You're German? Let it be!
April 5, 2025 in Czech Republic ⋅ 🌬 10 °C
Start heute morgen um 6 Uhr mit dem Bummelzug von Neustrelitz nach Berlin. Der Fahrkartenautomat von dem wir die Tickets für die Räder ziehen wollten, schluckte die 14 €, bedankte sich nett für den Einkauf und behielt die Tickets. Ging ja gut los! Als wir uns beim Schaffner beschweren wollten, sagte der nur: "Jens, bist du das?" Ich hatte für ihn mal vor gut 20 Jahren einen Keiler nachgesucht. Bei der Suche versank er damals direkt neben mir bis zu den Achseln im Moor und schrie ordentlich um Hilfe. Ich half ihm natürlich, er sollte mir vorher nur schnell noch sein Handy und den Autoschlüssel geben. Aus unerfindlichen Gründen traute er mir nicht!! Ich half ihm selbstverständlich trotzdem und zog ihn mithilfe des Schweißriemens raus. Den kranken Keiler bekamen wir auch! So was verbindet!
In Berlin angekommen kurzer Trip zum Reichstag um wenigstens ein wenig den Anschein zu wahren, etwas kulturinteressiert zu sein. In Wirklichkeit waren wir auf der Suche nach einem Café. Natürlich erfolglos! Um 8 Uhr morgens schlafen Berliner halt noch! Mit einigen Schwierigkeiten enterten wir den Direktzug nach Budapest, welcher für knapp 13 Stunden unsere komfortable Heimstatt bilden sollte. Im Bordrestaurant bei wirklich gutem tschechischem Bier und ordentlichem Burger kam ausgerechnet der Fahrkartenkontrolleur (die Tickets hatten wir am Sitzplatz gelassen). Matthi wollte gleich los sprinten, aber der Schaffner meinte nur: "you're German? Let it be!"
Hinterher waren wir uns nicht sicher, ob es an unserem seriösen Aussehen lag oder am guten Ansehen der Deutschen an sich. Wir tippen auf ersteres!!
Inzwischen sind wir im Hotel "Diana" in Budapest angekommen. Der Rezeptionist war so dermaßen voll, dass er fast eine halbe Stunde gebraucht hat um unsere Pässe abzufotografieren. Egal, die Räder stehen sicher, das Bettchen ist bequem nur ein Scheideschoppen wäre noch schön gewesen!
Unser Lied des Tages:
"Road to nowhere" von den Talking HeadsRead more
Elwood and Jake
April 6, 2025 in Hungary ⋅ 🌙 3 °C
Kennt Ihr die Szene aus den Blues Brothers, wo an Elwoods Zimmer alle 2 Minuten die U-Bahn vorbei donnert und alle Tassen im Schrank wackeln? Das Zimmer hatten wir die Nacht in Budapest gemietet! Trotz des Krachs haben wir hervorragend geschlafen, super gefrühstückt und dann auf zur Sightseeing-Tour durch Budapest! Gegen das Parlamentsgebäude heute wirkte der Reichstag gestern in Berlin wie ein Zeitungskiosk oder Späti (wie die Berliner sagen). Budapest fasziniert durch seinen morbiden Charme und den Gegensatz der prunkvollen Paläste zu den kommunistischen Plattenbauten. Wir fandens echt klasse! Nach Budapest ging an der wunderschönen Donau entlang. Toller Radweg, alles blüht und grünt, kaum Menschen, aber Gegenwind Stärke 7! Nach einem großartigen Essen in Vac an der Donau bogen wir ab nach Norden ins Inland. Zum Gegenwind gesellten sich dann unfahrbare Steigungen auf Wegen voller Geröll und als Alternative eine 4-spurige autobahngleiche Bundesstraße. Leider mussten wir letztere nehmen und hatten 15 km aber so richtig Spaß! Jetzt sind wir in einer richtig schönen Ferienwohnung im hintersten Ungarn, haben die Heizung auf 23° gedreht und sind zu kaputt zum Essen (Bier trinken geht natürlich noch gerade so).
Song des Tages: "going up the country" von Cannot HeatRead more
Ungarn ade, willkommen in der Slowakei
April 7, 2025 in Slovakia ⋅ ☁️ 5 °C
Die Ferienwohnung war ja ziemlich klasse, aber leider mussten die Räder draußen bleiben. Morgens um 5 erscholl ein Mordslärm, alle Einwohner des Örtchens wurden unsanft geweckt und der blöde potentielle Fahrraddieb musste die Hufe in die Hand nehmen. Das war auch besser für den Deppen, denn auch wir sind von unserer Fahrrad-Alarmanlage geweckt worden und waren ziemlich flott die Treppe runter...!
