• Almbachklamm mal anders

    September 18 in Germany ⋅ ☁️ 15 °C

    Wenn es um die schönen Ecken rund um Berchtesgaden geht, steht die Almbachklamm oft weit oben. Doch während die meisten Touristen unten an der Kugelmühle starten und sich Stoß an Stoß die Stufen hochquälen, haben wir uns für den umgekehrten Weg entschieden. Wir starten „zu Hause“ und laufen hinunter zum Gasthof Dürrlehen.

    Von hier aus läuft man noch recht entspannt zum oberen Ende der Klamm – der geschichtsträchtigen Theresienklause. Diese massive Staumauer aus dem Jahr 1836 ist schon fast ein Industriedenkmal. Früher haben die Holzknechte hier das Wasser aufgestaut, um die gefällten Baumstämme mit einer riesigen Flutwelle durch die enge Schlucht hinab nach Berchtesgaden zu befördern.

    Mir fiel sofort auf, wie stark sich diese Klamm über die Jahre verändert hat. Ich habe noch eine reine Holzkulisse vor Augen: Da balancierte man über Holzbrücken, stieg über moosige, glitschige Holzstufen und hielt sich an einfachen Holzgeländern fest. Das war für mich alpin und passte natürlich perfekt in diese wildromantische Felsschlucht. Aber es hatte eben auch eine Kehrseite – die Sicherheit.

    Um die Klamm dauerhaft für Wanderer sicher zu machen und den steigenden Besucherströmen gerecht zu werden, gab es irgendwann keine Alternative mehr zum radikalen Materialwechsel. Heute dominieren deshalb Betonstufen und moderne, verzinkte Stahlbrücken das Bild. Der harte Kontrast zwischen dem technischen Stahl und dem Jahrmillionen alten Naturfels wirkt im ersten Moment natürlich nüchterner als die alten, verwitterten Holzbohlen. Man verliert ein kleines Stück von diesem ganz alten Flair. Aber man muss auch ehrlich sein: Der Gewinn an Sicherheit und Komfort ist überwiegend.

    Wir laufen bis kurz vor den Ausgang an der Kugelmühle – biegen dann aber links ab und steigen den Weg nach Ettenberg hinauf. Der Weg hat es wirklich in sich! Er ist gut angelegt, zieht sich aber in extrem steilen Serpentinen den Hang hoch. Wer nach dem Abstieg durch die Klamm schon weiche Knie hat, kommt hier noch mal so richtig an seine Grenzen. Die (glaube ich) 540 Höhenmeter pressten ordentlich in die Waden. Aber als wir schließlich oben aus dem Wald kamen und das Kirchlein von Ettenberg sahen, war der Aufstieg schon fast wieder vergessen.

    Die Sonne war inzwischen auch herausgekommen, und es gab eine ordentliche Brotzeit und ein Bier beim Mesnerwirt.

    Die kleine Kirche mit ihrem roten Zwiebelturm wurde in den Jahren 1723 bis 1725 gebaut. Es lohnt sich, kurz hineinzugehen, denn es herrscht einfach eine angenehme Ruhe im Raum. Das Auge wandert automatisch nach oben zu den Deckenfresken, die von dem Maler Innozenz Anton Warathy geschaffen wurden. Die Bilder erzählen die Geschichte der Kirchenpatronin Maria und zeigen Szenen aus ihrem Leben. Der Mittelpunkt der Kirche ist der barocke Hochaltar. In dessen Zentrum steht eine geschnitzte Muttergottes-Figur mit dem Jesuskind auf dem Arm, die von Säulen und Heiligenfiguren umgeben ist. Wenn man genau hinschaut, entdeckt man an den Wänden und Altären ganz viele kleine Details und Votivtafeln, die von der langen Geschichte der Wallfahrt an diesen Ort zeugen.

    Wir lagen noch ein paar Minuten auf der Wiese nahe dem Feuerwehrhaus, bevor wir uns wieder auf den Rückweg gemacht haben. Der Weg führt zunächst hinüber in Richtung Hinterettenberg. Man wandert dabei über sanfte Almwiesen und durch lichte Bergwälder, immer flach oder leicht abfallend, und hat die mächtige Kulisse des Untersbergs immer wieder vor sich.

    Der anschließende Weg hinunter zur Theresienklause ist ein schmaler, oft ziemlich steiler und wurzeliger Waldpfad. Man muss noch mal richtig aufpassen, wo man hintritt, während es über Stufen und enge Kehren bergab geht, bis man plötzlich wieder an der massiven Staumauer steht. Man nähert sich der Mauer also wieder von oben, und hier schließt sich der Kreis der Wanderung: Man steht wieder an dem Punkt, an dem man Stunden zuvor in die enge Klamm eingestiegen ist.

    Von der Theresienklause aus folgten wir schließlich dem bekannten Hinweg. Es ging auf dem breiten, bequemen Forstweg im leichten Auf und Ab durch den Wald zurück zum Gasthof Dürrlehen, wo sich unsere Runde dann schloss.
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