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- Day 54
- Thursday, October 30, 2025
- ☁️ 17 °C
- Altitude: 36 m
South KoreaSeoul37°34’50” N 126°59’12” E
7 weitere Tage in Seoul
October 30 in South Korea ⋅ ☁️ 17 °C
Arnd:
Das Reisen mit Kleinkind ist natürlich ganz anders. Museen werden gegen Spielplätze eingetauscht. Ich hatte bei Airbnb ein schönes altes Haus entdeckt, dass tatsächlich noch für 4 Tage frei war und in einer guten Gegend lag. Ich dachte mir, dass wir uns das mal gönnen. Es war auch schön, allerdings nicht so kinderfreundlich und sicher, wie die Wohnung in Busan. Zum Glück hatte es vier Schlafzimmer, wovon wir eines als Kinderzimmer umgestalten konnten.
In diesen Häusern sind die Dachbalken von innen zu sehen. Das macht die Elektroinstallation schwierig, meist sieht das dann nicht sehr schön aus. In diesem Haus gab es dafür eine sehr originelle Lösung, die sich optisch gut integrierte.
Westliche Kleinkinder erregen in Korea immer Aufsehen, vor allem bei älteren Frauen. Sie können nicht anders, als mit dem Kind Kontakt aufzunehmen. Man bekommt auch immer wieder Geschenke. Als wir im Park des Königspalasts waren, lief Finn einmal in Richtung einer Fotoaufstellung einer Frauengruppe. Seine Mama wollte ihn schnell aus dem Bild schaffen, aber eine der Frauen war schneller und hat ihn mit ins Bild geholt.
Hea-Jee:
Ich mag die Menschen in Korea, die ich als Reisende treffe, sehr. Sie sind herzlich und freundlich. Besonders wenn man mit einem Baby unterwegs ist, fällt einem das noch stärker auf. Die Menschen zeigen ihre Zuneigung zu den Kindern auf sehr natürliche Weise. Ein einziges Mal gab es eine Frau, die sich bei unserem Kind etwas zu sehr aufdringlich eingemischt hat, und das ausgerechnet, als meine Freundin Nono bei mir war. Nono, die lange Beratungshilfe geleistet hat, meisterte die Situation sehr souverän und ruhig und ließ die aufdringliche Einmischung der Frau abprallen. Dank ihr besteht meine positive Vorstellung von den Koreanern nach wie vor.
Auch meine ausländische Familie war beeindruckt davon, wie offen die Koreaner ihre Zuneigung zu den Kindern zeigen. Danach begannen sie, darüber zu diskutieren, warum das wohl so sei. Liegt es daran, dass Kinder heutzutage so wertvoll sind, weil die Geburtenrate niedrig ist? Später hörte ich von jemandem, dass es in Korea schon traditionell üblich sei, Kinder zu lieben. Es gibt Berichte von Westlern, dass Korea schon immer eine Gesellschaft war, in der Kinder mehr geschätzt wurden als etwa in Japan oder China, sogar zu Zeiten hoher Geburtenraten.
Als Pinnie kam, drehte sich alles nur um ihn. Arnd und ich waren einfach überwältigt von dem süßen Baby. Ehe wir uns versahen, war die Zeit vergangen und der Abschied stand bevor. Nachdem die Kinder zuerst abgereist waren, hatten wir drei Tage Zeit, um unser Leben in Korea abzuschließen.
Wir schickten jeweils ein Paket nach Deutschland und Australien. Da das Postamt einen kostenlosen Verpackungsservice anbietet, brachten wir unsere Sachen in Papiertüten. Der Mitarbeiter wählte dann eine passende Box aus und verpackte alles blitzschnell und stabil. Auch das komplizierte Ausfüllen von Adresse, Kontaktdaten und Paketinhalt erledigte eine andere Mitarbeiterin freundlich und gab uns hilfreiche Hinweise. Ich hatte gedacht, dass Korea digital sehr gut organisiert ist und junge Menschen dort bequem leben können, ältere Menschen es aber zunehmend schwerer hätten. Doch ich war froh zu sehen, dass es auch für ältere Menschen gut vorbereitete Services gibt.
In der kurzen Zeit hatte ich die Gelegenheit, noch ein letztes Interview zu führen. Ich hatte einigen Freunden fest versprochen, sie diesmal zu treffen, doch plötzlich kamen unerwartete Aufgaben dazwischen, und da die Kinder aus Australien kamen, konnte ich Freunde und Bekannte nicht mehr treffen. Ich entschuldigte mich aufrichtig bei ihnen.
Ich wollte eigentlich einmal mit Arnd über den Dongdaemun-Markt gehen, ließ es aber bewusst ausfallen und machte stattdessen einen Spaziergang mit Hun und seiner Frau am Ufer des Jungnangcheon. Und dort bekam ich etwas, das ich mir schon lange gewünscht hatte: Wir kochten Ramen am Flussufer. Es war wirklich erstaunlich, dass es in einem kleinen Convenience-Store am Fluss eine Maschine zum Ramenkochen gab. Den Geschmack der Ramen auf der Bank am Fluss werde ich nicht vergessen.
Danach gingen wir im Zwielicht bis zum Seoul Forest. Es war schön, dass man von der dichten Hochhaussiedlung aus zu Fuß sowohl einen Flusspark als auch einen Wald erreichen konnte.
Es war schön, den letzten Tag mit Hun und Eun-Kyoung zu verbringen. Wenn ich diese beiden sehe, die freundlich und unkompliziert durchs Leben gehen, fühle ich mich einfach entspannt und glücklich. Ich bin dankbar, dass solche Menschen meine Familie sind.Read more
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- Day 53
- Wednesday, October 29, 2025 at 11:22 AM
- ☀️ 12 °C
- Altitude: 346 m
South KoreaMungyeong36°40’4” N 127°57’15” E
2 Tage in Munkyoung - Jungto Society
October 29 in South Korea ⋅ ☀️ 12 °C
Hea-Jee:
Im letzten Frühling, als in Deutschland das „Retreat zur Erleuchtung“ von Jungto-Society stattfand, nahm ich als ehrenamtliche Helferin teil und traf die Dharma-Lehrerin Seunju. Damals sprachen wir über energiesparende Lebensgewohnheiten. Als ich erzählte, dass mein Mann – ein Umweltfanatiker – zu Hause alle Optionen berechnet und mir die Zahlen liefert, sodass ich ohne viel Nachdenken umweltfreundlich lebe, lud die Lehrerin Arnd in das Jungto Zentrum in Mungyeong ein.
Wir fuhren einen Tag früher als unsere Kinder von Busan ab, um das Jungto-Zentrum in Mungyeong zu besuchen. Neben dem Busbahnhof von Jeomchon übernachteten wir in einer Pension. Sie kostete 60.000 Won pro Nacht, aber da das Zimmer einen Massagesessel hatte, zahlten wir 5.000 Won extra. Kaum waren wir im Zimmer, setzte ich mich sofort auf den Massagesessel. Es war angenehm und schmerzhaft zugleich – irgendwie wunderbar und unheimlich. Am nächsten Morgen fühlte ich mich etwas benommen. Ich empfahl ihn auch Arnd, aber er zeigte keinerlei Interesse.
Am ersten Tag besichtigten wir den Mungyeong Saejae (Mungyeong-Pass) und das Yongchu-Tal. Leider war das Laub noch nicht verfärbt, aber die Landschaft war wunderschön. Da es im Mungyeong-Pass ein Filmset gibt, schauten wir kurz hinein. Es war besser gemacht, als wir erwartet hatten, also blieben wir länger dort. Wir stellten uns vor, dass die Straße von Gwanghwamun früher vielleicht so ausgesehen hatte.
Bevor wir Mungyeong Saejae verließen, aßen wir einen heißen Eintopf mit viel Pilzen und Weich-Tofu – Arnds Lieblingsgericht. Im Ausland hatte ich nur seidig glatten Weichtofu gesehen, aber dieser war so weich und flockig. Das Essen war wirklich köstlich, wahrscheinlich weil alle Zutaten so frisch waren.
Das Yongchu-Tal war nicht tief, aber das Wasser schlängelte sich über sehr breite, flache Felsen – das sah besonders aus. Die Felsen dort bestehen vermutlich aus sehr hartem Granit, härter als der Stein in den Alpen, und deshalb hat sich wohl diese Form gebildet. Hin und wieder sah man schon einzelne rote Blätter. In zwei Wochen wird das ganze Tal bunt leuchten.
