• Arnd Diestelhorst
  • Hea-Jee Im
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Going to Finn Part 1

Wir wollen ohne zu fliegen (soweit möglich) von München nach Korea und weiter nach Australien. Dort ist vor einem Jahr unser Enkel Finn zur Welt gekommen. Die Reise hat also zwei Teile, und dies ist der Teil von München nach Korea. Leggi altro
  • Tag 71 - Qingdao

    4 settembre 2025, Cina ⋅ ☀️ 29 °C

    Arnd:
    Morgen geht unsere Fähre von Qingdao nach Incheon in Korea. Von Peking nach Qingdao sind es Luftlinie etwa 550km. Zur Stressvermeidung reisen wir einen Tag vorher an. Die Eisenbahnfahrt von Peking empfinden wir mittlerweile als unspektakulär. Peking hat etliche Bahnhöfe, deshalb ist der Südbahnhof, wo wir abfahren, gar nicht so gigantisch. Der Zug fährt mit knapp 700km einen leichten Umweg, um noch eine größere Stadt mit zu nehmen. Die Geschwindigkeit ist mal wieder 300km/h und die Fahrzeit 3,5 Stunden. Wir kommen wieder 3 Minuten zu früh an. Das scheint so geplant zu sein, damit der Zug selbst dann pünktlich ist, wenn er mal 3 Minuten verliert.

    Qingdao, in Deutschland auch bekannt als Tsingtao, war wohl mal deutsche Kolonie. Davon sind ein paar Gebäude geblieben und die Kunst des Bierbrauens. Die Stadt liegt an einer großen Bucht und ähnelt damit Melbourne. Die Bucht hat etwa die Hälfte des Durchmessers der Melbourner Bucht. Quer über die Bucht führt eine 25km lange Brücke, von der man auf dem dritten Foto den Anfang sehen kann.

    Unser Hotel hatte ich danach ausgesucht, dass wir es vom Bahnhof aus gut per U-Bahn erreichen können und dass das Fährterminal nicht weit ist. Zwischen Hotel und U-Bahnstation überraschte uns eine Fußgängeranlage, die wie ein kleiner Park wirkt und zwischen die zwei Ebenen des Autoverkehrs gebaut ist. Fürs Hotelzimmer hatte ich etwas mehr bezahlt, damit wir ein Zimmer mit Fenster bekommen. Das Fenster ging dann aber nicht nach draußen, sondern zu Hotellobby. Die 8€, die das gekostet hat, waren schlecht angelegt.

    Auf der anderen Seite hatte meine Karten-App eine weitläufige Fußgängerzone angezeigt. Wie wir dann sahen, handelte es sich dabei um das alte deutsch geprägte Stadtzentrum, das heute vor allem abends als Vergnügungsmeile fungiert und Einheimische und Touristen anzieht.

    Als wir abends unterwegs waren, hatten auch etliche Geschäfte geöffnet. Nirgends habe ich aber so viele Kunden gesehen, wie an diesen Zapfanlagen. Da man das Bier per App bezahlt und in China nichts anonym läuft, belegt man bei der Bezahlung nebenbei sein Alter. Für Jugendschutz ist also gesorgt. Ich könnte mir vorstellen, dass das in München auch sehr populär sein könnte.

    An etlichen Stellen gab es Bierzapfanlagen mit Selbstbedienung. Man geht zu dem Zapfhahn mit der gewünschten Biersorte (Erdbeer und ähnliches ist auch dabei), wählt auf einem Bildschirm über dem Hahn, wieviel Bier man haben möchte und kann dann den Zapfhahn bedienen und seinen Plastikbecher bis zur bezahlten Menge füllen. Der Spaß dabei besteht wohl darin, sich so geschickt anzustellen, dass man nicht zu viel Schaum im Becher hat.

    Die einfacheren alten Gebäude hat man mittlerweile abgerissen und durch ähnlich aussehende Neubauten ersetzt. Das wirkt allerdings ein bisschen wie Disneyland. Die ausländischen Touristen sind vermutlich überwiegend Koreaner, die wenn sie fliegen, sehr billig und schnell hierher kommen und hier günstig einkaufen und essen können. Perfekt für einen Kurzurlaub.

    Die größte der Fußgängerstraßen führt bis zum Meer und dort auf einem Damm noch ein bisschen weiter bis zu einem Pavillon. Es war Ebbe und wir konnten im Wasser und am Meeresrand etliche Menschen mit Lichtern sehen, die wohl auf der Jagt nach Meeresfrüchten waren.
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  • Tag 72 - Abfahrt nach Korea

    5 settembre 2025, Cina ⋅ ☁️ 29 °C

    Arnd:
    Unser Schiff fuhr zwar erst um 17:30, aber man muss schon um 14:30 beim Terminal sein und der Checkout im Hotel ist vor 12:00. Wir haben uns deshalb morgens nur die Zeit vertrieben, Pinguine geschrieben, und sind um kurz vor 12:00 ein letztes Mal Didi gefahren zum Qingdao Cruise Terminal.

