Leon - weder Griechenland noch Original
June 10, 2022 in Nicaragua ⋅ ⛅ 29 °C
Draussen schneit es und die Wetterkarte vermeldet -2 Grad. Das Fieber hat mich nicht gepackt und auch ansonsten ist soweit alles gut. Nur, dass wir - wie zahlreiche unserer treuen Leser bereits festgestellt und reklamiert hatten- den Rest der Reise mit der Berichterstattung nicht mehr hinter kamen so dass inzwischen Monate ins Land gezogen sind über die zu berichten dann wieder eine ganz eigene Geschichte ergäbe. Neben Akklimatisierung im sogenannten „normalen“ Leben mit Einzug im Bahnhof, Einschulung FF und und und hatte mich das offene Ende des Blogs über die letzten sechs Monate immer wieder geärgert und geschmerzt. So sehr, dass es auch Miss I irgendwann auffiel und sie mir die Woche vor Weihnachten Urlaub gab, um an einem Ort meiner Wahl endlich unsere Reiseberichterstattung zumindest zu einem vorläufigen Ende zu bringen.
Und so sitze ich in Hamburg in einem Hotelzimmer und versuche mich bei den beschriebenen winterlichen Temperaturen gedanklich nach Zentralamerika zurückzuversetzen. Schaunwirmal, wie das so gelingt, wenigstens sind die Fotos und der Reiseplan Gerüst und Gedankenstütze.
Leon, Nicaragua also! Vollständig Santiago de los Caballeros de Leon. war mal Hauptstadt und gilt heute noch als kulturell-intellektuelles Zentrum des Landes. Im ewigen Wettstreit mit dem eher wirtschaftlich geprägten Granada ging der Wettstreit wie so oft zugunsten des wenig sehenswerten aber zumindest unbeteiligten Dritten ausging und somit Managua Hauptstadt und heute mit Abstand größte Stadt des Landes wurde. Wobei das Leon welches wir heute besuchten nicht das originäre Leon war. Ursprünglich befand sich Leon (heute Leon Viejo) ca. 30 Kilometer näher am Vukan Momotombo, wurde allerdings nach einem schweren Ausbruch aus Sicherheitsgründen an die heutige Stelle verlegt.
Nachdem unsere Ankunft am Vortag noch ein regnerisch-tristes Bild zeichnete, strahlte am nächsten Morgen die Sonne mit voller Kraft. Unser Führer Felix holte uns pünktlich um 10 Uhr im Hotel ab und der erste Weg ging zur Kathedrale La Merced. Zwar waren die Katakomben mit einem unterirdischen Gängesystem nicht zugänglich, dafür durften wir in Socken auf das Dach von wo aus man einen ersten Blick über die Stadt und die herumliegenden Vulkane hatte. Die weiß gekalkten Wände verbunden mit den Dachkuppeln der Kirche und dem strahlend blauem Himmel wirkten, als wäre man auf einer griechischen Insel gelandet. In der Kirche befindet sich auch das Grab des Nationaldichters Ruben Darios.
Nach der Kirche eine Wanderung durch die Stadt, vorbei an zahlreichen Wandgemälden (Murrals), die sich oft mit der jüngeren politischen Geschichte, insbesondere den Studentenunruhen auseinandersetzten, die in Leon eine Basis hatten.
Zweite Station war das Centro de Arte Fundacion Ortiz Gurdian, einem von einer der Familie Ortiz gestifteten Kunstsammlung die an verschiedenen Orten in wunderschön restaurierten kolonialen Gebäuden mit der klassischen Höfearchitektur ausgestellt wurden. Das erste Haus war vorrangig zentral- und südamerikanischen Künstlern gewidmet . Zwischen lauschigen Innenhöfen mit Fischteichen und Grünpflanzen luftige Hängung die vor allem die Frage aufwarf, wie die Bilder vor der hohen Luftfeuchtigkeit und anderen Umwelteinwirkungen geschützt werden. Im zweiten Haus, wobei der Begriff bei weitem nicht zur Beschreibung dieser schönen Räume ausreicht, dann moderne, auch westliche Kunst zeigte, die selbst mir etwas sagten ;-)
Nach eineinhalb Stunden geballtem Kulturprogramm hatte nicht nur FF genug und so bedankten wir uns bei Felix und gingen in eine Cafe welches er uns noch als Empfehlung mitgegeben hatte.Read more