Am nächsten Morgen frühstückten wir in einer Bäckerei mit gutem Kaffee und holten die am Vortag bestellten, plastikfrei verpackten Brote als Mitbringsel ab. Dann hatten wir Glück – wir bekamen eine Mitfahrgelegenheit direkt ins Jungto-Zentrum in Mungyeong. Dharma-Freundin Sunhee, die aus Deutschland zurückgekehrt war, begrüßte uns herzlich. Während wir sie in Deutschland sehnsüchtig erwarten, schien sie hier sehr zufrieden – ihr Gesicht wirkte so klar und entspannt. Wir hatten etwas Zeit, also gingen wir über das ganze Gelände und ich erklärte Arnd alles.
Ein großer, alter Kakibaum stand dort, voller reifer, roter Früchte. Ich dachte: „So hoch hängen die – die kann kein Mensch pflücken.“ Da kam ein junger Praktizierender und reichte mir eine makellos reife Frucht. Ich trug diese weiche, fast platzende Kaki den ganzen Tag in der Hand und aß ihn schließlich im Bus nach Seoul – allein, ohne Arnd etwas abzugeben, samt Schale, nur den Stiel ließ ich übrig.
Beim Treffen eröffnete Arnd die Gesprächsrunde mit folgender Vorstellung: „Mit siebzehn, als ich noch Schüler war, las ich das Buch Die Grenzen des Wachstums, geschrieben von MIT-Professoren. Es erklärt, dass es nur eine bestimmte Menge an Ressourcen gibt, die die Menschheit jedes Jahr nutzen darf, um dauerhaft auf der Erde leben zu können. Heute verbrauchen wir das Drei- bis Vierfache dieser Menge – ein Weg in den Untergang. Damals, vor Jahrzehnten, war es gerade noch ausgeglichen. Doch die meisten Menschen verbrauchen weniger als das ihnen zustehende Maß; die reichsten zehn Prozent dagegen weit mehr – deshalb der hohe Durchschnitt. Und zu diesen zehn Prozent gehören auch wir hier. Seitdem ich das Buch gelesen habe, versuche ich, nicht mehr als meinen Anteil zu verbrauchen. Später, im Physikstudium, nutzte ich jede Lerngelegenheit, um zu verstehen, wie man umweltfreundlicher und energiesparender leben kann.“
Danach stellten viele Jungto-Mitglieder Fragen, und das Gespräch verlief lebhaft. Wir erzählten, wie wir das Auto durch das Fahrrad ersetzen, anstelle eines 300-Liter-Vollbads nur mit etwa sieben Litern lauwarmem Wasser duschen, uns die Hände mit kaltem Wasser waschen, im Winter die Heizung auf 18 Grad halten und so waschen, dass kein Bügeln nötig ist. Beim Thema Waschen diskutierten alle, ob Handwäsche oder Waschmaschine energiesparender sei – bis der scharfer Einwand einer Teilnehmerin kam, dass es vom Waschmaschinentyp abhängt. Über Mikroplastik meinte Arnd, dass es keine effektivere Lösung gibt, als den Anteil synthetischer Kleidung zu reduzieren. Auch über Geschirrsterilisation mit UVC-Licht statt kochendem Wasser wurde gesprochen. Wenn Menschen, die wirklich ein Auto brauchen, kleine, leichte Elektroautos fahren und nur mit 40 km/h unterwegs sind, könne der Nutzen eines Autos den Schaden für die Umwelt ausgleichen, meinte er.
Eine Teilnehmerin stellte eine kritische Frage zu unserer Art zu reisen, was Arnd freute. Ob monatelanges Reisen mit Zug, Bus und Schiff statt eines mehrstündigen Flugs wirklich energieeffizient sei, fragte sie. Arnd zitierte Berechnungen eines Wissenschaftlers: Dieselbe Strecke mit Bahn, Bus oder Schiff verbraucht etwa ein Sechstel der Energie eines Fluges. (Er versprach, die genaue Zahl später noch einmal zu prüfen.) Essen und Schlafen unterwegs zähle nicht, meinte er, weil man das zu Hause ja auch tue.
Arnd betonte, dass in unserem Alltag das Erhitzen, besonders von Wasser, am meisten Energie verbraucht, da Wasser eine hohe Wärmekapazität hat. Im Gegensatz dazu kostet das Antreiben eines Motors vergleichsweise wenig Energie. Deshalb sei es effizienter, die Waschmaschine mit kälterem Wasser länger laufen zu lassen, als kurz mit heißem Wasser. Auch beim Abwasch gelte: lieber das Wasser schwächer und länger laufen lassen als stark und kurz – das sei viel wirksamer. (Als ich fragte, wie viel wirksamer genau, meinte er nur, das könne ich leicht selbst ausrechnen. Tss!)
Dieser rechnende Mann sagte sogar, dass der Treibstoff für eine einzige Reise, die unsere Tochter von Australien nach Deutschland und zurück macht, so viel Energie verbraucht wie unsere Heizenergie für vier Jahre. Wann bitte hat er das wieder berechnet? Ich war beunruhigt. Hoffentlich hat er nicht auch noch die Flüge von Ehrw. Pomnyun Sunim mitgerechnet... Wenn er das sagt, werde ich ihn gleich zur Rede stellen!
Arnd mag meine Jungto-Aktivitäten nicht besonders und erwähnt oft, dass unser Meister Pomnyun Sunim viel fliegt. Ich antworte dann, dass die Verdienste, die unser Meister mit seinen Reisen bewirkt, weit größer sind als alles, was Arnd durch das Nichtfliegen erreicht. Die Wirkung des Meisters, der reist, ist exponentiell im Vergleich zu einer einzelnen Person, die viel weißt aber nichts macht.
Außerdem ärgert er sich darüber, dass unser Meister jedes Jahr eine Pilgerreise nach Indien organisiert, an der Hunderte von Menschen teilnehmen und mit dem Flugzeug dorthin fliegen. Doch wer schon einmal an der Pilgerreise der Jungto-Society teilgenommen hat, hat mit eigenen Augen gesehen, wie die Ärmsten in Indien leben, und dabei klar erkannt, was soziale Ungleichheit wirklich bedeutet. Sie werden hautnah erlebt haben, wie bescheiden die Pilgergruppe reist und wie wertvoll die Arbeit ist, die sie mit den so gesparten Kosten in Indien leisten. Wer außerdem erlebt hat, wie die Jungto-Society im Geist der Lehre des Buddha Bildungs-, Armutsbekämpfungs- und medizinische Hilfsprojekte für sie durchführt, wird wohl Dankbarkeit und Erleichterung gespürt haben.
Das Leben eines Jungto-Praktizierenden, der von einer solchen Pilgerreise zurückkehrt, kann danach nicht mehr dasselbe sein. Jedes Mal, wenn er verschwenderisch mit Ressourcen umgeht, wird er sich daran erinnern und innehalten. Betrachtet man diese nachhaltigen Wirkungen, so zeigt sich, dass es letztlich ein Gewinn ist, selbst wenn nicht nur Hunderte, sondern Tausende jedes Jahr nach Indien fliegen. Das ist meine Antwort.
Aber letztlich ist solche Diskussion unfruchtbar, weil es nicht um Logik geht, sondern um Gefühl. Arnd mag es nicht, dass ich die Jungto-Gemeinschaft so sehr liebe, und ich mag es nicht, dass Arnd unseren Meister Pomnyun Sunim kritisiert. Die Jungto-Gemeinschaft ist unser ewiger Ping-Pong.
Zum Glück wechselte Arnd das Thema, und so endete das Treffen ohne öffentliche Ehekabbelei. Wahrscheinlich war ich diejenige, die an diesem Tag am meisten beeindruckt wurde. Ich hatte das Gefühl, Arnd besser kennenzulernen. Jetzt verstand ich, aus welchem Hintergrund seine scharfen Reaktionen bisher kamen. Wie egoistisch musste diese Welt in den Augen eines siebzehnjährigen Jungen erscheinen, der sich zum Lebensziel gesetzt hatte, nicht mehr zu nehmen als das, was ihm gegeben war? Und dieses Gefühl der Ohnmacht spürte er sein ganzes Leben lang.
Obwohl Arnd und ich viel miteinander reden, kennen wir uns doch nicht wirklich. Vielleicht braucht es solche Gesprächsrunden, um einmal ohne Emotionen nur über Inhalte zu sprechen – ohne genervt zu sein, ohne voreilige Schlüsse.