    Das Beschaffen der Tickets ist für Nicht-Koreaner vermutlich nahezu unmöglich. Es gibt im Internet fast keine Informationen und schon gar keinen Ticketshop. Und das ist nicht nur für die Fähre so, die wir heute nehmen, sondern für alle anderen ebenso, die von anderen Städten in China aus nach Korea fahren. Hea-Jee hat nach einiger Suche einen K-Talk Kanal des Fährbetreibers gefunden. K-Talk ist das koreanische WhatsApp. Dort hat sie Kontakt zu einem Mitarbeiter bekommen, bei dem sie die Tickets bestellen konnte. Dann haben wir jemanden in Korea bemüht, die Fahrtkosten zu überweisen. Heute konnten wir dann am Schalter unser Ticket abholen.

    Es wäre aber überhaupt kein Problem gewesen, einfach heute zum Schalter zu gehen und ein Ticket zu kaufen. Die Fähre ist mit Passagieren nämlich überhaupt nicht ausgelastet, vermutlich fahren hier heute nicht mehr als 100 Passagiere mit. Einzig ob unsere Royal Class noch verfügbar gewesen wäre, war mir nicht ganz sicher, deshalb haben wir die Tickets vorher besorgt. Es gibt schlicht kaum einen Grund, dieses Schiff zu nehmen, wenn man nicht wie wir das Fliegen vermeiden will. Ok, in der billigsten Klasse ist das Schiff vielleicht doch noch billiger, als fliegen, aber wir zahlen definitiv mehr. Aber vielleicht sollten wir unsere Royal Class auch eher mit der Business Class im Flieger vergleichen. Immerhin haben wir ein geräumiges Zweibettzimmer mit eigenem Bad, sogar mit Badewanne.

    An unserem Terminal werden wohl auch Kreuzfahrtschiffe abgefertigt und deshalb ist das ziemlich groß. Der chinesische Grenzschutz war sehr pingelig. Die chinesischen Fahrgäste mussten einige Fragen beantworten, eine Frau musste sogar irgendwohin mitkommen. Bei uns hat es nur irgendwie sehr lange gedauert. Vermutlich sind wir in der ganzen Zeit in China gründlich überwacht worden und das mussten die erstmal alles auswerten. Eine Ausreise ist normalerweise eine Sache von unter einer Minute. Hier hat es gefühlt 5 Minuten gedauert.

    Dann wurden wir mit einem Bus zum Schiff gefahren. Wir stiegen aus dem Gebäude direkt in den Bus, der Bus fuhr einmal auf die andere Straßenseite (die andere Seite der Pier) und wir standen vorm Eingang des Schiffs. Gehen wäre genauso schnell gewesen. Nachdem die meisten Passagiere im Schiff waren, ging aber auf der Pier die Arbeit los. Unser Schiff ist nämlich heutzutage in der Hauptsache ein Frachtschiff, das etwa 300 Container laden kann. Oben über den Frachträumen gibt es noch zwei Etagen für Passagiere. Es könnte 660 Passagiere mitnehmen, aber das war einmal. Das System hat sicher bessere Zeiten erlebt, das kann man an Fotos von Unterhaltungsveranstaltungen und Feuerwerk für die Passagiere sehen, die hier in den Gängen hängen.

    Ab 17:00 gab es ein Buffet zum Abendessen, das schon sehr koreanisch war. Das war nicht im Preis enthalten und auf dem Schiff kann man nicht digital bezahlen, das würde außerhalb des Hafens schlicht nicht funktionieren. Also konnten wir endlich unsere chinesischen Bargeldbestände reduzieren, die wir tatsächlich fast nicht gebraucht haben. Die Betonung liegt aber auf fast. Gegen 18:00 war der letzte Container verladen und es ging los. Kurz danach war auch schon Sonnenuntergang und während es dunkel wurde sind wir aus der Bucht von Qingdao herausgefahren und haben zusammen mit den anderen Passagieren die Aussicht genossen. Es war wirklich sehr schön.
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  • Tag 73 - Ankunft Korea

    6 settembre 2025, Corea del Sud ⋅ 🌧 28 °C

    Arnd:
    Im Schiff hing eine Infotafel mit den Zeiten von Sonnenauf- und Untergang. Hea-Jee wollte gern den Sonnenaufgang sehen, ich eher nicht. Aber wir hatten das Fenster nicht verdunkelt und dann werden wir wach, sobald es hell wird. Also sind wir auf Deck gegangen. Die Sonne war zwar schon überm Horizont, aber das konnten wir nicht sehen, weil das hinter Wolken war. Nach kurzer Zeit war sie aber hoch genug, dass sie zusammen mit den Wolken ein schönes Farbspiel veranstaltet hat.

