Von wegen gemรผtliche Radtour! ๐ฒ๐
Yesterday in Germany โ
โ๏ธ 20 ยฐC
Eine Runde um dem Twistesee.
Der Tag beginnt erstaunlich warm. โ๏ธ Die Sonne allerdings ziert sich noch ein bisschen und hat erst einmal die grauen Wolken vorgezogen. Na gut, vielleicht kommt sie ja später noch aus ihrem Versteck.
Bevor wir irgendetwas unternehmen können, steht das übliche Wohnmobil-Morgenprogramm an: Müll wegbringen, Abwasser entsorgen, Frischwasser nachfüllen – eben all die kleinen Arbeiten, die irgendwie immer länger dauern, als man denkt. Dann noch frühstücken, ein bisschen räumen und schwupps – ist es schon 11 Uhr. Wo bleibt eigentlich immer die Zeit?
Als Erstes suchen wir den Aldi in Volkmarsen. Der Weg führt uns durch die kleine Innenstadt mit ihren hübschen Fachwerkhäusern und der Kirche mittendrin. Heute fällt der Einkauf etwas größer aus, aber irgendwie bekommen wir alles auf den Rädern verstaut. ๐
Zurück am Wohnmobil wird alles eingeräumt und dann starten wir zur eigentlichen Unternehmung des Tages. Wir haben uns extra eine einfache und nicht allzu lange Radtour ausgesucht. So jedenfalls die Theorie! ๐คฃ
Noch einmal durch Volkmarsen, dann über kleine Orte zum Twistesee, am See entlang bis nach Bad Arolsen. Gut 15 Kilometer für eine Strecke – das klingt doch wirklich harmlos.
Und zunächst läuft es auch wie geschmiert. Der Radweg führt uns aus der Stadt hinaus, an einem kleinen Bach entlang, durch Wiesen und ein Stück Wald. Herrlich! Das Rad rollt fast von alleine.
"So könnte es bleiben!“, denken wir.
Hätten wir das mal lieber nicht gedacht. ๐
Irgendwann verpassen wir nämlich den richtigen Weg und – wie sollte es bei uns anders sein – stehen plötzlich wieder auf einer dieser wunderbaren Wald-Feld-Wiesen-Strecken. Zurückfahren oder weiter?
Wir entscheiden uns schweren Herzens fürs Weiterfahren. So schlimm kann es ja nicht werden.
Ein Satz, den wir eigentlich inzwischen aus unserem Wortschatz streichen sollten. ๐คฃ
Aber tatsächlich landen wir nach einiger Zeit wieder auf der richtigen Strecke und vor uns liegt endlich der Twistesee. Der See ist Ende der 1970er-Jahre mit dem Bau der Twistetalsperre entstanden. Die Talsperre wurde 1979 fertiggestellt, der See ist etwa drei Kilometer lang und kann bis zu 9,1 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen. Heute ist er längst nicht nur Hochwasserschutz, sondern ein beliebtes Freizeitgebiet mit Strandbad, Wasserski, Golf und einem rund sieben Kilometer langen autofreien Rundweg.
Wir machen erst einmal Pause und ich schaue mir natürlich den Reisemobilhafen an.! ๐ Und ich staune nicht schlecht: Der Platz ist richtig voll. An einem Montag Ende September!
Am See selbst ist es dagegen angenehm ruhig. Wir trinken etwas, schauen übers Wasser und stellen dabei fest, dass wir nicht wie in der Tour geplant über den Damm kommen – gesperrt.
Na prima.
Und nun?
Da rast ein Radfahrer an uns vorbei und verschwindet auf unserer Seite des Sees. Aha! Da geht also auch ein Weg Richtung Bad Arolsen.
Also hinterher.
Fehler! Großer Fehler! ๐
Was jetzt kommt, ist keine gemütliche Seeumrundung mehr, sondern eine Berg-und-Tal-Prüfung für Mensch und E-Bike. Rauf, runter, wieder rauf. Manche Steigungen kommen so plötzlich, dass ich denke, wir sollen senkrecht die Wand hochfahren.
Das E-Bike ächzt. Ich ächze gleich mit.
Mitten in einer dieser Steigungen laufen vor uns zwei Fußgänger. Ich klingele. Ich rufe. Aber sie gehen nicht zur Seite. Schließlich muss ich mitten am Berg anhalten.
Und damit ist Feierabend.
Keine Chance, wieder anzufahren.
Also schiebe ich das Rad den Berg hinauf und denke oben angekommen, mein Herz springt mir gleich aus der Brust. Zum Glück steht dort eine Bank. Ich lasse mich darauf fallen, trinke erst einmal etwas – und dann wird gegoogelt:
Wie war das noch mal mit der Schiebehilfe beim Bosch-Motor?
Ich wusste es schon einmal. Irgendwann. Irgendwo. Aber mein Gehirn hat wohl beschlossen, diese Information nicht dauerhaft zu speichern. ๐
Weiter geht es. Rauf und runter, rauf und runter. Immerhin haben wir zwischendurch wunderschöne Blicke auf den Twistesee. Aber ganz ehrlich: In diesem Moment könnte er auch türkisblau in der Südsee liegen – ich würde wahrscheinlich nur denken: Wo ist hier der nächste ebene Radweg? ๐
Irgendwann erreichen wir das Ende des Sees und die Straße. Neben der Bundesstraße gibt es zunächst tatsächlich einen Radweg.
Gott sei Dank!
Nur leider hört der irgendwann auf.
Natürlich.
Also Zähne zusammenbeißen und ein Stück auf die Bundesstraße. „Ist ja nicht weit“, denken wir.
Noch so ein Satz, den wir dringend aus unserem Wortschatz streichen müssen.
Es zieht sich nämlich endlos. Und natürlich geht es wieder bergauf.
Hatten wir nicht irgendwann auf dieser Reise gesagt, dass wir uns jetzt mal eine Gegend ohne Berge aussuchen?
Hat hervorragend geklappt. ๐คฃ๐คฃ
Als wir einen kleinen Rastplatz entdecken, ist Schluss. Pause! Wasser trinken, durchatmen, Beine beruhigen. Was essen.
Dann sehen wir Fußgänger aus einem Waldweg kommen. Wir fragen, ob dieser Weg nach Bad Arolsen führt.
Ja!
Also hinein in den Wald – und dieses Mal haben wir Glück. Der Weg bringt uns tatsächlich direkt in die Stadt und schließlich stehen wir mitten in Bad Arolsen.
Und plötzlich hat sich die ganze Plackerei doch ein bisschen gelohnt. โค๏ธ
Bad Arolsen ist eine ehemalige Residenzstadt der Fürsten zu Waldeck und Pyrmont. Die heutige barocke Stadtanlage entstand ab dem frühen 18. Jahrhundert nach Plänen des Baumeisters Julius Ludwig Rothweil. Bis 1918 war Arolsen Regierungssitz des selbstständigen Fürstentums Waldeck. Seit 1997 darf sich die Stadt offiziell „Bad Arolsen“ nennen.
Das Herzstück ist natürlich das prächtige Residenzschloss. Der Neubau begann Anfang des 18. Jahrhunderts und wurde zum Mittelpunkt der planmäßig angelegten Barockstadt. Hier wurde 1858 auch Prinzessin Emma zu Waldeck und Pyrmont geboren, die später Königin der Niederlande wurde.
Leider ist es inzwischen schon nach 16ll Uhr. Die Schlossführungen finden zu festen Zeiten statt, und wenn wir jetzt noch eine Führung mitmachen, wird es uns für den Rückweg einfach zu spät.
Also muss heute die Außenansicht reichen. Schade – aber man muss sich ja schließlich noch etwas für einen zweiten Besuch aufheben.
Dafür schauen wir uns die Innenstadt an. Ein bisschen hier gucken, ein bisschen dort shoppen – und vor allem fallen uns die vielen Blumen auf. ๐ธ๐บ Überall blüht und grünt es, und dadurch wirkt die Stadt wunderbar freundlich und einladend.
Und nach dieser Tour haben wir uns eines ganz sicher verdient:
Eis und Cappuccino! ๐ฆโ
Danach müssen wir allerdings wieder zurück nach Volkmarsen.
Aber eines steht fest:
Nicht auf demselben Weg!
Diesmal darf Google den Radweg aussuchen. Am Anfang sind wir schon wieder etwas skeptisch, denn kilometerweit geht es durch den Wald.
„Wo sind wir denn jetzt schon wieder gelandet?“
Aber siehe da – Google macht seine Sache dieses Mal tatsächlich gut. Der Weg ist vernünftig fahrbar und bringt uns ohne weitere größere Abenteuer zurück.
Gegen 18 Uhr rollen wir wieder am Wohnmobil ein.
Geschafft! ๐ฒ๐ช
Erst einmal Beine hoch und ein bisschen ausruhen. Aber irgendwann meldet sich der Hunger. Also holen wir die Kochplatte nach draußen, Pfanne drauf, Pilze hinein und dazu gibt es noch das halbe Schnitzel von gestern. Improvisierte Wohnmobilküche – und richtig lecker. ๐
Weil es draußen immer noch so schön ist, wird anschließend auch gleich unter freiem Himmel gespült. Erst als es schon fast dunkel ist, räumen wir alles wieder ein und ziehen uns ins Wohnmobil zurück.
Was für ein Tag!
Eigentlich wollten wir heute nur eine kleine, gemütliche Radtour machen.
Geworden ist daraus eine Mischung aus Wald-und-Wiesen-Rallye, Bergprüfung, E-Bike-Härtetest, Schlossbesichtigung von außen, Stadtbummel und Cappuccino-Tour. ๐Das reicht für heute
Füße hoch. Gemütlicher Abend. ๐ฅฐ
Und morgen?
Morgen geht’s weiter! ๐๐จRead more
Volkmarsen
Sep 27โ29 in Germany โ
โ๏ธ 23 ยฐC
Heute Morgen sind wir tatsächlich schon um 9:30 Uhr abfahrbereit. Wir werden immer flotter! Langsam spielt sich alles ein und jeder weiß, was zu tun ist.
Ich schicke Gitti zum Bezahlen. Nicht ganz uneigennützig, denn ich weiß inzwischen: Unter 20 Minuten kommt man da nicht wieder raus. ๐ In der Zeit kann ich ganz in Ruhe den Strom abklemmen, Kabel verstauen und alles erledigen, was vor der Abfahrt noch so anfällt. Als Gitty wiederkommt, ist auch das Wohnmobil startklar – und los geht’s.
Heute bewegen wir uns eindeutig westwärts, denn am Donnerstag wollen wir zum Stammtischtreffen im Münsterland sein. Bis dahin möchten wir noch ein- oder zweimal Station machen. Den größten Teil der Strecke will ich aber heute hinter mich bringen. Schließlich ist Sonntag – und was gibt es Schöneres, als auf der Autobahn unterwegs zu sein, wenn die vielen Lkw Pause haben?
Über die A71 und die A38 geht es ganz entspannt durch Südharz und Nordhessen. Viele bekannte Städte und Orte ziehen an uns vorbei. Normalerweise würde ich wahrscheinlich schon wieder überlegen: Da könnten wir doch eigentlich auch noch … Aber nein. Die müssen diesmal warten. Man kann schließlich nicht überall anhalten.
Unser heutiges Ziel heißt Volkmarsen im Waldecker Land.
Das Waldecker Land ist eine dieser Gegenden, die landschaftlich ziemlich viel zu bieten haben: Wälder, sanfte Hügel, Fachwerkorte und vor allem jede Menge Wasser. Edersee, Diemelsee und Twistesee gehören zu den bekanntesten Zielen der Region. Dazu kommen der Nationalpark Kellerwald-Edersee und gleich zwei Naturparks. Kein Wunder also, dass hier Wanderer und Radfahrer reichlich Möglichkeiten finden.
Als wir in Volkmarsen ankommen, stellen wir fest, dass wir offenbar nicht die Einzigen sind, die diesen Platz kennen. Der Stellplatz ist schon richtig gut besucht. Gerade einmal zwei Plätze sind noch frei. Aber einer davon gehört jetzt uns. ๐
Volkmarsen selbst ist übrigens eine über 750 Jahre alte Stadt mit heute knapp 7.000 Einwohnern. Hoch über ihr thront die Kugelsburg, das Wahrzeichen der Stadt. Sie wurde um 1200 erbaut, später mehrfach umkämpft und im Siebenjährigen Krieg zerstört. Vom Turm der heutigen Burgruine hat man einen weiten Blick über Volkmarsen und das Waldecker Land. Auch in der Stadt gibt es einiges zu entdecken: alte Stadtmauerreste, das gotische Steinhaus, Kirchen und Kapellen sowie die Pfortemühle.
Aber das alles interessiert uns heute erst einmal herzlich wenig. ๐
Denn kaum stehen wir, kommen die Stühle raus.
Der Himmel ist blau, die Sonne strahlt und Ende September fühlt es sich tatsächlich noch einmal richtig nach Sommer an. โ๏ธ Wir schauen uns an und sind uns sofort einig:
Heute lassen wir einfach mal alle fünfe gerade sein.
Keine Fahrräder. Keine Sehenswürdigkeiten. Kein Programm.
Nur Sonne. Lesen. Hörbuch hören. Dösen. Und überhaupt gar nichts müssen.
Herrlich! โค๏ธ
Nach den vielen Unternehmungen der letzten Tage tut so ein Nachmittag einfach gut. Und auch mir geht es endlich wieder etwas besser. Der Husten lässt langsam nach, Kopf- und Gliederschmerzen sind verschwunden und auch das Fieber ist weg. Jetzt kann es eigentlich nur noch aufwärtsgehen. Hoffe ich jedenfalls. ๐
Erst gegen 18 Uhr bekommen wir wieder Bewegungsdrang – allerdings nur so viel, wie unbedingt nötig ist, um etwas zu essen zu bekommen. Praktischerweise müssen wir dafür nicht weit laufen. Direkt gegenüber gibt es deftige Küche, und genau danach ist uns heute.
Natürlich schaffen wir es wieder einmal, etwas zu bestellen, das mengenmäßig locker für eine Großfamilie gereicht hätte. ๐ Also wandert die andere Hälfte mit ins Wohnmobil. Damit wäre das Essen für morgen auch schon gesichert. Man muss die Dinge schließlich positiv sehen.
Der Stellplatz gefällt uns richtig gut. Alles ist sehr gepflegt und die gute Belegung zeigt wohl auch, dass er beliebt ist. Ein bisschen gewöhnungsbedürftig finde ich allerdings, dass man hier für vieles einzeln bezahlen muss. Aber so ist das eben: Jeder Stellplatz hat sein eigenes System.
Für heute gibt es jedenfalls nichts mehr zu berichten – und genau das ist eigentlich das Schöne an diesem Tag. โค๏ธ
Morgen soll wieder etwas mehr passieren. Dann schwingen wir uns auf die Räder, schauen uns Volkmarsen genauer an und vielleicht führt uns die Tour sogar weiter Richtung Bad Arolsen und Twistesee. Das würde jedenfalls gut passen: Eine ausgeschilderte Diemel-Twiste-Runde verbindet unter anderem Volkmarsen, Bad Arolsen und den Twistesee.
Aber das entscheiden wir morgen.
Heute genießen wir einfach noch ein bisschen diesen herrlichen Spätsommertag. โ๏ธ๐โค๏ธRead more
โVon der Finnebahn ins Abenteuer โ
September 26 in Germany โ
โ๏ธ 22 ยฐC
oder: Warum einfach auch langweilig wäre“
Heute Morgen verschlafen wir erst einmal gründlich. Dabei scheint die Sonne schon vom strahlend blauen Himmel. โ๏ธ Aber davon sollte man sich nicht täuschen lassen: In der Nacht gehen die Temperaturen auf gerade einmal 2 bis 3 °C herunter und entsprechend frisch ist es am Morgen noch.
Wir lassen uns also Zeit. Frühstücken gemütlich und erst gegen 10:30 Uhr wird es draußen so angenehm, dass wir uns tatsächlich noch eine Weile in die Sonne setzen. Herrlich! So kann ein Tag beginnen.
Doch gegen 13:30 Uhr ist Schluss mit Faulenzen. Ein bisschen Bewegung muss schließlich sein. ๐
Ich habe bei Komoot eine Radtour herausgesucht. Rund 30 Kilometer, moderat – sieht doch perfekt für uns aus. Ein Teil führt über den Finnebahn-Radweg, der auf der Trasse der ehemaligen Finnebahn verläuft. Die Bahn verband einst Kölleda mit Laucha; der Abschnitt Kölleda–Lossa wurde 1914 eröffnet. Nach dem Zweiten Weltkrieg war zumindest auf diesem Teil bald Schluss: 1947 wurden die Gleise als Reparationsleistung demontiert. Heute kann man hier wunderbar radeln. ๐ฒ Die offizielle Radroute führt von Kölleda über Rastenberg in Richtung Lossa und bietet immer wieder weite Ausblicke über das Thüringer Becken.
Bis wir den Einstieg finden, müssen wir ein bisschen suchen, aber dann läuft es wie geschmiert.
Was für eine schöne Strecke! Links und rechts Felder, Wälder und eine Landschaft, die unglaublich weit wirkt. Überall stehen die inzwischen verwelkten Sonnenblumen und warten auf die Ernte. Wie muss das hier erst aussehen, wenn sie im Sommer alle blühen! ๐ป
Immer wieder öffnet sich der Blick über das Thüringer Becken. Und „Becken“ trifft es tatsächlich: eine riesige, offene, überwiegend landwirtschaftlich genutzte Landschaft mit fruchtbaren Böden, weiten Feldern und vergleichsweise wenig Wald. Genau deshalb kann man hier teilweise schauen, bis die Augen nicht mehr weiterwissen.
Es könnte so schön bleiben.
Könnte.
Aber dann lese ich ein Hinweisschild nicht richtig und schwupps – schon verlassen wir den herrlichen Radweg und landen auf einem steinigen Feldweg. ๐ Zum Glück bemerke ich meinen Fehler ziemlich schnell und wir retten uns zurück auf die schöne Finnebahntrasse.
Unsere geplante Tour führt durch kleine Dörfer und immer weiter bergauf. Irgendwann stellen wir fest, dass Komoot offenbar beschlossen hat, uns noch ordentlich Höhenmeter Richtung Hohe Schrecke zu gönnen.
Wir stehen vor einer ziemlich steilen Straße, schauen sie an, schauen uns an – und sind uns erstaunlich schnell einig:
Nö.
Die Hohe Schrecke darf heute ohne uns auskommen. ๐
Dabei ist dieser Höhenzug landschaftlich wirklich etwas Besonderes. Er bildet den nördlichen Rand des Thüringer Beckens und gehört zu den größten zusammenhängenden, weitgehend unzerschnittenen Waldlandschaften Mitteldeutschlands. Große Bereiche bestehen aus alten Buchen- und Eichenmischwäldern.
Wir drehen also um, fahren zurück zur Finnebahn und suchen uns unsere eigene Strecke über kleine Dörfer nach Kölleda.
Die Orte unterwegs wirken wie ausgestorben. Samstagmittag scheint man hier tatsächlich schon die Bürgersteige hochzuklappen. Kein Mensch zu sehen, kaum ein Auto, nichts.
