• Sagenhaft unterwegs in Kuressaare

    June 18 in Estonia ⋅ ⛅ 19 °C

    Nach dem Frühstück machten wir uns heute Morgen als Erstes mit den Fahrrädern auf den Weg zum kleinen Jachthafen von Kuressaare. Bei strahlendem Sonnenschein radelt es sich schließlich deutlich angenehmer als mit Regenjacke und Kapuze.

    Unterwegs kamen wir an der Skulptur Suur Tõll ja Piret vorbei. Sie zeigt den sagenhaften Riesen Suur Tõll und seine Frau Piret. In den estnischen Sagen, besonders auf Saaremaa, spielen Riesen eine wichtige Rolle. Suur Tõll gilt als Beschützer der Inselbewohner. Er war stark, gerecht und half den Menschen, wenn sie in Not waren. Gleichzeitig soll er aber auch ein recht temperamentvoller Zeitgenosse gewesen sein, wenn ihm etwas nicht passte. Seine Frau Piret stand ihm dabei stets zur Seite und wird in den Geschichten als ebenso kräftig und klug beschrieben.

    Die Skulptur erinnert an diese alten Legenden, die auf Saaremaa bis heute lebendig geblieben sind. Wenn man vor den beiden Figuren steht, kann man sich gut vorstellen, wie sie früher riesige Felsbrocken durch die Gegend geworfen oder ganze Schiffe über die Ostsee getragen haben sollen. Zumindest erklärt das, warum hier und da ein paar größere Steine in der Landschaft liegen.

    Am Hafen angekommen schauten wir eine Weile den Kindern der Segelschule zu. Es war schön zu sehen, mit welchem Eifer die kleinen Kapitäne ihre Boote über das Wasser steuerten. Manche sahen bereits sehr professionell aus, andere übten vermutlich noch das kontrollierte Kreisefahren.

    Danach stand das eigentliche Highlight des Tages auf dem Programm: Schloss Arensburg.

    Die mächtige Burg steht auf einer kleinen Insel und wird von einem sechseckigen Wassergraben umgeben. Schon von außen wirkt die Anlage beeindruckend. Bevor wir uns ins Innere wagten, erkundeten wir zunächst ausgiebig die Außenanlagen mit dem Fahrrad. Rund um die Burg gibt es schöne Wege, Bastionen und immer wieder tolle Ausblicke auf die alten Mauern und die wunderschönen gut erhaltenen Häuser in der Stadt.

    Die Burg Arensburg gilt als die am besten erhaltene mittelalterliche Festung im gesamten Baltikum. Sie wurde im 14. Jahrhundert von den Bischöfen von Ösel-Wiek errichtet und diente sowohl als Wehrburg als auch als Verwaltungssitz. Im Laufe der Jahrhunderte wechselten die Herrscher mehrfach, doch die Burg blieb erstaunlich gut erhalten.

    Besonders beeindruckend ist, wie vollständig die Anlage heute noch wirkt. Während viele Burgen Europas nur noch aus ein paar romantischen Mauern bestehen, steht hier fast die komplette Festung. Türme, Wehrgänge, Innenhöfe und massive Mauern vermitteln einen hervorragenden Eindruck davon, wie das Leben im Mittelalter ausgesehen haben könnte.

    Nach der ausgiebigen Erkundung des Schlosses waren wir uns einig: So eine Burg erobert sich schließlich nicht von allein. Deshalb war die anschließende Kaffeepause im Innenhof des Schlosses absolut verdient. Bei Cappuccino und herrlichem Wetter ließen wir die Eindrücke auf uns wirken und genossen die besondere Atmosphäre.

    Irgendwann mussten wir uns dann doch von Rittern, Bischöfen und Riesen verabschieden. Also schwangen wir uns wieder auf die Fahrräder, fuhren zurück zu Grisu und machten uns bereit für das nächste Abenteuer.
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