Wendelberg Runde von Schneizlreuth
September 17 in Austria ⋅ ☁️ 16 °C
Wenn man durch Schneizlreuth läuft, spürt man irgendwie, dass dieser Ort eine ganz eigene, fast magische Atmosphäre hat. Er liegt eingebettet in ein tiefes Tal an der Saalach, genau im Dreiländereck, wo Bayern, das Salzburger Land und Tirol aufeinandertreffen.
Die Berge rücken hier sehr nah zusammen. Man kann sich die Grenzlage des Steinpasses gut vorstellen, der schon im frühen 13. Jahrhundert die offizielle Grenze zwischen Bayern und dem damals noch eigenständigen Erzbistum Salzburg markierte. Bereits im Jahr 1590 entstand hier die allererste Poststation auf der wichtigen Route zwischen Salzburg und Innsbruck, an der die Postreiter in Schneizlreuth ihre erschöpften Pferde wechselten.
Wenig später, um 1597, wurde die Region auch für den Salzhandel überlebenswichtig. Um das wertvolle Reichenhaller Salz sicher transportieren zu können, wurde ein neuer Weg durch die steilen Felswände gesprengt. Prompt entstand das „Mauthäusl“ nahe der Weißbachschlucht, wo jeder Fuhrmann eine Maut von zwei Kronen pro Pferd zahlen musste.
Die engen Täler und Pässe brachten aber nicht nur Handel, sondern auch großes Leid über die Region.
Während der napoleonischen Kriege um 1800 wurde Schneizlreuth zum Schauplatz blutiger Kämpfe. Die einheimischen Gebirgsschützen lieferten sich in den engen Schluchten erbitterte Gefechte mit den Truppen Napoleons und versuchten, ihre Heimat mit Barrikaden und heruntergerollten Felsbrocken zu verteidigen.
Nach den Weltkriegen wandelte sich die Not der Menschen dann in eine ganz andere Dynamik: Schneizlreuth und die umliegenden Pässe, wie die unwegsame Aschauer Klamm, wurden zu einem berüchtigten Schmuggelparadies. In den mageren Nachkriegsjahren nutzten die Einheimischen ihre Ortskenntnis, um nachts Kaffee, Zigaretten und Zucker über die grüne Grenze zu schmuggeln und so das Überleben ihrer Familien zu sichern – sehr zum Leidwesen der Zöllner, die in dem wilden Gelände kaum eine Chance hatten.
Ein wenig erinnert mich diese raue, wilde Berglandschaft an das Buch „Ein ganzes Leben“ von Robert Seethaler. Gut, es ist hier nicht ganz so hochalpin, aber ähnlich abgelegen. Es ist genau diese karge, bildgewaltige Atmosphäre des Saalachtals und der umliegenden Gipfel, die an die Entstehung des Alpentourismus und den harten Alltag in den Bergen erinnert. Ein weiterer Film, der atmosphärisch unglaublich gut zu den dunklen Schluchten von Schneizlreuth und der historischen Grenzregion passt, ist „Das finstere Tal“ (nach dem Buch von Thomas Willmann). Auch wenn er an ganz anderen Orten gedreht wurde, passt die Kulisse perfekt zur Enge, den schroffen Felswänden und der geheimnisvollen, rauen Aufbruchstimmung der alten Schmugglerjahre.Read more