Nach der Runde aßen wir gemeinsam zu Mittag. Als Gäste bekamen wir unsere Portion auf einem Teller, aber die Praktizierenden aßen aus ihren eigenen Buddhaschalen, wuschen und trockneten sie direkt am Platz auf sehr spezielle Weise. Arnd beobachtete das genau und sagte, das gefalle ihm. Wir gingen in die Küche und machten mit beim „Dreistufen-Spülen“, wie es die Retreats-Teilnehmer tun: drei Becken mit Wasser, in denen man nacheinander wäscht und spült. Das erinnerte an traditionelle Spülmethoden in Deutschland, nur dass es hier noch sauberer war – also kein Widerstand von seiner Seite.
Nach Abschluss des Programms bedankten wir uns herzlich für die Gastfreundschaft und verabschiedeten uns. Als wir unser Gepäck im Hotel in Jeomchon abholten und den Bus nach Seoul bestiegen, dachte ich an die Kinder, die schon vorgefahren waren. Noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichten wir unser traditionelles Hanok-Gästehaus und trafen sie wieder.Read more
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- Day 49
- Saturday, October 25, 2025 at 10:54 AM
- ☁️ 20 °C
- Altitude: 114 m
South KoreaBusan35°6’38” N 129°1’49” E
4 weitere Tage in Busan
October 25 in South Korea ⋅ ☁️ 20 °C
Arnd:
Eigentlich wollten wir noch andere Orte in Korea besuchen und vielleicht auch noch etwas Eisenbahn fahren, was man in Korea auch schön machen kann. Aber dann hat hat sich das Ziel unserer Reise für einen Kontrollbesuch angemeldet. Und weil ein 18 Monate altes Kind nicht allein reisen kann, sind Papa und Mama auch mitgekommen. Damit ist der Zweck unserer neuen Art zu Reisen - möglichst ohne zu fliegen - natürlich ad Absurdum geführt. Aber ich darf nicht meckern und Familie geht vor.
Mit den dreien hatten wir dann zuerst noch ein paar Tage Aufenthalt in Busan und anschließend in Seoul. U.a. Haben wir noch das zweite künstlerisch umgestaltete ehemalige Flüchtlingsviertel besucht. Auf Airbnb fanden wir eine kinderfreundliche Wohnung mit einem Spielgerüst im Wohnzimmer. Finn war begeistert. Sie lag aber hoch oben am Berg. Der nächste Bus direkt ins Tal fuhr eine Parallelstraße weiter unten. Damit die alten Leute nicht so schlimm Treppen steigen müssen, hat die Stadt die untere und die obere Straße mit einer kostenlosen Monorailbahn verbunden, die wie ein Aufzug bedient wird, Beim Aussteigen müssen größere Menschen allerdings den Kopf einziehen, was ich einmal schmerzhaft erfahren musste.
Hea-Jee:
Unsere Tochter, die in Deutschland aufgewachsen ist, liebt Korea sehr und ist stolz auf das Land ihrer Mutter. Sie wollte ihrem Mann, der Korea zum ersten Mal erleben würde, sicherlich die schönen Seiten des Landes zeigen. Und da ihre Mutter gerade in Korea war, schien es die perfekte Gelegenheit zu sein, zu kommen.
Als unsere Kinder klein waren, hatten wir nicht viel Geld. Wir wollten sie zudem sparsam und bescheiden erziehen, und so konnten wir ihnen nicht alles geben, was sie sich wünschten. Selbst auf unseren damaligen Familienreisen nach Korea haben wir ihnen nicht jeden Wunsch erfüllt und nicht alles gekauft, was sie sich wünschten. Obwohl sie sich nicht beschwerten, blieb mir diese Erinnerung als leises Gefühl des Mangels im Herzen. Ich hätte ihnen mehr geben können… Deshalb träumte ich davon, eines Tages genug Geld zu haben, um mit meinen Kindern in Korea einmal nach Herzenslust genießen zu können.
Dieser Traum ist tatsächlich Wirklichkeit geworden. Und da sich auch unsere Tochter so sehr danach sehnte, wollte ich unseren Überzeugungen zuliebe nicht alles andere opfern.
Außerdem glauben wir fest daran, dass Überzeugungen etwas sind, das man für sich selbst wahrt – nicht etwas, das man anderen aufzwingt. Besonders nicht den eigenen Kindern. Wenn unsere Überzeugungen und die Interessen anderer aufeinandertreffen, haben wir zwar das Recht, bei unserer Haltung zu bleiben. Aber wenn der „Hebel“ in unserer Hand liegt, dann ist Nachsicht oft die schönere Haltung.
Wie sehr Arnd innerlich mit all dem einverstanden war, weiß ich nicht. Doch als feststand, dass die Kinder kommen würden, bereitete Arnd alles mit großem Einsatz vor – und gab Geld aus, als wäre es Wasser, nur um das Wohl und die Bequemlichkeit unseres Enkelkindes Finn zu sichern. Einen besseren Großvater kann man sich kaum vorstellen.Read more
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- Day 46
- Wednesday, October 22, 2025 at 2:44 PM
- ☁️ 17 °C
- Altitude: 161 m
South KoreaYangsan35°29’11” N 129°3’55” E
2 Tage im Tongdosa Tempel
October 22 in South Korea ⋅ ☁️ 17 °C
Hea-Jee:
Ein weiteres überaus großzügiges Geschenk, das ich erhalten habe, war ein dreitägiger Aufenthalt im Tempel Tongdosa. Tongdosa ist ein Tempel der Jogye-Schule des koreanischen Buddhismus in Yangsan, Provinz Gyeongsangnam-do. Er wurde im Jahr 636 von dem Mönch Jajang in der Silla-Zeit gegründet und gehört zu den drei wichtigsten Tempeln der Silla-Ära. Besonders berühmt ist die „Geumgang-Stufen“, die die tatsächlichen Reliquien Buddhas beherbergt; darüber hinaus gibt es viele weitere Kulturgüter. Auch die Landschaft, eingebettet in das Gebirge, ist äußerst schön.
Nachdem wir unser Gepäck in der schönen Hanok-Unterkunft abgestellt hatten, zogen wir die vom Tempel bereitgestellten Tempelkleidung an. Ich besuchte zuerst den Daeungjeon, die Haupthalle, um Respekt zu zollen, und danach erkundeten wir das Tempelgelände.
Die Tempelarchitektur ist wunderschön, und die dezent abgestimmte Landschaftsgestaltung beeindruckte mich sehr. Zufällig war gerade eine Woche mit einer Medienkunst-Veranstaltung, sodass wir abends auf den langen Spazierwegen von geheimnisvollem Licht und Klang verzaubert wurden. Der Weg war voller Gläubiger und Touristen, die diese Veranstaltung sehen wollten.
Beim Anblick der majestätischen „Samulchigi“ – einem Spiel aus vier Schlaginstrumenten, das vor dem Morgen- und Abendgebet gespielt wird – bekam ich eine Gänsehaut. Ich konnte bei dem Schlagwerk, das die Mönche mit Glocke, Holzfisch, Dharma-Trommel und Wolkenbrett spielten, weder Augen noch Ohren abwenden, sodass ich am ersten Abend das Abendgebet ausfallen ließ, um bis zum Ende zuzuhören.
Am nächsten Morgen wollte ich unbedingt beim Morgengebet dabei sein, konnte deshalb das Ende nicht abwarten und ging widerwillig in die Gebetshalle, während mein Herz noch bei der Samulchigi war.
In der stillen Berglandschaft begann das Konzert zunächst leise und schüchtern mit dem Klang des Holzglöckchens und setzte sich dann donnernd majestätisch fort, sodass die Samulchigi selbst in der Gebetshalle meine Augen und Ohren fesselte.
Deshalb ließ ich am letzten Tag das Gebet ausfallen und hörte die Samulchigi bis zum Ende. Ich hatte nicht gewusst, dass so etwas im Tempel gespielt wird. Besonders beeindruckend war, wie die Ärmel der Mönche im Takt ihres Spiels wehten.
Nachdem ich alle Gebäude in der Tempelanlage gesehen hatte, erkundeten wir den Berg Yeongchuksan, auf dem Tongdosa liegt, und machten uns auf die Suche nach den verstreuten Hermitagen. Ich hatte gedacht, Hermitagen seien kleine Hütten, in denen Mönche praktizierten, doch weit gefehlt! Die Hermitagen von Tongdosa hatten die Größe eines normalen Tempels. Jede Hermitage hatte ihre eigenen Besonderheiten und war so schön, dass ich nur ungern zum nächsten weiterging. Cheondo-Sunim, die uns nach Tongdosa gebracht hatte, und die Mitarbeiterin, die sich im Tempel um uns kümmerte, wollten uns mit dem Auto die Hermitagen zeigen, aber wir entschieden uns, zu Fuß zu gehen, weil es einfach schöner war.
