Bei den Berggorillas
August 3 in Uganda ⋅ ☁️ 19 °C
Heute ist der Tag, auf den wir uns schon so lange freuen und an dem hoffentlich ein Traum in Erfüllung geht. Das Permit für das Gorilla Trekking ist seit Monaten beantragt und wartet auf uns. Noch vor Sonnenaufgang stehen wir auf, frühstücken kräftig und fahren zum Besucherzentrum des Parks. Wir werden von einer Gruppe Tänzerinnen begrüßt. Das ist jetzt nicht so meins. Ein Ranger erklärt uns alles Wichtige zum Verhalten im Wald und zur Begegnung mit den Gorillas.
An der Ranger-Station treffen wir auf unser Team: Erfahrene Ranger mit AK-47-Gewehren, die uns vor plötzlichen Begegnungen mit Elefanten schützen sollen und Träger, die unser Fotoequipment durch das Dickicht transportieren. Begleitet von erfahrenen Guides und Fährtenlesern fahren wir noch ein gutes Stück und dann beginnt unsere Wanderung durch den dichten, geheimnisvollen Bwindi-Regenwald, ein UNESCO-Weltnaturerbe. Der Weg führt über bewachsene Hänge, entlang Lianen und durch Bambuswälder, während wir den Spuren der Tiere folgen. Zunächst ist es unendlich steil und ich frage mich, ob ich überhaupt jemals bei den Gorillas ankomme. Die Hänge neben dem Weg fallen fast senkrecht ab. Unter uns liegen entlang der Steilhänge Felder. Jedes Feld hat eine andere Farbe und so zieht sich ein grünbunter Flickenteppich die Hänge hinauf. Zum Glück scheint keine Sonne. Schließlich steigen wir gerade von etwa 2000hm auf 2600hm auf. Doch dann erreichen wir die schmalen Pfade durch den dichten Dschungel. Wir kraxeln über Wurzeln, klettern über umgefallene Baumstämme, bleiben in Pflanzen hängen und stolpern durch die Gegend. Die alten Urwaldriesen umgeben uns. Einige sehen wie alte Männer aus, die ihre Arme, die knorrigen Äste in die Luft strecken. Sie sind mit Moos und Orchideen bewachsen. Es ist ein ganz anderer Dschungel, als wir ihn aus Borneo oder Costa Rica kennen. Es geht immer tiefer in den Dschungel hinein, und dann beginnt der steile Aufstieg durch den undurchdringlichen Regenwald. Schließlich erreichen wir eine Gruppe Ranger, die uns vollends zu den Gorillas bringt. Sie haben die Gruppe gestern Abend verlassen und heute in der Frühe wieder aufgesucht. Dadurch wissen sie, wo sie sich befinden. Mit der Machete bahnen wir uns einen Weg durch dichtestes Gestrüpp. Der Bwindi Impenetrable macht seinem Namen alle Ehre. Undurchdringlich heißt impenetrable. Und das ist er wahrlich. Es geht steil bergab. Richtig steil. Ich verfange mich in Lianen und stolpere. Überall ist tiefer Matsch. Dornen stechen uns. Hier ist noch niemals zuvor ein Mensch gelaufen. Wenn es nicht so extrem steil wäre, wäre es bedeutend einfacher sich einen Weg zu bahnen. Wir sind auf über 2000 Meter Höhe, als wir schließlich die Gorillas treffen. Es sind zerbrochene Äste, frische Nester oder angeknabberte Bambusschößlinge, die uns ihre Nähe verraten. Es ist ein unglaubliches Gefühl durch einen der ältesten und artenreichsten Wälder der Welt zu wandern. Da es gestern stark geregnet hat, ist der Untergrund schlammig. Es ist eine Schlammschlacht. Wie glücklich bin ich nun wieder über unsere Adidas Kampung, die uns schon in Borneos Dschungel so gute Dienste geleistet haben. Wir werden natürlich von allen sehr skeptisch gemustert, als wir mit unseren weißen Gummischuhen aufkreuzen. Alle tragen Wanderschuhe. Doch am Ende sind sich alle einig: wir sind definitiv kein einziges Mal gerutscht. Trocknen müssen unsere Schuhe nicht und gereinigt sind sie nachher ganz schnell.
Und dann….. Plötzlich bleibt unser Ranger stehen. Ein Zeichen! Wir haben sie gefunden. Ein letztes Stück wird mir der Machete penetrable gemacht. Wobei das natürlich Auslegungssache ist. Eine winzige, schmale Spur im dichtesten Dschungel ist oberflächlich zu sehen. Ständig bleibt man mit den Füßen irgendwo hängen und muss aufpassen nicht zu stürzen. Also doch eher noch impenetrable. Nur zwei Stunden nach unserem Aufbruch stehen wir vor einer der seltensten und beeindruckendsten Kreaturen unserer Erde: Den letzten Berggorillas Ugandas.