Umso überraschter sind wir, als wir nach Kölleda kommen. Ein hübscher, gepflegter kleiner Ort erwartet uns. Kölleda ist übrigens als Pfefferminzstadt bekannt, denn der Anbau und die Verarbeitung von Pfefferminze und anderen Kräutern haben hier eine lange Tradition.
Mittlerweile sind wir fast drei Stunden unterwegs. Kultur hin, Pfefferminze her – wir brauchen jetzt vor allem zwei Dinge:
โ Kaffee
๐จ Eis
Beides finden wir in einer kleinen italienischen Pizzeria mit Eisdiele. Perfekt!
Und dort treffen wir dann eine Entscheidung, die sich wenig später als – sagen wir einmal – ausbaufähig herausstellt.
Natürlich könnten wir einfach auf demselben schönen Weg zurückfahren.
Aber wer uns kennt, weiß: Das wäre uns viel zu einfach. Schließlich sind wir neugierig und unternehmungslustig. Also machen wir aus der Strecke eine Rundtour und lassen uns von Google Maps einen anderen Rückweg zeigen.
Wir hätten zurückfahren sollen. ๐
Was Google uns als „Weg“ präsentiert, ist über rund fünf Kilometer eine Mischung aus Unterholz, knöchelhohem Gras, Wald, Wiese und der vagen Erinnerung daran, dass hier vielleicht irgendwann einmal ein Weg gewesen sein könnte.
Es ist eine Katastrophe.
Mittlerweile steht die Sonne schon ziemlich tief und wir haben noch etliche Kilometer vor uns. Irgendwann liege ich sogar einmal der Länge nach im Gras. Zum Glück passiert nichts. Ich stehe wieder auf, das Fahrrad lebt auch noch – also weiter.
Endlich erreichen wir Asphalt!
Ich glaube, ich habe mich selten so über eine ganz normale Straße gefreut. ๐
Zwei Kilometer später meldet Google Maps allerdings wieder:
Bitte abbiegen.
Und natürlich geht es erneut in Richtung irgendeines Wald-Wiesen-Forst-Sonstwas-Weges.
Diesmal streike ich.
„So! Jetzt fahren wir Landstraße!“
Das ist zwar ein Stück weiter, aber dafür rollt es. Über kleine Dörfer wie Gutmannshausen, Mannstedt und Hardisleben geht es weiter Richtung Rastenberg. Verkehr? Praktisch keiner. Es ist später Samstagnachmittag und offenbar sind jetzt endgültig alle Bürgersteige hochgeklappt.
Doch wir haben noch ein Problem.
Gittis Akku hat keine Lust mehr zu unterstützen und mein Handy meldet: "Speicher voll" und ich kann keine Videos mehr machen.
Etwa zwölf Kilometer vor Rastenberg beginnt der Akku zu blinken. Ein bisschen Unterstützung gibt er noch, wahrscheinlich aus reinem Pflichtgefühl. Irgendwann ist endgültig Schluss und Gitti muss selbst treten
Und ausgerechnet jetzt kommen natürlich die Berge. ๐ฌ
Eigentlich wollen wir auf dem Rückweg noch bei Edeka in Rastenberg einkaufen. Ein bisschen Abendessen wäre schließlich nicht schlecht. Aber auch hier erleben wir eine Überraschung: Samstag ist bereits um 15:00 Uhr Feierabend.
Na gut.
Dann eben ohne Einkauf.
Als wir endlich wieder am Wohnmobil ankommen, ist es 18:45 Uhr und es dämmert bereits. Den letzten steilen Berg zum Stellplatz muss Gitti ihr Fahrrad hochschieben. Fahren ist ohne Akku schlicht nicht mehr drin.
Und weil wir morgen sowieso weiterziehen wollen, verladen wir die Räder gleich. Vielleicht suchen wir uns als nächstes eine Gegend aus, die ein kleines bisschen weniger bergig ist. ๐ Aus der moderaten Komoottour von 30 km ist eine herausfordernde 50 km Strecke geworden.
Jetzt wollen wir nur noch eins: rein ins warme Wohnmobil!
Wir sind durchgefroren und ziemlich ausgepowert. Umso ungläubiger schauen wir später auf unsere Nachbarn, die gegen 21:30 Uhr bei vielleicht 10 bis 12 °C noch draußen sitzen und Bratwurst essen.
Nein danke. ๐ฅถ
Für uns ist heute Feierabend.
Aber eines steht fest: Es wäre ja auch wirklich ein Wunder, wenn bei uns einmal alles glattginge. Außerdem – was sollte ich dann abends ins Reisetagebuch schreiben?ü
Wir können über unsere Umwege, Fehler und kleinen Katastrophen immer noch gemeinsam lachen.
Und genau das ist doch das Wichtigste. โค๏ธRead more
Rastenberg
September 25 in Germany โ
โ๏ธ 14 ยฐC
50 Kilometer, zwei Navis und ganz viele Nerven ๐
๐๐จ
Was für ein Morgen! โ๏ธ Kein Wölkchen am Himmel, blauer Himmel und Sonnenschein pur. Nach dem Wetterchaos von gestern tut das richtig gut. โ๏ธ๐๐ค๏ธ
Heute verzichten wir auf ein großes Frühstück. Toast, Kaffee, fertig. Schließlich liegen nur knapp 50 Kilometer bis zu unserem nächsten Ziel Rastenberg vor uns. Und so sind wir tatsächlich schon um 9:30 Uhr abfahrbereit. โ๐๐
„Na, dann sind wir ja heute richtig früh am neuen Stellplatz“, denke ich noch. 50 Kilometer – die werden wir ja wohl locker in einer Stunde schaffen. ๐ค๐โ
Denkste! ๐ฑ๐ซ๐
Zunächst läuft alles wunderbar. Breite Straße, schönes Wetter, entspanntes Fahren. Doch dann ist plötzlich die Bundesstraße Richtung Bad Bibra gesperrt. ๐ฃ๏ธโ๏ธ๐
Und damit beginnt das Drama. ๐๐ฐโ
Meine Navis sind sich nämlich überhaupt nicht einig. Das eine will hierhin, das andere dorthin und zwischendurch lande ich erst einmal in irgendeiner Anwohnerstraße, in der ich nun wirklich nichts verloren habe. Nach dem das Garmin beleidigt nichts gescheites mehr von sich gibt überlasse ich Google Maps die Führung. ๐บ๏ธ๐ฑ๐
Ob das eine gute Entscheidung ist? ๐ง๐คโ
Nein. Definitiv nein. โ๐๐ซ
Google Maps scheint heute beschlossen zu haben, uns die Finne besonders ausführlich zu zeigen. Und zwar nicht auf den Straßen, die man mit einem acht Meter langen und 5,5 Tonnen schweren Wohnmobil normalerweise wählen würde. Wir fahren über Höhenzüge, durch Wald und über Straßen, bei denen ich mich frage, ob man sie überhaupt als Straßen bezeichnen darf. Schmal, schmaler, am schmalsten. Dazu 10 Prozent Steigung und Gefälle, Serpentinen und natürlich Gegenverkehr. ๐ฒ๐โฐ๏ธ
Ausgerechnet ein Bus kommt uns entgegen. ๐ณ๐๐ง
Irgendwie geht es. ๐๐ฎโ
Die Landschaft wäre eigentlich wunderschön. Die Finne ist ein bewaldeter Höhenzug am nordöstlichen Rand des Thüringer Beckens. Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper prägen diese alte Landschaft, dazu kommen Wälder, Hügel und tief eingeschnittene Täler. Von den Höhen öffnen sich immer wieder weite Blicke ins Thüringer Becken. ๐ณ๐๏ธ๐
Ich allerdings habe heute wenig Augen für geologische Schönheiten. Meine Augen kleben auf der Straße. ๐๏ธ๐๐ฃ๏ธ
Und als ich denke: Schlimmer kann es jetzt eigentlich nicht mehr werden, wird es natürlich schlimmer. ๐๐ฌ๐
Wir kommen in eines dieser kleinen Dörfer, durch die sich die Straße zwischen den Häusern hindurchquetscht. Steil bergauf, eine enge Kurve – und dann ist Schluss. ๐๏ธ๐๐
Da steht ein Auto. ๐๐ค
So, dass ich mit meinem Dickschiff definitiv nicht vorbeikomme. ๐๐๐ฐ
Was bleibt mir übrig? ๐คทโ๏ธ๐ค๐ญ
Hupen. ๐ฃ๐ ๐ข
Irgendwann erscheint der Besitzer und ist, sagen wir mal, nicht gerade erfreut. Ob wir denn nicht alle Tassen im Schrank hätten und überhaupt und sowieso … Ich lasse die Tirade über mich ergehen. Hauptsache, er fährt sein Auto weg. ๐ก๐ฃ๏ธ๐
Das tut er zum Glück auch. ๐ค๐โ
Aber natürlich kommt genau in diesem Moment von oben das nächste Auto. ๐๐ฑโ ๏ธ
Ich bleibe einfach stehen. ๐๐โ
Keine Diskussion. ๐
โ๏ธ๐ค๐ซ
Ich lege kurz den Kopf aufs Lenkrad und denke nur: Ich will hier raus! ๐ ๐๐จ
Das Auto schafft es irgendwie an uns vorbei. Ich will gerade weiterfahren – da kommt ein Taxi. ๐๐
Das quetscht sich schließlich über den kleinen Bürgersteig an uns vorbei. ๐ฃ๏ธ๐คจ
Und dann gibt es für mich nur noch eines: ๐ฆ๐ค
Gas und nix wie weg hier! ๐โ๏ธ๐จ
Ganz im Ernst: Das ist heute das Schlimmste, was ich mit dem Wohnmobil bisher gefahren bin. Schlimmer können die Bergdörfer in Süditalien eigentlich auch nicht sein. ๐โฐ๏ธ
Oder doch? Ich möchte es lieber nicht ausprobieren. ๐ ๐คทโ๏ธ
Die Umleitung führt weiter durch eine ganze Kette kleiner Dörfer. Viele Orte hier tragen diese typischen Namen mit -roda am Ende. „Roda“ geht auf eine Rodung zurück – also auf Siedlungen, die dort entstanden, wo Wald gerodet und Land urbar gemacht wurde. Und Wald gab und gibt es hier schließlich reichlich. ๐ฒ๐ณ
Zwischendurch wird die Straße tatsächlich mal wieder breiter und als ich endlich die B 176 erreiche, atme ich auf. ๐๐ฃ๏ธ
Jetzt kann eigentlich nichts mehr passieren. ๐โจ
Dieser Satz gehört ab sofort auf meine persönliche Liste der Sätze, die man auf keinen Fall denken sollte. ๐๐ซ
Denn irgendwann geht es wieder von der Bundesstraße herunter Richtung Stellplatz. Wieder werden die Straßen schmaler, dann geht es durch den Wald und zum Schluss noch einmal ordentlich den Berg hinauf. ๐ฒ๐ข
Aber dann: ๐๏ธ๐ฏ
Geschafft! ๐ ๐ฅณ
Wir sind da. ๐๐
Der Stellplatz liegt wunderbar ruhig draußen im Grünen und hat alles, was wir brauchen. Dazu gehört offenbar auch ein sehr redefreudiger Stellplatzbetreiber. ๐ ๐ณ๐ฟ
Er begrüßt uns herzlich und erklärt uns alles. Wirklich alles. Und dann noch ein bisschen mehr. Brötchen, Wege, Schwimmbad, Rastenberg und was wir unbedingt noch sehen müssen. ๐๐ฃ๏ธ
Nur verstehe ich leider höchstens die Hälfte. Dieses Thüringisch ist für meine westfälischen Ohren doch eine kleine Herausforderung. Ich nicke also an den richtigen Stellen freundlich und hoffe, dass ich nichts Wichtiges verpasse. ๐๐ค
Aber er meint es gut. Und vor allem: Wir stehen! ๐๐
Jetzt brauche ich erst einmal Kaffee. โ Und ein zweites Frühstück. ๐ฅโจ
In der Sonne sitzen, durchatmen und den Puls wieder auf Normalbetrieb bringen. Herrlich. โ๏ธ๐งโ๏ธ
Gegen 14 Uhr nehmen wir die Räder vom Träger und fahren die knapp zwei Kilometer nach Rastenberg. Der Weg führt am Waldschwimmbad vorbei, auf das unser Stellplatzbetreiber zu Recht mächtig stolz ist. ๐ฒ๐โ๏ธ
Und das ist tatsächlich etwas Besonderes: Das Waldschwimmbad wurde 1925 angelegt und besitzt eine Wasserfläche von fast 5.000 Quadratmetern. Mit seinen historischen Umkleidekabinen und der Wandelhalle gilt es heute als Denkmal unter den Thüringer Freibädern. ๐๏ธ๐
Rastenberg selbst ist ein kleines Landstädtchen, das sich regelrecht an die bewaldeten Hänge der Finne kuschelt. Bereits 1070 wird der Ort erstmals urkundlich erwähnt. Besonders spannend finde ich, dass Rastenberg schon vor Jahrhunderten ein Bade- und Kurort war. Im 17. Jahrhundert wurden hier Heilquellen entdeckt, deren Wasser zeitweise Menschen von weit her anzog. ๐ฐ๐ง
Später entstanden Badehaus, Kurhaus und Kurpark. 1936 wurde Rastenberg sogar als Luftkurort anerkannt. ๐ณโ๏ธ๐๏ธ
So viel große Geschichte hätte ich diesem kleinen Ort gar nicht zugetraut. ๐ฒ๐โจ
Denn auf den ersten Blick ist Rastenberg wirklich überschaubar. ๐๐ก๐๏ธ
Kirche. Rathaus. Edeka. Ein paar hübsche Häuser und kleine Straßen. โช๏ธ๐๐๏ธ
Und dann? ๐ค๐ญ๐ถ
Dann sind wir eigentlich auch schon durch. ๐ ๐๐
Ich hatte mir ehrlich gesagt ein bisschen mehr darunter vorgestellt. Aber das macht nichts. Wir stellen die Räder ab und bummeln einfach zu Fuß weiter. Kein Programm, kein Muss, kein „Das müssen wir unbedingt noch sehen“. ๐ฒ๐ฃ๐
Nur Sonne, kleine Straßen und ein bisschen schauen. โ๏ธ๐๏ธ๐
Und manchmal sind genau diese Nachmittage die schönsten. Nach dem aufregenden Vormittag tut es richtig gut, einfach nur durch den Ort zu schlendern. ๐๐ผ๐ถโ๏ธ
Natürlich endet unser Spaziergang irgendwann dort, wo ein ordentlicher Urlaubsspaziergang enden muss: ๐ฆ๐ฆโจ
in der Eisdiele. ๐ฆ๐๐จ
Gegen 17 Uhr radeln wir gemütlich zurück zum Stellplatz und genießen dort noch die letzten warmen Sonnenstrahlen. Was für ein Unterschied zum Vormittag! ๐๐ฒโ๏ธ
Erst Serpentinen, enge Dörfer, Busse, Autos, Taxi und mein Kopf auf dem Lenkrad – und jetzt sitze ich friedlich in der Sonne. ๐๏ธ๐๐ง
Am Abend gibt es Reibekuchen zu essen, danach ziehen wir uns ins Wohnmobil zurück. Draußen wird es langsam kalt und drinnen beginnt der gemütliche Teil des Tages. ๐ฅ๐๐
Und natürlich schreibe ich mein Reisetagebuch. โ๏ธ๐โจ
Denn diesen Tag muss ich festhalten. ๐โ
๐ญ
Schon allein, damit ich mich später daran erinnere: ๐ง ๐ก๐ฐ๏ธ
Wenn das Navi sagt „schnellste oder schönste Route“, heißt das noch lange nicht „beste Route für einen E-Liner“. ๐๐๐บ๏ธ
โค๏ธ Emotion des Tages: Von „Ach, die 50 Kilometer fahren wir doch eben“ über „Ich will hier nur noch raus!“ bis „Wie schön kann so ein ruhiger Stellplatz sein?“ ๐ฅฐ๐โจRead more

TravelerIn den USA ist die Grรถรe gang und gรคbe, die stellen das Mobil dann aber auch einfach fรผr einige Zeit ab und machen alles mit dem Pkw, den sie auch dabeihaben ๐ค

Womofriends-on-tourDas Auto wird durch Rรคder ersetzt und eigentlich will ich solche Straรen schon gar nicht fahren. Aber wenn man sich nicht auskennt und auf das Navi angewiesen ist.....dann passieren solche Sachen.Das kenne ich noch von frรผher bei den Touren zusammen mit Michael. Nur da war ich Beifahrer und fand das alles spannend...
Kuchen, Kerzen & Thรผringer Bratwurst ๐
September 24 in Germany โ
๐ง 12 ยฐC
Als ich heute Morgen wach werde, überlege ich tatsächlich einen Moment: Da war doch was? Ach ja – ich habe Geburtstag. ๐
Mein erster Geburtstag ohne meinen Michael. โค๏ธ Und genau deshalb möchte ich diesen Tag auf keinen Fall allein zu Hause verbringen. Auch ein Grund, warum ich unsere Reise durch Saale-Unstrut ganz bewusst um dieses Datum herum geplant habe.
Und dann erwartet mich heute Morgen eine richtige Überraschung. Gitti hat, bevor ich überhaupt aufstehe, einen kleinen Geburtstagskuchen organisiert – wirklich im Mini-Format – dazu Kerzen und ein Geschenk. ๐ Die Kinder haben mir ihr Geschenk schon vor der Reise mitgegeben, sodass ich auch etwas zum Auspacken habe.
So sitze ich hier im Wohnmobil, puste meine Geburtstagskerzen aus und merke: Ich bin heute nicht allein. Und das tut gut. Sehr gut sogar. โค๏ธ
Das Wetter möchte mir offenbar ebenfalls etwas schenken und hat deshalb gleich die komplette Auswahl eingepackt: Wind, Regen, Sonne – und zwar alles im ständigen Wechsel. ๐ง๏ธ๐จโ๏ธ
Rein in die Klamotten, raus aus den Klamotten. Stühle raus, Stühle wieder rein. Die Markise können wir gar nicht erst ausfahren, denn dafür ist der Wind viel zu stark. Kaum knallt die Sonne vom Himmel und wir haben es uns draußen gemütlich gemacht, dauert es keine Viertelstunde und schon pladdert der nächste Regenschauer herunter.
Typisches Geburtstags-Aprilwetter – nur eben im September.
Trotz dunkel drohender Wolken schwingen wir uns irgendwann auf die Fahrräder. Wir wollen uns Mücheln anschauen und bei der Gelegenheit gleich ein bisschen einkaufen.
Mücheln überrascht mich. Ich habe ehrlich gesagt gar keine so hübsche kleine Altstadt erwartet. Der historische Stadtkern liegt oberhalb des Geiseltalsees und erinnert daran, dass Mücheln sehr viel älter ist als die heutige Seenlandschaft rundherum. Besonders schön finde ich den terrassenförmig angelegten Marktplatz mit seinen alten Häusern. Klein, aber wirklich sehenswert.
Bis wir dort ankommen, müssen wir allerdings erst einmal Google überlisten. ๐
Anfangs läuft alles prima über den Radweg. Doch kurz vor Mücheln verlassen uns die Schilder – und Google Maps entwickelt mal wieder seinen ganz eigenen Humor. Zweimal schickt es uns im Kreis herum und wir landen genau dort, wo wir vorher schon gewesen sind. Beim dritten Versuch sagen wir: Schluss jetzt, wir fragen jemanden!