Arnd hatte eine Idee: Um in kurzer Zeit mehr zu sehen, wollte er nicht die Autostraße, sondern den Wanderpfad quer durch den Berg benutzen. Ich war etwas skeptisch, weil Arnd seinen OpenStreetMap-Karten zu sehr vertraute, aber er bestand so nachdrücklich darauf, dass ich ihm folgte. Doch der Weg war schlecht, das Gehen anstrengend, und schließlich verschwand der Pfad im Wald. In diesem fremden Gelände begann ich, mich zu fürchten: Könnte eine Schlange erscheinen, oder würden wir uns in der Dunkelheit im Berg verirren? Und was, wenn plötzlich ein Wolkenbruch käme? Wenn der Bach im Tal anschwillt und ein reißender Strom entsteht? Ich stellte mir alle möglichen Katastrophen vor und konnte meine Angst kaum unterdrücken.
Plötzlich hörten wir Hunde bellen. Das beruhigte mich. Nach einigen Mühen entdeckten wir schließlich den Weg wieder und trafen einen Mann, begleitet von zwei Jindo-Hunden. Und dann sahen wir unsere Ziel-Hermitage. Da die intelligenten Hunde bellten, wollte der Mann vielleicht überprüfen, ob jemand oben im Berg den Weg verloren hatte.
In der Hermitage wurden wir von einer älteren Dame begrüßt. Sie bot uns sogar an, hier zu Abend zu essen, aber wir dankten höflich und machten uns auf den Weg zur nächsten Hermitage. Auf dem Berg habe ich zwar gejammert, doch dank Arnd habe ich an nur einem Tag viele Hermitagen zu Fuß erkundet, eine ungeplante Wanderung unternommen und so einen wirklich erfüllten Tempelaufenthalt in Tongdosa erlebt.
Das vegane Tempelessen war äußerst schmackhaft und vielseitig zubereitet – ein weiteres Highlight unseres Aufenthalts.
Ich danke für dieses wertvolle Erlebnis des Tempelaufenthalts!
Arnd:
In einer der Einsiedeleien war eine alte Sammlung der zentralen Buddhistischen Texte untergebracht. Dies ist ein Aufbewahrungsort wo man bemüht ist, das Risiko einer Zerstörung so weit wie möglich zu verringern. Wir hatten schonmal von so einer Sammlung in der chinesischen Stadt Xian berichtet, wo man extra dafür eine Steinpagode errichtet hatte.
Es gibt in Korea eine zweite derartige Sammlung, wo die Texte in Holztafeln geschnitzt sind. Das hat den Vorteil, dass man sie drucken kann, aber den großen Nachteil des Feuerrisikos. Deshalb gibt es dort heute erhebliche moderne Sicherheitsvorkehrungen.
Die Sammlung in Tongdosa ist in einer Glasur auf Keramiktafeln angebracht. Das scheint mir eine sehr sichere Aufbewahrungsmethode zu sein. Ein Feuer würde das wohl überstehen.Die gesamte Sammlung besteht aus 160 000 solcher Tafeln.
Die Denkweise hier ist geprägt von dem Ziel der sicheren Aufbewahrung über Jahrhunderte, wenn nicht über Jahrtausende. In solchen Zeiträumen können auch kulturelle Zusammenbrüche passieren. Unser digital aufbewahrtes Wissen dürfte einen kulturellen Zusammenbruch, wie ihn etwa das Römische Reich erlebt hat, nicht überstehen. Diese Texte schon.
Sie waren in Regalen in mehreren Stapeln hintereinander aufgeschichtet. Das ist nicht gut zugänglich, aber wahrscheinlich kommt hier sehr selten jemand, der einen bestimmten Text im Original sehen will. Die Regale waren für die Besucher in Form eines einzigen sehr langen immer wieder gefalteten Ganges angeordnet, so daß man einige Zeit vom Eingang bis zum Ausgang unterwegs war und den Umfang der Sammlung physisch erfahren konnte.
In einer anderen Einsiedelei gab es am Boden eines flachen künstlichen Teichs ein buntes Gemälde. Wir erfuhren, dass das von einem bedeutenden Mönch angelegt war und dass es eine Kopie von steinzeitlichen Höhlengemälden aus der Gegend war. Ausgeführt war es in der traditionellen koreanischen Lacktechnik, die wasserfest ist. Später hat dieser Mönch ein zweites Kunstwerk in ähnlicher Technik auf Platten erschaffen, die am Rand eines Teiches kunstvoll angeordnet waren.Read more
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- Day 44
- Monday, October 20, 2025 at 4:42 PM
- ☁️ 15 °C
- Altitude: 42 m
South KoreaGyeongju35°50’30” N 129°12’11” E
3 Tage in Gyeongju
October 20 in South Korea ⋅ ☁️ 15 °C
Arnd:
Die nächste Etappe unserer Reise liegt etwa 100km nördlich von Busan, die alte Hauptstadt des Sillareichs Gyeongju. Das Reich Silla existierte rund 1000 Jahre bis etwa ins Jahr 950. Dort hatte man die Tradition, Menschen unter Erdhügeln zu begraben, die es bis heute gibt. Je bedeutender der Mensch, desto größer der Hügel. Das Stadtgebiet von Gyeongju ist übersäht mit diesen Hügeln und da hier die Könige lebten, sind die ziemlich groß und prägen das Stadtbild. Gyeongju ist eines der touristischen Zentren in Korea.
Zunächst aber hatten wir dort eine sehr spezielle Übernachtung. Wie schon im zweiten Teil über Seoul geschrieben, hatte Hea-Jee so eine Art VIP Status. Und das brachte uns eine Übernachtung in einem ganz neuen, modern gestalteten traditionellen Haus ein. Das Haus gehörte einer alten Familie von lokalen Adligen.
Der junge Erbe dieser Familie hat direkt neben dem schönen traditionellen Familienanwesen ein neues modern traditionelles Haus gebaut und mit sehr viel Liebe zum Detail gestaltet. In diesem Haus nehmen sie Gäste auf, und zwar immer nur eine Familie oder Gruppe. Wir hatten das Haus für uns allein. Man kann sich auch abends und morgens bewirten lassen und dann wird nur für diese Gäste ein umfangreiches traditionelles Essen auf Sterneniveau gekocht.
Uns wurde das alte Familienanwesen gezeigt, wir durften auch den Ahnenschrein betreten. Die Familie war außerordentlich freundlich und liebenswürdig.
Am nächsten Tag nach dem sehr schönen Frühstück sind wir dann in die Stadt Gyeongju gefahren und haben in einem gewöhnlichen Hotel noch zwei Nächte verbracht und uns noch einmal die Stadt und das nahegelegene Kloster Bulguksa angeschaut. Vor 40 Jahren hatte ich das zum ersten Mal gesehen und es war eine wunderbare Erinnerung.
Zum Bulguksakloster gehört auch eine Einsiedelei oben an einem Berg mit einer Grotte aus der Mitte des 8. Jhrds, in der sich eine sitzende Buddhafigur aus Stein befindet. Ich habe sie jetzt zum zweiten Mal gesehen und war beide Male zutiefst beeindruckt. Sie strahlt eine so unglaubliche Ruhe und Gelassenheit aus. Leider darf man sie nicht fotografieren, aber es gibt Fotos, z.B. in der Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Seokguram (deutsch)
https://en.wikipedia.org/wiki/Seokguram (english)
Die Fotos können den Eindruck aber nicht wiedergeben, den man hat, wenn man davor steht.
Am letzten Tag waren wir noch kurz in einem kleinen aber feinen Museum für moderne Kunst mit Ausblick auf ein Königsgrab, den man bei gutem Kaffee genießen kann.
Hea-Jee:
Ich erhielt ein äußerst großzügiges Geschenk: eine Übernachtung mit Verpflegung im Hyowudang in Gyeongju.