Schreck überwunden, Räder noch da, schlecht gefrühstückt und nix wie raus aus Ungarn. Nachdem wir schon beim Geld wechseln betuppt wurden und auch die zuerst gebuchte Ferienwohnung ganz plötzlich nicht mehr frei war (Radfahrer haben wohl in Ungarn einen schlechten Ruf! Ausgerechnet...!), hatten wir die Nase voll von den Z...! An der Grenze ging alles problemlos. Die Zöllner wollten nur wissen, wo wir mit dem ganzen Zeug auf den Rädern hinwollen. Bei unserer Antwort "Hohe Tatra" schüttelten die nur alle gleichzeitig den Kopf!!
In der Slowakei ging es dann ordentlich bergauf, eigentlich ständig. Als wir den letzten wirklich steilen Bergrücken überwunden hatten, stellten wir fest, dass die einzige infrage kommende erreichbare Unterkunft hinter uns liegt. Also rauf aufs Rad und wieder 10 km zurück. Natürlich über denselben Bergrücken! Die Unterkunft - schwer zu finden und von außen ziemlich hässlich - ist eine wirkliche Perle. Riesig groß, top modern eingerichtet mit allem Komfort- und zurück. Die Räder durften wir mit in die Wohnung nehmen, also heute alles safe! 200m von der Wohnung entfernt, eine 1a-Burgerschmiede. Also 2 Beefburger (jeweils 330 g Rindfleischpattys) mit Pommes (+ 2 Budweiser) zum mitnehmen geholt und dazu "Django unchanged" auf Netflix eingeschaltet. Toller Ausklang!
Unser Song des Tages: "Neue Männer braucht das Land" von der Ina Deter BandRead more
Ein Vorgeschmack
April 8, 2025 in Slovakia ⋅ 🌙 4 °C
Ungern haben wir heute morgen unsere Luxussuite verlassen. Da hätten wir es schon noch ein wenig ausgehalten! Aber los geht's, "der Berg ruft!" schrieb Luis Trenker! Der hat ziemlich laut gerufen, zumindest ging es fast 40 km nur bergauf! Dazu ein anständiger Nordwind! Irgendwann zieht es dir den Stecker und dann geht nix mehr. Wir hatten das heute abwechselnd zweimal. Trotzdem haben wir die tolle Landschaft genossen. Die Abfahrt, auf die wir uns so gefreut haben (und die wir uns hart erarbeitet hatten), fiel leider aus, weil der Nordwind uns auch bergab hart in die Pedalen treten ließ! Als wir dann aber die ersten schneebedeckten Gipfel (unser Ziel!) am Horizont leuchten sahen, waren alle Strapazen vergessen. Inzwischen haben wir eine supergünstige Pension bezogen, nur 200m von hier eine supergeile Pizza gegessen und gleich geht's - mit einer kalten Dose Pilsner Urquell auf dem Nachtschrank - in die Heia!
Unser Song für heute: "Du musst gar nix!" von Die Sterne!Read more
Es fing so gut an...
April 9, 2025 in Slovakia ⋅ ⛅ 6 °C
... Wir lagen so weit vorn! Gut geschlafen, geduscht, alles vorbereitet. Leider war unser Zimmer so klein (es passte kein Stuhl rein), dass wir unsere Vorräte nicht in der Pension verfrühstücken konnten. Stattdessen ging es in die nahe Tanke. Frühstück mit Bohnen, Speck, Würstchen, Spiegelei und Salat. Gewöhnungsbedürftig, aber lecker! Dann gings - bei schönstem Sonnenschein und ca. +5° - auf die Piste. Der höchste Berg der heutigen Etappe lauerte direkt am Anfang über uns, so dass uns schon nach kurzer Zeit die Frühstückswürstchen aus der Nase zu schießen drohten. Aber auch dieser Huckel ließ sich rasch überwinden und so ging es mit ordentlich Dampf dem heutigen Ziel - Banzka Bystrica (der 6.