Und siehe da: Es ist ganz einfach.
Immer geradeaus.
Manchmal ist ein Mensch eben doch die bessere Navigation. ๐
Wir schauen uns in Ruhe die Altstadt an und machen noch ein kurzes Intermezzo in der Apotheke. Diesmal sind meine Augen entzündet. Als wenn die Erkältung und der ganze andere Kram nicht schon reichen würden.
Danach suchen wir den Supermarkt. Auch das ist wieder so eine Sache. Wenn man im Kopf erst einmal beschlossen hat, wo etwas liegen müsste, läuft man erstaunlich konsequent in die falsche Richtung. Irgendwann finden wir den Netto dann doch, kaufen unsere Sachen ein und können einen weiteren Punkt abhaken.
Jetzt fehlt nur noch mein Geburtstagskaffee. โ๐ฐ
Aber Mücheln macht es uns nicht leicht. Nachsaison, Regenwetter – und vieles ist geschlossen. Also fahren wir hinunter Richtung Marina am Geiseltalsee. Der See selbst ist übrigens noch gar nicht so alt: Er entstand aus einem ehemaligen Braunkohletagebau, der nach dem Ende des Bergbaus geflutet wurde. Heute ist daraus eine riesige Freizeit- und Erholungslandschaft mit Radwegen, Stränden, Häfen und sogar Weinbergen geworden. Schon erstaunlich, wie sich eine ganze Landschaft verändern kann.
An der Marina bekommen wir tatsächlich noch einen Cappuccino und ein bisschen Kuchen. Viel los ist hier nicht. Eigentlich ist eher tote Hose. Aber egal:
Geburtstagskaffee ist Geburtstagskaffee. ๐โ
Danach radeln wir zurück zum Wohnmobil. Eigentlich möchte ich Gitti heute Abend noch zum Essen einladen. Aber als wir uns Regen, Dunkelheit und Kälte anschauen und daran denken, die ganze Strecke noch einmal mit dem Fahrrad zurückzufahren, überlegen wir ungefähr dreimal.
Nö.
Das verschieben wir lieber. ๐
Dafür gibt es ein ganz besonderes Geburtstagsessen: Thüringer Bratwurst – selbst gegrillt auf Frauenart. ๐
Seit einiger Zeit habe ich meine Induktionsplatte dabei und in Michaels Hinterlassenschaften finde ich eine Grillplatte, die magnetisch ist. Da denke ich mir: Wenn die magnetisch ist, müsste sie doch eigentlich auch auf Induktion funktionieren.
Versuch macht klug.
Und tatsächlich: Es funktioniert wunderbar! Die Thüringer Bratwürste brutzeln auf der Grillplatte, dazu gibt es selbstgemachte Kartoffelecken und Salat. Was will man mehr?
Zum Abschluss stoßen wir noch mit einem Geburtstagssektchen an. ๐ฅ
Und dann wird es gemütlich. Ich bin eine ganze Weile damit beschäftigt, mich für die vielen lieben Geburtstagsglückwünsche zu bedanken und mein Reisetagebuch zu schreiben. Gitti telefoniert mit ihrem Mann und hört anschließend Hörbuch.
Ganz allein stehen wir inzwischen übrigens auch nicht mehr. Seit heute Nachmittag steht uns gegenüber ein kleiner selbst ausgebauter Van. Aber auch dessen Bewohner verschwinden angesichts des Wetters ziemlich schnell in ihrem rollenden Zuhause.
Und so geht ein Geburtstag zu Ende, den ich vorher mit etwas gemischten Gefühlen betrachtet habe.
Natürlich fehlt jemand. Sehr sogar. โค๏ธ
Aber gleichzeitig bin ich dankbar, dass ich diesen Tag unterwegs verbringen kann, mit einer lieben Freundin an meiner Seite, mit Kuchen und Kerzen am Morgen, einer kleinen Radtour, Cappuccino am Geiseltalsee, Thüringer Bratwurst vom improvisierten Induktionsgrill und einem Glas Sekt am Abend.
Manchmal muss ein Geburtstag gar nicht perfekt sein.
Er muss sich nur ein bisschen nach Leben anfühlen. โค๏ธ
Morgen ziehen wir weiter. Ich hoffe, dass wir in Rastenberg einen schönen Stellplatz bekommen.
Aber davon erzähle ich morgen. ๐๐จRead more

TravelerAlles Liebe und Gute fรผr Dich und schรถn, das Du diesen Tag so verlebt hast๐ Alles andere wรผrde nicht passen ๐
Vom Tagebau zum Weingenuss ๐๐ฒ
September 23 in Germany โ
โ๏ธ 14 ยฐC
Heute ist nichts mit lange schlafen. Heute müssen wir pünktlich raus, denn es soll weitergehen. Und ausgerechnet heute lacht die Sonne schon am Morgen vom blauen Himmel. โ๏ธ Na wunderbar – kaum fahren wir weiter, wird das Wetter richtig schön.
Um 10:00 Uhr sind wir tatsächlich startklar. Alles ist weggeräumt, eingepackt, verzurrt und verstaut – eben all das, was man vor der Abfahrt mit dem Wohnmobil so erledigen muss. Das Frühstück fällt dafür etwas dürftig aus: ein Toast und eine Tasse Kaffee. Das muss erst einmal reichen.
Weit haben wir es heute sowieso nicht. Knapp 50 Kilometer liegen zwischen Bad Sulza und unserem nächsten Ziel, dem Geiseltalsee. Dort habe ich einen Stellplatz in der Nähe des Sees herausgesucht: „Im Weinberg“. Klingt doch schon mal vielversprechend. ๐
Wir fahren zunächst ein gutes Stück unserer bekannten Strecke zurück und dann über die B 180 und B 176 Richtung Mücheln.
Und natürlich gibt es unterwegs wieder eine neue Folge aus der Serie:
„Ich muss mein Auto kennenlernen.“ ๐
Heute lautet das Thema: Wie breit ist mein E-Liner wirklich?
Gleich dreimal wird es eng. Einmal am Lkw, einmal an einem ziemlich blöd abgestellten Kleintransporter und schließlich in einer engen Dorfstraße. Beim letzten Mal springt Gitty schon leicht angstbesetzt aus dem Wohnmobil, um den Fahrer des Kleintransporters zu suchen. Aber der denkt gar nicht daran, aufzutauchen.
Was nun?
Hinter mir wartet inzwischen der Verkehr, rechts ist ein ziemlich hoher Bordstein, über den ich mit meinem Dickschiff auf keinen Fall fahren möchte, und links steht dieser blöde Transporter.
Also gut.
Tief Luft holen und Zentimeter für Zentimeter vorarbeiten.
Ein bisschen links. Noch ein bisschen. Spiegel beobachten. Rechts gucken. Wieder links.
Und tatsächlich: Es passt!
Gefühlt mit drei Millimetern Luft, tatsächlich werden es wohl ein paar mehr gewesen sein. ๐
Am Ende kann ich mir wieder einmal selbst auf die Schulter klopfen. Mein E-Liner und ich – wir wachsen langsam zusammen. ๐ช๐
Ein See, wo früher keiner war
Kurz darauf erreichen wir den Geiseltalsee. Und was wir da vor uns haben, ist eigentlich kaum zu glauben. Dieser riesige See ist nämlich keine Laune der Natur, sondern das Ergebnis einer gewaltigen Landschaftsveränderung.
Mehr als 300 Jahre lang wird im Geiseltal Braunkohle abgebaut. Ganze Orte müssen dem Tagebau weichen. 16 Ortschaften verschwinden durch den Bergbau. Erst 1993 endet die Kohleförderung. Zehn Jahre später, 2003, beginnt die Flutung des riesigen Tagebaurestlochs, die 2011 abgeschlossen ist. Heute breiten sich hier rund 18,4 Quadratkilometer Wasserfläche aus, an manchen Stellen ist der See bis zu 78 Meter tief.
Wenn man heute hier entlangradelt, kann man sich kaum vorstellen, dass hier einmal riesige Bagger arbeiten und Kohlezüge fahren. Inzwischen gibt es Wälder, Wiesen, Naturschutzflächen, Marinas, Strände und jede Menge Vögel. Aus einer Bergbaulandschaft ist eine richtige Freizeit- und Naturlandschaft geworden.
Unseren Stellplatz finden wir problemlos – und er ist total leer.
Was macht man auf einem leeren Stellplatz?
Natürlich dreimal umparken. ๐
Wenn man schon die freie Auswahl hat, muss schließlich alles stimmen: Sonne, Fernsehempfang, Aussicht, Türseite, Windrichtung und was einem sonst noch so einfällt.
Irgendwann stehen wir.
Dann schauen wir uns die Sanitäranlagen an. Sagen wir mal so: etwas abenteuerlich. ๐ Nicht unbedingt das, was man unter Hochglanz-Camping versteht, aber alles ist da, alles funktioniert und alles ist im Preis enthalten. Also bleiben wir.
Und jetzt holen wir erst einmal unser Frühstück nach. Direkt an unserem Platz gibt es eine Weinlaube, in der wir wunderschön sitzen können. Danach ist erst einmal Nichtstun angesagt.
Sonne. Beine hoch. Herrlich. โ๏ธ
Das muss schließlich auch mal sein.
Einmal rundherum – kann ja nicht so schlimm sein ๐ฒ
Gegen 14:00 Uhr holen wir die Räder runter. Praktischer geht es kaum: Wir öffnen nur das Tor vom Stellplatz und stehen praktisch schon auf dem Geiseltalsee-Radweg.
Also los.
Wir wollen einmal rund um den See. Gut 30 Kilometer – das klingt doch gemütlich.
Seeumrundung bedeutet schließlich: flach.
Denke ich.
Falsch gedacht. ๐
Nach ungefähr fünf Kilometern wartet schon eine ordentliche Steigung auf uns. Da oben liegt nämlich der Weinberg „Goldener Steiger“.
Weinberg!
Das Wort hätte mir eigentlich zu denken geben müssen.
Also strampeln wir bergauf, aber die Mühe lohnt sich. Oben erwartet uns eine wunderschöne Straußwirtschaft. Wir sitzen draußen unter Weinreben, schauen über den See und bestellen natürlich einen Wein.
Was sonst? ๐ท
Unser Müller-Thurgau vom Goldenen Steiger schmeckt richtig lecker. Vielleicht liegt es am Wein, vielleicht an der Sonne oder einfach an dieser Aussicht – wahrscheinlich an allem zusammen.
Und dieser Weinberg ist etwas ganz Besonderes. Erst im Jahr 2000 beginnt die Familie Reifert hier mit dem Weinbau. Der Südhang hat teilweise rund 30 Prozent Neigung, und der große See wirkt sich günstig auf das Kleinklima aus: Er reflektiert zusätzlich Sonnenlicht und mildert Frost. Ausgerechnet auf ehemaligem Tagebaugelände wachsen heute Reben – schöner kann man den Wandel vom Bergbau zum Weinbau eigentlich kaum zeigen.
Der „Goldene Steiger“ wird 2020 sogar als „Schönste Weinsicht“ ausgezeichnet.
Wir sitzen bestimmt eine Dreiviertelstunde dort.
Vielleicht auch länger.
Auf jeden Fall lange genug, dass die Motivation zum Weiterfahren anschließend nicht unbedingt größer ist. ๐
Aber hilft ja nichts.
Mut, Mutter! Weiter geht’s.
Und tatsächlich kommt die Lust aufs Radeln schnell zurück. Der Weg ist einfach klasse: wunderbar asphaltiert, fast kein Autoverkehr, viel Grün und immer wieder öffnet sich der Blick auf dieses unglaublich blaue Wasser.
Was für ein toller Radweg! ๐ฒ๐
Zwischendurch gibt es natürlich doch noch ein paar Steigungen. Bei einer Abfahrt kommen uns Radfahrer entgegen, die ihre Räder bergauf schieben.
Ich muss grinsen.
Wer sein Rad liebt, der schiebt.
Wir zum Glück nicht. Noch nicht. ๐
Wir kommen am Schloss Frankleben vorbei, fahren aber weiter. Vielleicht haben wir morgen noch Zeit, uns das genauer anzusehen.
Später erreichen wir die Marina Braunsbedra. Alles wirkt modern und großzügig angelegt, Boote liegen im Hafen und die Sonne glitzert auf dem Wasser.
Mittlerweile ist der Nachmittag schon ziemlich fortgeschritten – und unsere Mägen melden sich.
Warum also nicht gleich unterwegs zu Abend essen?
Die Idee ist gut. Das Angebot zunächst weniger. Pizza, Pizza und noch einmal Pizza.
Darauf haben wir heute keine Lust.
Also wird schnell gesucht und Richtung Braunsbedra finden wir schließlich einen Dönerladen.
Und damit gibt es heute Abend ganz stilecht:
Döner am Geiseltalsee. ๐
Kein Sterne-Menü, aber lecker – und vor allem sitzen wir noch einmal draußen in der Sonne.
Und wo ist jetzt unser Stellplatz?
Langsam sinkt die Sonne tiefer und damit auch die Temperatur. Also machen wir uns auf den Heimweg.
Eigentlich denken wir, unser Stellplatz müsste jetzt gleich irgendwo um die Ecke liegen.
Pustekuchen!
Da kommen noch einige Kilometer.
Unterwegs erreichen wir sogar noch die Marina Mücheln, die wunderschön im Abendlicht liegt. โต๐
Aber jetzt wird es wirklich frisch. Sobald die Sonne verschwunden ist, merkt man eben doch, dass wir Ende September haben.
Also treten wir noch einmal kräftig in die Pedale.
Und irgendwann taucht tatsächlich unser Stellplatz auf.
Gut 30 Kilometer stehen am Ende auf dem Tacho. Einmal komplett um den Geiseltalsee. ๐ฒ๐ช
Und ich muss sagen: Das hat sich richtig gelohnt.
Was für eine Landschaft! Wenn man nicht weiß, dass hier einmal Braunkohle abgebaut wurde, würde man niemals darauf kommen. Wo früher Bagger die Erde aufreißen, fahren wir heute durch grüne Landschaft, schauen auf Segelboote und trinken Wein an einem sonnenverwöhnten Hang.
Vom Tagebau zum See.
Von der Kohle zum Wein.
Das ist schon eine ziemlich beeindruckende Geschichte.
Zurück am Wohnmobil heißt es nur noch: Räder versorgen und ab ins Warme. Wir sind zum Schluss doch ordentlich durchgefroren. ๐ฅถ
Ich probiere noch einmal unsere etwas abenteuerlichen Sanitäranlagen aus. Aber was soll’s: Wasser ist da, warm ist es auch – und mehr braucht der Mensch manchmal gar nicht. ๐
Jetzt sitze ich im warmen Wohnmobil, schreibe meinen Reisebericht und merke, wie mir langsam die Augen zufallen.
Ich glaube, heute muss mich niemand ins Bett schicken.
Gute Nacht vom Geiseltalsee. ๐๐
#Geiseltalsee #Mücheln #Braunsbedra #GoldenerSteiger #SaaleUnstrut #Weinregion #MüllerThurgau #VomBergbauZumWeinbau #Radreise #GeiseltalseeRadweg #Wohnmobilreise #WomofriendsUnterwegs #MädelsOnTour #Wohnmobilleben #Herbsttour #EinmalRundUmDenSee ๐๐ฒ๐๐ท๐Read more

TravelerIn Braunsbedra am Aussichtsturm, keine 100 m weiter an der Straรe befindet sich ein Lokal mit Biergarten und bรผrgerlicher Kรผche.
Louise und die Toscana Therme
September 22 in Germany โ
โ๏ธ 15 ยฐC
Eigentlich wollen wir weiter … aber dann kommt Louise dazwischen
Eigentlich soll es heute weitergehen. Eigentlich. Aber dieses kleine Wort ist auf Reisen ja bekanntlich ziemlich dehnbar.
Schon gestern Abend beschließen wir, Bad Sulza noch einen weiteren Tag zu schenken – oder vielleicht schenkt Bad Sulza ihn auch uns. Mir geht es mit meiner Erkältung noch immer nicht wirklich gut und außerdem gibt es hier noch einiges zu entdecken, was wir bisher überhaupt nicht geschafft haben.
Also lautet das Motto für heute: ruhig machen! Keine Kraftanstrengung, keine Heldentaten. Die geplante Wanderung durch die Weinberge zum Sonnenberg fällt deshalb gnadenlos dem Rotstift zum Opfer. Die Weinberge laufen uns schließlich nicht weg.
Wir schlafen wieder ziemlich lange und als ich morgens aufwache, würde ich am liebsten überhaupt nicht aufstehen. Aber irgendwann muss der Mensch ja raus aus den Federn.
Gitty ist dagegen erstaunlich tatendurstig. – zumindest, was die Wäsche betrifft. Sie hat die Erkältung zum größenteil überstanden. Wenn wir sowieso noch einen Tag hier stehen, meint sie, könnten wir schließlich auch gleich die Betten abziehen. Na wunderbar. ๐
Also wandert noch eine Waschmaschine voll Wäsche in die Maschine. Urlaub kann so romantisch sein.
Thüringer Bratwurst statt Wanderung ๐ญ
Gegen Mittag wagen wir uns zu einem kleinen Spaziergang. Weit müssen wir zum Glück nicht, denn unser Ziel ist die Imbissbude mit der Thüringer Bratwurst.
Und die ist wirklich richtig lecker! Dazu Pommes – und damit ist auch gleich die Frage geklärt, was wir heute Abend kochen. Nämlich gar nichts. Sehr praktisch.
Zurück am Wohnmobil sehen wir, dass inzwischen auch das Gradierwerk „Louise“ geöffnet hat. Das liegt praktisch vor unserer Haustür, also schauen wir uns das natürlich noch an.
Das Gradierwerk gehört zu den Überbleibseln der langen Salz- und Kurtradition von Bad Sulza. Über die Reisigwände rieselt Sole herab, dabei entsteht rundherum eine feuchte, salzhaltige Luft – fast ein bisschen wie Meeresluft mitten in Thüringen.
Besonders gespannt sind wir auf die Nebelkammer.
Wir bekommen weiße Umhänge mit Kapuze und verschwinden darin wie zwei Gestalten aus einem etwas merkwürdigen Horror Film. ๐
Dann geht es hinein.
Und tatsächlich: Man sieht nichts. Wirklich nichts. Nicht einmal die Hand vor Augen. Nur kleine Lampen am Boden geben eine Ahnung davon, wohin man gehen sollte. Der feine Solenebel hängt dicht in der Luft und wird tief eingeatmet. Eigentlich soll man sich hier etwa 15 bis 20 Minuten aufhalten.
Es gibt auch Bänke.
Man muss sie nur finden.
Gitty findet eine – und setzt sich prompt neben jemanden, von dem sie fest überzeugt ist, dass ich es bin.
Bin ich aber nicht. ๐
Immerhin sorgt die Nebelkammer nicht nur für die Atemwege, sondern auch für unsere Unterhaltung. Wir
bleiben fast eine halbe Stunde und anschließend geht es noch entlang der Reisigwände des Gradierwerks, über die die Sole langsam hinunterrieselt.
