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Saudi-Arabien

Roadtrip entlang alter Lehmstädte, Oasen, Wüsten und Wadis Read more
  • Prophetenmoschee - Masjid An-Nabawi

    December 22, 2025 in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 16 °C

    Der heilige Bereich Medinas heißt Al-Haram. Hier steht im Herzen der Stadt die Prophetenmoschee. Sicherlich eines der bekanntesten und eindrucksvollsten Bauwerke des Islam, gleich nach der Al-Haram Moschee rings um die Kaaba in Mekka.
    Um den Bau der Moschee ranken sich einige Mythen. Die gängigste Geschichte, die uns auch in Medina vor Ort erzählt wurde, lautet wie folgt: Mohammed soll seinen Vetter Ali auf ein Kamel gesetzt und dieses losgeschickt haben. An der Stelle, an der sich das Kamel niederkniete, wolle er den Grundstein für seine neue Moschee legen. Und das ist eben genau hier, wo die Prophetenmoschee bzw. Masjid an-Nabawi steht.
    Medina ist bis heute eines der wichtigsten religiösen Zentren des Islam und gilt als zweitheiligste Stadt gleich nach Mekka. Daher wurde auch die Prophetenmoschee stetig erweitert und ihre Kapazitäten ausgebaut. Aktuell bietet sie bis zu 1 Million Gläubigen Platz, was sie nach der Al-Haram Moschee in Mekka zur zweitgrößten Moschee der Welt macht.
    Um den Pilgern im Außenbereich der Moschee Schutz vor der erbarmungslosen Sonne zu bieten, wurden überdimensionale Sonnenschirme aufgebaut. Jeder dieser Schirme wiegt 45 Tonnen, ist 15 m hoch und kann aufgespannt 625 m² Schatten spenden – genug für jeweils 800 Pilger! Dank eingebauter Lüfter lässt es sich hier bei bis zu 50° aushalten. Insgesamt gibt es 250 dieser Sonnenschirme, sodass eine Schattenfläche von 160.000 m² entsteht. Die Schirme werden zur Mittagshitze aufgespannt und Abends wieder eingefahren. Das ganze passiert dank einer Computersteuerung binnen unglaublicher 15 Minuten. Das Projekt wurde durch die Firma Liebherr realisiert.
    Man darf die Moschee als Ungläubiger nicht betreten. Dennoch ist der Besuch des Bereiches ringsherum eines der absoluten Highlights meiner Reise durch Saudi-Arabien. Zum einen ist da dieses schwer greifbare, aber fantastische Gefühl, etwas mit eigenen Augen sehen zu können, was lange Zeit für Touristen ein absolutes Tabu war.
    Zum anderen bin ich von der Schönheit der Moschee absolut beeindruckt. Sie wirkt sehr edel und elegant, was eben nicht zuletzt auch an den Sonnenschirmen liegt. Denn eingefahren ähneln sie der schmalen Bauweise der Minarette der Moschee.

    Nachdem wir uns durch das Verkehrschaos der Stadt gekämpft haben und das Auto in der Tiefgarage verschwunden ist, laufen wir voller Erwartungen zur Moschee. Und dann liegt sie vor uns. Wunderschön. Die Sonne gibt sich nochmals Mühe und lässt sie im späten Nachmittagslicht erstrahlen. Die schattenspendenden Sonnenschirme der Firma Liebherr aus Stuttgart sind geöffnet. Begeistert laufen wir darauf zu, die Schirme, darüber und dazwischen die schlanken Minarette. Sind die Schirme geschlossen, gleichen sie den Minaretten in Form und Farbe. Überall laufen, sitzen und beten die Menschen. Dennoch ist die Atmosphäre ruhig. Wir werden gefragt, ob wir Fotos machen und können werden auch selbst fotografiert. Schließlich verschwindet die Sonne und die Schirme beginnen sich zu schließen. Wie Blumen falten sie ihre Blütenblätter ein, ähneln dann einem runden Lampenschirm und schließen sich letztendlich, um wie kleine Minarette in die Luft zu ragen. Es sieht wunderschön aus. Doch dann werden wir freundlich gefragt, ob wir denn Muslime seien. Nein, sind wir nicht. Hier dürfen wir nicht sein. Wir befinden uns außerhalb der grünen Absperrzäune, aber offensichtlich doch schon im inneren Moscheebereich. Es gibt keine Hinweisschilder und kein Personal, das schaut, wer wo reinläuft. Ich hatte auf YouTube Videos gesehen, in denen immer an den grünen Absperrgittern Schluss war. Dort waren wir aber nicht. Der freundliche Mann erklärt uns, wie wir am besten rauskommen und welches Museum wir uns gerne ansehen können. Somit verlassen wir diesen so besonderen Ort und schauen von jetzt an durch den richtigen Zaun, von dem man aus alles genauso gut sehen kann.

