• Batwa-Pygmäen im Enchuya Wald

    4 de agosto, Uganda ⋅ ☁️ 19 °C

    Heute müssen wir nicht weit fahren, um den Enchuya Wald zu erreichen. Tief im Wald leben noch einige Pygmäenvölker. Eines davon ist unser Ziel. Ein Batwa erwartet uns am Waldrand. Mit ihm wandern wir durch den Dschungel und das lichte Bambusgehölz. Die Batwa gehören zu den letzten Eingeborenenvölkern Ugandas, die abseits der restlichen Zivilisation im Wald leben. Sie waren über Jahrhunderte die traditionellen Bewohner des Enchuya Waldes. Die Batwa leben im Einklang mit der Natur – sammeln Heilpflanzen, jagen mit Pfeil und Bogen, bauen ihre Hütten aus Gras und Bambus und kennen jeden Baum und jeden Pfad des Waldes. Von ihnen erfahren wir, wie medizinische Pflanzen zur Heilung eingesetzt werden, essen Lichy, wilden Spinat, Brombeeren und Papayas. Einige Pflanzen werden verwendet, um Seife herzustellen und andere werden als Creme verwendet und duften wie unser Zitronella. Aus großen Blättern werden Teller und Toilettenpapier.
    Die Batwa beerdigen ihre Toten in kleinen Waldhütten. Sie werden dort mit dem Gesicht nach oben hineingelegt. Sie blicken in den Himmel und in die Bäume und sollen nach Früchten und Honig Ausschau halten. Keinesfalls darf der Blick nach unten zu den Menschen gerichtet werden. Gejagt wird mit Pfeil und Bogen und das Feuer wird durch Reibung verschiedener Hölzer entzündet. Es gibt verschiedene Arten von Häusern. Babys werden zum Schutz vor wilden Tieren in Baumhäusern untergebracht. Heiratet man, verbringt man die erste Nacht in einem speziellen Hochzeitshaus. Es gibt große Häuser, in denen sich alle zu Feste versammeln und natürlich die normalen Wohnhäuser.
    Unter einem sehr großen, schutzspendenden Baum befindet sich die "Kirche". Dort wird noch immer Kontakt zu den Ahnen aufgenommen und Opfer gebracht.
    Die Batwa gelten als sehr gesundes Volk. In der Natur gibt es deutlich stärkere Medikamente als in den Krankenhäusern. Solange sie sich nur aus der Natur ernährt haben, gab es auch keine Probleme mit Karies. Mittlerweile ist es fast allen Batwa verboten in den Wäldern zu leben. Seit sie Teil unserer Zivilisation sein müssen, sind viele krank, weil die schwachen Medikamente nicht helfen und haben massive Probleme mit Karies. Außerdem sind sie in der ugandischen Gesellschaft noch immer nicht überall als Menschen anerkannt. Es heißt, sie seien zu klein und würden stinken/riechen.
    Ein besonders schöner Abschluss ist es, den Gesängen der Batwa zu lauschen, dem Tanz zuzusehen und vor allen Dingen, die Begeisterung der kleinen Kinder zu beobachten, wie sie mittanzen.

    Wir sind sehr froh, diesen intensiven Tag erlebt haben zu dürfen und für kurze Zeit Teil dieser uralten Kultur zu sein. Es ist wie eine Reise in die Vergangenheit, die uns zeigt, wie eng Leben und Natur miteinander verbunden sind. Es ist für mich faszinierend, dass Menschen heute noch auf diese einfache Art leben können, die wohl mit dem Leben während der Steinzeit verglichen werden kann.
    Leider verlieren die Batwa-Pygmäen ihren ursprünglichen Lebensraum mehr und mehr und müssen neue Wege in die Zukunft gehen. Viele arbeiten heute in Steinbrüchen, stellen Kohle aus Eucalyptusholz her und brennen Ziegel. Das wenige Geld, das sie verdienen, wird oftmals abends direkt vertrunken. Sie sehen auch keinen Sinn darin, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Somit ergeben sich für sie keine wirklichen Zukunftschancen.
    Auch am Spielzeug sieht man, dass unsere Welt Einzug gehalten hat. Man nehme eine PET Flasche, stecke einen Stecken in den Flaschenhals und schon hat man ein Spielzeugauto.
    Was ich sehr erschütternd fand… auf unserem Auto ist die Entwicklung von Affe zu Mensch abgebildet. Das haben sie heute entdeckt. Somit hat sich ihnen die Evolution erschlossen. Es gab Diskussionen… sie hatten davon noch nie gehört. Einige Gesichter haben große Ähnlichkeit mit denen unserer Vorfahren oder schlicht gesagt, den Gorillas. Auch das wurde heute entdeckt und erkannt. Mir fehlen die Worte.

    Ich hoffe sehr, dass die Batwa auch in Zukunft einen Weg finden, ihre Kultur zu bewahren und dennoch einen Platz in unserer modernen Welt finden. Es ist unübersehbar, dass sie zu den ärmsten Völkern Afrikas gehören.
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