Draußen scheint inzwischen die Sonne von einem herrlich blauen Himmel. Was für ein Unterschied zu den grauen und regnerischen Tagen zuvor! โ๏ธ
Nach gut einer Stunde bei „Louise“ gehen wir zurück zum Wohnmobil – ungefähr 100 Meter. Mehr Bewegung muss heute wirklich nicht sein.
Sonne, Liegestuhl und einfach mal nichts โ๏ธ๐
Wir wollen heute schließlich ruhig machen.
Also Liegestühle raus, Sonne genießen, lesen und Hörbuch hören. Und genau das tut richtig gut.
Aber einen Punkt haben wir noch auf unserer Bad-Sulza-Liste: die Toskana Therme.
Die Seniorenzeit von 10 bis 14 Uhr haben wir natürlich längst verpasst. Ebenso alle möglichen günstigeren Zeiten, wie Happy Hour. Also gehen wir ganz regulär am späten Nachmittag hinein und bleiben bis zum Abend.
Und schon nach kurzer Zeit steht für mich fest:
Allein wegen dieser Therme kann man nach Bad Sulza fahren!
Ich habe wirklich schon viele Thermen gesehen, aber diese hier ist etwas Besonderes.
Mehrere Becken sind mit warmer Sole gefüllt und haben unterschiedliche Salzkonzentrationen. Das Besondere ist aber das sogenannte Liquid Sound: Licht, Klang und warmes Salzwasser verbinden sich miteinander. In einem der Becken schwebt man nahezu schwerelos im Wasser, während ruhige Klänge zu hören sind und Lichtreflexe über die Kuppel wandern.
Hier wird nicht geredet.
Und erstaunlicherweise halten sich tatsächlich alle daran.
Man liegt einfach im warmen Wasser, lässt sich treiben und hört der Musik zu. Mehr muss man gerade gar nicht.
Überhaupt liegt über der gesamten Therme eine wunderbare Ruhe. Keine Hektik, kein Spaßbad-Gewusel. Und als es draußen langsam dunkel wird, werden die Becken stimmungsvoll illuminiert. โจ
Einfach wunderschön.
Auch der Saunabereich ist im Eintritt enthalten. Mit meiner hartnäckigen Erkältung ist Sauna für mich heute allerdings tabu. Dafür nutzen wir die sanfteren Wärmeangebote und die Infrarotwärme. Das reicht vollkommen.
Aus den geplanten zwei Stunden werden schließlich fast drei – und sie vergehen wie im Flug.
Als wir wieder hinauskommen, ist es längst dunkel.
Tütensuppe statt Sterne-Menü ๐ฅฃ
Zurück am Wohnmobil wartet allerdings noch eine kleine Aufgabe auf uns.
Die Betten!
Wer sie morgens abzieht, muss sie abends leider wieder beziehen. Eine dieser unangenehmen Wahrheiten des Lebens. ๐
Auf großes Abendessen hat danach keiner mehr Lust. Also gibt es Tütensuppe und Toast.
Nach Sole-Nebel, Thüringer Bratwurst, Sonne, warmem Salzwasser, Licht und Musik darf das Abendessen ruhig etwas einfacher ausfallen.
Dann heißt es nur noch: Beine hoch.
Die Erkältung soll sich endlich verziehen. Und morgen?
Morgen geht es definitiv weiter.
Na ja … eigentlich. ๐๐
#Read more
Bad Sulza und Apolda erleben
September 21 in Germany โ
โ๏ธ 16 ยฐC
Ein Tag zum Abhaken – oder: Wo ist eigentlich der Dosenöffner? ๐ต๐ซ๐ฒ๐ง๏ธ
Irgendwie ist heute nicht mein Tag.
Es geht nicht wirklich etwas dramatisch schief – aber dafür gehen ungefähr hundert kleine Dinge schief. Wahrscheinlich liegt es einfach an dieser doofen Erkältung, die mich inzwischen ein bisschen hirnwuschig macht.
Als ich morgens aufwache, haben wir knapp 13 °C im Wohnmobil. Eindeutig zu wenig, um freiwillig aufzustehen. Also erst einmal Heizung an und noch ein bisschen unter die Decke kuscheln.
Als ich irgendwann die Jalousien hochziehe, schaue ich in einen grauen Himmel. Auch das ist so angesagt, immerhin mit weniger Regen als gestern. Wir bleiben gemütlich bis gegen 9 Uhr im Bett, aber dann hilft alles nichts. Wir haben heute ein volles Programm.
Nach dem Frühstück und den üblichen Wohnmobil-Arbeiten – entsorgen, aufräumen, dies und das – nehmen wir die Räder runter und fahren erst einmal zum Supermarkt. Ein paar Kleinigkeiten fehlen noch. Den Supermarkt finden wir erstaunlicherweise sogar problemlos.
Die Apotheke allerdings nicht.
Und die brauchen wir dringend. Irgendetwas muss es doch gegen diese verdammte Erkältung geben!
Bad Sulza ist in dieser Hinsicht schon etwas speziell. Eine richtige Innenstadt, wie man sie sich vorstellt, gibt es irgendwie nicht. In einem Haus ist ein Blumengeschäft, zwei Straßen weiter ein Bäcker, irgendwo dazwischen müsste die Apotheke sein. Google Maps schickt uns heute auch lieber auf Entdeckungsreise, und erst nach zweimaligem Fragen finden wir schließlich einen unscheinbaren Hintereingang.
Tatsächlich: Apotheke!
Viel Neues weiß der Apotheker allerdings auch nicht. Alles, was er uns empfiehlt, haben wir eigentlich schon. Na gut, ACC nehmen wir noch mit. Vielleicht hilft es ja.
Zurück am Wohnmobil wartet schon die nächste Aufgabe.
Eigentlich habe ich für heute eine schöne Radtour von ungefähr 40 Kilometern vorbereitet. Über Auerstedt und Eckartsberga soll es ins Ilmtal und weiter nach Apolda gehen.
Eigentlich.
Denn zunächst bringt mich eine Nachricht wegen unseres Familienurlaubstermins im Oktober völlig aus dem Konzept. Ich muss telefonieren und mich kümmern. Danach suche ich meinen Wohnmobilschlüssel.
Und suche.
Und suche.
Langsam werde ich wahnsinnig. Wo ist dieses blöde Schlüsselbund?
Schließlich finden wir es in der Klappe, aus der ich vorher die Wäschespinne geholt habe. Dafür brauchte ich beide Hände und habe den Schlüssel einfach dort abgelegt.
Na prima.
Gitty will gern hier waschen, da sie nivht soviel Klamottten mit hat. . Die Maschine kostet hier schließlich nur 2 Euro. Und was ich heute wasche steht mirgen wieder zur Verfügung.
Auch wieder wahr.
Also Waschmaschine an, später Wäsche aufhängen – und plötzlich ist schon wieder Kaffeezeit. Frühstück ist schließlich gefühlt Stunden her. Ein Kaffee und ein Stück Kuchen müssen jetzt sein.
Als wir danach endlich startklar sind, Helme aufhaben und losfahren wollen, fängt es an zu regnen.
Natürlich.
Also noch einmal eine Viertelstunde warten.
Als wir tatsächlich auf den Rädern sitzen, ist es fast 15 Uhr.
Unsere große Runde können wir damit vergessen. Eckartsberga streichen wir und fahren direkt durchs Ilmtal Richtung Apolda. Etwa 17 bis 18 Kilometer einfache Strecke – das müsste zu schaffen sein.
Und kaum sind wir unterwegs, versöhnt mich der Tag tatsächlich ein bisschen. โค๏ธ
Der Ilmtal-Radweg ist wunderschön. Er begleitet die Ilm auf insgesamt rund 123 Kilometern vom Thüringer Wald bis hinunter ins Weinland an Saale und Unstrut und ist als Qualitätsradroute ausgezeichnet. Wir erleben heute nur ein kleines Stück davon – aber das gefällt uns richtig gut. Kleine, fast menschenleere Dörfer, viel Natur und immer wieder die Ilm in Sichtweite. Genau mein Radfahren.
Nur der Wind könnte sich bitte irgendwo anders austoben. Der ist heute so kalt, dass ich inzwischen mehrere Schichten übereinander trage und trotzdem nicht gerade ins Schwitzen komme.
Am späten Nachmittag schafft es dann sogar die Sonne ein bisschen durch die Wolken. ๐ค๏ธ
Unterwegs kommen wir an der historischen Ölmühle Eberstedt vorbei – und die ist wirklich beeindruckend. Zur alten Mühlenanlage gehört noch ein funktionierendes Zuppinger-Wasserrad. Rundherum ist inzwischen eine richtige kleine Ferienwelt entstanden: Restaurant und Biergarten, Tiergehege, Ferienwohnungen und sogar schwimmende Hütten auf dem Wasser. Wohnmobilstellplätze soll es hier ebenfalls geben. Heute allerdings wirkt alles ziemlich ausgestorben. Kein Wunder bei diesem Wetter.
Weiter geht es Richtung Apolda.
Und je näher wir kommen, desto mehr verlassen wir unsere schöne Idylle und landen wieder im heutigen Motto:
Wo müssen wir eigentlich lang?
Zur Orientierung peilen wir erst einmal die Türme der Lutherkirche an. Kirche gefunden – Innenstadt noch nicht so richtig.
Dabei ist Apolda durchaus eine Stadt mit Geschichte. Bekannt ist sie vor allem als Glockenstadt. Über Jahrhunderte werden hier Glocken gegossen, und Apoldaer Glocken hängen sogar in berühmten Kirchtürmen. Außerdem hat die Stadt eine lange Tradition in der Strick- und Wirkwarenindustrie. Schon 1593 wird hier ein „Strickermann“ erwähnt, und bis heute gehören Strickwaren und Mode zur Stadtgeschichte.
Davon sehen wir allerdings erst einmal wenig.
Wir finden die Stadthalle. Gitty braucht unbedingt noch etwas von Rossmann. Nur: Wo ist Rossmann?
Google Maps und wir – das ist heute keine Liebesgeschichte.
Also irren wir ein bisschen hilflos durch die kleinen Straßen von Apolda, bis uns schließlich eine Frau den entscheidenden Tipp gibt:
„Fahren Sie immer geradeaus. Wenn es mal nicht geradeaus geht, ein bisschen rechts und dann wieder geradeaus. Dann kommen Sie zum Marktplatz.“
Das klingt zwar nicht gerade nach professioneller Navigation – funktioniert aber hervorragend. ๐
Wir fahren geradeaus, ein bisschen rechts und wieder geradeaus – und tatsächlich liegt irgendwann der Marktplatz vor uns.
Na also!
Hier gefällt es mir. Schöne Häuser, das Rathaus, ein richtiger Platz – endlich sind wir da, wo wir die ganze Zeit hinwollten.
Aber erst einmal müssen wir ins Einkaufszentrum. Als wir wieder herauskommen, ist es schon fast 17:30 Uhr.
Etwas trinken wollen wir aber trotzdem noch.
Also setzen wir uns draußen auf den Marktplatz und bestellen einen Apoldaer Wanderburschen, ein Alster mit Zitronengeschmack. ๐บ
Das haben wir uns jetzt verdient.
Viel Zeit bleibt allerdings nicht. Eine richtige Stadtbesichtigung fällt heute aus. Das GlockenStadtMuseum, das Kunsthaus und der Rest von Apolda müssen auf einen anderen Besuch warten. Wir wollen schließlich noch im Hellen zurück zum Wohnmobil.
Also wieder auf die Räder.
Natürlich finden wir unsere Fahrradroute zunächst nicht.
Was auch sonst?
Aber irgendwann haben wir sie und dann läuft es. Wir radeln wieder hinaus aus Apolda, zurück durch die kleinen Dörfer und durchs Ilmtal.
Die Landschaft hier gefällt mir überhaupt richtig gut. Bad Sulza liegt am Rand des Weinanbaugebietes Saale-Unstrut, und hier beginnt beziehungsweise endet am Thüringer Weintor die Weinstraße Saale-Unstrut. Seit mehr als 1.000 Jahren wird in der Region Wein angebaut. Muschelkalk und Buntsandstein, relativ wenig Niederschlag und viele Sonnenstunden bieten gute Bedingungen für die Reben. Typisch sind unter anderem Weißburgunder, Grauburgunder, Silvaner, Riesling und Müller-Thurgau.
Rund um Bad Sulza ziehen sich die Weinberge über die Hänge, und nicht umsonst nennt sich die Gegend auch ein bisschen selbstbewusst die „Toskana des Ostens“. Das Thüringer Weintor, Weinwanderwege und die vielen kleinen Winzer gehören genauso zu Bad Sulza wie Sole und Therme.
Heute allerdings brauchen wir nach unserer Rückkehr keinen Wein, sondern etwas Ordentliches zu essen.
Kochen müssen wir nicht, haben wir uns nämlich schlauerweise überlegt. Keine 50 Meter vom Wohnmobilstellplatz entfernt gibt es einen Imbiss.
Mit Thüringer Bratwurst!
Den ganzen Rückweg freue ich mich darauf. Eine schöne heiße Thüringer Bratwurst – das wäre jetzt genau das Richtige.
Wir kommen an.
Geschlossen.
Seit 15 Uhr.
Ich glaube es nicht. ๐คฆโ๏ธ
Nur der frühe Vogel fängt eben nicht nur den Wurm, sondern offenbar auch die Thüringer Bratwurst.
Also müssen wir doch kochen.
Zum Glück habe ich für solche Fälle Dosenfutter dabei. Heute reicht das vollkommen. Dose aus dem Schrank, Abendessen gerettet.
Denkste.
Ich habe keinen Dosenöffner dabei.
Jetzt muss ich wirklich lachen. Das passt einfach zu diesem Tag. ๐
Also geht es erst einmal in die Nachbarschaft.
„Entschuldigung, hätten Sie vielleicht einen Dosenöffner?“
Zum Glück gibt es unter Wohnmobilisten für fast alles eine Lösung – sogar für eine verschlossene Konservendose.
Und siehe da: Am Ende werden wir doch noch satt.
Wir nehmen die Wäsche ab, versorgen unsere Fahrräder und räumen den üblichen Kleinkram weg. Dann ist endlich Feierabend.
Wenn ich diesen Tag zusammenfasse, haben wir trotz Erkältung, Schlüssel-Suchaktion, Waschmaschine, Regenpause, eisigem Wind, Navigationschaos, geschlossener Bratwurstbude und fehlendem Dosenöffner tatsächlich noch eine schöne Radtour gemacht, die Ölmühle Eberstedt entdeckt und Apolda zumindest ein bisschen kennengelernt.
Eigentlich gar nicht so schlecht.
Aber trotzdem:
Dieser Tag kann weg. ๐
โค๏ธ๐ฒ๐ง๏ธ๐ต๐ซ๐ฐ๐บ๐ค๏ธ๐๐๐ฅถ๐
#BadSulza #Apolda #Ilmtalradweg #ÖlmühleEberstedt #SaaleUnstrut #Weinland #ToskanaDesOstens #Wohnmobilreise #MitDemRadUnterwegs #GittyUndIch #UnterwegsMitDemWohnmobil #Reisetagebuch #Wohnmobilleben #ThüringenEntdecken #ManchmalIstDerWurmDrin #DieserTagKannWegRead more
Bad Sulza
September 20 in Germany โ
๐ง 18 ยฐC
Vom Luxuspreis in die Soleluft – und einmal komplett durchgeweicht ๐ง๏ธ๐ฆ
Grauer Himmel erwartet uns, als wir heute Morgen wach werden. Aber das wissen wir ja vorher: Dieser Sonntag fällt wettertechnisch eindeutig in die Kategorie „Kann weg.“ ๐ง๏ธ
Bis 11 Uhr müssen wir unseren Platz verlassen, aber Stress haben wir keinen. Unser nächstes Ziel ist Bad Sulza und das liegt gerade einmal eine gute halbe Stunde entfernt. Also können wir in aller Ruhe frühstücken, einräumen, wegräumen und schließlich auschecken.
Nur mein Radsppiegel macht mir Sorgen. Den habe ich mir ja bei unserem kleinen Malheur kaputtgefahren und eigentlich sollte der Ersatz gestern ankommen. Ist er aber nicht. Und heute ist Sonntag – da wird wohl auch nichts mehr passieren. Jetzt muss ich mal sehen, wie ich das auf der Weiterfahrt geregelt bekomme. Irgendetwas ist auf dieser Reise ja immer. ๐
Beim Bezahlen staune ich allerdings nicht schlecht: 155 Euro für drei Tage und zwei Personen! Das ist wirklich ein Wort zum Sonntag. Campingplatz hin oder her – da muss man erst einmal schlucken.
Wir fahren Richtung Bad Kösen und dann weiter nach Bad Sulza. Irgendwann sind sich beide Navis plötzlich einig, dass wir unbedingt über eine kleinere Straße fahren sollen. Und natürlich führt die prompt durch einen dieser Orte, bei denen man mit einem acht Meter langen Wohnmobil kurz überlegt, ob die Häuser heimlich näher an die Straße gerückt sindl. ๐
Aber alles kein Problem.
An einer Baustellenampel müssen wir warten und vor uns stehen gleich drei Wohnmobile. Na, wo die wohl hinwollen?
Richtig. Alle zum Stellplatz in Bad Sulza.
Als kleine Karawane rollen wir dort ein. Meine Vermutung bestätigt sich: Am Sonntagvormittag sind viele bereits abgereist und es gibt reichlich freie Plätze. Der erste Versuch gefällt mir nicht so richtig, also noch einmal rangieren – und beim zweiten Mal passt es. Wir stehen schön mit Blick auf das Freibad. Das sieht allerdings bei diesem grauen Septemberwetter ein wenig so aus, als hätte jemand den Sommer über Nacht abbestellt.
Die Wetter-App kündigt ab 15 Uhr richtig heftigen Regen an. Also keine Zeit verlieren! Wir machen uns sofort auf den Weg zur Stadterkundung.
I
Zunächst laufen wir ein Stück auf dem Weg, den wir vor zwei Tagen schon mit dem Fahrrad gefahren sind, und kommen zur Toskana Therme. Das große moderne Gebäude ist an diesem verregneten Sonntag natürlich gut besucht. Durch die Scheiben beobachten wir die Badenden. Musik, Licht und ein DJ sorgen drinnen für Stimmung – während wir draußen noch einigermaßen trocken stehen.
In der Cafeteria gönnen wir uns ein Eis. ๐ฆ
Eis soll ja bekanntlich gegen Halsschmerzen helfen. Zumindest beschließen wir das jetzt einfach mal. Medizin kann schließlich auch lecker sein.
Danach schauen wir uns Bad Sulza genauer an. Wobei „Stadtbesichtigung“ vielleicht ein etwas großes Wort ist. Schon die Bäckereiverkäuferin hat uns neulich erklärt, dass es hier eigentlich keine richtige Innenstadt gibt. Eine Kirche, eine Sparkasse und ein paar Häuser – damit ist das Zentrum imk Wesentlichen beschrieben.
Dafür entschädigt uns der Kurpark. Hier gefällt es uns richtig gut.