-größten Stadt der Slowakei) - entgegen. Den letzten (auch "nicht-ohne") Anstieg nahmen wir im Sturm und rollten recht früh in die Stadt ein. Nach einem Bier in der wunderschönen Fußgängerzone und einem umfangreichen Einkauf (heute soll es zum ersten Mal die sonst üblichen Radler-Nudeln geben) ging es gemächlich Richtung gebuchter Unterkunft. Diese sollte etwas größer sein, mit Küche, Wohnzimmer, zwei Schlafzimmern und - laut booking.com - einem wunderschönen Ausblick auf die hohen Berge. Bei Ankunft sollten wir den Vermieter kontaktieren, damit dieser uns die Einlassmodalitäten erklären konnte. Leider antwortete der Vermieter nicht mehr auf Mails, SMS und ging auch vorsichtshalber nicht ans Telefon! Geschlagene 2 Stunden warteten wir nun schon vor dem abgehalfterten Plattenbau, holten sämtliche Omas und Opas aus der Nachbarschaft zu Hilfe, aber nix ging! Meine Geduld wandelte sich zusehends in Wut (es wurde auch langsam saukalt) und Matthes musste alle Kraft aufbieten, damit ich nicht mit meinem Teleskopschlagstock (wegen der Bären!) die Terrassentür schlüsselfrei öffnete! Da kam plötzlich eine Mail, in der standen nur vier Zahlen. Mit Hilfe aller um uns versammelten Einwohner des kleinen Vororts gelang es den Schlüsselkasten und die dazugehörige Wohnung zu finden. Wir waren drin! Die Bude besteht nur aus Kitsch, Möbeln aus der Vor-Sowjetzeit, Plastikblumen und Geruchsspendern. Hinter einer riesigen Betonmauer verbarg sich zudem der wunderschöne Blick auf die Berge und mit dem gekauften Dosenbier konnte man sich gerade die Füße waschen. Die ganze Zeit spiele ich mit dem Gedanken, morgen nach unserem Auszug alle Wasserhähne aufzudrehen!
Unser Lied des Tages: "Sweet Dreams" von Marilyn MansonRead more
Frühstück mit Bären
April 10, 2025 in Slovakia ⋅ ☁️ 1 °C
Ein toller Film (mit Robert Redford) und ein noch tolleres Buch. Unbedingt mal schauen oder noch besser lesen! Der Reihe nach! Nachdem wir unsere dreckige Trollhöhle verlassen hatten (Frühstück: altes Weißbrot mit Käse ohne Butter, aber gutem Kaffee aus meiner geliebten "Runterdrückmühle") ging es auf die Piste. Ein wunderschöner Radweg an einem kleinen Flüsschen entlang. Ideal zum Einrollen! Nach ca. 5 km gings los. Brutal steil, aber wenigstens auf befestigten Wegen. Nach kurzer Zeit war von "befestigt" nix mehr zu spüren und es ging nur noch steil. Da die Slowaken im Gebirge fast alle nur Trecker oder alte russische Lastwagen fahren, verzichten sie meist auf Brücken und fahren einfach so durch Bäche und Flüsse. Dummerweise hatten wir keinen Trecker, aber dafür eiskalte Füße beim mehrfachen durchqueren der Wasserläufe. Wenn man nur den Fuß reinhält, glaubt man, dass plötzlich alle Haare ausfallen! "Schockmauser" nennen das die Geflügelzüchter! Trotz aller Widrigkeiten die Niedere Tatra ist eine Traumlandschaft! Und diese - wir kommen zurück zum Titel - beherbergt die meisten Braunbären der Slowakei! Zur Einstimmung haben wir uns alle Geschichten von Bärenangriffen der letzten Jahre im Netz durchgelesen und anfangs viele Witze darüber gemacht. Umso höher es hinauf ging, desto flacher wurden diese Witze. Tatsächlich erwarteten wir bald hinter jeder Kurve eine Bären-Helikoptermutter mit ihren zwei prä-pupertären Plüschbären aus der Bärenmarke-Reklame! Da es aber schweinekalt war, lagen die wohl noch oder wieder in ihrer warmen Bärenhöhle und verdauten den letzten Skifahrer aus dem März! Wir waren nicht böse drum!