    Zum zweiten Mal essen wir zu Abend und bis jetzt funktioniert das wie zu Hause auch. Reingehen, Platz nehmen, bestellen und essen. Keine getrennten Abteile für Frau und Mann. Hier werde ich sogar angesprochen, dass mein Tuch besonders schön sei. Schön finde ich es auch. Es kommt aber darauf an, wie man es trägt und bindet. Heute komme ich mir eher vor wie eine alte Hexe. Was machen Kleider doch aus Menschen.

    Als es schon dunkel ist, ruft der Imam. Innerhalb kürzester Zeit füllt sich das riesige Areal der Moschee und alle umliegenden Plätze. Die Geschäfte werden dazu schlicht kurz geschlossen. Alle Menschen knien in perfekter Anordnung auf ausgelegten Gebetsteppichen und die gesamte Stadt schweigt und lauscht. Es ist ein fast magischer Moment. Diese Stille und der Imam. Alle stehen synchron auf und knien wieder nieder, als würden sie am Faden eines Marionettenspielers hängen. Ein perfekter Ablauf. Doch wie viele Menschen sind das? Wir tippen auf mehrere 100.000, die alle schweigend lauschen. Hunderttausende verstummen, wenn einer die Stimme erhebt. Und jetzt erkennen wir auch ganz eindeutig: wir beide sind die einzigen Menschen hier, die keine Muslime sind.
    Die Menschen kommen aus allen Nationen und werden in speziellen Pilgerreisegruppen hierher gebracht. Viele Gruppen tragen Westen oder T-Shirts, mit dem Namen ihres Landes drauf. Ein riesiges Business.

    Auf der anderen Seite der Moschee stehen mit der Al-Ghamama und der Abu Bakr Moschee zwei der ältesten Moscheen Medinas, die noch zu großen Teilen in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben sind.

    Anschließend versuche ich noch mal mein Glück, die Moschee zu Fuß zu umrunden. Diesmal in Richtung Osten. Hier grenzt nämlich der erste islamische Friedhof Baqiʿ al-Gharqad an die Prophetenmoschee. Und entlang des Friedhofs gibt es eine Mauer, von der aus man einen guten Überblick auf die Moschee und ihre Dimensionen erhalten kann.

    Auf dem Friedhof liegen zahlreiche wichtige Persönlichkeiten des Islam begraben, einige davon Verwandte und Gefährten des Propheten selbst. Ursprünglich befanden sich hier dementsprechend auch pompöse Grabmäler, Schreine und Mausoleen.
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  • Medina

    December 21, 2025 in Saudi Arabia ⋅ ⛅ 23 °C

    Heute beginnt unser Roadtrip und wir machen uns auf den Weg durch die Wüste nach Medina. Die Distanzen in Saudi-Arabien sind groß, um nicht zu sagen riesig. Man könnte jetzt natürlich auch den Flieger (nicht gerade günstig) nehmen oder sich in den ultramodernen Haramain Zug setzen - das Flaggschiff unter den Hochgeschwindigkeitszügen in Saudi-Arabien.
    Ich bevorzuge das Auto. So kann ich das Land intensiver erleben und auch einfach mal anhalten. Wir brauchen wohl 4 Stunden bis Medina. Der Zug nur knappe zwei. Wenn man aber die Anfahrt zum Bahnhof, das Warten bis zur Abfahrt des Zuges und die Taxi oder Busfahrt in Medina zum Hotel dazurechnet, brauchen wir nicht viel länger.

    Zunächst fahren wir durch flaches Wüstenland, bis sich einige Berge erheben. Leider sind wir in der 3-spurigen Autobahn gefangen und es gibt keine Möglichkeiten anzuhalten. Es braucht definitiv kleinere Straßen, um die Landschaft genießen zu können. Unsere Begleiter sind Kamele, Esel und Paviane. Weihrauchbäume wachsen in den Tälern und Wadis. Ein paar Schnappschüsse aus dem Fenster müssen reichen.
    Teilweise ist die Fahrt ziemlich eintönig und dann kommt man auf interessante Gedanken. Irgendwie muss man die Zeit ja rumkriegen. Saudi-Arabien ist Weltmeister der Radarkontrollen. Alle 6km steht ein grauer Kasten. Es gibt sie in den Städten als Säulen, bunkerartige Monster und Blitzkästen, wie wir sie kennen. Entlang der Autobahn stehen sie als kleine graue Kästen. Da die Saudis sehr rücksichtslose Autofahrer sind, ist dies wohl die einzige Möglichkeit, die Rowdies zu zähmen. Ich würde ja lieber etwas schneller und dafür geordneter fahren. Aber gut. Im Auto liegt mein Spickzettel mit den arabischen Zahlen. Es gibt viele Schilder, auf denen die Geschwindigkeit nur auf arabisch steht. Es existiert aber auch ein Modell mit der Angabe in beiden Schriften. Ich fahre so ordentlich wie in meinem ganzen Leben noch nicht. Bei 120km/h beginnt mein Auto zu piepen. Das scheint die Höchstgeschwindigkeit zu sein. Doch nein. Es gibt auch noch Abschnitte, in denen 140km/h gefahren werden darf. Man erträgt jedoch kaum das Gepiepe. Irgendwann ignoriere ich es und stelle zu meiner großen Freude fest, dass es aufhört, wenn man schneller als 130 fährt. Perfekt. Nachdem es nicht mehr piept, verfolge ich nun das Blitzergeschehen - alle 6km ein Kasten. Das sind auf 400km Strecke allein heute fast 70 Blitzer plus noch 12 mobile Radarkontrollen und 5 Check Points der Polizei. Summasumarum 87 Geschwindigkeitsmessungen. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