Im historischen Inhalatorium ist heute die Tourist-Information untergebracht. Der Herr, der an diesem Sonntagnachmittag Dienst hat, scheint sich über zwei neugierige Besucherinnen ausgesprochen zu freuen. Und wir freuen uns über ihn, denn er nimmt sich richtig viel Zeit für uns.
Er erzählt vom Weinanbau rund um Bad Sulza, von der Sole, von Wanderwegen und Einkehrmöglichkeiten und gibt uns Tipps für eine Weinprobe. Natürlich kommen wir auch auf die Gradierwerke zu sprechen. Und da wird es interessant: Die Schwarzdornbündel, über die die Sole rieselt, müssen regelmäßig erneuert werden. Bei riesigen Anlagen wie in Bad Kösen entstehen dabei enorme Kosten. Da versteht man schnell, warum Kurorte ihre historischen Anlagen nicht mal eben aus der Portokasse erhalten können.
Bad Oeynhausen, Bad Salzuflen, Bad Kösen oder Bad Sulza – irgendwie kämpfen sie alle mit ähnlichen Problemen: wunderschöne Anlagen, viel Geschichte und immer die Frage, wer das alles bezahlen soll.
Als wir wieder vor die Tür treten, hat der Regen angefangen.
Erst ein bisschen.
Dann mehr.
Und dann meint Petrus offenbar: Wenn schon, denn schon! ๐ง๏ธ๐ง๏ธ๐ง๏ธ
Bis zum Wohnmobil sind es ungefähr zwei Kilometer. Die Regenschirme liegem Regen geschützt im Wohnmobil..Natürlich haben wir Regenjacken an. Und natürlich sollen die uns vor Regen schützen.
Theoretisch.
Praktisch kommen wir am Wohnmobil an, als hätten wir unterwegs noch eine Runde im Freibad gedreht. Schuhe nass, Socken nass, Hosen nass – eigentlich ist nur das, was sich tief genug unter mehreren Kleidungsschichten versteckt, noch einigermaßen trocken. ๐
Aber jetzt zeigt sich, wie gut dieser Stellplatz ausgestattet ist. Im nagelneuen Sanitärgebäude gibt es nicht nur Toiletten und Duschen, sondern auch eine Küche mit Spülmöglichkeit sowie Waschmaschinen und einen Trockenraum. Zugang bekommt man mit einem Code.
Perfekt!
Unsere nassen Jacken, Hosen und Socken wandern direkt hinein und dürfen dort über Nacht trocknen.
Und jetzt kommt der Vergleich, der mich endgültig für den Platz begeistert: 13 Euro Stellplatzgebühr für diese Ausstattung alles inklusive, sogar die Kurtaxe. Nur Strom kostet extra einen Euro für vier Stunden.
Nach den 155 Euro für drei Tage auf dem Campingplatz in Bad Kösen fühlt sich das hier beinahe wie ein Schnäppchen an.
Auf Nachmittagskaffee haben wir inzwischen keine Lust mehr. Uns ist eher nach etwas Herzhaftem, also gibt es Käse und ein paar Kleinigkeiten. Danach verschwinde ich für einen gepflegten Mittagsschlaf im Bett. Meine Erkältung soll schließlich auch irgendwann begreifen, dass sie auf dieser Reise nicht eingeladen ist. ๐คง๐ด
Gegen Abend hört der Regen tatsächlich auf.
Also noch einmal raus!
Wir drehen eine Runde um das Gradierwerk „Louise“. Direkt hinein können wir jetzt nicht mehr, denn die Anlage hat Öffnungszeiten und kostet Eintritt. Aber ein bisschen frische Luft und vor allem ein bisschen salzige Soleluft bekommen wir auch von außen ab.
Nach diesem nassen Tag tut das richtig gut.
Zurück im Wohnmobil gibt es Spaghetti mit Tomatensoße ๐ und danach machen wir es uns gemütlich.
Draußen ist es dunkel, die nassen Sachen hängen zum Trocknen und wir sind wieder warm und trocken.
Und damit ist auch dieser Sonntag geschafft – ein Tag zwischen teurem Abschied, Soleluft, Eis gegen Halsschmerzen und einer unfreiwilligen Zwei-Kilometer-Dusche.
Morgen ist ein neuer Tag. Und wir haben schon einen Plan.Read more
โFederweiรer, Blasmusik und ein Radweg im Gebรผschโ
September 19 in Germany โ
โ๏ธ 18 ยฐC
Die Nacht ist leider wieder ziemlich vom Husten geprägt. ๐คง Irgendwann gegen halb vier sind wir beide wach und überlegen, wie wir diesen blöden Husten endlich eindämmen können. Da fällt mir meine homöopathische Hausapotheke ein. Ich suche nach dem passenden Mittel – und siehe da: Danach können wir tatsächlich beide wieder einschlafen. Ob es nun daran liegt oder einfach Zufall ist, ist uns in dem Moment ziemlich egal. Hauptsache schlafen! ๐ด
Der Morgen begrüßt uns mit vielen Wolken. Hin und wieder nieselt es ein bisschen, aber richtig kalt ist es eigentlich nicht. Zum Draußenfrühstücken ist es uns trotzdem zu ungemütlich, also bleiben wir im Wohnmobil, frühstücken in Ruhe und schmieden unseren Plan für den Tag.
Vorher stehen natürlich die üblichen Wohnmobilarbeiten an. Die Kassette muss geleert werden, ein bisschen Ver- und Entsorgung hier, ein bisschen Aufräumen da – das gehört eben auch zum Wohnmobilleben. ๐ Dann schwingen wir uns auf die Räder und fahren zunächst nach Bad Kösen zum Einkaufen.
Viel brauchen wir nicht. Ein bisschen Wasser und ein paar Kleinigkeiten wandern in den Einkaufswagen. Und endlich werden wir auch unser angesammeltes Leergut los. Erstaunlich, was sich im Wohnmobil innerhalb weniger Tage so an Plastikflaschen ansammelt.
Nachdem alles verstaut ist, beginnt die Suche nach dem Saaleradweg Richtung Weinberge. Und die gestaltet sich schwieriger als gedacht. Die Ausschilderung ist, sagen wir mal, ausbaufähig. ๐
Wir fahren hierhin, wieder zurück, suchen und rätseln – bis plötzlich aus einem Gebüsch eine ganze Horde Radfahrer auftaucht.
Na, wenn die da herauskommen, müssen wir da wohl hinein!
Und tatsächlich: Da versteckt sich unser Radweg. ๐
Von nun an wird es richtig schön. Wir radeln an der Saale entlang und später direkt an den Weinbergen vorbei. Weit müssen wir allerdings gar nicht fahren, denn unser Ziel ist das Federweißerfest auf einem Weingut. Schon von Weitem sehen wir die vielen Fahrräder und Autos entlang der kleinen Straße. Hier sind wir richtig! ๐๐ท
Wir stellen unsere Räder ab und gehen in den hübsch geschmückten Garten. Live-Musik spielt, die Stimmung ist gemütlich und wir ergattern einen Tisch. Natürlich darf ein Federweißer nicht fehlen. Schließlich sind wir ja genau deswegen hier. ๐
Inzwischen meldet sich auch der kleine Hunger. Kein Wunder, die Mittagszeit ist längst da. Die Auswahl kann sich sehen lassen: Kartoffel und Kürbis-Suppe, Flammkuchen, Käsespieße, Schmalzbrote und später natürlich auch Kaffee und selbst gebackener Kuchen.
Weil der Wind inzwischen ganz schön kräftig und vor allem kalt um die Ecke pfeift, entscheide ich mich für eine heiße KartoffelSuppe. Zumindest denke ich, dass sie heiß ist. ๐ Leider ist sie eher lauwarm. Aber egal – Hauptsache etwas Warmes im Bauch.
Nach ungefähr anderthalb Stunden verabschieden wir uns von dem schönen Fest und radeln weiter ins Weindorf Roßbach. Dort soll an diesem Wochenende Kirmes sein, und wenn wir schon einmal hier sind, wollen wir natürlich schauen, was dort los ist.
Schon bei unserer Ankunft hören wir Blasmusik. ๐บ๐ฅ Eine Kapelle steht gerade bei einem der Weingüter und spielt kräftig auf. Besonders lustig: Die Musiker ziehen anschließend mit einem Bollerwagen voller Getränke und allerlei Proviant durchs Dorf weiter.
„Wo geht’s denn jetzt hin?“, fragen wir.
„Zum nächsten Weinbauern!“
Na klar! ๐
Und tatsächlich: Beim nächsten Ausschank wird wieder Halt gemacht und weitergespielt. So zieht die Kapelle von Winzer zu Winzer durchs Dorf. Das hat was!
Wir schauen uns Roßbach noch ein bisschen genauer an, die Kirche, die hübschen Häuser und natürlich die kleinen Weinstuben. Ein richtig nettes Weindorf. ๐ท
Anschließend fahren wir hinunter zum Festplatz. Dort ist allerdings noch nicht viel los. Der Tanz beginnt wohl erst am Abend, und so lange wollen wir nicht warten.
Also geht es zurück an die Saale. Wir wechseln die Flussseite und radeln wieder Richtung Bad Kösen. Auf der Saale herrscht heute richtig Betrieb. Klar – es ist Wochenende. Überall sind Kanus und Schlauchboote unterwegs, und auch auf dem Radweg sind deutlich mehr Menschen als in den letzten Tagen. ๐ฃโ๏ธ๐ฒ
Nur den richtigen Weg nach Bad Kösen finden wir wieder einmal nicht so ganz. Irgendwann landen wir auf einer kilometerlangen Schotterpiste direkt neben der Bahnlinie.
Na prima.
Aber auch dieser Weg führt bekanntlich irgendwann nach Rom – oder zumindest nach Bad Kösen. ๐ Schließlich landen wir an Kleingartenanlage "Grüne Gurke" wieder an der Saale und können uns von dort aus Richtung Innenstadt orientieren.
Da fällt uns ein, dass wir für heute Abend ja noch etwas zu essen brauchen. Also kaufen wir Lachs und fertige Kartoffelpuffer. Damit ist das Abendessen schon einmal gerettet.
Direkt gegenüber liegt das hübsche Café, das uns bereits gestern aufgefallen ist. Also nichts wie hinein. โ๐ฐ Allerdings ist hier Geduld gefragt. Sehr viel Geduld. Es dauert gefühlt eine Ewigkeit, bis Kaffee und Kuchen vor uns stehen.
Inzwischen bin ich durch den kalten Wind und meine Erkältung so durchgefroren, dass ich eigentlich nur noch eines möchte: zurück ins warme Wohnmobil.
Also treten wir den Heimweg an.
Dort angekommen, wärmen wir uns erst einmal ordentlich auf. Später kommt tatsächlich noch einmal die Sonne heraus. ๐ค๏ธ Also stellen wir die Stühle draußen in die letzten Sonnenstrahlen und genießen noch ein bisschen den Nachmittag.
Zum Abendessen kommt meine neue Induktionsplatte samt Pfanne wieder zum Einsatz. Die fertigen Reibekuchen sind ruckzuck gebraten und werden mit Lachs beziehungsweise Apfelmus gegessen.
Einfach, schnell und richtig lecker! ๐
Lange hält es uns danach allerdings nicht mehr draußen. Sobald die Sonne verschwindet, wird es wieder richtig frisch. Zum Glück haben wir vor Einbruch der Dunkelheit schon die Fahrräder verladen und fast alles für morgen vorbereitet. Tisch und Stühle sind verstaut, ein paar Kleinigkeiten müssen noch festgezurrt werden und morgen früh bekommt der Keller noch ein bisschen Ordnung.
Ansonsten sind wir schon wieder fast reisefertig. ๐
Morgen geht es weiter. Unser Plan ist Bad Sulza. Da für morgen Regen angekündigt ist, wollen wir zur Therme fahren. Dann haben wir wenigstens eine ziemlich angenehme Schlechtwetteralternative: warmes Wasser statt kaltem Gegenwind. ๐๐
Und nach dem heutigen Tag klingt das gar nicht mal so schlecht.Read more
Rudelsburg, Burg Saaleck und Bad Sulza
Sep 18โ28 in Germany โ
โ
18 ยฐC
Zwei Burgen, 40 Kilometer und ein Federweißer zum Finale ๐ดโ๏ธ๐ฐ๐ท
Der Morgen beginnt grau und ein bisschen regnerisch. Also beschließen wir, heute mal richtig auszuschlafen. Na ja – was man bei uns so ausschlafen nennt: Wir bleiben bis 9 Uhr im Bett mit Kaffee und Lektüre. Danach beginnt das übliche Programm: Frühstück machen und ein bisschen Hausarbeit.
Obwohl es grau ist, ist es gar nicht kalt, und so decken wir draußen den Frühstückstisch. Kaum steht alles da, fängt es natürlich an zu regnen. Also schnell die Markise raus – und schon sitzen wir doch noch gemütlich draußen und frühstücken im Trockenen.
Danach steht das weniger romantische Wohnmobilprogramm an: Ver- und Entsorgung. Das Abwasser bin ich am Stellplatz Schleusenblick nicht richtig losgeworden, also muss das heute erledigt werden. Ein Abwasserrohr gibt es am Platz, nur leider habe ich keinen passenden Schlauch dafür. Also kommt mein Wassertaxi zum Einsatz. Zum Glück sind es nur ein paar Schritte. Auch die Toilette können wir ganz normal entsorgen und müssen dafür nicht den Automaten benutzen.
Viel wichtiger ist allerdings unsere Wäschespinne. Die funktioniert nach dem Regenschirmprinzip – theoretisch jedenfalls. Praktisch lässt sich dieser verdammte Schirm keinen Zentimeter hochschieben. Wir drücken, ziehen und probieren, bis wir schließlich einen vorbeikommenden Mann um Hilfe bitten. Und siehe da: Auch der hat ordentlich zu tun! Irgendwann gibt die Wäschespinne auf und entfaltet sich. Es liegt also definitiv nicht nur an uns. ๐
Gegen 12 Uhr sind wir endlich startklar.
Heute soll es eine Mischung aus Rad- und Wandertour werden. Unser Plan: mit den Rädern zur Rudelsburg, weiter zur Burg Saaleck, anschließend einen empfohlenen Stellplatz direkt an der Saale anschauen und danach entweder nach Camburg oder Bad Sulza radeln.
So weit der Plan.
Wer uns kennt, ahnt schon, was jetzt kommt.
Natürlich wählen wir erst einmal nicht den einfachen Weg. Statt zwei oder drei Kilometern werden es ungefähr dreimal so viele. Irgendwann befinden wir uns auf9 einer ziemlich abenteuerlichen Strecke mitten durch den Wald. Es geht mörderisch bergab, über Steine, Wurzeln und Wege, bei denen man sich fragt, ob sie überhaupt als Wege gedacht sind.
Und ausgerechnet jetzt hat Google Maps keinen Empfang.
Na wunderbar.
Wir fragen Spaziergänger, wo es zur Rudelsburg geht und die schicken uns wirklich auf diese Strecke. Das sei der Radweg. Vorher hat sogar ein Autofahrer abgehalten und gefragt, ob er uns helfen kann. Wir müssen wohl sehr verzweifelt ausgesehen haben. Die Leute hier sind wirklich nett. Irgendwie kommen wir schließlich heil aus dieser Wildnis heraus und landen beim Löwendenkmal unterhalb der Rudelsburg.
Das mächtige Relief wurde 1926 errichtet und erinnert an die 2.360 Kösener Corpsstudenten, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind. Der von Lanzen getroffene Löwe stammt von dem Bildhauer Hermann Hosaeus. Ein eindrucksvoller, aber auch nachdenklich stimmender Ort. Von hier oben haben wir außerdem einen fantastischen Blick hinunter ins Saaletal.
Weiter geht es bergauf – diesmal zum Glück auf einer richtigen Straße. Vorbei an weiteren historischen Denkmälern erreichen wir schließlich die Rudelsburg.
Und die kann sich wirklich sehen lassen.
Hoch über der Saale thront sie auf einem steilen Kalkfelsen. Die Burg entstand in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts und wurde 1171 erstmals urkundlich erwähnt. Im 19. Jahrhundert wurde sie teilweise wiederhergestellt und zu einem Symbol der Burgenromantik. Heute gehören die Rudelsburg und die benachbarte Burg Saaleck zu den bekanntesten Wahrzeichen des Saaletals.
Heute ist es hier erstaunlich ruhig. Wir betreten den Burghof und können uns gut vorstellen, wie es an einem sonnigen Sommertag aussieht, wenn der Biergarten voll besetzt ist. Jetzt stehen die Tische leer. Die wenigen Gäste, die mit dem Auto heraufgekommen sind, sitzen drinnen unter Kronleuchtern und bei Kerzenschein. Sieht ziemlich feudal aus.
Und dann dieser Blick! Einfach bombastisch.
Nachdem wir uns alles angeschaut haben, steigen wir wieder auf die Räder. Und jetzt geht es – nach unten.
Nach unten?
Wir wollen doch zur nächsten Burg! Burgen sond doch oben?
Aber tatsächlich fahren wir immer weiter bergab, bis wir schließlich einen Wanderweg zur Burg Saaleck erreichen. Hier stellen wir die Räder ab. Mit denen wären wir sowieso niemals dort hochgekommen.
Also geht es zu Fuß weiter.
Die Burg Saaleck wurde bereits 1140 erstmals erwähnt und ist vor allem durch ihre beiden weithin sichtbaren romanischen Bergfriede unverwechselbar. Zusammen mit der Rudelsburg prägt sie das Bild dieser Landschaft wie kaum etwas anderes.
Heute ist die Burg geschlossen. Macht aber nichts. Der Platz hier oben ist wunderschön, und wir machen erst einmal Pause und genießen den Blick über das Saaletal.
Zwei Burgen erobert. Das muss reichen.
Zurück bei den Rädern beschließen wir, uns den empfohlenen Stellplatz bei Stendorf direkt an der Saale anzuschauen.
Und – wer uns kennt – natürlich fahren wir erst einmal zwei Kilometer in die falsche Richtung. ๐
Irgendwann merken wir es. Also umdrehen und zurück.
Der Stellplatz entschädigt uns allerdings. Klein, wildromantisch und direkt an der Saale gelegen – genau so etwas mag ich. Platz für vielleicht zehn bis fünfzehn Wohnmobile, und am frühen Nachmittag ist tatsächlich nur noch ein einziger Platz frei.
Dann geht es weiter.
Eigentlich möchte ich nach Camburg. Irgendwie verfehlen wir aber mal wieder den richtigen Weg und landen stattdessen in Bad Sulza.
Auch nicht schlecht.
Als wir endlich den Saale-Radweg gefunden haben, fahren wir durch eine wunderschön gepflegte Anlage oberhalb des Kurparks, an einem Bachlauf entlang und schließlich mitten hinein in die Kurstadt.
Bad Sulza ist seit Jahrhunderten eng mit Salz und Sole verbunden. Bereits im 16. Jahrhundert entstand hier eine Saline, im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Ort zum Kurbad. Das Gradierwerk „Louise“, der Kurpark und die Toskana Therme gehören heute zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten. Die Therme wurde 1999 eröffnet, und Bad Sulza ist heute als Sole-Heilbad und zugleich als Weinstadt bekannt.
Wir dagegen sind inzwischen vor allem eins: durstig und hungrig.