Der Weg zum Gipfel hatte es so richtig in sich. Ab 950 m gab es nur noch schmale Steige mit durchschnittlich 16 bis 18% und ganz viel losem Geröll. Schieben war angesagt bis on top 1100 m. Ab da sollte es endlich nur noch bergab gehen. Ging es auch. Nur war der Abstieg auf der Nordseite des Berges noch völlig verschneit, also war wieder Schieben angesagt! Wenn man sich schon mal freut! Nach ein paar hundert Metern bergab kamen wir dann in ein hübsches Ski-Resort-Städchen. Die Leute starrten uns an, als wäre Saskia Esken gerade zur Kanzlerin vereidigt worden! Egal! Asphaltierte Straße und ca. 20 km Abfahrt, jippiiie! Dummerweise hatte der Nordwind was dagegen und wir mussten bergab volle Pulle in die Pedale treten, um nicht rückwärts wieder zu Saskia geweht zu werden. Nachdem wir nach und nach alle Klamotten, die wir in den Taschen finden konnten, übergezogen hatten, ging es weiter abwärts. Finger, Füße und Ohren waren wie abgestorben! Milchkaffee in einer Tanke ließ uns ein wenig auftauen. Ein Autofahrer schenkte uns Kinderschokolade und die Tankstellenverkäuferin spendierte zwei Dosen Cola! Die 10 km bis zum Ziel vergingen jetzt wie im Flug und nun sitzen wir in einem tollen Hotel in Ruzemberok (hieß so nicht der böse Rabe aus dem tschechischen Film "die Märchenbraut", welcher in eine Waschmaschine verwandelt wurde?).
Höhenluft und Staropramen macht wirr im Kopf!
Lied des Tages: "Als ich fortging" von KarussellRead more
Heute Ruhetag
April 11, 2025 in Slovakia ⋅ 🌧 5 °C
Nach der gestrigen Tortur war heute Ruhetag angesagt (machen die auch bei der Tour de France!). Lange schlafen, Wäsche waschen, Nudeln vorkochen und nur ein ganz a bisserl spazieren gehen. Abends noch inne Kneipe, gut gegessen, Beine hoch Amerika! Außerdem regnets! Morgen lauert die Hohe Tatra!
Unser Lied des Tages: "Friday on my mind" von Gary MooreRead more
Wenigstens fahren hier keine Autos!
April 12, 2025 in Slovakia ⋅ ⛅ 10 °C
Am gestrigen Ruhetag hatten wir genug Zeit, die weitere Routenführung aus zu knobeln. Normalerweise schauen wir abends kurz in die Karte, tippen auf einen Ort wo wir hin wollen und schwupps: die Route steht! Dieses Mal grübelten wir gemeinsam über zig Varianten, nahmen zwei in die engere Auswahl und entschieden uns NICHT für eine kleine lauschige Landstraße am Rand der Hohen Tatra, sondern für einen - von anderen Radreisenden im Internet als superobertoll beschriebenen autofreien Radweg entlang eines Canyons durch das Gebirge. Idioten! Die Bilder, die diese Idioten ins Netz gestellt haben, hatten mit der Wirklichkeit aber überhaupt nix zu tun. Die waren niemals da! Höchstwahrscheinlich waren wir bis dato die einzigen Radfahrer, die jemals diesen Canyon entlang geradelt sind. Ebenfalls Idioten! Aber eins stimmte und das redeten wir uns ständig ein, wenn wir zu zweit jeweils ein Rad 200 m den Berg hochschoben (über lockeres Geröll und Festplatten bei 24% Steigung) und dann das zweite Rad holten usw. usw.: "wenigstens fahren hier keine Autos !"
Wie auch!
Ab und zu kamen professionelle Wanderer mit Bergstöcken, manche murmelten "Nemeckí Idioti", manche tippten sich an die Stirn, aber die meisten hatten wirklich viel Mitleid! Zwei nette ältere, aber sportliche Damen sprachen etwas deutsch und "wunschten uns gaaanz viel Gluck!" Die waren echt süß! Nach ca. 4 Stunden klettern, kraxeln, fluchen, aber auch begeistertem Bewundern dieser einzigartigen sensationellen Landschaft erreichten wir - trotz allem bestens gelaunt - den Gipfel auf etwa 1000 m. Leider mussten wir auch bergrunter die meiste Zeit schieben, da das lose Geröll radfahren nicht zuließ. Jetzt auch egal. Endlich wieder auf der Straße stand ein Schild "Big-beef-Burger" in 500 m! Zack rein, zwei riesige Burger bestellt, eiskaltes Pilsner Urquell in den ausgedörrten Rachen und schon war alles wieder gut. Inzwischen haben wir eine kleine nette Pension bezogen, sind noch mal in die nahen Berge gewandert und genießen unser Feierabendbier!
Unser Lied des Tages: "The Worker" von FischerZRead more

TravelerKommt gesund wieder und lasst es morgen ruhiger angehen. Gruß von Oma und Mama.
Jugend will einfach nicht hören...