Vor uns, inmitten des Unterholzes, im Herzen des Dschungels, sitzt eine Gorilla-Familie. Die Mutter kümmert sich liebevoll um ihr Junges, das verspielt an den Pflanzen zerrt. Ein etwas älterer Junge beobachtet uns neugierig. Liebevoll betreiben sie Fellpflege und werden mit der Zeit immer aktiver. Die Kleinen klettern auf niedrigen Baumstämmen herum und haben großen Spaß. Das Gelände ist extrem steil und die Kleinen purzeln immer wieder den Hang hinunter. Weiter unten sitzt regungslos der massige Silberrücken. Der Chef des Clans. Seine beeindruckende Statur, das dichte schwarze Fell und der durchdringende Blick lassen uns für einen Moment den Atem anhalten. Doch anstatt sich bedroht zu fühlen, bleibt er seelenruhig sitzen, kratzt sich nachdenklich am Kopf und beginnt ein Nickerchen zu machen. Ein sanfter Riese. Die Kleinen turnen um ihn herum, was ihn allerdings überhaupt nicht beeindruckt. Ein kleiner Kletterkünstler erklimmt einen jungen Baum und knickt ihn dabei um. Keine Ahnung wie er das geschafft hat. Jedenfalls kracht mir der Baum auf den Kopf. Danke. Den Kleinen interessiert es nicht.
In diese tiefen dunklen Augen zu sehen. Die spielenden Kinder zu beobachten. Die liebevolle Mutter, die ihr Kleines in den Arm nimmt und es schützt, als es anfängt zu schütten. Sie sind um uns herum. Ganz nah. Wir müssen immer wieder zurückweichen, weil sie anstatt der vorgeschriebenen 10m nicht einmal mehr 1m Abstand halten. Als der Regen zu stark wird, senken alle die Köpfe. Mama umarmt ihr Kind. Nachdem der Regen etwas nachlässt, wird die Gruppe wieder aktiv. Die Frisur wird gerichtet, das Haar getrocknet. Von Ästen das Wasser mit der Zunge abgeleckt. Zwischendurch ausgiebig gegähnt, bevor man das Geschwisterchen liebevoll umarmt und küsst. Papa Silberrücken sitzt immer noch unbeeindruckt unter seinem Blatt, während die Kleinen wieder spielen. Doch dann kommt Bewegung in ihn. In einem Schwung erhebt er sich. Unglaubliche Muskelmassen bewegen sich in unglaublichem Tempo direkt auf uns zu und an uns vorbei. Silberrücken nennt man sie, wegen der charakteristischen Färbung auf dem Rücken der männlichen Tiere, die sich ab einem Lebensalter von etwa 12 Jahren abzeichnet. Während er also dem nachgeht, was er nun den ganzen Tag machen wird, nämlich fressen, eilen die neugierigen Gorillababys hinter ihm her und tummeln sich um ihn herum. Ein Silberrücken muss täglich 30kg Pflanzen und Früchte zu sich nehmen. Der Regen hat sie in ihrer Lieblingsbeschäftigung gestört. Eigentlich fressen Gorillas den ganzen Tag. Wie sonst soll das viele Grünzeug in einen ausgewachsenen Silberrücken hineinwandern. Der Wald ist für sie wie eine riesige Salatbar mit über 140 verschiedenen Pflanzenarten. Die Pflanzen sind so wasserhaltig, dass die Gorillas fast ihren gesamten Flüssigkeitsbedarf über die Nahrung abdecken.
Entspannt werden wir in ihrem Kreis geduldet. Ich sitze also wenige Meter bis weniger als einen Meter von diesem eindrucksvollen Wesen entfernt, während sein Nachwuchs unaufhaltsam mit meiner Kamera flirtet. Eine meiner schönsten Tierbegegnungen! Die Nähe zu diesen Tieren ist überwältigend. Wir teilen über 98% unserer DNA mit ihnen. Um sie vor möglichen Krankheiten zu schützen, tragen wir Masken. Die Gefahr einer Zoonose ist real – sowohl für uns als auch für die Gorillas.
Die Gruppe zieht weiter, aber die kleinen Gorillas finden uns nackte Menschenaffen viel zu interessant. Immer wieder bleiben sie stehen und blicken auf uns zurück, während wir den Silberrücken überholen und ihn von oben nochmals beim Fressen beobachten können.
Die Stunde mit den Gorillas vergeht wie im Flug. Den ganzen Tag könnte ich noch hier verbringen und diese wunderbaren Geschöpfe beobachten. Wie sie sich gegenseitig pflegen, ihre Jungen tragen, fressen und spielen. Wir bestaunen die friedliche Harmonie innerhalb der Gruppe. Mit einem letzten Blick verabschieden wir uns und treten den Rückzug an. Den ganzen Tag kann ich an nichts anderes mehr denken und bin noch heute von dieser Begegnung verzaubert.
Der direkte Blickkontakt mit einem Gorilla ist ein unbeschreiblich emotionaler Moment – intensiv, still und zutiefst bewegend. Kaum ein Erlebnis in Afrika ist so eindrucksvoll und bewegend wie der Moment, in dem man den sanften Riesen des Regenwaldes gegenübersteht.
Zurecht ist der Bwindi Impenetrable Weltnaturerbe. Hier kommen drei Menschenaffenarten zusammen: Gorillas, Schimpansen und Menschen.
Der Abstieg ist nicht weniger herausfordernd. Noch einmal anderthalb Stunden durch den dichten Dschungel, diesmal mit müden Beinen und voller Eindrücke. Nach 6 Stunden, 8 km und 600 überwundenen Höhenmetern pro Weg erreichen wir wieder das Auto.
Am Ende sind wir erschöpft – aber glücklich. Dieses Erlebnis hat sich tief in unser Gedächtnis eingebrannt. Die letzten Berggorillas Ugandas – eine Begegnung, die uns für immer begleiten wird.Read more



































TravelerWow super
TravelerWundervolle Fotos! Sehr beeindruckend!
TravelerDanke!