    Ich muss mir heute keine Gedanken darüber machen, was ich anziehen könnte und ob die Haare schön sind. Ganz einfach: über Hose und T-Shirt kommt die Abaya und kurz vor Ankunft in Medina noch ein Tuch auf den Kopf. Die Frisur sitzt.
    So habe ich mir das zumindest vorgestellt. Zum Glück bin ich während des Packens auf die Idee gekommen, mal auszuprobieren, wie der Kampf mit dem Stoff, das Binden, Wickeln, Knoten solch eines Kopftuches funktioniert. Es funktioniert überhaupt gar nicht. Dank TikTok (das war mein erstes TikTok Video) war ich dann schon ein bisschen schlauer. Es bildet eben doch. Ich brauche Nadeln oder Magnete und auf jeden Fall etwas Stabiles auf den Kopf unter das Tuch, damit man ja keine Haare sieht. Online finde ich Magnete und im Schrank eine schwarze, perfekt sitzende Bademütze. Nun wird sie auch einmal getragen, wenn auch etwas zweckentfremdet. Geht doch. Jetzt muss ich nur noch üben.
    Medina ist der einzige Ort für uns mit „Kleiderordnung“. Nach Mekka dürfen wir als Ungläubige ohnehin nicht. An allen anderen Orten muss ich mir wieder Gedanken machen, was ich anziehen könnte und morgens die Haare im Spiegel ordnen. Alles hat seine Vor- und Nachteile. Ist nur die Frage, was sich leichter ordnet: die Haare oder das Tuch mit seinen Magneten.

    Medina ist nach Mekka die zweitheiligste Stadt im Islam. Sie spielt in der Geschichte dieser Weltreligion eine entscheidende Rolle und kann ihre Bedeutung bis heute behaupten. Der Religionsbegründer Mohammed stammt aus Mekka, einer damals polytheistischen Handelsstadt. Dort empfing er die Offenbarung seines Gottes Allah. Da seine Kunde von einem einzigen Gott nicht besonders gut ankam, musste er fliehen. Er verließ Mekka mit Ziel Medina, wo ihm Zuflucht gewährt wurde. Der Auszug Mohammeds aus Mekka im Jahr 622 n. Chr. wird in der muslimischen Geschichte als Hidschra bezeichnet. Und damit beginnt auch die Zeitrechnung des Islamischen Kalenders – also das Jahr 0 AH (Anno Hegirea, im Jahr der Hidschra). Hier gründete Mohammed seine erste Moschee und hier wurde Mekka als Gebetsrichtung festgelegt.
    Der Prophet Mohammed selbst ist in der Al-Masjid an-Nabawi begraben, die auch als Prophetenmoschee bekannt ist. Mohammed half im Jahr 622 n. Chr. beim Bau. Es war die zweite Moschee, die er in Medina errichtete und ist dadurch eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Al-Masdschid an-Nabawi ist die zweitgrößte Moschee der Welt und die zweitheiligste Stätte des Islam.

