• Queen Elisabeth II

    August 8 in Uganda ⋅ ☁️ 21 °C

    Der Morgen erwacht und obwohl der Himmel klar ist, schafft es die Sonne nicht, sich durch einige Wolken hindurch zu kämpfen. Es hat heute Nacht nicht geregnet und dennoch sind einige Passagen extrem verschlammt. Wir fahren kreuz und quer durch den Park und er erscheint heute wie ausgestorben. Wo sind all die Gazellen, Waterbaks und Pumbas hin? Wir erreichen das Schwemmland und treffen auf viele Flusspferde, die im Wasser vor sich hindümpeln. Wir entdecken Störche und eine große Familie von Mungos. Wirklich erfolgreich sind wir aber eher nicht. Wir fahren zurück und treffen auf ein Auto, das tief im Schlamm feststeckt. Es wartet offenbar schon eine ganze Weile auf Hilfe. Es gibt eine riesige Schlammschlacht, einen Kampf gegen die saugende Kraft des Matsches. Aber schließlich steht der Wagen wieder auf festem Grund. Nach dieser guten Tat entdecken wir eine größere Zahl an Autos. Autosichtung bedeutet Tiersichtung. So ist es auch. Zunächst erspähen wir nur zwei, es sind aber fünf: Löwen. Jawohl, jetzt kommt große Freude auf. Mit dieser Sichtung haben wir vier der Big Five entdeckt. Fehlt nur noch das Nashorn. Und ja, natürlich wünsche ich mir auch noch den Löwenmann. Die Damen liegen faul im Gras. Offenbar haben sie gut gefressen. Doch nach einiger Zeit erheben sie sich und verschwinden im tiefgrünen Gebüsch. Was für ein schöner Moment.
    Das Gras in der Savanne bietet ein unglaubliches Farbspiel. Da es sehr viel geregnet hat, ist es leuchtend grün und teilweise hoch. Dazwischen ragen verdorrte Halme einer anderen Grasart in die Luft. Diese Halme verleihen der Landschaft etwas leichtes, fast schwebendes. Die Gras wirkt silbrig leuchtend. Durch die Brechung des Sonnenlichts erscheint es Richtung Horizont silbrig und verschwindet im Nichts. Dazwischen ragen immer wieder graue Felsbrocken heraus, die sich bei näherer Betrachtung plötzlich bewegen und als Elefanten entpuppen. Die schwarzen kleinen Felsgruppen sind Büffelherden, die das Grün abgrasen oder verdauen. Dazwischen tummeln sich Gazellen und Waterbaks in großer Zahl.
    Uns zieht es jetzt zu der großen Euphorbie, in der wir gestern den Leopard entdeckt haben. Im Moment ist leider niemand hier. Doch wenig später entdecken wir zwei Leoparden auf einer Euphorbie. Man sieht sie schlecht. Sie sind gut versteckt. Jetzt heißt es abwarten und geduldig sein. Allzu lange müssen wir gar nicht warten, die Mutter verlässt den Baum und läuft ein Stück durch das goldgelbe Gras. Kurz darauf folgt ihr Junges. Was für ein Anblick. Leoparden sind Einzelgänger. Sie zu zweit zu sehen, ist riesiges Glück. Und so streifen sie nun durch das hohe Gras, nebeneinander Mutter und Kind und entschwinden schließlich unseren Blicken.

    Der Queen Elizabeth Nationalpark hat noch viele Überraschungen zu bieten. Hier, eingebettet in die Landschaft, liegt ein faszinierendes Naturwunder: ein Salzsee, der seit Jahrhunderten eine wichtige Rolle für die lokale Bevölkerung spielt. Der See ist das Überbleibsel eines urzeitlichen Seebeckens. Durch die intensive Verdunstung, die über Jahrtausende hinweg stattgefunden hat, hat sich hier eine hohe Salzkonzentration entwickelt. Besonders während der Trockenzeit bilden sich an der Oberfläche weiße Salzkrusten, die regelmäßig geerntet werden. Wir treffen auf Einheimische, die uns erklären, wie das Salz gewonnen wird. Männer und Frauen stehen im flachen Wasser, lösen mit Holzwerkzeugen das kristallisierte Salz vom Seeboden und sammeln es in Körben. Die Arbeit ist hart, aber sie lohnt sich – denn das Salz ist nicht nur für die lokale Bevölkerung wertvoll, sondern wird auch in andere Regionen verkauft.
    Es ist brutal heiß. Die Sonne brennt unbarmherzig vom Himmel, die Temperaturen liegen weit über 30 Grad, und der Salzuntergrund reflektiert die Strahlen zusätzlich. Die Luft ist trocken, die Hitze drückt – es gibt keinen Schatten, und der Geruch von Schwefel liegt schwer in der Nase.
    Die Männer, die hier arbeiten, tragen oft nur einfache Kleidung und haben keine Schutzmaßnahmen gegen die extreme Umgebung. Ihre Füße und Hände sind vom Salzwasser gezeichnet. Barfuß oder mit einfachen Sandalen stehen sie stundenlang im Salzsee, während sie die schweren Säcke mit Salz auf ihren Schultern schleppen. Bis zu 50 Kilogramm wiegt ein einzelner Sack.
    Wir haben großen Respekt für die Männer und Frauen, die hier Tag für Tag schuften, um das Salz zu ernten. Ihre Arbeit ist hart, gefährlich und körperlich extrem belastend – und doch bleibt sie weitgehend unsichtbar für die Außenwelt.

    Eine dünne, salzhaltige Wasserschicht wird in Becken gesammelt. Auf dem Grund befindet sich schwarzer Lavaschlamm. Dieser erhitzt sich in der Sonne besonders stark und lässt innerhalb von zwei Tagen etwa 24kg Fleur de sel entstehen. Schönes rosafarbenes Fleur de Sel. Wenn das mal keine schlechte Einnahmequelle ist. Wir sehen die Becken in verschiedenen Stadien, was für tolle Muster die Natur doch formen kann. Die Salzkristalle leuchten Pink. Es gibt aber auch Becken mit weißen Mustern vom Salzschaum. In den Rändern der Becken haben Kingfischer ihre Nester gebaut. Sie brüten im weichen Sand. Und im Hintergrund staksen rosa Flamingos durch das salzige Wasser und werden mit jeder Nahrungsaufnahme ein bisschen pinker. Viele sind nicht mehr hier. Die meisten sind bereits nach Kenia und Tansania zurückgegekehrt, als wir damals allerdings dort waren, waren auch dort nicht viele zu sehen und es hieß, sie seien noch in Uganda. Es war genau zur gleichen Jahreszeit, wo sind sie denn nun wirklich? Irgendwo dazwischen? Die Büffel haben das salzhaltige Wasser auch für sich entdeckt und kommen zum Baden, wenn sie eine Wunde haben. Der Ausblick über den Kratersalzsee mit seinen Becken ist toll. Er wirkt wie geometrische Muster.
    Auch Lake Katwe ist ein salzhaltiger Kratersee, in dem wir tolle Farbmuster entdecken. Entlang der Abbruchkante essen wir zu Mittag und blicken auf den Kazinga Kanal. Auf der anderen Seite planschen unzählige Elefanten im Wasser, Büffelherden trinken, Flusspferde grunzen. Der Flussblick ist atemberaubend. Wie freue ich mich jetzt schon, gleich in ein Boot zu steigen und die Tierwelt vom Wasser aus zu beobachten.
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