April 13, 2025 in Slovakia ⋅ ☁️ 11 °C
... obwohl doch die Erfahrung der Älteren und natürlich Weiseren das Maß der Dinge sein sollte! Alle Überredungskünste waren vergebens. Matthi will in den Berg! Zuerst habe ich mit einem weiteren Ruhetag und einem zweimaligen Besuch der Burgerschmiede von gestern gelockt, dann die wunderschöne Rad-Etappe nach Zakopane in Aussicht gestellt. Dann an die Vernunft appelliert: mit unserer - nicht vorhandenen - Bergausrüstung (Turnschuhe und kurzer Hose) werden wir nullkommanix abstürzen! Zum Schluss hab ich gedroht, alleine weiter zu reisen. Alles nix genutzt, Matthi will in den Berg!
Morgens früh raus, Müsli mit lauwarmem Wasser und Molkepulver zum Frühstück und entsprechend bestens gelaunt aufs Rad. Wenigstens zur Abwechslung federleicht ohne Gepäck, aber 10 km steil bergauf wo sein ausgesuchter dämlicher Gebirgssteig beginnen sollte. Auf der kleinen Straße überholten uns Autos über Autos, alle mit Skiern auf dem Dachgepäckträger! Das wird ja was werden! Am Zielort angekommen ein riesiger völlig überfüllter Parkplatz, Menschentrauben in Ski-Anzügen und Helmen, dahinter ein Lift und die blauen, schwarzen, pinken und was weiß ich für farbige Abfahrtspisten. Da Matthes ja geglaubt hatte, auf einsamen Steigen allein durch die Berge kraxeln zu können, bekam ich das diebische Grinsen kaum aus dem Gesicht! Wir schlossen die Räder an einem Halteverbotsschild an und bahnten uns den Weg durch die Menschenmassen. Der Wanderweg war anfangs eine breite schneebedeckte unidyllische Straße mit reichlich Spaziergängern. Wie öde! Nach 2 km ging die Straße in einen steilen Gebirgspfad über, die Spaziergänger waren verschwunden und vor uns eröffnete sich ein gewaltiges Bergpanorama, das uns den Atem raubte! Wir brachen uns jeder einen Ebereschenstock ab und kraxelten den Steig höher und höher. Links von uns steile Wände, rechts von uns Abgründe, aber vor uns weiße Gipfel im Sonnenlicht. Sensationell! Genau deshalb wollte ich unbedingt da rauf! Der Wandertag war ja ganz allein meine Idee Als wir glaubten, völlig allein mit uns und den Bergen zu sein, trafen wir auf eine Gruppe Skitouren-Geher (oder wie die heißen). Diese Menschen rutschen fluchend mit Abfahrtskiern (keine Langlaufskier, sondern die mit den dicken Stiefeln) an den Füßen, Helm und Rucksack stundenlang den Berg hoch, um dann irgendwann den Berg wieder runter zu donnern! Man sind die bekloppt! Einer von diesen Härtefällen kam auf uns zu und fragte, ob wir die Bekloppten wären, die gestern mit den vollbepackten Rädern die steilen Berge der Tatra hochgesteamt sind (sie haben uns an den Wimpeln am Rad erkannt)? Wer sind denn nun die Bekloppten? Die Gruppe kam aus Schleswig-Holstein und war wirklich gut drauf. Feine Begegnung mit der man dort droben nie gerechnet hätte! Inzwischen wurde der Weg immer beschwerlicher (ein falscher Schritt und wir sanken bis zum Oberschenkel im Tiefschnee ein) und da wir beide pitschepatsche nasse Füße hatten, siegte die Vernunft und wir traten nach langer Beratung den Rückweg an (wir waren inzwischen 8 km mit über 1000 Höhenmetern aufi gestiegen). Der Abstieg war noch viel beschwerlicher, aber die Laune grenzenlos gut. Was für eine Landschaft! Ach ja: danke Matthi!
Mit den Rädern ging es dann mit Höchstgeschwindigkeit ins Tal, kurz in unsere Pension (Strümpfe und Schuhe wechseln) und sofort in die Burgerschmiede von gestern. Die Welt hatte zwei glückliche Bewohner mehr!
Unser Lied des Tages: "higher and higher" (Baby) von Jackie Wilson!Read more
Wer braucht schon Brücken?
April 14, 2025 in Poland ⋅ ☁️ 15 °C
Heute wollten wir was schaffen! Eine lange und - laut Karte - beschwerliche Tour liegt an. Allein auf den ersten 25 km sollte es über drei Tausender-Gipfel gehen. Wir sind besonders früh auf, heiße Dusche, feiner Kaffee und Müsli mit richtiger Milch (nicht dem üblichen lauwarmem Wasser). Luxus pur! Den ersten Tausender passierten wir auf einer ganz wenig befahrenen Landstraße, zwar richtig steil, aber machbar! Dann ging es auf einen traumhaften Radweg Richtung zweitem Tausender. Alle paar Kilometer eine neue Schutzhütte und so gemächlich, dass wir den Anstieg kaum spürten. Sensationelle Bergkulissen säumten den Weg, Rotwild stand auf den Bergwiesen, alles wunderschön! Zweiter Tausender im Sack! Mit links!