Nach unseren beiden Burgbesteigungen hätten wir jetzt gern ein hübsches Café oder eine nette Gastwirtschaft. Nur – wo ist eigentlich die Innenstadt?
Wir finden schließlich eine Bäckerei und kehren ein und fragen die Verkäuferin.
Sie fängt an zu lachen.
„Eine Stadt gibt's hier nicht wirklich.“
Na gut. Dann eben nicht. ๐
Sie erzählt uns, dass nach Corona vieles verschwunden sei und es heute nur noch wenige Geschäfte und Gastwirtschaften gebe.
Also gibt es Kaffee und Brötchen beim Bäcker. Und die schmecken nach dieser Tour sowieso hervorragend.
Auf dem Hinweg sind wir bereits am Gradierwerk Louise vorbeigefahren. Ich hätte es beinahe nicht als Gradierwerk erkannt, weil es überdacht ist. Früher dienten solche Anlagen dazu, die Salzkonzentration der Sole zu erhöhen. Heute kann man beim Vorbeigehen die salzhaltige Luft einatmen – ein bisschen Meeresklima mitten in Thüringen.
Direkt dort liegt auch der Wohnmobilstellplatz, den ich für Sonntag ins Auge gefasst habe. Denn Sonntag soll es den ganzen Tag regnen, und von hier könnten wir wunderbar in die Toskana Therme gehen.
Nur: Der Stellplatz ist heute schon rappelvoll.
An einem Freitag
Na, schauen wir mal.
Auf dem Rückweg passiert dann etwas geradezu Unglaubliches: Wir finden auf Anhieb den richtigen Radweg! ๐
Und was für einen.
Jetzt fahren wir wirklich wunderschön an der Saale entlang. Unter alten Bäumen, immer wieder mit Blick auf den Fluss, durch Weinberge und kleine Weinorte.
Und dann entdecken wir eine wunderschöne Straußwirtschaft direkt oberhalb der Saale.
Da können wir unmöglich vorbeifahren.
Also Räder abstellen, Platz suchen und einfach genießen. Die Sonne steht schon tiefer, das Licht liegt golden über der Saale – und vor uns steht ein Glas Federweißer.
Herrlich. ๐ทโ๏ธ
Als der Federweiße leer ist, ist es allerdings schon fast 18 Uhr.
Und wir haben noch rund zehn Kilometer vor uns.
Das Gemeine daran: Unseren Campingplatz können wir irgendwann schon fast sehen. Nur liegt zwischen ihm und uns ein kleines, aber ziemlich unüberwindbares Hindernis.
Die Saale.
Also müssen wir erst bis Bad Kösen hinein, dort über die Brücke und auf der anderen Seite wieder zurück.
Als wir schließlich am Wohnmobil ankommen, sind wir ziemlich platt: fast 40 Kilometer mit dem Rad, zwei Burgbesteigungen und mehr als 10.000 Schritte. Und das Ganze mit einer hartnäckigen Erkältung.
Das reicht für heute.
Wir lassen uns erst einmal in unsere Stühle fallen und genießen die letzten Sonnenstrahlen. Aber sobald die Sonne weg ist, wird es schnell kalt, und wir verziehen uns ins Wohnmobil.
Zum Glück müssen wir nicht mehr kochen. Von gestern ist noch etwas übrig. Kurz aufgewärmt – und mit dem Hunger nach diesem Tag schmeckt es sowieso wie ein Fünf-Sterne-Menü.
Danach werden noch die Räder versorgt, die Akkus ans Ladegerät gehängt, alles abgeschlossen und für die Nacht abgedeckt.
Und dann?
Duschen. Reisebericht schreiben. Ein bisschen Fernsehen. Beine hoch.
Was für ein Tag! Wir wollten eigentlich nur ein bisschen Rad fahren und zwei Burgen anschauen. Am Ende werden daraus fast 40 Kilometer, zwei Burgbesteigungen, eine unfreiwillige Waldexpedition, mehrere Umwege, Bad Sulza statt Camburg und ein Federweißer über der Saale.
Also eigentlich ein ganz normaler Urlaubstag bei uns. ๐
Morgen soll das Wetter noch einmal richtig schön werden.
Und natürlich haben wir schon einen Plan. ๐Read more
Durchs Nadelรถhr nach Bad Kรถsen
September 17 in Germany โ
โ๏ธ 16 ยฐC
Der Tag fängt sonnig an. โ๏ธ Und ich bin schon sehr früh wach.
Liegt es an der Sonne? Oder vielleicht doch eher an der Aufgabe, die heute Morgen vor mir liegt?
Ich muss mein Wohnmobil aus diesem Nadelöhr bekommen. ๐ณ
Gestern Abend machen wir nichts mehr groß. Die Räder sind wieder aufgeladen, aber ansonsten verschieben wir alles, was mit Abreise zu tun hat, auf heute Morgen. Also räumen wir zusammen, verstauen Stühle und Tisch und irgendwann sind wir tatsächlich startklar.
Wäre da nicht das Wohnmobil hinter uns.
Das lässt mir nämlich überhaupt keine Chance, meinen E-Liner auch nur ansatzweise zu drehen. Zum Glück ist der Fahrer sehr kooperativ und fährt sein Wohnmobil ganz weit an die Seite.
Und dann beginnt die große Drehaktion.
Ein Stück vor, einschlagen, zurück, wieder vor – und immer schön daran denken, dass mein E-Liner acht Meter lang ist und hinten auch noch der Fahrradträger hängt. Schließlich muss ich durch diesen großen Torbogen hinaus.
Ich muss tatsächlich bis über die Straße, über den Bürgersteig und fast bis vor die gegenüberliegende Hauswand fahren, bevor ich überhaupt richtig einschlagen kann. Sonst bekomme ich das Hinterteil nicht durch den Torbogen.
Gitty steht draußen und soll mir anzeigen, wie viel Platz ich noch habe. Das tut sie auch fleißig. Sie winkt und gestikuliert und macht und tut.
Das Problem ist nur: Ich sehe sie nicht! ๐
Sie steht nämlich genau hinter dem Wohnmobil und damit außerhalb meines Sichtfeldes.
Also muss ich erst einmal lautstark erklären, dass es zwar sehr nett ist, wenn sie mir Zeichen gibt – ich davon aber herzlich wenig habe, wenn ich sie im Spiegel nicht sehen kann. ๐
Nach entsprechender Standortkorrektur funktioniert unsere Zusammenarbeit dann deutlich besser.
Noch ein paarmal vor und zurück und dann:
Geschafft! ๐๐
Mein E-Liner und ich sind draußen.
Und ein bisschen stolz bin ich schon.
Heute Morgen kommt nämlich noch einer der Wohnmobilisten zu mir und fragt:
„Sind Sie Busfahrerin?“
„Nein. Wieso?“
Er zeigt auf meinen E-Liner.
„Also, dieses Ding würde ich hier nicht reinfahren. Meine Hochachtung. Respekt!“
Ein anderer, der früher Lkw-Fahrer war, bietet mir sogar an, das Wohnmobil für mich hinauszufahren.
Aber irgendwie habe ich ja auch meinen Stolz. Was ich hier hineingefahren habe, bekomme ich schließlich auch wieder heraus.
Und habe ich ja auch! ๐๐ช
Nächstes Abenteuer: Tanken
Bevor wir endgültig Richtung Bad Kösen starten, müssen wir noch tanken. Also wieder durch die engen Straßen.
An der kleinen Tankstelle möchte ich gerade an die passende Säule fahren, da steht dort ein Kleintransporter mit Anhänger und bewegt sich keinen Zentimeter.
Ich hänge mit meinem Hinterteil schon fast auf der Straße, hinter mir staut sich der Verkehr, andere Autos wollen auf die Tankstelle und zu allem Überfluss stehe ich auch noch direkt vor der Ausfahrt der Waschanlage.
Läuft! ๐
Irgendwann erscheint der Fahrer des Kleintransporters und erklärt mir, ich müsse zurücksetzen, weil er nicht wegfahren könne. Sein Kumpel habe den falschen Kraftstoff getankt.
Na, herzlichen Glückwunsch.
„Ich fahre hier keinen Meter mehr zurück“, erkläre ich ihm.
Also wird überlegt, geguckt und rangiert. Als schließlich das letzte Auto aus der Waschanlage kommt, habe ich die rettende Idee: ein kleines Stück zurück, dann einfach durch die Waschanlage hindurch, einmal hinter der Tankstelle herum und von der anderen Seite wieder nach vorne.
Geht doch!
Man muss sich nur zu helfen wissen. ๐
Endlich ist der Tank voll und wir können los.
Durch die Saale-Unstrut-Landschaft
Jetzt geht es Richtung Naumburg und weiter nach Bad Kösen. Bei diesem strahlend blauen Himmel sieht die Landschaft einfach wunderschön aus. โ๏ธ
Rauf und runter, kreuz und quer, über kleine Straßen und durch Dörfer. Das letzte Stück zum Campingplatz an der Rudelsburg wird dann allerdings wieder ziemlich schmal.
Mehr als einmal denke ich:
Bitte lass jetzt keinen entgegenkommen!
Offenbar hört mich jemand – es kommt keiner. ๐
Natürlich sind wir viel zu früh. Vom Stellplatz Schleusenblick müssen wir bereits um 11 Uhr herunter, am Campingplatz ist Check-in aber eigentlich erst ab 14.30 Uhr.
Ich gehe zur Rezeption und frage einfach.
Der Platz ist frei und wir dürfen schon drauf – kostet allerdings extra. Na ja. Hier kostet sowieso so einiges extra. Selbst die Toilettenkassette kann man nicht einfach entsorgen, sondern muss dafür die entsprechende Reinigungsanlage benutzen.
Immerhin: Die Duschen sind frei. Die Münzkästen hängen zwar noch da, gelten aber offenbar nicht mehr. Man muss ja auch mal Glück haben. ๐
Als mein Wohnmobil endlich auf seinem Platz steht, holen wir als Erstes die Stühle heraus.
Kaffee. Sonne. Hinsetzen. โโ๏ธ
Genau darauf freue ich mich schon seit dem Aufstehen.
Jetzt ist alles hinter mir: Torbogen, Rangieren, Tankstellenchaos und enge Straßen.
Und tatsächlich – kaum sitze ich mit meinem Kaffee in der Sonne, geht es mir wunderbar.
Zu Fuß nach Bad Kösen
Lange halten wir es mit dem Nichtstun allerdings nicht aus. Unser nächstes Ziel ist Bad Kösen, nur etwa anderthalb Kilometer entfernt.
Also beschließen wir, zu Fuß zu gehen.
Der Weg führt wunderschön an der Saale entlang. Bad Kösen gehört heute zu Naumburg und ist vor allem durch seine lange Geschichte als Salz- und Kurort bekannt. Und genau diese Geschichte begegnet uns schon beim Spaziergang.
Wir laufen am Saaleradweg entlang, das Wasser neben uns, viel Grün drumherum – herrlich entspannt.
Als wir nach Bad Kösen hineinkommen, entdecken wir plötzlich mehrere große Wasserräder und ein merkwürdiges hölzernes Gestänge.
Was ist das denn?
Über unseren Köpfen bewegt sich eine Konstruktion aus langen Holzstangen hin und her. Wir laufen darunter hindurch und können uns zunächst überhaupt keinen Reim darauf machen.
Also werden wir neugierig.
Und schließlich finden wir heraus, dass wir hier einen Teil der historischen Salinetechnik von Bad Kösen vor uns haben.
Die Wasserkraft der Saale treibt die großen Räder an. Über das historische Kunstgestänge wird diese Energie über eine erstaunlich lange Strecke zum ehemaligen Salzwerk übertragen. Das Gestänge gehört zu den technischen Besonderheiten Bad Kösens und erinnert daran, wie aufwendig früher die Soleförderung ohne Motoren und Elektrizität funktionierte.
Am Gradierwerk rieselt die Sole anschließend über Schwarzdornreisig. Dabei verdunstet Wasser, die Sole wird konzentrierter und gleichzeitig entsteht diese typische salzhaltige Luft, wegen der man sich in der Nähe eines Gradierwerks fast ein bisschen wie an der See fühlt.
Bad Kösen entwickelt sich durch seine Solequellen schließlich auch zum Kurort. Die Salzgewinnung und der Kurbetrieb prägen den Ort über lange Zeit.
Und plötzlich ergibt dieses ganze merkwürdige Gestänge, unter dem wir gerade noch völlig ahnungslos hindurchlaufen, einen Sinn.
Sogar zur Unterhaltung der Kurgäste wird die Wasserkraft früher genutzt: In der historischen Badeanlage sorgt die Technik zeitweise für künstlichen Wellenschlag.
Schon erstaunlich, was man unterwegs so alles entdeckt.
Wir machen einen ausgedehnten Spaziergang durch Bad Kösen. Alles wirkt klein, ruhig und ein bisschen verträumt. Viel los ist nicht – und gerade das gefällt uns.
Irgendwann meldet sich allerdings ein alter Bekannter:
der kleine Hunger. ๐
Und wenn der erst einmal da ist, will er auch zufriedengestellt werden.
Wir landen beim Netto und kaufen uns ganz unspektakulär ein Brötchen. Kein Café, keine große Einkehr – einfach ein trockenes Brötchen und unser Wasser dazu.
Und wisst ihr was?
Es schmeckt! ๐
Der kleine Hunger ist zufrieden und wir können weiter.
Bei der Gelegenheit versorge ich mich noch mit Bargeld, denn am Schleusenblick gilt offenbar: Nur Bares ist Wahres.
Und natürlich brauche ich noch eine Ansichtskarte für Paul. ๐
Von jedem Ort bekommt er von mir eine Karte geschickt. Ich finde das schön. Kinder kennen heute E-Mails, WhatsApp und Fotos auf dem Handy – aber eine richtige Ansichtskarte im Briefkasten ist schon fast etwas Besonderes geworden.
Also geht auch aus Bad Kösen wieder ein kleiner Urlaubsgruß auf die Reise.
Spritz, Induktionsplatte und One-Pot-Pasta
Gegen halb vier oder vier sind wir wieder zurück am Wohnmobil.
Jetzt wird erst einmal die Nachmittagssonne ausgenutzt. Wir legen die Beine hoch, hören ein bisschen Hörbuch und genießen einfach das schöne Wetter.
Gegen halb sechs meldet sich erneut der Hunger.
Und heute hat meine neue Induktionsplatte Premiere.
Wir schnippeln draußen vor dem Wohnmobil, kochen und gönnen uns nebenbei einen Spritz. ๐น
Ich bin gespannt, ob das mit der Induktionsplatte so funktioniert, wie ich mir das vorgestellt habe.
Tut es!
Sogar prima.
Innerhalb kürzester Zeit steht unsere One-Pot-Pasta auf dem Tisch.
So mag ich Wohnmobilküche: unkompliziert, schnell und lecker.
Als es später kühler wird, räumen wir zusammen und gehen zum Spülen.
Und wen treffen wir dort?
Tatsächlich den ehemaligen Lkw-Fahrer vom Schleusenblick, der mir heute Morgen noch angeboten hat, mein Wohnmobil aus dem Nadelöhr zu fahren.
„Und? Seid ihr gut rausgekommen?“, fragt er gleich ganz aufgeregt.
„Na klar!“
Natürlich erzählen wir ihm, dass alles geklappt hat – und dass ich meinen E-Liner höchstpersönlich durch den Torbogen manövriert habe.
Schließlich habe ich ja meinen Stolz. ๐
Wir unterhalten uns noch eine ganze Weile. Schon lustig, dass wir uns ausgerechnet hier wieder über den Weg laufen.
Und nun neigt sich auch dieser Tag langsam dem Ende zu.
Noch ein bisschen gemütlich im Wohnmobil sitzen, fernsehen, duschen und dann ab ins Bett.
Wieder ist ein Tag unserer Saale-Unstrut-Tour vorbei. Einer, der morgens mit einem ziemlich großen Nadelöhr beginnt und abends ganz entspannt mit Pasta, Spritz und einer netten Zufallsbegegnung endet.
Und eines weiß ich nach heute ganz sicher:
Wenn ich meinen E-Liner irgendwo hineinbekomme, dann bekomme ich ihn auch wieder heraus. ๐๐๐ชRead more

TravelerRudelsburg und Saaleck habt ihr sicher noch vor......auf der anderen Seite oben ist das Himmelreich, eine Empfehlung fรผr die Einkehr

Womofriends-on-tourDanke fรผr denTipp. ๐ฐโจ Rudelsburg und Saaleck sind nรคmlich fรผr heute geplant ๐๐ฅพ
๐ฅ Vom Piepskonzert zum Abendwein
September 16 in Germany โ
๐ง 19 ยฐC
Rotkäppchen- Erlebniswelt und Neuenburg
Die letzte Nacht ist – sagen wir es freundlich – ziemlich bescheiden. ๐ต๐ซ
Irgendwann gegen 2 Uhr werde ich wach. Piep-piep. Ruhe. Zehn Minuten später wieder: Piep-piep.
Was ist das denn jetzt schon wieder?
Ich liege im Bett und lausche. Wieder dieses doppelte Piepen. Also raus aus den Federn und auf Fehlersuche. Am Panel ist alles im grünen Bereich, der Kühlschrank ist geschlossen, sonst ist auch nichts Auffälliges zu entdecken. Aber zuverlässig alle paar Minuten: Piep-piep.
Natürlich frage ich irgendwann Google. Großer Fehler. ๐
Danach weiß ich zwar, was theoretisch alles an einem Wohnmobil piepen kann – Wechselrichter, Batterien, irgendwelche Warnsysteme und wer weiß was noch –, bin aber keinen Schritt schlauer und dafür endgültig wach.
Irgendwann beschließe ich, das Piepen einfach zu ignorieren. Gegen halb fünf schlafe ich tatsächlich noch einmal ein.
Als ich gegen 9 Uhr wach werde, herrscht himmlische Ruhe. Das Problem hat sich offenbar selbst erledigt. Den Übeltäter finde ich wenig später trotzdem: den Rauchmelder. Seine Batterie ist leer und mit seinen letzten Kräften hat er offenbar die halbe Nacht um Hilfe gerufen. Irgendwann ist ihm dann endgültig die Puste ausgegangen.
Jedenfalls hoffe ich sehr, dass er es gewesen ist. ๐
Regenprogramm mit Rotkäppchen ๐พ
Draußen regnet es, aber das ist angekündigt und nach dieser Nacht gar nicht so schlimm. Wir frühstücken gemütlich und kümmern uns anschließend um die Entsorgung.
Die ist hier allerdings etwas speziell organisiert. Die Chemietoilette muss nämlich in der einzigen Damentoilette entsorgt werden. Man braucht also ein bisschen Timing, um zwischen duschenden und zur Toilette eilenden Damen die passende Lücke zu erwischen. ๐
Aber auch das gelingt, und einen Teil des Abwassers werde ich ebenfalls los.
Gegen Mittag machen wir uns auf den Weg zur Rotkäppchen Erlebniswelt. Für so einen grauen und nieseligen Tag ist das genau das richtige Programm.
Wir kaufen unsere Tickets, bekommen einen QR-Code und zusätzlich einen Gutschein für ein Gläschen Sekt hinterher. Das klingt doch schon mal vielversprechend. ๐ฅ
Wir haben keine Führung gebucht, sondern erkunden alles auf eigene Faust mit dem Audioguide – und das gefällt mir richtig gut. Die Erlebniswelt ist wirklich klasse gemacht.
