pyrmont. Die heutige barocke Stadtanlage entstand ab dem frühen 18. Jahrhundert nach Plänen des Baumeisters Julius Ludwig Rothweil. Bis 1918 war Arolsen Regierungssitz des selbstständigen Fürstentums Waldeck. Seit 1997 darf sich die Stadt offiziell „Bad Arolsen“ nennen.
    Das Herzstück ist natürlich das prächtige Residenzschloss. Der Neubau begann Anfang des 18. Jahrhunderts und wurde zum Mittelpunkt der planmäßig angelegten Barockstadt. Hier wurde 1858 auch Prinzessin Emma zu Waldeck und Pyrmont geboren, die später Königin der Niederlande wurde.
    Leider ist es inzwischen schon nach 16ll Uhr. Die Schlossführungen finden zu festen Zeiten statt, und wenn wir jetzt noch eine Führung mitmachen, wird es uns für den Rückweg einfach zu spät.
    Also muss heute die Außenansicht reichen. Schade – aber man muss sich ja schließlich noch etwas für einen zweiten Besuch aufheben.
    Dafür schauen wir uns die Innenstadt an. Ein bisschen hier gucken, ein bisschen dort shoppen – und vor allem fallen uns die vielen Blumen auf. 🌸🌺 Überall blüht und grünt es, und dadurch wirkt die Stadt wunderbar freundlich und einladend.
    Und nach dieser Tour haben wir uns eines ganz sicher verdient:
    Eis und Cappuccino! 🍦☕
    Danach müssen wir allerdings wieder zurück nach Volkmarsen.
    Aber eines steht fest:
    Nicht auf demselben Weg!
    Diesmal darf Google den Radweg aussuchen. Am Anfang sind wir schon wieder etwas skeptisch, denn kilometerweit geht es durch den Wald.
    „Wo sind wir denn jetzt schon wieder gelandet?“
    Aber siehe da – Google macht seine Sache dieses Mal tatsächlich gut. Der Weg ist vernünftig fahrbar und bringt uns ohne weitere größere Abenteuer zurück.
    Gegen 18 Uhr rollen wir wieder am Wohnmobil ein.
    Geschafft! 🚲💪
    Erst einmal Beine hoch und ein bisschen ausruhen. Aber irgendwann meldet sich der Hunger. Also holen wir die Kochplatte nach draußen, Pfanne drauf, Pilze hinein und dazu gibt es noch das halbe Schnitzel von gestern. Improvisierte Wohnmobilküche – und richtig lecker. 😋
    Weil es draußen immer noch so schön ist, wird anschließend auch gleich unter freiem Himmel gespült. Erst als es schon fast dunkel ist, räumen wir alles wieder ein und ziehen uns ins Wohnmobil zurück.
    Was für ein Tag!
    Eigentlich wollten wir heute nur eine kleine, gemütliche Radtour machen.
    Geworden ist daraus eine Mischung aus Wald-und-Wiesen-Rallye, Bergprüfung, E-Bike-Härtetest, Schlossbesichtigung von außen, Stadtbummel und Cappuccino-Tour. 😂Das reicht für heute
    Füße hoch. Gemütlicher Abend. 🥰
    Und morgen?
    Morgen geht’s weiter! 🚐💨
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