Der Hyowudang befindet sich in Sohyeon-ri, Hyeongok-myeon, in Gyeongju, und ist ein etwa 600 Jahre altes Stammsitzhaus der Familie Seo, dessen Name bereits seit der frühen Joseon-Dynastie verwendet wird. In diesem alten Anwesen wurde ein neues, freistehendes Hanok-Haus gebaut, das etwa 500 m² einschließlich des Hofs umfasst. Es kann jeweils nur von einer Familie oder Gruppe genutzt werden, was ein privates und entspanntes Erlebnis ermöglicht. Außerdem kann man hier die kulinarische Kultur einer traditionellen Familie kennenlernen – das Zusammenspiel von traditionellem Gericht und Übernachtung macht diesen Aufenthalt besonders attraktiv.
https://www.stayfolio.com/findstay/hyowudang?ut…
Der junge Erbe empfing uns auf äußerst moderne und zugleich sehr ungezwungene Weise. Bei einem Stammsitzhaus hätte man vielleicht gedacht, dass ein so privilegierter junger Mann ein wenig arrogant wirken könnte, doch dieser junge Mann war äußerst höflich und achtete auf alle Etiketten. Ich selbst, mit nur geringem Wissen und Erfahrung über unsere Traditionen, war bei unserer Ankunft etwas angespannt, doch schon beim ersten Gruß mit ihm entspannte ich mich sofort und fühlte mich willkommen.
Zunächst führte er uns durch das alte Stammsitzhaus und erklärte uns die damit verbundenen historischen Hintergründe. Für mich, aufgewachsen in einer christlichen Familie ohne Erfahrungen mit Ahnenritualen, war alles äußerst interessant und neu. Besonders beeindruckt war ich von der Freundlichkeit, mit der er uns sogar den Ahnen-Schrein zeigte, und von den Anekdoten, die er dazu erzählte.
Das neue Hanok-Haus, in dem wir übernachteten, war das beste moderne Hanok, das ich je gesehen habe. Es verbindet die Schönheit eines traditionellen Hanok mit einer modernen Interpretation, die die typischen Unannehmlichkeiten und Einschränkungen ausgleicht. Auch die Ausführung war äußerst sorgfältig und perfekt. Nicht nur das Gebäude, sondern auch Möbel und Dekorationen waren hochwertige Kunsthandwerke. Ich wachte nachts auf, um auf die Toilette zu gehen, und war von einer minimalistischen Dekoration im Badezimmer so fasziniert, dass ich gleich Fotos machen musste.
Ebenso beeindruckend wie das Haus selbst war das traditionelle Stammsitz-Menü, das hier seit 600 Jahren überliefert wird. Viele der Gerichte waren traditionelle koreanische Speisen, die mir bislang unbekannt waren. Das Menü war sehr reichhaltig und ausgewogen, mit Fleisch, Geflügel und Fisch, und dabei modern und ansprechend angerichtet. Die Zubereitung lag in den Händen der Stammsitz-Frau, deren Hintergrund besonders interessant war: Sie hatte in diesem Fach promoviert, war schlank und jung, und unterschied sich damit deutlich von meiner Vorstellung einer typischen ältesten Schwiegertochter aus einer großen Adelsfamilie. Sowohl die Stammsitz-Frau als auch der junge Erbe achteten streng auf höfliche Umgangsformen nach dem Vorbild des Adels, erzählten aber zugleich ungezwungen und locker viele Geschichten und erklärten uns vieles detailliert.
Am nächsten Morgen servierte sie uns ein typisch traditionelles Frühstück des Stammsitzhauses. Es war im Vergleich zum Abendessen schlicht, aber sehr angenehm am Morgen zu essen. Arnd, der normalerweise lieber Kaffee und Brot frühstückt, meinte, er könnte jeden Tag so ein Frühstück genießen. Dank unseres Gesprächs am Vorabend über mein Buch „Verbot der Makrele“ wurden wir am Morgen sogar mit gegrillter Makrele verwöhnt – ein wahrer Genuss.
Der Aufenthalt im Hyowudang wäre für jeden ein erfreuliches Erlebnis, für mich aber, mit wenig Kenntnis und Erfahrung über die koreanische Tradition, war es ein besonders wertvolles Geschenk. Vielen Dank dafür.Read more
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- Day 40
- Thursday, October 16, 2025
- ☁️ 23 °C
- Altitude: 12 m
South KoreaBusan35°5’59” N 129°1’53” E
3 Tage in Busan
October 16 in South Korea ⋅ ☁️ 23 °C
Arnd:
Der nächste Abschnitt unserer Reise galt Hea-Jees jüngsten Bruder. Er ist Künstler und lebt in Busan. Busan ist die zweitgrößte Stadt in Korea. Es ist die große Hafenstadt und liegt ganz im Südosten des Landes. Ich bin bisher erst einmal und auch nur für einen Tag dort gewesen und kannte die Stadt eigentlich gar nicht.
Das Stadtgebiet von Busan ist durchzogen von durchaus höheren und steilen Bergen. Teilweise sind sie oben bewaldet, teilweise bis oben bewohnt. Viele dieser Wohnlagen liegen an sehr steilen Hängen. Die Menschen sind das gewohnt, Taxi- und Busfahrer sind z.B. auf den Steigungen völlig entspannt.
Einige ärmere Stadtgebiete sind während des Koreakriegs entstanden, als zeitweilig nur ein kleines Gebiet rund um Busan nicht von der nordkoreanischen Armee besetzt war und sehr viele Menschen hierhin geflüchtet sind. Zwei von diesen Gegenden sind heute attraktive Touristenziele, weil sie mit viel Phantasie künstlerisch gestaltet worden sind. Eines (Huinnyeoul Culture Village) kommt hier mit einem Foto vor, das andere größere (Gamcheun Culture Village) im nächsten Teil. Koreaner lieben es, selbst einfache Dinge schön zu gestalten oder umzugestalten. Dazu reichen oft einfache Mittel, wie z.B. etwas Farbe.
Was wir unternommen haben: In Songdo sind wir mit der Seilbahn übers Meer zu einem Aussichtspunkt gefahren. Die Seilbahn startet am Fuß von spektakulär gelegenen 50-stöckigen Wohnhochhäusern und führt über eine Bucht mit einem Badesandstrand.
Wir waren in einer Dauerausstellung mit Videoinstallationen (Arte Museum). Die Künstler in unserer Famile fanden, dass das keine Kunst ist, aber interessant war es trotzdem.
Wir haben auch kurz den Busan Tower besucht, ein Wahrzeichen der Stadt, von dem man eine gute Aussicht über das Hafengebiet und angrenzende Teile der Stadt hat.
Hea-Jee:
Wir hatten ein Hotel im Stadtzentrum von Busan, in Nampodong, gebucht. Tagsüber machten wir gemeinsam Sightseeing, und abends fuhren wir zu meinem jüngsten Bruder nach Yeongdo, um dort zusammen zu Abend zu essen.
In seinem Atelier im unteren Geschoss seines Hauses sahen wir uns seine Gemälde an. Obwohl er gesundheitliche Probleme hat, hat er dieses Jahr erstaunlich viele Bilder gemalt – das hat mich überrascht und stolz gemacht. Yoonjae betreibt in Jungang-dong eine ganz bezaubernde kleine Galerie, in der gerade eine Ausstellung stattfand, sodass wir dort ab und zu vorbeischauten. Ein wirklich fleißiges und leidenschaftliches Paar.Read more
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- Day 33
- Thursday, October 9, 2025 at 9:14 AM
- ⛅ 21 °C
- Altitude: 27 m
South Korea세진리35°32’32” N 128°24’46” E
26 Tage auf dem Land (2)
October 9 in South Korea ⋅ ⛅ 21 °C
Hea-Jee:
Dieser Text ist ein etwas ungeordneter Rückblick, den ich beim Betrachten der Fotos von unseren 26 Tagen auf dem Land geschrieben habe.
Arnd ist jemand, für den das Frühstück wichtig ist. Obwohl er gerne neue Gerichte ausprobiert, freut er sich morgens immer über eine gute Tasse Kaffee und etwas Brot. Den Kaffee konnten wir dank Mugi, einem jungen Mann aus unserem Dorf, genießen – er röstet die Bohnen selbst und hat uns sogar alle Hilfsmitteln zum Kaffee-Machen ausgeliehen. Das Brot aus der Bäckerei im nahe liegenden Städtchen war uns zu süß, also kauften wir Toast im Supermarkt und aßen ihn mehrere Tage lang.
Zu Erntedank-Feiertagen fuhren wir zu meiner Freundin Yeonhee, die in der Provinz Gyeonggi lebt. Sie hat lange in Deutschland gewohnt und mahlt heute noch verschiedene Getreide selbst, um daraus frisch Brot zu backen. Auf den Rückweg zum Upo-Sumpf gab sie uns viele liebevoll selbstgebackene Brote mit. Ich wollte sie eigentlich mit Agi und Mugi teilen, die während einer Radtour durch Deutschland gerne Brot gegessen hatten. Doch da wir sie nicht gleich wiedersehen konnten, trauten wir uns nicht, ihnen das Brot später – nicht mehr ganz frisch – zu geben. So aßen wir schließlich alles selbst. Überraschenderweise schmeckte es, gut gekühlt, noch tagelang wunderbar.
