• Görlitz gilt als eine der schönsten Städte Deutschlands. Die östlichste Stadt des Landes liegt an der Lausitzer Neiße direkt an der Grenze zu Polen und besitzt einen außergewöhnlich gut erhaltenen historischen Stadtkern. Mehr als 4.000 Baudenkmäler aus Gotik, Renaissance, Barock und Gründerzeit prägen das Stadtbild.

    Vom Parkhaus am Hauptbahnhof aus begann unser Rundgang durch Görlitz. Schon beim Verlassen des Bahnhofs fiel uns die beeindruckende Architektur des historischen Empfangsgebäudes auf, die einen ersten Eindruck von der einstigen Bedeutung der Stadt vermittelte. Über die Berliner Straße gelangten wir zum Postplatz, wo wir immer wieder stehen blieben, um die reich verzierten Fassaden der Gründerzeit- und Jugendstilhäuser zu bewundern. Viele der Details entdeckt man erst auf den zweiten Blick. Hier stehen heute viele Buden und es ist schon ordentlich was los.

    Das Kaufhaus Görlitz erinnert uns ein bisschen an das Städtische Kaufhaus in Leipzig. Von außen wirkt es wie ein prächtiges Jugendstil-Warenhaus, innen verwandelte es sich für „The Grand Budapest Hotel“ in das legendäre Hotel von Wes Anderson.

    Weiter ging es zum Obermarkt, dessen großzügige Weite und historische Bebauung sofort ins Auge fallen. Hier stehen noch ein paar Stände vom Markt, aber durch die Offenheit des Platzes ist es heute unerträglich heiß.

    Durch die Brüderstraße näherten wir uns dem Untermarkt. Hier wurde deutlich, warum Görlitz als eine der schönsten Altstädte Deutschlands gilt. Die prächtigen Bürgerhäuser mit ihren Lauben und historischen Fassaden schufen eine Atmosphäre, die fast wie eine Reise in eine andere Zeit wirkte. Wir fanden eine kleine Gaststätte mit schlesischer Küche. Katrin probierte sich durch die leckeren Piroggen und ich nahm den schlesischen Hering mit Quark, Kartoffeln und viel Dill. Sehr lecker …

    Ein schöner Gedanke während des Spaziergangs: Viele der Gassen, durch die wir eben noch geschlendert sind, wurden bereits von Schauspielern wie Ralph Fiennes, George Clooney, Kate Winslet oder Brad Pitt betreten – oft erkennt man die Orte auf der Leinwand allerdings erst beim genauen Hinsehen wieder. Gerade hier im Bereich rund um den Untermarkt, dessen Architektur sich mit vergleichsweise wenig Aufwand in eine französische Kleinstadt der 1940er Jahre verwandeln ließ, spielten mehrere Szenen von „Inglourious Basterds“ oder „Der Vorleser“.

    Nach und nach führte uns der Weg aus dem Wohngebiet heraus, vorbei an ruhigeren Randbereichen und kleinen Grünzügen, bis wir schließlich die Anlage des Heiligen Grabs erreichten. Hinter einer eher unscheinbaren Eingangszone öffnet sich eine ganz andere Welt: ein Gartenraum, der bewusst als Nachbildung Jerusalems gestaltet wurde. Die Wege führen durch symbolische Landschaften – vom „Ölberg“ über das „Kidrontal“ bis hin zur eigentlichen Grabkapelle. In der Grabkapelle selbst findet man allerdings nichts.

    Anschließend führte unser Weg zur Kirche St. Peter und Paul. Von dort oben bot sich ein herrlicher Blick über die Neiße und hinüber nach Zgorzelec auf der polnischen Seite. Nachdem wir die Treppen zum Fluss hinabgestiegen waren, überquerten wir die Neiße, die wir uns als Grenzfluss ganz anders vorgestellt hatten. Von der Brücke aus genossen wir den eindrucksvollen Blick auf St. Peter und Paul.

    In Polen setzten wir uns ans Ufer der Neiße und tranken ein Bier. Na zdrowie! 🍻

    Zurück in Deutschland besichtigten wir St. Peter und Paul – ein beeindruckend großer und offen gehaltener Kirchenbau.

    Auf dem Rückweg durch die Oberstadt ließen wir uns bewusst treiben und folgten immer wieder kleinen Gassen und Durchgängen. Hinter vielen Toren öffneten sich überraschend schöne Innenhöfe, und an zahlreichen Häusern entdeckten wir kunstvolle Details, die uns zuvor entgangen waren.

    Nach einem Abendessen im Kartoffelhaus (innen sehr urig!) liefen wir zurück zum Bahnhof. Görlitz hat uns ausgesprochen gut gefallen. Besonders beeindruckt haben uns die hervorragend erhaltenen und liebevoll restaurierten Häuser, die der Stadt einen außergewöhnlich geschlossenen und atmosphärischen Charakter verleihen.
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