Plötzlich meinte der freundliche Routenplaner von komoot wir sollen den traumhaften Radweg verlassen und rechts in einen "Single trail" abbiegen! Unsere Erfahrung bis jetzt: Single trails sind ausnahmslos absolute Scheiße!!
Dieser sollte nur 300 m lang sein, aber es ist immer Pflicht erstmal zu Fuß und ohne Rad zu scouten. Dieser trail hörte offensichtlich nach 300 m nicht auf und war noch viel schlechter als befürchtet. Nach kurzer Beratung beschlossen wir, diesen Weg auf gar keinen Fall zu fahren und uns lieber eine Alternative zu suchen. Also blieben wir auf unserem Hauptweg. Dieser führte jetzt steil nach oben und wurde von Kilometer zu Kilometer immer schlechter. Dazu kamen immer mehr Bärenhaufen (Riesenteile voller Haare (hoffentlich nicht anthropogen)) direkt auf dem Weg und um so höher wir steamten, desto frischer wurden die! Plötzlich endete der Weg (so ist es, wenn man auf dem Holzweg ist!) und es führten nur noch nicht befahrbare Rückeschneisen durchs dichte Unterholz. Da wir vorher im Tatra-Ratgeber gelesen hatten, dass Bären vor allem nach dem langen Winterschlaf im April ganz besonders schlecht gelaunt sein sollen, rückte sich der vormalig gemiedene single trail doch wieder in ein ganz anderes schönes Licht. So schlimm wird der doch gar nicht sein und schnell wendeten wir die Räder und verließen flott den nach Bärenscheiße stinkenden Holzweg. Der single trail war auf den ersten paar hundert Metern (wie bereits erkundet) so richtig schlecht! Aber leider war das noch der beste Abschnitt! Was jetzt folgte war die Hölle! Tiefe modrige Schluchten, überall quer liegende Baumstämme, lehmige steile vielleicht 40 bis 50 cm breite Steige zwangen uns, die Räder zu entladen und alles in Etappen hoch und runter zu schleppen. War das ein Dreck! Inzwischen sahen wir (und die Räder!) so lehmverschmiert aus, die Bären hätten uns gar nicht erkannt. Und falls ja, wir hatten nun so dermaßen schlechte Laune, das wäre Meister Petz nicht gut bekommen! Irgendwann endete der "Weg" und wir schoben die Räder über eine wunderschöne Wiese voller lila Krokusse. Das hätten wir geschafft, laut Karte musste gleich eine richtige Straße kommen. Nur noch über die eingezeichnete Brücke über den kleinenBach und dann Richtung Zakopane (Bier und Burger warteten schon!).
Leider war die Brücke schon vor Jahren in sich zusammen gefallen und das Flüsschen war kein Bach! Wir suchten links und rechts nach Furten oder hofften sogar insgeheim auf eine neu gebaute Brücke weiter flussauf- oder abwärts! Es galt natürlich Murphies Gesetz oder wie der verehrte Fußballphilosoph Andy Brehme zu zu sagen pflegte: "haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß!" Also wieder Räder abladen und rein in den Fluss! Die Strömung war ordentlich stark und das Wasser arschkalt, aber auch das kleine Problemchen wurde überwunden. Wenigstens waren die Räder, Schuhe und Beine wieder glänzend sauber!
Der Rest ist schnell erzählt. Von da ab ging es nur noch bergab ins schöne Zakopane und ab da noch weiter runter nach Nowy Targ. Jetzt sitzen wir in einem Bummelzug nach Krakau und - sollte es diesmal gut laufen - danach in einem Anschlusszug Richtung Berlin! Das sollte es gewesen sein mit unserem kleinen Abenteuer im wilden Osten. Machts gut Nachbarn!
Unser Lied des Tages: "Bridge over Troubled Water" von Simon & Garfunkel (es geht auch ohne Brücke!!!)Read more

























































































Traveler
Sch"on