Mit dem Fahrrad fuhren wir zum Ökologie-Erlebniszentrum in der Nähe des Upo-Sumpfes. Dort konnte man die verschiedensten seltenen Tiere und Pflanzen sehen, anfassen und erleben – ein halber Tag verging im Nu. Zum Glück hat Arnd viele schöne Fotos gemacht, sodass die Erinnerungen lebendig bleiben. Jedes Mal, wenn ich diese Fotos sehe, fühlt es sich an, als wäre ich wieder dort. Arnd sagt, das häufige Anschauen der Fotos sei auch gutes Gedächtnistraining – besonders, wenn die vielen Eindrücke einer Reise im Kopf durcheinander geraten.
Changnyeong, der Ort, in dem wir wohnten, war nicht nur wegen des Upo-Sumpfes schön. In der Umgebung gab es alte Grabhügel, einen Eiskeller aus alter Zeit und natürlich den berühmten Berg Hwawangsan. Mit Mugi sind wir dort hinaufgestiegen, und Arnd war begeistert. Er liebt das Wandern und das Fotografieren auf den Gipfeln. Oben blühten silberne Grasfelder – ein erstaunlicher Anblick, den wir so noch nie gesehen hatten. Die koreanischen Berge haben ihre ganz eigene Form: sanft, rund und in Schichten angeordnet – das wirkt auf mich sehr vertraut.
Agi und Mugi sind wie Juwelen in diesem Dorf, in dem sonst nur ältere Menschen leben. Sie sind freundlich und vielseitig – richtige Alleskönner. Auch wir verdanken ihnen viel. Arnd war überrascht, im Dorf jemanden zu treffen, der so gut Englisch spricht. Agi und Mugi haben mehrere Jahre lang eine Fahrradtour durch die Welt gemacht und oft bei Einheimischen gewohnt. Aus diesen Erfahrungen heraus beherbergen sie heute ausländische Radreisende, die nach Korea kommen. Ich selbst bin bei unseren Radtouren diejenige, die hinterherfährt und bremst, weil mir die Kondition fehlt – aber Agi ist genauso sportlich wie ihr Mann und liebt die Bewegung selbst. Mugi kann sich wirklich glücklich schätzen.
Ich war neugierig auf das Leben der Dorfbewohner und beobachtete sie genau. Nach einem heftigen Regen sah ich, wie ältere Frauen gemeinsam auf Elektrowagen losfuhren, um am Straßenrand Blumen zu pflanzen oder Beete zu pflegen. Es wirkte weniger wie Arbeit, mehr wie ein soziales Zusammensein. Man verdient dabei nicht viel, aber offenbar melden sich viele Freiwillige – eine schöne Initiative. In Korea gibt es wirklich viele erfrischende und feinfühlige Ideen für die Altenpflege.
Früher gab es hier ein Dorfkunstprojekt, daher hängen an vielen Orten kleine und große Kunstwerke. Auch wenn die Häuser alt sind, werden sie liebevoll gepflegt – mit Kürbissen auf dem Dach oder bunten Blumenbeeten davor. Ich finde, die Dörfer sehen auf Fotos oft noch idyllischer aus als in Wirklichkeit.
Unser Haus war ein traditionelles koreanisches Ziegelhaus, das fast originalgetreu restauriert wurde. Nur Küche und Bad waren modern angebaut. Ich mag solche Häuser, in denen man die alte Struktur noch sieht. Für jemanden, der an modernen Komfort gewöhnt ist, braucht es ein wenig Zeit zur Eingewöhnung, aber es war ein wenig mühsam aber nicht unangenehm. Es gab weder am Tor noch an der Haustür ein Schloss – alles blieb einfach offen. Das war in dem Dorf ganz normal. Wir konnten das Haus den ganzen Tag unverschlossen lassen, ohne uns Sorgen zu machen.Read more
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- Day 14
- Saturday, September 20, 2025
- ⛅ 27 °C
- Altitude: 27 m
South Korea세진리35°32’32” N 128°24’46” E
26 Tage auf dem Land (1)
September 20 in South Korea ⋅ ⛅ 27 °C
Hea-Jee:
Ich hatte schon lange einen Traum: mit Arnd auf dem Land zu leben. Als meine Schwägerin Yoon-Jae davon hörte, fand sie über Bekannte ein altes Haus in der Nähe des Upo-Sumpfes in Changnyeong, in dem wir einen Monat lang wohnen konnten. Die Miete für das ganze Haus betrug nur 400.000 Won – erstaunlich günstig – und die Lage, so nah am berühmten Upo-Sumpf, war einfach perfekt.
So lebten wir knapp 4 Wochen lang in einem kleinen Dorf mit vielleicht zwanzig Haushalten. Ein junges Ehepaar, Freunde von Yoon-Jae, das aus der Stadt hierher gezogen war, kümmerte sich liebevoll darum, dass es uns an nichts fehlte. Dank ihnen konnten wir das friedliche Landleben in vollen Zügen genießen. Wenn wir Dorfbewohner trafen, grüßten wir höflich, und mit den älteren Frauen aus der Nachbarschaft wechselten wir ein paar freundliche Worte.
Für den Einkauf mussten wir entweder den Bus nehmen, der nur etwa fünfmal am Tag fuhr, oder mit dem Fahrrad in den Ort fahren. Auf dem temporären Markt, der alle fünf Tage stattfand, entdeckte ich viele leckere und ungewöhnliche Speisen, die ich natürlich gleich mitnahm.
Als ich im Reisladen Reis kaufte, fragte ich die Besitzerin, wo man Sojasauce und Doenjang (fermentierte Sojabohnenpaste) kaufen könne. Sie schaute mich etwas überrascht an und sagte, solche Dinge stelle man hier selbst her – das kaufe man nicht im Laden. Auf meine Frage, ob es das wenigstens im Supermarkt gäbe, winkte sie ab: Industriell gefertigte Produkte seien „keine echten“. Dann schöpfte sie uns etwas von ihrem eigenen Doenjang und ihrer Sojasauce ab – einfach so! Ich war völlig sprachlos. Es hätte sich unhöflich angefühlt, ihr Geld anzubieten, also brachte ich ihr beim nächsten Mal eine Tüte mit frittierten Teigkringeln (Kkwabaegi) als kleines Dankeschön.
Alles dort verlief in einem gemächlichen Tempo. Nach einem Spaziergang und nachdem wir das Essen besorgt und zubereitet hatten, war der Tag fast vorbei. Die vielen Mücken hielten uns auf Trab: Türen und Fenster mussten gut geschlossen bleiben, und die Stiche mussten regelmäßig behandelt werden. Ich goss täglich den kleinen Gemüsegarten und verbrannte alle paar Tage das gebrauchte Toilettenpapier im Ofen hinter dem Haus. Morgens frühstückten wir unter dem Dachvorsprung und atmeten die frische Landluft ein. Das Leben floss langsam dahin – ruhig und gelassen, wie die alten Kaki-Bäume im Hof. (Arnd war, glaube ich, manchmal etwas gelangweilt. Ich bin gespannt, was er später dazu schreiben wird.)
Der wunderschöne Upo-Sumpf wurde uns nie langweilig, egal wie oft wir dort waren. Er ist so groß, dass man bei jedem Besuch nur einen Teil sehen kann – und das Landschaftsbild verändert sich ständig: je nach Wetter, Licht und Jahreszeit. Wir unternahmen nicht nur Spaziergänge, sondern besuchten auch das Upo-Museum und das Zentrum zur Wiederansiedlung des Nippon-Ibis, eines in Korea einst ausgestorbenen Vogels, der aus alten Kinderliedern bekannt ist. Seine Geschichte – vom Verschwinden bis zur Wiederkehr – war berührend und traurig zugleich.
Der Upo-Sumpf, im Landkreis Changnyeong in der Provinz Gyeongsangnam-do gelegen, ist das größte Binnenfeuchtgebiet Koreas. Er entstand vermutlich vor etwa 15 Millionen Jahren und erstreckt sich über eine Fläche von rund 2,3 km². Das Gebiet ist Lebensraum für zahlreiche gefährdete Pflanzen- und Tierarten sowie Rastplatz für Zugvögel. Seit 1998 steht es als „Ramsar-Feuchtgebiet“ unter internationalem Schutz.