    Genügend Gründe also, um die Stadt im Westen Saudi-Arabiens zu besuchen. Doch bisher war es Nicht-Muslimen verboten, nach Medina zu reisen. Sie war für uns eine verbotene Stadt. Erst seit 2021 ist dieser Bann aufgehoben und solange man sich außerhalb der Prophetenmoschee aufhält, ist es auch für Ungläubige völlig ok sich in Medina zu bewegen. Man darf mittlerweile sogar Hotelübernachtungen in der ganzen Stadt buchen. Wenn schon denn schon - wir wohnen, nicht gerade zum Schnäppchenpreis, innerhalb des Cityrings direkt bei der Prophetenmoschee im heiligen Stadtbezirk Al-Haram. So können wir zu jeder Tages- und Nachtzeit einen Blick auf sie werfen.
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  • Al Tayebat - Jeddah

    December 21, 2025 in Saudi Arabia ⋅ ⛅ 29 °C

    Al Tayebat ist ein riesiges, wunderschönes Museum. Es war früher der Palast von Scheich Abdul Rauf Khalil, der im Stil der traditionellen Hijazi-Architektur errichtet wurde. Die schöne arabische Residenz wurde schließlich in ein Museum umgewandelt. Die ausgestellten Artefakte sind zum Teil vom Scheich selbst

    Der Palast an sich ist ein architektonischer Traum und definitiv einen Besuch wert. Das Museum dagegen ein Sammelsurium aus allem, was man so sammeln kann. Es gab definitiv historisch wertvolle Einzelstücke. Viele Ausstellungsstücke haben mich an Schulplakate erinnert. Andere Bereiche an Souvenirshops. Pro Person werden 50 SAR fällig. Geöffnet von 8-12 und von 17-21 Uhr. In den Palast kommt man, ohne Eintritt zu bezahlen. Wer sich das Museum sparen will, kann dies Getrost tun. Die 2. Etage war interessant und schön gestaltet. Sie zeigt das Leben in Saudi-Arabien. Der Rest…. mal wieder Geschmacksache.
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  • Jeddahs Altstadt - Al Balad

    December 20, 2025 in Saudi Arabia ⋅ ☁️ 18 °C

    Jeddah ist ein kulturelles und wirtschaftliches Zentrum Saudi-Arabiens. Die Stadt blickt auf eine etwa 2.500 jährige Geschichte zurück und ist ein Schmelztiegel der Kulturen. Ihre Blüte begann mit dem Aufstreben des Islam ab dem frühen siebten Jahrhundert. Die noch junge Religion breitete sich im vorderen Orient sowie Nord- und Ostafrika rasant aus. Schon bald zog es Heerscharen von Menschen auf die heilige Pilgerfahrt Hajj nach Mekka. Für viele, die über den Seeweg anreisten, war Jeddah das Tor nach Mekka. Jeddahs Stadtbild hat sich über die Jahrhunderte immer wieder neu erfunden. Seit dem 16. Jahrhundert umgibt eine Mauer zum Schutz vor Angriffen den Bereich der Innenstadt Al Balad. Al Balad bedeutet auf Arabisch „die Stadt“ und ist das historische Herz von Jeddah. Wer Geld und Möglichkeiten hatte, versuchte, innerhalb dieser Mauern zu wohnen. Das blieb natürlich in erster Linie wohlhabenden Händlern und ihren Familien vorbehalten.
    Die meisten Baudenkmäler wurden zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert errichtet. Vor allem mit der Eröffnung des Suezkanals gewann der Handel über das Rote Meer immer weiter an Bedeutung und es floss viel Geld in die Portemonnaies der Eliten der Stadt, wodurch es noch einmal zu einem Bauboom kam. Das Bauland im begehrten Zentrum war aber aufgrund der Stadtmauern rar. Man musste die Wohnhäuser also in die Höhe bauen. Viele der Häuser in der Altstadt sind bis zu sieben Stockwerke bzw. 30m hoch. Eine Besonderheit ist auch das Baumaterial. Man hat sich hier vor allem an Korallengestein aus den flachen Gewässern des umliegenden Roten Meeres bedient. Zur Verstärkung wurden Gerüste aus Teakholz eingesetzt. Da das Korallengestein außerhalb des Wassers auf Dauer empfindlich gegenüber Trockenheit und Witterung ist, wird die Fassade mit einer schützenden Lehmschicht verputzt. Die Häuser sind im Stil der Hijazi-Architektur gebaut.
    Ein ganz wesentliches Merkmal der Wohnhäuser Jeddahs sind die hölzernen Vorbauten aus Teakholz an den Fassaden, die sogenannten Roshan. Diese balkonartigen Erker dienen in gewisser Hinsicht der Erweiterung des Wohnraumes über die eigentliche Grundfläche des Wohngebäudes hinaus.
    Die Roshan sind nicht offen gestaltet, sondern mit Holzgittern verkleidet. Dazu werden geschnitzte Holzstücke so miteinander kombiniert, dass sie geometrische Muster ergeben.
    Die Holzgitter funktionieren wie eine Jalousie. Man kann vom Wohngebäude aus prima nach draußen schauen und das Treiben auf den Straßen beobachten, ohne selbst beobachtet zu werden. Das erlaubt vor allem Frauen, sich ohne Verschleierung zu bewegen.
    Außerdem klimatisieren die Roshan die Wohngebäude. Durch die vielen Öffnungen der Holzgitter kommt es im gesamten Haus zu einer Art Kamineffekt, wodurch ein kontinuierlicher Luftstrom entsteht. Direkt hinter die Holzgitter hat man häufig Wasserbehälter gestellt, sodass die einströmende Luft die Feuchtigkeit direkt aufnimmt und im Haus für ein angenehmes feucht-kühles Klima sorgt.

