• Erst Wein dann Kirche

    September 10 in Spain ⛅ 21 °C

    Wir haben gut geschlafen, wenn man mal davon absieht das ich jede Nacht mit dem Hund raus muss. Auf jeden Fall stehen wir um 10 Uhr an unserem Ziel, dem Weinhandel Faustino. Leider nur ist dieser geschlossen. Jennys Recherche zeigt das wir uns hätten anmelden müssen bzw. buchen müssen. Aber als wenn mich das abhalten könnte. Als auf einmal das Tor aufgeht, fahren wir mit rein und stellen fest die Einfahrt war für einen Bus gedacht. Einen Bus aus dem viele Männer in Anzügen aussteigen. Aber auch das stört mich nicht und so wandern wir zum Empfang. Eine richtig schick gekleidete Dame kommt uns entgegen und als wir ihr unser Anliegen schildern bietet sie uns an in 40 Minuten wieder zu kommen. Das nehmen wir gerne an und so stehen wir etwas später in etwas besserer Kleidung wieder dort. Später erfahren wir übrigens das die Dame die uns begrüßt hatte, eine der Inhaberinnen und Tochter der Firma ist. Wir bekommen eine private Führung mit Unai durch das Gelände und erfahren das das Unternehmen 160 Jahre alt ist und sehr sehr viele Auszeichnungen bekommen hat.
    Außer den Herren im Anzug sind wir die einzigen Besucher auf dem Gelände und das gesamte Personal ist sichtlich nervös. Unai verriet uns auch den Grund für den Trubel, an diesem Tag wird die neue Weinbar eingeweiht. Die Herren in den Anzügen waren persönlich eingeladene Ehrengäste der Chefinnen, die Presse war vor Ort und das Personal musste von Jeans auf weiße Anzüge wechseln. Was genau die Herren sonst machen unterliegt übrigens der Geheimhaltung, wie uns erklärt wird. Unais Hände zitterten vor Anspannung zusehends, doch er machte seinen Job großartig. Die Führung ist äußerst interessant. Wir erfahren zum Beispiel das in der Fasshalle
    über 67.000 gefüllte Eichenfässer lagern. Alle drei bis sechs Monate muss der Wein dort in Tanks umgepumpt werden, um die Fässer zu reinigen. Nach fünf Jahren im Fass und drei weiteren in der Flasche ist der Wein fertig. Im besonderen Raum für die obersten 10 % der edelsten Tropfen reift der Wein sogar insgesamt sieben Jahre im Fass und nochmal drei in der Flasche. Wir kommen durch ein Lager mit 14 Millionen Flaschen des Faustino Gran Reserva 1 und gelangen schließlich in die "Schatzkammer". Hier lagert seit 1952 aus jedem Jahrgang mindestens eine Flasche Wein. Wir suchen unsere Geburtsjahrgänge und ich erfahre das mein Jahrgang ein schlechtes Traubenjahr war, das von Jenny dagegen war ein Topjahrgang. Es gibt aus diesem Jahr weltweit nur noch 4 Flaschen zu kaufen bzw. ab heute nur noch drei. Bei der anschließenden Verkostung gibt es Käse, Knabbereien und drei sehr hochwertige Weine, darunter eine limitierte Edition. Die Stimmung wurde von Schluck zu Schluck, aus völlig unerklärlichen Gründen, immer witziger und gelöster. Leicht beschwippst schwanken wir zurück zu den Autos und stehen plötzlich vor dem verriegelten Haupttor. Da dämmerte es uns endgültig, Faustino hatte heute eigentlich komplett für die Öffentlichkeit geschlossen. Wir haben einfach wieder einmal unverschämtes Glück gehabt! Da uns eine Weinverkostung pro Tag nicht ausreicht, geht es weiter zu einem Winzer und seinem selbsternannten "Weintempel". Der Chef, der übrigens Jesús heißt, empfängt uns unglaublich herzlich und das obwohl wir kurz vorm Feierabend kommen. Die Tour durch die "heilgen Weinhallen" können wir, dank moderner Technik eigenständig mit einem Tablet machen. Am Ende dürfen wir auch hier leckere Weine kosten. Einer schmeckt so gut das wir ein paar Flaschen davon mitnehmen.
    So beschwippst wie wir nun sind können wir göttlichen Beistand sehr gut gebrauchen.
    Deswegen geht es zum Kloster Santa Maria de la Real. Wenn auch von außen nicht zu erkennen, so ist es von innen doch sehr überwältigend. Der mächtige, vergoldete Altar erstreckt sich über das Haupt- und beide Seitenschiffe. In einer kleinen, versteckten Grotte liegen zudem die prunkvollen Gräber hochrangiger Geistlicher. Geschlafen wird schließlich auf einem einsamen Stellplatz mitten zwischen abgeernteten Weizenfeldern mit freiem Blick auf die Berge und einem unvergesslichen Sternenhimmel über uns. Wir haben zwar noch eine nicht so schöne Begegnung mit einer sehr unfreundlichen Spanierin, die sauer war das wir auf diesem Platz stehen aber sie fuhr zum Glück weiter, so das wir den Abend und die Nacht in Ruhe genießen konnten.
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