Einmal, während des Erntedankfestes, mussten wir frühmorgens einen Fernbus von Changnyeong nach Seoul nehmen und riefen dafür ein Taxi. Der Fahrer erzählte, dass er früher als Beamter an der Pflege und Planung des Upo-Sumpfes gearbeitet habe – und verriet uns einige unbekannte Fakten. Ursprünglich, so sagte er, sei der Sumpf siebenmal so groß gewesen wie heute. Während der japanischen Kolonialzeit wurde Wasser abgeleitet, um Ackerland zu gewinnen. Später habe man berechnet, dass der wirtschaftliche Nutzen als Sumpf viel höher war als als Reisfeld – denn während Reis nur einmal im Jahr geerntet wird, liefert ein Sumpf das ganze Jahr über Fische, Schnecken und andere Ressourcen.Read more
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- Day 9
- Monday, September 15, 2025 at 1:57 PM
- ☁️ 29 °C
- Altitude: 33 m
South KoreaSeoul37°33’43” N 126°59’36” E
Die erste Zeit in Seoul (2)
September 15 in South Korea ⋅ ☁️ 29 °C
Seoul (2)
Arnd:
Von unserem Airbnb aus waren wir im Nationalmuseum, haben uns zwei Verkehrsprojekte angeschaut, die die Lebensqualität in der Stadt verbessern, waren in der Einkaufsmeile in Insadong, haben das Kunstgewerbemuseum und das Museum für moderne Kunst besucht und haben uns den Sommerpalast Changdeokgung angeschaut. Hea-Jee hatte auch noch wichtige Termine.
Nationalmuseum:
Das Nationalmuseum war bei meinem letzten Besuch in Korea vor 15 Jahren ziemlich neu. Es ist ein ziemlich großes modernes Gebäude mit einem spektakulären Durchblick. Je nachdem wo man schaut, sieht man den Himmel oder den Namsan-Berg mit dem Fernsehturm.
Innen wird die Geschichte Koreas anhand vieler Objekte nachgezeichnet. Auch die Beziehungen zu anderen Ländern in Ostasien, über die Seidenstraße und nach Indien kommen vor. Daneben werden bestimmte Kunstrichtungen, wie Buddhistische Statuen, gezeigt. Als Beispiel hier ein Essbesteck aus dem 12. Jhdt.
Fußgängerüberführung am Hauptbahnhof:
Parallel zum Hauptbahnhof, direkt vor dem Eingang, verlief eine Straße, die wie so viele Straßen in Seoul sehr breit war. Ich weiß es nicht, aber es können durchaus 10 oder 12 Spuren gewesen sein. Ich bin dort früher oft mit dem Bus langgefahren. Vermutlich um den Verkehrsfluss zu verbessern, hatte man für eine kreuzende Straße vor langer Zeit eine Überführung gebaut.
Die breite Straße vor dem Bahnhof ist zwar immer noch da, der Platz wurde nicht den Fußgängern übergeben, aber die Zahl der Spuren hat man drastisch reduziert und den frei gewordenen Platz für andere Verkehrsaufgaben genutzt.
Mit dem so deutlich reduzierten Autoverkehr konnte man wohl die Kreuzung für die Autos wieder ebenerdig gestalten. Die ehemalige Autoüberführung wurde in eine Fußgängerüberführung umgestaltet, und zwar so, daß es fast ein Erlebnispark geworden ist. Es gibt mehrere kleine Gebäude, mit einem Klavier für jedermann, geheizten Räumen mit frei nutzbaren Arbeitsplätzen, einer kleinen Bibliothek, einer regelrechten Botanikausstellung, usw.
Insadong:
Insadong ist ein Stadtteil. Darin gibt es eine Einkaufsstraße, die für Touristen besonders interessant ist. Dort gibt es Kunst, Kunsthandwerk und die zugehörigen Bedarfe, aber auch vieles anderes. Dazwischen einige Restaurants, wie überall im öffentlichen Raum. Es gibt so viele Restaurants in Korea, dass man sich fragt, ob es überhaupt noch Koreaner gibt, die selbst kochen. Doch, die gibt es auch noch.
Cheonggyecheon:
Cheonggyecheon war früher die autofreundlichste und für Fußgänger hässlichste große Straße in Seoul. Es gab eine auf Stelzen geführte zweite Straße mit geschwungenen Auf- und Abfahrten für kreuzungsfreies fahren. Mitten in der Stadt.
Das wurde in den 1960er Jahren gebaut und war damals sicher der Inbegriff von Fortschritt. Ich habe es bei meinen ersten Besuchen vor 40 Jahren geliebt, weil es dort viele kleine Geschäfte mit Werkzeugen gab, die ich zuhause nicht kaufen konnte.
Irgendwann wurde die Konstruktion aber wohl baufällig und es gab wohl auch den Wunsch nach Verschönerung. Was man dann in den 2000er Jahren gemacht hat, ist durchaus revolutionär und wird heute in „Urbanisten“-Kreisen als zukunftsweisend betrachtet. Man hat nicht nur die obere Ebene komplett beseitigt, sondern auch die untere bis auf einen kleinen Rest Straße reduziert.
Vor dem Bau der Hochstraße war hier ein kleiner Fluss und ein Armutsviertel an dessen Rändern. Heute fließt dort wieder Wasser, etwa 5 Meter tiefer als das Straßenniveau. Rechts und links davon Fußwege und das Ganze begrünt und schön gestaltet. Bei meinem letzten Besuch vor 15 Jahren war es gerade eröffnet und dort war der erste Platz im öffentlichen Raum, an dem man sich hinsetzen konnte (es gibt Sitzmöglichkeiten). Ansonsten war Seoul früher ein Verkehrswüste. Wenn man sich ausruhen wollte, musste man in ein Teehaus gehen, nur dort gab es Sitzplätze. Außerdem ist man neben dem tiefergelegten Fluss vom Autolärm abgeschirmt.
Die Bevölkerung hat das angenommen, es ist immer ein reges Treiben dort, und der Autoverkehr hat nicht, wie befürchtet, die Nebenstraßen verstopft, sondern er ist einfach verschwunden.
Kunstgewerbemuseum:
Direkt am einen Ende der Insadong Einkaufsstraße liegt das noch recht neue Kunstgewerbemuseum. Hier gab es einen Schwerpunkt über die Entwicklung gewisser Handwerkstechniken nach der japanischen Okkupation Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. Es gab engagierte Leute, die die alten Handwerkstechniken erhalten und über die Generationen weiterreichen wollten. Sie haben auch verloren gegangene Techniken wieder erforscht, wie z.B. die typisch koreanische Seladon-Keramik.
Besonders beeindruckt waren wir von einem neueren Projekt. Eine alte Technik zur Dekoration von Nutzgegenständen ist die Lacktechnik mit Einlagen aus Perlmutt. Man verfügte über eine große Schatulle, die sicher mal in königlichem Umfeld genutzt worden war, und wollte sie rekonstruieren. Zu dem Zweck hat man eine ganze Reihe von erfahrenen Handwerkern zusammengebracht, die gemeinsam dieses Werk vollbracht haben. Angefangen vom Schreiner, über den Lackspezialisten, den Einlagespezialisten hin zum Spezialisten für die ebenfalls eingelassenen Messingteile. Der Vorgang wurde sorgfältig dokumentiert und ist im Museum dargestellt.
Museum für moderne Kunst:
Nicht weit vom Kunstgewerbemuseum, unmittelbar neben dem Gyeongbokgungpalast, dem Haupt-Königspalast, befindet sich das ziemlich große Museum für moderne Kunst, in dem wir uns länger aufgehalten haben. Als Foto hier eine farbenprächtige Installation mit Paravents und ein Gemälde eines älteren, renommierten und sehr speziellen koreanischen Künstlers. Seine Bilder zeigen alle plastisch wirkende Wassertropfen auf verschiedenen Untergründen. Das Museum hat eine größere Sammlung dieser Werke.
Der Sommerpalast Changdeokgung:
Wir wollten einen Palast besuchen und die Architektur bestaunen. Da der Hauptpalast Gyeongbokgung zu der Zeit überlaufen war, sind wir zur Abwechslung in den erst spät errichteten Sommerpalast gegangen, der nur wenige Kilometer östlich des Hauptpalastes liegt. Dazu gehört ein geheimer Garten. Da es leider etwas regnete haben wir darauf aber verzichtet.
In den Palästen und in den Buddhistischen Tempeln kann man die alte koreanische Architektur in ihrer Hochform bewundern. Darum ging es hier. Die Bilder zeigen ein paar Beispiele.