    Leider legte Saudi-Arabien bisher wenig Wert auf den Erhalt seines historischen, kulturellen und kurioser Weise sogar religiösen Erbes. Man riss Gebäude lieber ab und baute neu, anstatt zu renovieren.
    Mit der Modernisierung kam auch ein Wandel im Stadtbild, denn die historischen Wohngebäude in Al Balad konnten den Ansprüchen der wohlhabenden Familien bald nicht mehr gerecht werden. Es wurde in neu gegründeten Stadtvierteln außerhalb des ehemaligen Zentrums gebaut. Mit der Zeit zog es daher mehr und mehr Eliten aus dem historischen Al Balad hinaus in die Neustadt. Die Häuser begannen zu verfallen. Ohne die schützende Lehmschicht splittert das Korallengestein. Das Holz der Roshan verzieht sich ohne frischen Anstrich dank der salzigen Meeresluft und verfault. Die einstige prunkvolle Innenstadt ist mittlerweile eher ein Armenviertel.

    Heute hat die saudische Regierung die Bedeutung von Jeddahs Altstadt und die Bedeutung für den Tourismus erkannt. Man hat begonnen zu restaurieren. Ohne Frage ist das UNESCO-Weltkulturerbe Al Balad das Highlight von Jeddah und eine der schönsten erhaltenen Altstädte im Nahen Osten.

    Wir beginnen unsere Erkundungstour am alten nördlichen Stadttor, am Jeddah Old Gate (Bab Jadid). Vor dem Tor erkennt man die Überreste der alten Festung. Die Bauwerke stammen aus der Zeit zwischen 10. und 15. Jahrhundert. Wir bummeln kreuz und quer durch die kleinen Gassen und entdecken wunderschöne Ecken. Ganz besonders schön ist das Nassif House.
    Ich erlebe die Altstadt als lebhaftes Museum. Es macht einfach unglaublich viel Spaß, sich in dem labyrinthartigen Straßennetz auf der Suche nach immer schöneren Häusern zu verlieren. Am frühen Nachmittag ist es noch leer. Erst ab 16 Uhr beginnt das echte Leben. Die kleinen Geschäfte mit ihren dunklen Holztüren werden geöffnet. Kunden gibt es zu Hauf. Es ist weniger ein Tourimarkt, sondern ein Suq für die Bevölkerung. Stoffe und Teppiche werden verkauft. Über Geschmack lässt sich streiten. Wir entdecken wunderschöne Häuser und sind froh, gerade jetzt hier zu sein. Es ist noch nicht zu spät und wir entdecken noch viele völlig unrestaurierte Gebäude. Viele Straßenzüge sind komplett eingerüstet. Ich hoffe sehr, dass die renovierten Häuser nicht zu einheitlich aussehen und ihre Seele verlieren. Überall wird geklopft und gehämmert. Dennoch sitzt die Bevölkerung in den Hasueingängen und trinkt Kaffee. Plötzlich sitzt Moritz auch dort und hält das dampfende Getränk in der Hand. Im Gegensatz zur Corniche sind die Menschen sehr offen, freundlich und neugierig und es ergeben sich einige nette Gespräche. Jeddah strahlt eine unglaubliche Atmosphäre aus und ist ganz sicher ein Juwel, was Altstädte angeht. Ein Traumort. Als wir auf einer Dachterrasse zu Abend essen und auf das Minarett blicken, erklingt der Ruf des Muezzin, der über die gesamte Stadt schallt. Eine unglaubliche Stimmung. Kurz darauf bummeln wir durch erleuchtete Straßen. Ich erinnere mich plötzlich an ein Weihnachtsbilderbuch aus Kindertagen. Die Häuser sahen so aus wie hier. Und mit einem Mal ist mir weihnachtlicher Zumute, als in den ganzen letzten Adventswochen zusammen. Ein sehr schöner Moment.

