• Gerade rechtzeitig das Zeltdach über dem Kopf

    September 21 in Turkey ⋅ ☁️ 17 °C

    Juhuuu, heute halten die Leckereien am Frühstücksbuffet das, was ihr Aussehen verspricht. Wir genießen die erste Mahlzeit des Tages, bevor wir im Hotelzimmer den Versuch unternehmen, unsere Taschen taktisch klug für den Radreisestart zu packen. Als all unser Hab und Gut an den Rädern verstaut ist, lassen wir sie noch einmal im Hotel zurück, um die letzten Erledigungen abzuhaken. Etwas kompliziert gestaltet sich der Kauf einer SIM-Karte für unseren mobilen WLAN-Router. Der uns seit Jahren bekannte Anbieter Turkcell will uns keine Karte mehr verkaufen, wie wir am gestrigen Abend bereits erfahren haben. Angeblich brauche man eine Registrierung, ein Reisepass wie in den letzten Jahren sei nicht ausreichend. Wir steuern also erstmals einen Laden der Türk Telekom an, wo ein Pass zum Kauf der gewünschten Karte okay ist. So weit, so gut. Gänzlich unproblematisch ist die Aktion dann aber auch hier nicht. Heikos Pass wird fotografiert, sämtliche Daten und Nummern mehrfach in den Computer getippt und schließlich wird Heiko selbst noch vor der Wand hinter dem Verkaufstresen fotografiert. Danach scheitert allerdings mehrfach die Gesichtserkennung. Aus verschiedenen Perspektiven halten die zwei netten und sehr bemühten Mitarbeiterinnen des Mobilfunkladens Heiko Handys in Glitzerhüllen vor das Gesicht und machen ihm in Zeichensprache Ansagen: Etwas mehr nach rechts, nach links, nach oben, nach unten, grinsen, Augen schließen. Die ganze Aktion sieht reichlich albern aus, führt aber nicht zum gewünschten Erfolg. Innerlich beginnen wir schon, uns auf ein bis zwei Wochen "Digital Detox" einzustellen, da vermelden die beiden Frauen doch noch Erfolg. Wie sie es am Ende hinbekommen haben ist ein Rätsel, aber immerhin können wir nun den Router mit einer SIM-Karte füttern. Ohne problematische Zwischenfälle schaffen wir es anschließend, im örtlichen Supermarkt eine gute Portion Reiseproviant zu kaufen und in den Packtaschen zu verstauen. Ja, und dann geht es tatsächlich los. In Richtung des Festungsberges rollen wir los und lassen Kars hinter uns. Sofort bekommen wir zu spüren, dass es mit der Gemütlichkeit ein Ende hat. Der Weg führt uns direkt 120 Höhenmeter steil bergauf, so dass uns schon nach drei Kilometern der Schweiß auf der Stirn steht. Das geht ja gut los...! Erstmal oben angekommen tritt es sich dann aber deutlich leichter. Eine Weile radeln wir durch die wellige, steppenartig anmutende Landschaft, erste Schafherden ziehen vorbei, der Wind schiebt von hinten, herrlich! Nach knapp 20km ist die erste Pause dieses Urlaubes fällig. Wir bauen unser kleines, aber feines Mobiliar auf und genießen Tee und Sesamkringel mit Nutellaverschnitt aus der Tube. Die Weiterfahrt hat es dann doch wieder in sich. Nach wenigen überwiegend ebenen Kilometern sollen wir unsere Räder wieder aufwärts bewegen. Mal weniger und mal deutlich mehr Steilheit hat der zu bezwingende Berg im Angebot. Zwischendurch erleben wir die übliche Freundlichkeit, die uns schon aus den letzten Jahren bekannt ist und die uns immer wieder so begeistert. Autos hupen und ihre Insassen winken uns zu, einige rufen uns nette Worte zu. Ein Auto hält vor uns, vier Menschen steigen aus und halten uns freundlich an. Nach den gewohnten Fragen, wo wir herkommen und wo wir hinfahren, schenken sie uns reichlich Mandeln und Rosinen. Wir kämpfen uns nach dieser netten Begegnung weiter den Berg hinauf, wollen aber angesichts der recht fortgeschritten Uhrzeit demnächst nach einem Schlafplatz Ausschau halten. In dem Moment, als Heiko einen Platz für unser Zelt erspäht, hören wir in der Ferne Donnergrollen und sehen dunkle Wolken aufziehen. Wir legen eine Punktlandung hin: Als wir gerade im Zelt verschwunden sind und die Reißverschlüsse hinter uns zugezogen haben, prasselt ein heftiger Schauer erbsengroßer Hagelkörner auf die Erde nieder. Wir verstehen im Zelt unser eigenes Wort nicht mehr und sind extrem froh über das perfekte Timing. Viele Blitze zucken am Himmel und auch der Donner tobt sich weiter aus. Wir kriechen in unsere Schlafsäcke und ziehen diese angesichts empfindlich kalter Temperaturen bis oben zu. Die Küche bleibt heute kalt, wir genehmigen uns hauchdünn geschnittene, frittierte und dezent gesalzene Kartoffeln: CHIPS. Das Unwetter hat sich inzwischen verzogen und wir hoffen, dass wir morgen wieder von Sonnenstrahlen geweckt werden.Read more