    Ich bin dann bald nochmal ins Zimmer gegangen und wieder eingedöst. Nach kurzer Zeit weckte mich mein Telefon mit einem Bing, wie es nur dann kommt, wenn es neue Nachrichten gibt und neue Nachrichten gibt es nur mit Internetzugang. Das weckte mich und meine Neugier. Es war Aldi, unser deutscher Mobilfunkprovider, der mich in Korea willkommen hieß.

    Das ist geradezu spektakulär, denn wir waren noch etwa 4 Stunden vom Hafen entfernt. Haben die Koreaner etwa das Meer mit Mobilfunkbojen bestückt, damit auch die vielen Fischer da draußen nicht unverbunden bleiben? Wahrscheinlich haben die sogar High Speed Internet.

    Zwei Stunden vor Ankunft tauchten die ersten typisch koreanischen Inselchen auf. Die sehen aus wie Berggipfel von Unterwasserbergen. Sehr pittoresk!

    Der Seehafen hier im Nordwesten von Korea heißt Incheon. Dort, auf einer Insel, liegt auch der große internationale Flughafen von Korea. Bei der Hafeneinfahrt fuhren wir unter der Brücke durch, die den Flughafen mit dem Festland verbindet. Die ist mit 14km auch ziemlich lang.

    Ich hatte Incheon immer als Vorort von Seoul begriffen. Beim Anblick der gigantischen Hochhausfelder habe ich dann aber mal in der Wikipedia nachgeschaut; Incheon ist mit 2,9 Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt Südkoreas und damit etwa doppelt so groß wie München. Aber sie ist sehr eng mit Seoul verbunden, weil die beiden Städte nur etwa 30km entfernt sind und bei der Größe der beide Städte heißt das, dass sie miteinander verwachsen sind.

    Das Fährterminal in Incheon ist auch ein stattlicher Bau. Von hier aus fahren alle Fähren ab, die nach China gehen. Trotzdem war die Zahl der Menschen hier sehr überschaubar.

    Die Passformalitäten waren sehr erfreulich. Hea-Jee ging zuerst zu der Beamtin und hat ihr erklärt, dass ich zu ihr gehöre. Der ganze Vorgang hat bei mir unter einer Minute gedauert. Auch der Zoll hat uns nur freundlich gegrüßt.

    Auch in Korea wird sehr vieles per Smartphone organisiert. Wie man dazu ein vollwertig ausgestattetes Smartphone bekommt, dazu hat Hea-Jee von etlichen Seiten Vorschläge bekommen und sie hatte den Eindruck, dass das durchaus kompliziert ist. Wir dachten, eine koreanische Telefonnummer ist ein wichtiger Bestandteil. Ein wiederkehrender Rat war, sich die SIM am Flughafen zu holen. Dort sitzen die Spezialisten und die haben Angebote für Reisende. Da der Flughafen nicht so weit vom Fährterminal entfernt ist, sind wir erstmal dahin gefahren, was aber doch eineinhalb Stunden gedauert hat.

    Im Flughafen haben wir erstmal richtig koreanisch Mittag gegessen und sind dann zu den Mobilfunkanbiertern in der Ankunftshalle gelaufen. Das Ergebnis war ernüchternd. Man bekommt zwar eine SIM mit Telefonnummer, aber die „ist nur geliehen“ und nicht zum Anmelden bei irgendwelchen Diensten brauchbar. Außerdem hatten die quasi nur eine Sorte Vertrag im Angebot mit unbegrenzten Mobilfunkdaten.

    Schön, aber das sollte pro Monat 30€ kosten. Da ich keine eigene Telefonnummer brauche, habe ich mir schon in China eine eSIM bei trip.com gekauft mit einem auf 20GByte limitierten Volumen für einen Monat und die hat zum Vergleich 7€50 gekostet und wird mir vollkommen ausreichen.

    Ein Anwendungsfall für Smartphoneanwendungen ist der Kauf von Zugtickets, was wir öfters tun werden. Wir haben dann einfach mal probiert, ob das auch mit trip.com geht und siehe da, das geht.

    Die SIM-Frage ist aktuell noch offen, schnelle Kommentare sind sehr willkommen.

    Damit sind wir jetzt nach 72 Tagen in Korea angekommen. Noch vor einem halben Jahr schien uns das ein riesiges Unternehmen zu sein. Jetzt haben wir es geschafft. Es gab hin und wieder kleine Probleme unterwegs, aber nichts gravierendes und die Menschen vor Ort waren immer sehr hilfsbereit. Man kann so eine Reise also auch mit 65++ Jahren noch machen. Und unterwegs gibt es viel zu erleben und zu lernen.

    Wir bleiben jetzt erstmal so etwa zwei Wochen in Seoul. Da wird es nicht viel zu berichten geben. Wahrscheinlich schreiben wir noch ein Resümee zum Abschnitt unserer Reise in China, der schon etwas besonders war.

    Vielen Dank, dass ihr uns bis hierher mit so viel Interesse gefolgt seid. Wenn es weiter geht mit Teil 2 der Reise, werden wir das hier schreiben und diejenigen unter euch, von denen wir wissen, werden wir auch per Mail benachrichtigen.
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