    Unschön ist leider, dass unser Gepäck am Abend nicht im Hotel ist. Ich hatte es nicht anders erwartet. Nach mehreren Telefonaten, in denen ich leider einem stummen Gesprächspartner gelauscht habe, schwinge ich mich nochmals ins Auto und fahre zurück zum Flughafen. Autofahren ist hier ziemlich anders. Es gibt keine Spuren, keine Blinker, viel Gedrängel und Gehupe. Gerne überholt man rechts über den Sperrstreifen oder kürzt falsch herum im Kreisel oder die Einbahnstraße ab. Immer ist irgendwo ein Auto, das da eigentlich überhaupt nicht sein darf. Irgendwann reicht es mir und ich mache es genauso. Und jetzt klappt es. Ich fließe mit.
    Im Flughafen erklärt man uns freudig, dass die Koffer da sind. Bloß wo? Na dann suchen wir mal. Am Ende wühlen wir uns zu viert durch einen völlig vollgestopften Raum mit Koffern. Die haben bei dieser Kofferflut komplett den Überblick verloren. Offenbar wurde das Programm gehakt und daher hat heute nichts geklappt, was das Gepäck angeht. Aber dann werde ich fündig. Jackpot. Sie sind beide da. Nun können wir morgen unseren Roadtrip mit Gepäck starten. Ich weiß nicht, ob wir die Koffer jemals wieder gesehen hätten, wenn wir sie heute nicht nochmals selbst gesucht hätten.
    Ein wunderschöner, erfolgreicher Tag. Und jetzt muss ich nach über 36 Stunden ohne Schlaf endlich in mein Bett.
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  • Jeddah Corniche

    December 20, 2025 in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 26 °C

    Jeddah Corniche war schon immer ein Anziehungspunkt für Einheimische. Seit der Sanierung ist sie eine Hauptattraktion der Stadt. Die ewig lange Uferpromenade wird auch Jeddah Waterfront genannt. Am Roten Meer reihen sich Parks mit vielen Palmen, Brunnen, Skulpturen, Spielplätzen, schönen Moscheen und Restaurants.

    Auf einer Insel gegenüber der Al-Hamra Corniche befindet sich der King-Fadh-Springbrunnen. Es ist die Fontäne der Superlative. Pro Sekunde werden mehr als 600 Liter Wasser mit einer Geschwindigkeit von 375 km/h in 312 Meter Höhe gespritzt. Er ist derzeit der höchste Brunnen der Welt und ein Wahrzeichen von Jeddah. Sie wird nur in den Abendstunden angeschaltet und nach Sonnenuntergang beleuchtet. Heute ist sie jedoch leider nicht in Betrieb. Schade.

    Die Al Rahmah Mosque ist eine der auffälligsten und wichtigsten Moscheen der Stadt. Die weiße Moschee wurde in den 80-er Jahren am Roten Meer gebaut. Das Bauwerk mit vielen hellen Bögen steht auf Pfeilern im Wasser. Bei Flut scheint die Moschee zu schwimmen. Beim Sonnenuntergang ist die Al Rahmah Moschee ein besonders schöner Anblick.

    Die Island Mosque befindet sich ebenfalls an der Corniche. Sie steht auf einer kleinen Plattform, die ins Meer hinausragt. Das Gebäude ist von Palmen umgeben. Die Wellen brechen am felsigen Ufer. Die Moschee ist eingebettet in eine malerische Landschaft. Bei diesem Anblick vergisst man, dass man eigentlich in einer großen Stadt ist.

    Die Jaffali Moschee steht in dem gleichnamigen Park am Arbaeen-See, der nichts anderes ist, als eine Bucht des Roten Meeres. Sie ist eine sehr schöne Konstruktion mit den vielen kleinen weißen Kuppeln und einem dreistöckigen Minarett.

    Alles schöne Orte - aber - ich darf nicht mit der Kamera fotografieren. Dann dürfen wir nur mit speziellem Permit fotografieren und schließlich überhaupt nicht mehr. Was ist das denn? Ich hole die Kamera schon gar nicht mehr heraus und Moritz macht die Fotos verdeckt. Also will man nun Touristen oder nicht? Gerade ist das etwas unschön.

    Jeddah ist eine jener Städte in Saudi-Arabien, die auch international Anklang finden soll. Der große Preis von Saudi-Arabien der Formel 1 verläuft durch einen Teil der Neustadt.
    Aber auch bei protzigen Bauwerken möchte man hier Punkten und dem großen Bruder Dubai in nichts nachstehen. Der Leuchtturm ist mit 131m höchste Leuchtturm der Welt. Der höchste Flaggenmast der Welt misst 171m. Die gehisste Flagge hat eine Abmessung von ca. 50m x 33m und wiegt über eine halbe Tonne. Doch heute steht er da wie eine spitze Nadel und ragt in den Himmel. Keine Flagge. Schade.
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  • E-inreise King Abdulaziz Airport Jeddah

    December 20, 2025 in Saudi Arabia ⋅ 🌙 17 °C

    Damit wir problemlos in Saudi-Arabien einreisen können, haben wir Ende November die E-Visa (knapp 100€ p.P.) beantragt. Nun besitzen wir zwei „E’s“. Das E-Ticket und das E-Visum. Da wir ohne Internet reisen, benötigen wir keine E-SIM. Den Elefant haben wir noch nie ausgefüllt und verzichten auch dieses Mal. Und auch eine E-Einreiseerklärung und einen E-Pass wie für Singapur notwendig, benötigen wir für Saudi Arabien nicht. Somit bleibt es bei nur zwei „E’s“. Dafür sind wir im Bereich Krankenversicherung dreifach abgesichert. Bei der Beantragung des Visums muss eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen werden. Da wir ohnehin schon doppelt versichert sind, haben wir jetzt noch eine Dritte. Dreifach hilft am besten.

