• Zweiter Reisetag in den Süden

    June 12 in Norway ⋅ ☁️ 14 °C

    Es war ein nettes Gespräch, das ich mit einer Dame am Fähranleger in Hanøj führte, in dem sie mich fragte: "Kommt, wenn man so lange unterwegs ist wie Sie, nicht irgendwann der Punkt, dass die Spannung weg ist?" Ich antwortete ihr wahrheitsgemäß, dass es mir gar nicht um die Spannung geht, sondern darum, wie ich die Welt erlebe. Damit gab sie sich zufrieden. Mir aber ging die Frage noch länger durch den Kopf und ich glaube, dass wahrscheinlich das Wort "Spannung" hier nicht passt. Aber was wäre besser?
    Der heutige Tag wäre so ein nicht spannender, aber absolut anregend gewesen, der eigentlich ganz unspektakulär werden sollte. Und das, ohne dass ich etwas völlig Neues gesehen und erlebt hatte.
    Gestartet bin ich in einer Region, in der mir ein Herr an der Tankstelle sagte, dass es hier zwar wunderschön sei (was auch stimmte), aber touristisch liefe nichts, weil man zu weit abseits von der E6, der Hauptreiseroute, sei. Ein Satz, den ich nicht nur einmal in Westmittelfranken gehört hatte, allerdings ohne E6.
    So fuhr ich, nachdem ich mich erst einmal total verfahren hatte, mit einem Westmittelfrankengefühl durch eine sehr agrarisch geprägte Landschaft mit wunderbaren See, Fjorden und Bergen, mit vielen Traktoren und Schafe und ohne Wohnmobile.
    Und dann war ich plötzlich an der Küste und die Fjorde wurden breiter und die Straße wilder. Sie erklomm Pässe und durchbrach in Tunneln die Berge und plätscherte sich dann an den Atlantik, um sich dann wieder in Fjorde zurückzuziehen.

    Ich kann es an sich nicht beschreiben, aber es war immer wieder ein großes Staunen.

    Jetzt übernachte ich auf dem Parkplatz eines Wasserkraftwerks, zu dem man nur kommt, wenn man im richtigen Tunnel an der rechten Seite richtigen Stelle rechts abbiegt. Vor dem Verwaltungsgebäude steht eine Tafel, die an eine Sabotageaktion der Alliierten im Zweiten Weltkrieg erinnert, die, in dem sie wohl Teile des Kraftwerks sprengte, in Glomfjord die deutsche Aluminiumproduktion lahmlegten. Solche Erinnerungsstelen gibt es viele. Sie zeigen eine wache Erinnerungskultur.

    Spannend war das nicht, aber ein großes Erlebnis.

    Ein Dank geht noch an meine niederländischen Nachbarn, Co und Herlinde, die mir einen angenehmen Abend geschenkt haben.
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