Hea-Jee als VIP:
Die Zerstörung der großen koreanischen Flusslandschaften durch einen ehemaligen Präsidenten (derselbe, der als Seouler Bürgermeister die Cheonggyecheon Umgestaltung verantwortet hat!) liegt nun schon 10 Jahre zurück. Anlässlich des Jubiläums hat sich ein koreanischer Dokumentationsfilmemacher, der schon damals sehr aktiv war, aufgemacht und einen Rückblick produziert, der gerade jetzt gezeigt wurde.
Hea-Jee war damals in dieses Geschehen verwickelt worden und hat lange Zeit intensiv in ihrem Blog darüber berichtet und auch geholfen, Spezialisten aus Deutschland, wie z.B. den Vorsitzenden des BUND, nach Korea zu schicken, die dort Stellung genommen haben.
Dadurch hat sie im Kampf um die Erhaltung der Flüsse eine wichtige Rolle gespielt. Da dieses Jubiläum und der Film zufälligerweise gerade während unserer Anwesenheit stattfanden, wurde sie nochmal in die Öffentlichkeit gezogen, hat ein paar Interviews gegeben und wurde sogar zu einer Veranstaltung das Parlamentspräsidenten eingeladen. Diesen Treffen mit ehemaligen Mitkämpfern verdankten wir auch zwei Einladungen, zum einen in ein wunderschönes Ferienhaus im alten Stil und zu einem Tempelstay im größten buddhistischen Tempel in Korea.Read more
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- Day 1
- Sunday, September 7, 2025
- ☁️ 28 °C
- Altitude: 33 m
South KoreaSeoul37°33’43” N 126°59’36” E
13 Tage - Die erste Zeit in Seoul (1)
September 7 in South Korea ⋅ ☁️ 28 °C
Hea-Jee:
In Seoul angekommen, gingen wir zuerst zu meinem jüngeren Bruder Hun. Eun-Kyoung kochte uns das typische Hausessen unserer Familie – ganz wie bei meiner Mutter. Ich fühlte mich sofort geborgen und entspannt wie zu Hause. Zwei Tage lang konnten wir uns dort richtig erholen und genossen die Wärme der Familie.
Danach besuchten wir meine Freundin, die sich einige Tage lang rührend um uns kümmerte und uns das Leben in Seoul zeigte. Sie fuhr uns mit dem Auto zur Ganghwa-Insel im Westen Seouls und zeigte uns alle wichtigen Sehenswürdigkeiten dort. Ich konnte viel über die Geschichte und Besonderheiten Koreas lernen, die ich vorher nicht kannte.
Wir schauten uns auch besondere Werkstätten an und kauften leckeres Gebäck und Kaffee in einem interessanten Café, das wie ein Trödelladen aussah. Wir besuchten zusammen das Leeum Museum für Kunst. Abends spazierten wir entlang der schön angelegten Flusswege, um die Ruhe Seouls zu genießen. Es war faszinierend zu sehen, dass solche ruhigen Orte direkt neben den dicht bebauten Hochhäusern und vollgestopften Straßen existieren.
Meine Freundin half mir auch, ein Problem zu lösen, das ich als meine größte Herausforderung in Korea sah: die Nutzung des Internets. Ich fand es immer erstaunlich und beneidenswert, dass Koreaner so viele Dinge nur mit einem Smartphone rasch erledigen können. Meine Freundin besorgte mir ein sogenanntes „Altulfon“ (eine Art günstiger Vertrag, ca. 25 Euro pro Monat), sodass ich endlich meinen lang ersehnten Wunsch erfüllen konnte. Ehrlich gesagt war es nicht einfach, aber durch hartnäckiges Ausprobieren konnte ich fast so gut damit umgehen wie die Koreaner. (Ein Altulfon ist ein günstiger Vertrag, den man monatsweise kaufen oder verlängern kann, wenn man die koreanische Staatsbürgerschaft hat.)
Später mieteten wir eine Airbnb-Wohnung im Zentrum von Seoul im 17. Stock mit toller Aussicht, erkundeten die Stadt und genossen das koreanische Essen. Ich werde mich immer daran erinnern, morgens Arnds Frühstück zu essen und dabei vom Balkon aus den Namsan zu sehen und über die Stadt zu blicken.
Leeum Museum für Kunst
Meine Freundin zeigte uns das Leeum Museum, das 2004 von der Samsung-Stiftung gegründet wurde. Das Museum ist auch für seine Architektur von weltbekannten Architekten wie Mario Botta, Jean Nouvel und Rem Koolhaas bekannt. Die ausgestellten Werke haben einen hohen Wert und verbinden traditionelle und moderne koreanische Kunst auf sehr hohem Niveau. Besonders lernte ich dort die Besonderheiten koreanischer Keramik kennen.
Meine Freundin meinte, man müsse sich vor dem Besuch etwas vorbereiten, um die Porzellankunst richtig zu verstehen, und zeigte mir vorher ein paar Videos. Früher mochte ich nur die Goryeo-Seladon-Keramik, aber nun interessiere ich mich auch für die Joseon-Weiße-Keramik. Seitdem freut sich Arnd auch, wenn er eine weiße, runde Keramikvase sieht. Jetzt verstehe ich, warum Menschen so fasziniert von Keramik sind.
Dongdaemun Design Plaza (DDP)
Die Dongdaemun Design Plaza wurde 2014 von Zaha Hadid gebaut und ist für ihre geschwungenen, futuristischen Linien berühmt – wirklich wie ein UFO. Sie dient als multifunktionaler Kulturraum mit Ausstellungen, Designmuseum, Konzertsaal und Designmarkt. Das Innere ist spiralförmig angelegt, sodass man dem Rundgang einfach folgen kann – perfekt für jemanden wie mich, der sich leicht verirrt.
Ich war beeindruckt von der koreanischen Servicekultur, bei der alles, was man braucht, perfekt bereitsteht. Die meisten Ausstellungen waren Installationskunst, alle Werke sehr stilvoll und schön. Jedes Werk hatte seinen eigenen Charakter, aber der koreanische Sinn für Schönheit und Harmonie war immer spürbar.
Dongdaemun-Markt (Osttor-Markt)
Wer nach Dongdaemun kommt, darf den Dongdaemun-Markt nicht verpassen. Früher half die koreanische Textilindustrie dem Land, der Armut zu entkommen, und viele kleine Schneidereien und Kleidungsstände befanden sich hier. Auch wir kauften immer wieder gute Kleidung zu günstigen Preisen. Wir schlenderten durch die Straßen mit vielen kleinen Läden und aßen frisch gebackene, knusprige Pfannkuchen in der Food Street. Eigentlich wollten wir auch Twisted Doughnuts (Kkwabaegi) essen, aber wir waren schon so satt, dass wir nur zusahen.
Hanyangdoseong (Seouler Stadtmauer-Weg)
Der Abschnitt des Hanyangdoseong-Wegs, der in Dongdaemun beginnt, ist eine beliebte Strecke, um mitten in der Stadt Geschichte und Ausblicke zu genießen. An jedem Abschnitt sind die Mauern anders gebaut, und informative Schilder erklären die Unterschiede – sehr lehrreich. Die Stadtmauer spiegelt die lange Geschichte Koreas von Angriffen und Wiederaufbau wider.
Beim Wandern entlang der Mauer war es spannend, die engen Gassen mit den auf den Hügel gebauten kleinen Häusern zu sehen, die durch Wandmalereien fast zu Kunstwerken wurden. Wir genossen auch die Aussicht auf die Stadt vom Café aus bei Kaffee und Waffeln. Ich wollte eigentlich die bergigen, aussichtsreichen Abschnitte am Inwang- oder Bukak-Berg besuchen, hatte aber leider keine Zeit – das bedaure ich sehr.Read more




































































































































































































































Gaaaanz viele Grüße!!!!! [Vrona und Gert]
TravelerUnser Finn ist ein ganz süßes Kind! Wir sind so verliebt.
TravelerDas kann ich gut nachvollziehen, liebe Hea-Jee
TravelerEnkelkinder, sind ganz besonders wertvoll❤️
TravelerEin sehr süßes Kerlchen, euer Finn🫶❣️🫶