Und dabei lernen wir natürlich auch einiges über die Geschichte von Rotkäppchen. Die beginnt hier in Freyburg bereits 1856. Damals gründen die Brüder Moritz und Julius Kloss zusammen mit ihrem Freund Carl Foerster eine Weinhandlung. Schon bald erkennen sie, dass sich mit den Weinen aus der Region auch hervorragender Schaumwein herstellen lässt. Die ersten 6.000 Flaschen werden tatsächlich noch in einer Hinterhauswohnung abgefüllt. Was für ein Unterschied zu heute!
Mit dem wachsenden Erfolg braucht man natürlich mehr Platz. 1887 entsteht ein neues Kellergebäude, das fünf Stockwerke tief unter die Erde reicht und rund 13.000 Quadratmeter umfasst. Und genau diese historischen Keller gehören bis heute zum Herzstück der Sektkellerei.
Die heutige Erlebniswelt gibt es erst seit 2023. Auf rund 1.400 Quadratmetern und an etwa 50 Stationen geht es durch die Geschichte des Hauses und die verschiedenen Arten der Sektherstellung. Und das eben nicht trocken wie im Museum, sondern richtig schön gemacht: hören, schauen, ausprobieren, Quizfragen beantworten, Fotos und Videos machen.
So erfahren wir ganz nebenbei, wie aus Wein eigentlich Sekt wird, was bei der Flaschengärung passiert und woher das berühmte rote Käppchen kommt.
Fast drei Stunden verbringen wir hier – und langweilig wird es keine Minute.
Zwischendurch haben wir übrigens noch einen wichtigen Programmpunkt erledigt: Apotheke! Gitty bringt von ihrer Mallorca-Reise einen ordentlichen Reizhusten mit – vermutlich ein Souvenir der Klimaanlage – und reicht ihn freundlicherweise gleich an mich weiter. Seitdem husten wir nachts um die Wette. ๐คง Also muss Hustensaft her, und die erste Portion nehmen wir gleich auf der Straße.
Prost mal anders. ๐
Nach unserem Rundgang lösen wir den Gutschein ein und gönnen uns ein Gläschen Rotkäppchen. Und weil inzwischen auch der Magen deutlich mitreden möchte, teilen wir uns noch einen Flammkuchen.
So lässt sich ein Regentag wirklich gut aushalten.
Und plötzlich ist der Himmel blau โ๏ธ
Als wir wieder nach draußen kommen, hat sich die Welt verändert. Der Regen ist verschwunden, die Sonne schiebt sich durch die Wolken und aus dem tristen Grau wird nach und nach ein leuchtend blauer Himmel.
Perfekt! Denn für den Nachmittag steht noch etwas ganz anderes auf unserem Programm: die Eroberung der Neuenburg.
Zurück am Wohnmobil gibt es nur schnell einen Kaffee, wir ziehen uns um, schnappen unsere Wanderstöcke und los geht's.
Und dann geht es bergauf.
Und weiter bergauf.
Und noch ein bisschen bergauf.
Gefühlt bestehen die letzten Meter ausschließlich aus Treppen. ๐
Aber genau das, was ich mir erhofft habe, passiert: Als wir oben ankommen, liegt die Neuenburg in der warmen Abendsonne.
Und dafür hat sich jeder einzelne Schritt gelohnt. โค๏ธ
Was wir da vor uns haben, ist übrigens nicht irgendeine kleine Burg. Die Neuenburg wird um 1090 von Ludwig dem Springer gegründet, dem Stammvater der Ludowinger. Er lässt auch die berühmte Wartburg bei Eisenach errichten. Während die Wartburg sein Herrschaftsgebiet nach Westen absichert, übernimmt die Neuenburg diese Aufgabe im Osten.
Unter den Thüringer Landgrafen wird die Anlage immer weiter ausgebaut und entwickelt sich zu einer der bedeutendsten Burgen der Region. Im Mittelalter ist die gesamte Burganlage sogar etwa dreimal so groß wie die Wartburg.
Auch große Namen gehören zu ihrer Geschichte. Kaiser Friedrich Barbarossa hält sich hier auf, und im 13. Jahrhundert lebt zeitweise Elisabeth von Thüringen mit ihrem Mann, Landgraf Ludwig IV., auf der Neuenburg. Aufenthalte Elisabeths in den Jahren 1224 und 1225 sind sogar historisch belegt.
Ein besonderes Schmuckstück ist die romanische Doppelkapelle aus dem 12. Jahrhundert. Zwei Kapellen liegen übereinander und sind miteinander verbunden. Oben kann einst die landgräfliche Familie am Gottesdienst teilnehmen, während unten die übrigen Burgbewohner versammelt sind.
Wir schauen uns in Ruhe um, bestaunen die mächtigen Mauern und natürlich den Bergfried, den „Dicken Wilhelm“. Vor allem aber zieht es uns immer wieder zum Ausblick.
Denn von hier oben liegt uns das Unstruttal praktisch zu Füßen. Freyburg tief unter uns, ringsherum Weinberge und über allem dieses warme Licht der tief stehenden Sonne.
Genau so habe ich mir Saale-Unstrut vorgestellt. โค๏ธ
Auch bei der Brennerei für Obstbrände schauen wir vorbei, bevor wir uns langsam wieder an den Abstieg machen. Langsam ist dabei durchaus wörtlich zu nehmen, denn nach dem Regen sind die Wege teilweise ziemlich glitschig.
Wir nehmen für den Rückweg eine andere Strecke – und die entwickelt sich stellenweise zu einem kleinen Abenteuer. Aber irgendwann kommen wir heil unten an.
Ein Glas Wein zwischen den Reben ๐ท
Und dann fällt uns ein, dass wir doch irgendwo am Mühlenweg eine Straußwirtschaft gesehen haben.
Also noch ein Stück weiterlaufen. Schließlich finden wir sie tatsächlich – und bekommen einen Platz draußen auf der Terrasse.
Da sitzen wir nun in der warmen Abendsonne, direkt zwischen den Weinreben, vor uns ein Glas Wein und eine Kleinigkeit zu essen.
Besser geht es eigentlich nicht. ๐๐ท
Wir sitzen, erzählen, schauen in die Weinberge und genießen einfach diesen Moment.
Nur unsere Pommes lassen sich sehr viel Zeit. So viel Zeit, dass die Sonne irgendwann hinter den Bergen verschwindet und aus „herrlich warm“ ziemlich schnell „ganz schön frisch“ wird. Als das Essen endlich kommt, sind wir schon ordentlich durchgefroren. ๐
Danach gibt es nur noch ein Ziel: Wohnmobil!
Dort wartet die heiße Dusche – und die ist jetzt Gold wert. Anschließend Füße hoch, Reisebericht schreiben, ein bisschen fernsehen und den Tag ausklingen lassen.
Was für ein Wechselbad: nachts ein mysteriöses Piepkonzert, morgens Regen und Hustensaft – und am Ende stehen wir auf einer fast 1.000 Jahre alten Burg in der Abendsonne und trinken Wein zwischen den Reben.
Langweilig wird uns auf dieser Reise jedenfalls nicht. โค๏ธRead more
Naumburg
September 15 in Germany โ
โ๏ธ 16 ยฐC
– vom falschen Dom, Federweißer und einem perfekten Nachmittag an der Unstrut
Heute sind wir schon früh auf den Beinen. Schließlich wollen wir mit den Rädern nach Naumburg. Und dort wollen wir uns nicht nur die Stadt anschauen, sondern haben auch noch etwas Dringendes zu erledigen. Um 10 Uhr müssen wir dort sein.
Das Ganze hängt noch mit unserem kleinen Malheur zusammen. Aber wenn wir das heute erledigt haben, können wir hinter die Sache hoffentlich endgültig einen Haken machen. ๐
Also rauf aufs Rad und los.
Der Radweg führt zunächst immer an der Unstrut entlang. Über den Wiesen liegt noch weißer, dampfender Morgennebel und auch die Weinberge liegen zum Teil noch im Schatten. Es hat etwas wunderbar Verträumtes. Wir sind fast allein unterwegs, nur hin und wieder begegnet uns ein anderer Radfahrer.
An den Hängen ziehen sich die Weinberge hinauf, fast alle terrassiert und von alten Mauern gestützt. Dazwischen stehen kleine Datschen, aber auch stattliche Häuser, die eher nach Herrenhaus als nach Weinberghütte aussehen.
Schon erstaunlich: So eine Weinlandschaft kennen wir eigentlich von Mosel und Rhein – und nun finden wir sie hier, an Saale und Unstrut.
Irgendwann verpassen wir allerdings die richtige Abfahrt. Wahrscheinlich gefällt uns der kleine Weg an der Unstrut einfach zu gut. ๐ Eigentlich hätten wir längst auf die andere Seite wechseln müssen.
Na ja. Umwege erhöhen bekanntlich die Ortskenntnis.
So kommen wir etwas anders als geplant nach Naumburg hinein und müssen noch ein Stück über die Landstraße zurückfahren.
Schon am Stadtrand fallen uns die vielen alten und zum größten Teil wunderschön renovierten Häuser auf. Wir suchen uns den Weg Richtung Markt – und als wir dort ankommen, sind wir erst einmal beeindruckt.
Was für ein schöner Platz!
Rundherum prächtige alte Bürger- und Patrizierhäuser, mittendrin quirliges Stadtleben. Hier gefällt es uns auf Anhieb.
Zunächst erledigen wir aber das, weshalb wir so früh losgefahren sind. Räder anschließen – fertig.
Und nun gehört Naumburg uns.
Es ist inzwischen kurz vor elf und natürlich wollen wir als Erstes den berühmten Naumburger Dom besichtigen.
Da steht er ja auch direkt am Markt.
Denken wir. ๐
Wir gehen hinein, schauen ehrfürchtig auf das Innere des sakralen Gebäudes, bewundern den reich geschmückten Altar und die beeindruckende Orgel, auf der sogar Johann Sebastian Bach gespielt hat.
Sehr schön.
Sehr beeindruckend.
Naumburger Dom: erledigt. Haken dran. โ๏ธ
Dachten wir.
Inzwischen meldet sich allerdings der kleine Hunger, bevor sein großer Bruder zur Verstärkung anrückt. Also suchen wir uns erst einmal ein Bäckerei-Café. Heute Morgen gibt es auf die Schnelle nur Müsli, deshalb schmecken Kaffee und belegtes Brötchen jetzt besonders gut.
Von unserem Platz können wir wunderbar die Fußgängerzone und das Kommen und Gehen der Menschen beobachten.
Dabei entdecken wir, dass die Fußgängerzone gegenüber noch weitergeht.
Also schlendern wir nach unserer Pause einfach mal dort entlang.
Und dann steht da plötzlich ein Schild:
„Zum Dom“
Wie bitte? ๐ณ
Wir schauen uns an.
Dann schauen wir in die Richtung, in die der Pfeil zeigt.
Und da steht er.
Groß. Mächtig. Mit seinen vier Türmen.
Der Naumburger Dom.
Ach sooooo! ๐
Wir waren gerade in der Stadtkirche St. Wenzel!
Na gut. Die ist schließlich auch sehenswert. Und nun wissen wir wenigstens, dass man in Naumburg durchaus zwei beeindruckende Kirchen an einem Vormittag schaffen kann.
Also jetzt aber zum richtigen Dom.
Wir bekommen einen Audioguide und verschwinden für die nächsten zwei Stunden im Inneren dieses gewaltigen Bauwerks. Wir erfahren unglaublich viel über seine Entstehung, seine Kunstschätze, Reliefs, Kapitelle und natürlich über die berühmten Stifterfiguren.
Es ist wirklich spannend – und offenbar nicht nur für uns. Jede Menge Schulklassen sind ebenfalls unterwegs.
Nach ungefähr zwei Stunden reicht unser Aufnahmevermögen dann aber doch. Irgendwann kann selbst der schönste Dom keine weiteren Jahreszahlen mehr in unseren Köpfen unterbringen. ๐
Wir gehen hinaus in den Domgarten – und merken erst jetzt so richtig, was für ein herrliches Wetter inzwischen geworden ist. Die Sonne scheint vom strahlend blauen Himmel und es ist richtig warm.
Also weiter durch die Altstadt.
Und dann entdecken wir an einer Gastwirtschaft ein Wort, das in einer Weinregion natürlich sofort unsere Aufmerksamkeit weckt:
Federweißer!
Na, wenn das kein Grund für eine kleine Pause ist.
Überhaupt staunen wir über die Preise, die hier auf den Tafeln und Speisekarten stehen. Aperol Spritz für 4,50 Euro, Hugo für 3,10 Euro und auf der Mittagskarte Sauerbraten mit Thüringer Klößen und Rotkohl für rund 10 Euro.
Wo gibt es denn so etwas noch?
Das sind ja fast Preise aus vergangenen Zeiten.
Wir bummeln noch ein wenig durch Naumburg. Da ich bei unserem kleinen Malheur auch meinen Fahrradspiegel geschrottet habe, suche ich nebenbei nach Ersatz. Ich entdecke einen Fahrradladen etwas außerhalb der Innenstadt und wir radeln noch hin.
Leider ohne Erfolg. Den Spiegel, den ich brauche, hat er nicht.
Also machen wir uns wieder auf den Rückweg.
Und jetzt zeigt sich unsere Strecke noch einmal von einer ganz anderen Seite.
Heute Morgen Nebel und Schatten – jetzt Sonne, hellblauer Himmel und leuchtende Weinberge. โ๏ธ๐
In den Straußwirtschaften entlang des Radweges sitzen die Menschen bei Wein, Federweißem und Flammkuchen draußen und lassen es sich gut gehen.
So muss eine Weinregion aussehen.
Gegen halb vier erreichen wir unser Wohnmobil und sind inzwischen doch ein bisschen geschafft. Es ist richtig heiß geworden.
Also schnell die Sachen verstauen, Liegen schnappen und runter zur Unstrut.
Auf der Wiese direkt am Fluss machen wir es uns gemütlich. Kaffee dazu und der mitgebrachte Pflaumenkuchen – mehr brauchen wir gerade nicht.
Und weil es so schön ist, bleiben wir einfach liegen.
Aus einer kleinen Pause wird ein ganzer Nachmittag.
Nach und nach kommen noch ein paar andere Wohnmobilisten auf die Wiese. Man unterhält sich, erzählt ein bisschen und genießt gemeinsam den schönen Spätsommertag. Wir sind hier sowieso nur eine Handvoll Mobile – sechs, wenn ich richtig gezählt habe.
Das macht den Platz fast familiär.
Erst als die Sonne langsam verschwindet, verschwinden auch wir wieder Richtung Wohnmobil.
Jetzt muss etwas zu essen her.
Drei Bedingungen:
Es muss satt machen.
Es muss schnell gehen.
Und möglichst wenig Geschirr verursachen. ๐
Angesichts der vielen Tomaten, die ich von zu Hause mitgebracht habe, entscheiden wir uns für Tomaten-Käse-Toast mit Salat.
Schnell gemacht und richtig lecker.
Dazu trinken wir den Rest Wein von gestern beziehungsweise ein großes Alster.
Als alles gegessen, weggeräumt und gespült ist, verschwindet auch das letzte Tageslicht.
Nun beginnt der gemütliche Teil des Abends.
Gitty schaut ein bisschen fern, ich schreibe mein Reisetagebuch.
Und damit geht ein wunderschöner, entspannter Wohnmobiltag zu Ende.
Naumburg hat uns überrascht – mit wunderschönen Häusern, gleich zwei sehenswerten Kirchen, erstaunlichen Preisen und einem Dom, den man allerdings erst einmal finden muss. ๐
Und unser kleines Malheur?
Haken dran. โ๏ธ
So darf Urlaub weitergehen.Read more

TravelerDie schรถnste Frau des Mittelalters habt Ihr auch gesehen? Vor allem wegen ihr ist der Dom ja absolutes Pflichtprogramm!
Zwischen Weinbergen und Unstrut
September 14 in Germany โ
โ๏ธ 20 ยฐC
Tag 2 – Angekommen zwischen Weinbergen und Unstrut
Nach dem Dauerregen gestern zeigt sich der Morgen heute deutlich versöhnlicher. Erste blaue Streifen schieben sich zwischen die Wolken und im Laufe des Vormittags entwickelt sich daraus tatsächlich richtig schönes Spätsommerwetter. โ๏ธ
Eigentlich könnten wir also voller Tatendrang Richtung Saale-Unstrut starten.
Eigentlich.
Denn da ist ja noch unser kleines Malheur von gestern. ๐ Das muss erst einmal geregelt werden und dafür heißt es für mich: noch einmal mit dem Wohnmobil hinein nach Erfurt. Nicht unbedingt das, was man sich für einen entspannten Urlaubsmorgen wünscht, aber wat mutt, dat mutt.
So kommen wir erst gegen 13 Uhr vom Stellplatz los.
Zunächst geht es über die A71 Richtung Sangerhausen und anschließend – wie soll ich es ausdrücken? – quer durch die Walachei. ๐
Die Landschaft: wunderschön.
Die Straßen: unterirdisch.
Manche fühlen sich an, als hätten sie die Wende persönlich miterlebt und warteten seitdem auf eine Renovierung. Wo die Soli-Gelder geblieben sind – hier jedenfalls nicht. ๐
Dafür bekommen wir landschaftlich einiges geboten. Es geht ordentlich bergauf und bergab, teilweise mit acht bis zehn Prozent Gefälle und anschließend natürlich wieder genauso steil hinauf. Mit unserem großen E-Liner habe ich jedenfalls gut zu tun.
Wir sind wohl mitten im Thüringer Wald unterwegs. Irgendwann taucht auch ein Wegweiser Richtung Oberhof auf – und damit sind wir endgültig im Wintersportland. Skispringen, Biathlon, Langlauf – im Winter muss hier richtig was los sein.
Heute aber: grüne Wälder, Berge und wir mittendrin.
Je näher wir dem Burgenland kommen, desto kleiner werden die Straßen und Dörfer. Enge Ortsdurchfahrten, schmale Gassen – und meine beiden Navis sind sich natürlich mal wieder überhaupt nicht einig.
Das eine sagt links.
Das andere rechts.
Und ich denke nur: Könnt ihr euch vielleicht einigen, bevor ich mit acht Metern Wohnmobil irgendwo feststecke?
Seit unserem gestrigen Abenteuer traue ich Emma sowieso nicht mehr blind. Wenn mir eine Strecke merkwürdig vorkommt, schaue ich lieber zusätzlich auf die Verkehrsschilder.
Und irgendwann ist es dann so weit:
Die ersten Weinberge! ๐
Da sind sie endlich – die neuen Weinberge, wegen denen wir überhaupt losgefahren sind.
Wir kommen durch Naumburg und nähern uns Freyburg. Nur an der richtigen Abfahrt – da fahren wir natürlich erst einmal geflissentlich vorbei. ๐
Zum Glück kommt zwei Kilometer später ein kleiner Rastplatz, auf dem ich mit unserem Dickschiff drehen kann. Und wenn wir nun schon einmal dort stehen, genießen wir wenigstens die Aussicht: Weinberge, Landschaft und die Neuenburg hoch über Freyburg.