    In gewohnter Manier checken wir online ein, fahren und schleichen auch manchmal im Driving Home for Christmas Stau nach Frankfurt und wollen das Gepäck aufgeben. Es dauert und wir stellen fest, dass überhaupt keine Flugzeuge starten, sondern nur landen. Unser Flug soll schließlich mit 45 Minuten Verspätung starten. Das wird sportlich in Istanbul. Aber nachdem wir drei Stunden gesessen sind, schadet sportliche Betätigung bestimmt nicht. Die Sicherheitskontrollen sind ruckzuck erledigt. Gibt es heute keine Flugpassagiere? Die Warterei am Gate ist langweilig wie immer, aber dieses Mal wenigstens von Weihnachtsliedern untermalt. Und plötzlich kommt die Nachricht, dass wir doch pünktlich starten. Das gab es noch nie. Es wird doch eigentlich immer nur später. Doch zu früh gefreut. Wir starten nicht. Die Zeit läuft und wir sitzen im Flieger und erhalten keine Informationen. Der Flughafen wird immer voller. Kein Flugzeug startet. Das hatten wir vor vielen Jahren schon einmal. Damals war der Anschlussflug weg. Doch heute: Geschafft. Wenn auch knapp. Schon hier ist die Welt eine andere, auf die wir langsam eingestimmt werden, Wir stechen als einzige „falsch“ gekleidet heraus. Ansonsten gibt es nur Pilgerreisende und Moritz und mich. Alle Männer sind halb nackt, in eine Art ausgefranstes, weißes Froteehandtuch gewickelt, mit Badelatschen an den Füßen. Mehr nicht. Was die Frauen eingepackt sind, sind die Männer unbekleidet. Unser Flieger ist also mit halbnackten, weißen Handtuchmännern und schwarz verhüllten Frauen gefüllt plus zwei bunte. Und es wird fast ohne Unterlass gebetet. Die Herren kämpfen mit ihrem weißen Handtuch, wie ich mit dem Kopftuch. Doch dann fällt einem der Boardingpass runter. Da das Handtuch schon rutscht und er es verzweifelt packt, hebe ich ihn auf. Schließlich ist da außer Unterhosen nichts drunter und nackte, dicke Bäuche und Rücken habe ich nun für heute schon genug gesehen. Offenbar ist es für Männer kein Problem Haut zu zeigen und zwar deutlich mehr als nackte Arme und Beine. Ich komme mir vor, wie im Saunabereich einer Wellnessoase. Was ich bei meiner Hilfsaktion nicht bedenke, er darf mich unter keinen Umständen berühren. Also bedankt er sich sehr höflich, nimmt den Boardingpass aber mit ganz spitzen Finger am äußersten Zipfel.
    Nach einem kurzen Zwischenstopp in Istanbul befinden wir uns schon fast auf der Zielgeraden. Mit etwas Phantasie meinen wir schon die Küstenlinie Saudi-Arabiens erahnen zu können. Vielleicht entsteht dieser Eindruck aber auch nur, weil wir schon hier in einer anderen Welt gelandet sind. Während des Fluges werden Toilettenbeutel verteilt. Dieser entpuppt sich jedoch als kleiner Rucksack. Statt Zahnbürste, Schlafmaske und Socken finde ich darin einen Gebetsteppich und Überziehschuhe für die Moschee. Nach einiger Überlegung kommt mir die Idee, dass es sich bei dem vermeintlichen Gebetsteppich auch um eine Zudecke für die Nacht im Flieger handeln könnte. Da sie niemand benützt und ich es schlicht nicht weiß, lasse ich das ganze lieber mal. Nicht, dass ich mich am Ende mit dem Gebetsteppich zudecke. Ich kann nicht schlafen und entscheide mich daher, unter den Pilgernden etwas deutschen Magen-Darm-Virus zu verteilen. So ein Mist. Die Toilette ist zum Glück hinter mir und nach drei Runden auf diesem schönen Ort ist es geschafft und der Magen leer.
    Nach knapp 4 Stunden ist es dann wirklich soweit sein. Die grauenhafte Nacht ist vorüber. Wir betreten saudischen Boden und erledigen ratzfatz die Einreise.
    Nach der obligatorischen Kofferjagd am Gepäckband sind wir nun definitiv angekommen - warten aber vergeblich auf unsere Koffer. Diese haben sich dazu entschieden, lieber noch einen Tag in Istanbul zu bleiben. Glückwunsch. Nach der ganzen Sucherei habe ich wenigstens kein Bauchweh mehr und der Kreislauf ist wieder in Schwung. Also zu lost and found….. Heute Nachmittag soll er kommen. Dann schauen wir mal.