Spätestens jetzt ist klar:
Wir sind im Saale-Unstrut-Weinland angekommen.
Also wieder zurück, über die Unstrut und hinein nach Freyburg.
Unser Stellplatz „Schleusenblick“ liegt wunderbar direkt an der Unstrut. Was auf der Beschreibung allerdings nicht ganz so deutlich rüberkommt: Bis dahin muss man erst einmal durch die kleinen, teilweise ziemlich engen und bergigen Straßen von Freyburg.
Und dann stehe ich vor der Einfahrt.
Großes Tor.
Schmale Zufahrt.
Autos davor.
Ich sehe das Tor an.
Ich sehe unser acht Meter langes Wohnmobil an.
Das soll da durch?
Aber ich muss mir heute tatsächlich einmal selbst auf die Schulter klopfen: Ich würge unseren E-Liner da durch. ๐
Wie ich ihn irgendwann wieder herausbekomme, darüber denke ich heute lieber noch nicht nach.
Gegen 15:30 Uhr stehen wir endlich.
Strom dran, Stühle raus – angekommen!
Ein paar Schritte weiter fließt die Unstrut direkt am Stellplatz vorbei. Mit unserem großen Wohnmobil können wir zwar nicht unmittelbar unten am Wasser stehen, aber unser Platz auf dem Hof ist völlig in Ordnung.
Gitty marschiert gleich los zum Netto auf der anderen Seite der Unstrut und kommt mit Kuchen zurück. Und so sitzen wir wenig später tatsächlich draußen in der Sonne, trinken Kaffee und lassen den anstrengenden Fahrtag langsam hinter uns.
Herrlich. โโ๏ธ
Gegen 16:30 Uhr machen wir uns noch zu Fuß auf den Weg, Freyburg ein wenig zu erkunden.
Und da ist plötzlich dieses Gefühl, das ich so gut von unseren Reisen an Mosel und Rhein kenne: kleine Straßen, hübsche Häuser, Weinberge rundherum und überall dreht sich irgendwie alles um den Wein.
Natürlich führt unser Weg auch zur Rotkäppchen Sektkellerei. Für die Erlebniswelt sind wir heute zu spät dran, aber den beeindruckenden historischen Bau müssen wir uns trotzdem anschauen. Von hier oben haben wir einen wunderschönen Blick über Freyburg, auf die Weinberge und hinüber zur Neuenburg.
Die Führung bei Rotkäppchen wird nachgeholt – morgen oder übermorgen. Schließlich sind wir zum Entdecken hier. ๐ฅ
Danach geht es gemütlich zurück zum Stellplatz.
Und was braucht man am ersten Abend im Saale-Unstrut-Weinland?
Natürlich eine Flasche Wein aus der Region. ๐ท
Wir entscheiden uns für einen Rosé, dazu gibt es etwas Käse. Wir sitzen draußen, unterhalten uns mit den anderen Wohnmobilisten und stoßen auf unsere Ankunft an.
Langsam wird es dunkel über der Unstrut.
Und plötzlich ist der ganze Stress des Tages ziemlich weit weg.
Die engen Straßen.
Die Schlaglöcher.
Die widerspenstigen Navis.
Die steilen Berge.
Und das Nadelöhr von Stellplatzeinfahrt.
Alles geschafft.
Jetzt sind wir hier.
Mitten im Saale-Unstrut-Weinland. ๐๐ท
Hier bleiben wir erst einmal bis Donnerstag.
Morgen kommen die Räder raus und es geht Richtung Naumburg. Die Stadt wollen wir uns anschauen. Außerdem steht natürlich die Neuenburg noch auf unserer Liste und auch Rotkäppchen wartet noch auf uns.
Zu tun gibt es also genug.
Aber für heute ist Schluss.
Füße hoch, entspannen und den Abend genießen.
Denn unsere Reise auf der Suche nach neuen Weinbergen hat jetzt so richtig begonnen. โค๏ธRead more

TravelerFahrt auch mit dem Rad bis Wangen....Arche Nebra anschauen und Einkehr im Waldhotel!

Womofriends-on-tourWir bleiben ca 2,5 Wochen on der Gegend ind die Himmelscheibe von Nebra steht auch auf dem Proramm. ๐๐ญโจ Wangen ist mir neu werden wir machen. ๐บ๏ธ๐ถโโ๏ธ๐ Waldhotel .. kehren wir ein ๐ฒ๐ฝ๏ธ๐ท

TravelerRund um die Himmelsscheibe sind zwei ganz unterschiedliche Orte: die Arche Nebra ist ein eher niedrigschwelliges Erlebniszentrum, architektonisch sehenswert und interessant gemacht. Die Himmelsscheibe und weitere hรถchst spannende Funde befinden sich im Landesmuseum in Halle.
Erfurt.....
September 13 in Germany โ
๐ง 17 ยฐC
Regen, Umwege und ein "kleines" Malheur – Auftakt in Erfurt ๐ง๏ธ๐๐ท
13. September 2026
Um 9.30 Uhr ist es so weit. Wir können starten! ๐
Eigentlich hatte ich mir den Auftakt zu unserer Herbstreise ein bisschen schöner vorgestellt. Blauer Himmel wäre nett gewesen. Ein paar Sonnenstrahlen vielleicht. Oder wenigstens trocken.
Stattdessen nieselt es leise vor sich hin.
Gitty ist pünktlich da, ich bin fertig. Eigentlich muss ich nur noch die Haustür abschließen, den Wohnmobilschlüssel umdrehen – und los geht es.
Auf zu unserem Herbstabenteuer an Saale und Unstrut. Auf der Suche nach neuen Weinbergen! ๐๐ท
Kaum sind wir unterwegs, wird aus dem Nieselregen richtiger Regen. Und aus dem Regen wird irgendwann: sehr viel Regen.
Es regnet auf der A2.
Es regnet Richtung Paderborn.
Es regnet auf der A44 Richtung Kassel.
Und selbstverständlich regnet es auch weiter auf der A7.
Wenn das so weitergeht, können wir die Weinberge später mit dem Schlauchboot erkunden. ๐
Trotzdem fährt es sich erstaunlich entspannt. Sonntag hat eben auch Vorteile: kaum Lkw, wenig Verkehr und wir kommen gut voran.
Ab Bad Hersfeld geht es weiter Richtung Erfurt. Und dort beginnt der unterhaltsame Teil unserer Anreise.
Natürlich immer noch bei strömendem Regen. ๐ง๏ธ
Unsere vorgesehene Abfahrt ist gesperrt. Also eine weiter. Kein Problem, wir haben schließlich gleich mehrere Navigationssysteme.
Dachte ich.
Das Navi schickt uns zweimal im Kreis und immer wieder auf die A71 zurück. Irgendwann reicht es mir.
Ich fahre jetzt einfach auf die B4!
Und siehe da: Plötzlich sind beide Navis wieder meiner Meinung.
Allerdings nur kurz.
Schon bald herrscht wieder Uneinigkeit. Das eine möchte Richtung Zentrum, ich aber nicht. Ich vertraue schließlich Mathilde, unserem Wohnmobil-Navi. Die wird schon wissen, wo ein 8 Meter langes und 5,5 Tonnen schweres Wohnmobil hingehört.
Oder auch nicht.
Mathilde schickt uns nämlich mitten hinein in kleine Anwohnerstraßen. Links parkende Autos. Rechts parkende Autos. Und dazwischen wir.
Ich sitze hinterm Lenkrad und denke nur:
Ich will hier raus! Und zwar sofort! ๐ณ
Teilweise passt das Wohnmobil gefühlt gerade noch auf Spiegelbreite zwischen den Autos hindurch.
Dann übernimmt Google Maps wieder das Kommando und schickt uns zurück. Dieses Mal sieht es tatsächlich besser aus.
Messe Erfurt.
Genau da wollen wir hin, denn dort liegt unser Stellplatz „Tor zur Stadt Erfurt“.
Wir fahren hin.
Und daran vorbei. ๐
Denn wir halten ihn schlicht für einen Messeparkplatz.
Also irgendwo wenden. Mit unserem Wohnmobil. Bei strömendem Regen. In Erfurt.
Was soll schon schiefgehen?
Nun ja.
Dazu später mehr. ๐
Irgendwann haben wir es tatsächlich geschafft und stehen endlich auf dem Stellplatz. Einchecken, Wohnmobil abstellen – und erst einmal:
Kaffee! โ
Jetzt stellt sich nur noch die Frage: Wollen wir bei diesem Wetter wirklich in die Erfurter Altstadt?
Natürlich wollen wir.
Also Regenjacken an und los.
Wir laufen zunächst mindestens 20 Minuten durch den Regen – leider in die falsche Richtung. Als wir unseren Irrtum bemerken, dürfen wir den ganzen Weg wieder zurück.
An der richtigen Straßenbahnhaltestelle angekommen, stehen wir gefühlt eine Ewigkeit im Regen.
Es ist zwar nicht Freitag.
Aber immerhin haben wir den 13. ๐
Mit der Linie 2 geht es schließlich in etwa zehn Minuten zum Domplatz. Dort findet ausgerechnet heute ein Weinfest statt.
Im Regen.
Na wunderbar. ๐ท๐ง๏ธ
Aber dann sehen wir Erfurt – und plötzlich ist der ganze Ärger fast vergessen.
Über dem Domplatz thronen der Erfurter Dom St. Marien und die Severikirche nebeneinander. Dieses ungewöhnliche Ensemble prägt seit Jahrhunderten das Stadtbild und ist eines der Wahrzeichen Erfurts. Hoch oben auf dem Domberg wirken die beiden Kirchen schon von unten beeindruckend.
Also hinauf.
Stufe um Stufe.
Und noch eine.
Und noch eine.
Himmel, sind das viele Stufen! ๐
Aber der Aufstieg lohnt sich.
Wir schauen uns sowohl den Dom als auch die Severikirche an. Besonders die reich verzierte Orgel und der Altar der Severikirche beeindrucken uns. Auch im Dom gibt es viel zu entdecken. Der Erfurter Dom blickt auf eine jahrhundertelange Geschichte zurück und besitzt mit der berühmten „Gloriosa“ sogar eine der bedeutendsten mittelalterlichen freischwingenden Glocken der Welt.
Danach geht es weiter Richtung Fischmarkt.
Und Erfurt zeigt uns noch einmal, warum seine Altstadt so sehenswert ist: wunderschöne Bürgerhäuser, prächtige Fassaden und Fachwerk. Der Fischmarkt gehört mit seinen reich geschmückten Renaissancehäusern zu den schönsten Plätzen der Stadt.
Ein kurzer Blick in die Allerheiligenkirche gehört natürlich auch noch dazu.
Dann fällt unser Blick allerdings auf etwas mindestens genauso Interessantes:
eine Speisekarte. ๐
Eigentlich haben wir nur einen kleinen Hunger.
Aber der kleine Hunger hat seinen großen Bruder mitgebracht.
Und der überredet uns schließlich, in einem gemütlichen italienischen Lokal einzukehren.
Eine sehr gute Entscheidung.
Wir sitzen unter großen Sonnenschirmen – wobei „Regenschirme“ heute eindeutig die passendere Bezeichnung wäre. Von oben tropft es, wir sind inzwischen ziemlich klamm, aber vor uns stehen eine leckere Antipastiplatte und ein „kleines“ Alster.
Klein bedeutet hier übrigens 0,5 Liter. ๐บ๐
So lässt sich selbst ein verregneter erster Urlaubstag aushalten.
Irgendwann klingelt das Telefon.
Wir haben noch ein Treffen auf dem Stellplatz.
Und dieses Treffen hängt mit einem kleinen Malheur zusammen, das uns heute passiert ist.
Wobei … „klein“ vielleicht nicht ganz das richtige Wort ist. ๐
Aber diese Geschichte erzähle ich erst am Ende unserer Reise.
Ein bisschen Spannung muss schließlich sein. ๐
Gegen 21 Uhr gehen wir dann endlich zum gemütlichen Teil des Abends über. Hinter uns liegen Regen, Autobahnen, gesperrte Abfahrten, widerspenstige Navis, enge Straßen, ein verpasster Stellplatz, ein langer Spaziergang zur falschen Haltestelle, jede Menge Kirchenstufen, Antipasti, Alster – und besagtes Malheur.
Also eigentlich ein ganz normaler erster Urlaubstag bei uns. ๐
Jetzt sitzen wir warm und trocken im Wohnmobil und sind gespannt:
Was hält der morgige Tag wohl für Überraschungen bereit?
Vielleicht sogar Sonne?
Man wird ja wohl noch träumen dürfen. ๐ค๏ธ
Saale-Unstrut – wir kommen! ๐๐ท๐Read more

TravelerBei uns in Bamberg Regnet es auch den ganzen Tag. Haben unsere Stadtbesichtigung abgebrochen. Morgen soll es besser werden. LG Conny und Udo

Womofriends-on-tourBamberg kenne ich azch nur im Regen.Bei uns geht es morgen nach Freyburg
Schon Probleme bevor es รผberhaupt losgeht....
September 10 in Germany โ
โ๏ธ 18 ยฐC
๐๐
Prolog
So, das Wohmobil ist gepackt. Die Fahrräder sind verstaut, alles ist an Bord und morgen kann es losgehen. Gemeinsam mit meiner Freundin Gitti geht es für zweieinhalb Wochen an Saale und Unstrut.
Schon lange wollte ich mal wieder im Herbst in eine Weingegend fahren. Zu schön waren unsere Touren an Mosel und Rhein: Weinberge, kleine Orte, Weinfeste, Straußwirtschaften und abends ein Gläschen Wein irgendwo mit Blick auf die Reben. ๐ท
Eigentlich hätte es also durchaus wieder die Mosel werden können. Aber was von dort inzwischen zu hören ist – übervolle Stellplätze, jede Menge Wohnmobile und reichlich Trubel – klang nicht unbedingt nach dem, was ich gesucht habe.
Also musste eine Alternative her.
Und bei meiner Recherche stieß ich auf Saale-Unstrut, eines der nördlichsten Weinanbaugebiete Deutschlands.
Je mehr ich darüber las, desto neugieriger wurde ich.
Weinberge? Gibt es.
Weinproben? Natürlich.
Weinfeste und Straußwirtschaften? Auch.
Dazu Wanderwege, schöne Radtouren, Burgen und kleine Städte wie Freyburg, Naumburg und Bad Kösen.
Warum also nicht?
Gitti war jedenfalls sofort dabei.
Und so wollen wir nun zweieinhalb Wochen lang eine Gegend entdecken, die für uns beide weitgehend Neuland ist. Danach geht es gleich weiter zum Herbsttreffen der Wohnmobilisten nach Coesfeld.
Soweit der Plan.
Aber wer mein Wohnmobil kennt, weiß inzwischen: Bevor es losgeht, muss offenbar noch irgendetwas passieren. ๐
Gestern war ich noch schnell tanken und hatte sogar Glück mit einem einigermaßen vernünftigen Dieselpreis. Auf dem Heimweg dann plötzlich die Meldung im Display:
„Standlicht links kontrollieren.“
Na wunderbar.
Also noch schnell ein neues Leuchtmittel besorgt. Als Alwin und Gitti heute kamen, um Gittis Sachen und Fahrrad zu bringen, bat ich Alwin, mir eben die Birne auszutauschen.
Eben.
Wir dachten alle, das sei eine Sache von ein paar Minuten.
Ha!
Die Birne war nämlich gar nicht kaputt.
Stattdessen kam am linken hinteren Standlicht kein Strom an. Und damit begann die große Suche nach dem verlorenen Strom. ๐๐
Ruckzuck war nicht nur das Standlicht ausgebaut, sondern auch das hintere Bremslicht, damit man überhaupt an Stecker und Kabel herankam. Nur leider machte uns die Verkabelung nicht unbedingt schlauer.
Zum Glück kam auch noch Nachbar Klaus um die Ecke, der als Camper mein Jocker für alle Wohnmobilprobleme ist, und bot seine Hilfe an. Nun tüftelten zwei Männer an Kabeln und Steckern, während meine wichtigste Aufgabe darin bestand:
„Rosi, Licht an!“
„Rosi, Licht aus!“
„Motor an!“
„Motor wieder aus!“
Ich entwickelte mich langsam zur menschlichen Lichtschalter-Fernbedienung.
Irgendwann hatten die beiden tatsächlich herausgefunden, welches Kabel Strom führte, welches keinen bekam und wo man die Verbindung überbrücken konnte.
Und siehe da:
Es leuchtet wieder! ๐ก
Aus der vermeintlichen Fünf-Minuten-Reparatur war zwar ein nachmittagsfüllendes Programm mit zeitweise durchaus ungewissem Ausgang geworden – aber morgen können wir fahren.
Dieses Wohnmobil hält wirklich immer wieder neue Überraschungen für mich bereit. Und manchmal bringt es mich mit all seiner Technik auch ziemlich an meine Grenzen. Umso schöner ist es, Menschen um mich herum zu haben, die nicht lange fragen, sondern einfach helfen. โค๏ธ
Jetzt hoffe ich allerdings sehr, dass dies für die kommenden zweieinhalb Wochen bereits die komplette Rubrik „Technische Überraschungen“ gewesen ist.
Mehr brauche ich wirklich nicht.
Denn jetzt möchte ich nur noch los.
Morgen früh starten Gitti und ich Richtung Osten. Unser erstes Ziel ist Erfurt. Das liegt gut auf der Strecke und soll wunderschön sein. Also werden wir uns morgen Nachmittag und Abend erst einmal die Stadt anschauen, bevor es weiter in Richtung Weinberge geht.
Ich bin gespannt auf Saale und Unstrut. Auf unbekannte Orte, Radtouren, Wanderungen, Weinberge, nette Begegnungen und natürlich auf das eine oder andere Gläschen Wein. ๐ท๐
Und vielleicht stelle ich am Ende fest:
Warum eigentlich immer Mosel?
Morgen geht’s los.
Ich werde berichten. ๐๐จRead more

TravelerIm Osten gibt es so unglaublich viel schรถnes zu entdecken, wir haben in den letzten Jahren ja einige Reisen dorthin unternommen.












































































































































































































































































































































































































































