    Saudi-Arabien will künftig in der Liga der großen Reisedestinationen mitspielen und Dubai das Wasser reichen. Daher setzt bereits Jeddahs Flughafen Maßstäbe. Jeddah ist von Europa aus der westlichste Flughafen und in knapp 6 Stunden von Frankfurt zu erreichen. Außerdem ist es bis heute das Tor nach Mekka auf der Pilgerreise Hajj. Nur kommen die Pilger nicht mehr wie früher mit dem Schiff, sondern eher mit dem Flugzeug. Um den großen Andrang bewältigen zu können, wurde ein übergroßer, moderner Flughafen im Norden der Stadt errichtet - der King Abdulaziz Airport. Das Hajj Terminal ist die größte zusammenhängend überdachte Fläche der Welt. Das blau weiß gestaltete Dach, das sich über diese riesige Halle in leichtem Bogen spannt, ist grandios. Ein weiteres Highlight ist das überdimensionale Aquarium, in dem sich Haie, Rochen, Moränen und viele andere bunte Fische tummeln. Durch die Form des Aquariums und die geometrischen Formen der Umgebung entstehen tolle Lichtbrechungen im Glas.
    Nach kurzer Taxifahrt erreichen wir Sixt und holen den Mietwagen. Alles passt. Jetzt kann es losgehen.
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  • 2026 - Das Jahr der verschobenen Reisen

    December 19, 2025 in Germany ⋅ ☁️ 9 °C

    Das Jahr 2026 wird das Jahr der „verschobenen“ Reisen. Keine einzige Reise, die wir machen werden, stand auf unserer Bucketlist ganz oben und war geplant. Aber es soll nicht sein und aus unterschiedlichsten Gründen müssen wir unsere Wunschreisen verschieben. Sie sind aufgeschoben und nicht aufgehoben. Sobald es möglich ist, werden sie gereist. Somit entdecken wir dieses Jahr völlig andere Ziele.

    Im August 2023 sind wir der Ruta 40 Norte in Argentinien von Mendoza bis La Quiaca gefolgt. Dieses Weihnachten sollte es die Ruta 40 Sur werden und somit Patagonien. Es war schon alles geplant und auch gebucht. Der Flug fehlte noch. Die Verbindungen waren nicht gut und der Flugpreis noch viel schlechter. Bei knapp 3 Wochen Zeit stand das in keinem Verhältnis mehr. Schließlich ist ein Flug kein tolles Erlebnis, das man sich einmal im Leben gönnt, sondern eben nur der Flug, den man hinter sich bringen muss, um endlich zu reisen. Somit habe ich alles gecancelt, viel gelesen, recherchiert und dann stand unserer Reise quer durch Saudi-Arabien nichts mehr im Weg. Ein Reiseland, das ich überhaupt noch nicht auf dem Schirm hatte. Moritz hingegen schon. Und wie man sieht - er konnte mich überzeugen. Wir sind gespannt, was uns erwartet und was wir erleben dürfen.

    Da der Tourismus in Saudi-Arabien noch ganz am Anfang steht und es nur wenig Information zum Land gibt, werde ich versuchen ausführlicher über die historischen Hintergründe zu schreiben und auch über die touristische Infrastruktur zu berichten. Auch hier bei FP gibt es noch keinen ausführlich beschreibenden Reisebericht über Saudi-Arabien.

    Saudi-Arabien ist ein vielseitiges Land auf der arabischen Halbinsel und führt uns durch viele Tausend Jahre der Menschheitsgeschichte. Dabei haben die Kulturen der Vergangenheit Spuren unterschiedlichster Art hinterlassen. Seien es Siedlungen und Paläste in traditioneller Lehmbauweise entlang der alten Weihrauchstraße oder die fantastischen Felsengräber von Hegra, die die legendären Nabatäer für ihre Ahnen hinterließen.

    Einen noch weitreichenderen Einblick in das Leben auf der arabischen Halbinsel bieten die Kunstwerke, die in Form von Petroglyphen überall im gesamten Land auf den Felsen hinterlassen wurden. Die verschiedenen Fundstellen in Saudi-Arabien geben uns Rätsel auf und bringen uns zum Staunen.
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    Trip start
    December 19, 2025