Planänderung
September 23 in Turkey ⋅ ☁️ 17 °C
Um sechs Uhr ist es hell im Zelt. Claudia widmet sich ihrem Buch, bis auch Heiko sich aus seinem Schlafsack raschelt. Während des Frühstücks poltern plötzlich jede Menge Kühe direkt hinter uns den kleinen Abhang von der Straße auf das Feld hinunter. Als wären wir eine Verkehrsinsel strömen die muskelbepackten Rinder rechts und links an unserem Zelt vorbei, um sich auf dem weiten Feld wieder zu einer grasenden Herde zusammenzufinden. Kurz gesellt der Hirte sich zu uns ans Zelt, die angebotene Zigarette lehnt Heiko dankend ab. Obwohl wir so früh wach waren, ist es dank unserer morgendlichen Trödelei schon neun Uhr, als wir unseren Nachtacker verlassen. Bei Sonne und angenehm warmen Temperaturen fahren wir zunächst in den nicht weit entfernt liegenden Ort Göle. Kurz zuvor passieren wir das erste Straßenschild, welches nach Gürcistan (Georgien) weist und uns daran erinnert, dass es unsere letzten Tage sind, die wir durch die Türkei reisen. In Göle angekommen statten wir einer Bäckerei und dem Supermarkt einen Besuch ab, woraufhin unsere Packtaschen wieder vellgepackt mit Proviant und die Wasservorräte aufgefüllt sind. Vor dem Laden erregen wir wie so oft die Aufmerksamkeit der Einheimischen. Ein Mann, der sich als Eisverkäufer vorstellt, interessiert sich besonders für uns und so kommen wir ins Gespräch. Als er unsere geplante Route auf der Karte in Claudias Lenkertasche sieht, empfiehlt er uns dringend eine Planänderung. Es seien viel zu viele stark befahrende und deshalb für Radfahrer gefährliche Tunnel auf der Strecke. Wir sollten doch lieber den Weg über die Orte Ardahan und Şavşat nehmen, der sowohl weniger gefährlich sls als auch "çok güzel" (sehr schön) sei. Wir merken uns die Ortsnamen und wollen uns die Option später einmal ansehen. Der Eisverkäufer lädt uns noch zu einem Tee ein, bevor wir Göle wieder verlassen und unsere Fahrt fortsetzen. Eine ganze Weile rollen wir durch die Ebene, das Wetter ist weiterhin herrlich. Weiterhin begegnen wir in diesem Jahr deutlich mehr Kuh- als Schafherden und diese sind stets von beeindruckender Größe. Auch jede Menge Pferde sind auf den Weiden zu sehen, immer wieder ein wunderschöner Anblick. Gegen Mittag steht dann die Arbeit des Tages an, der eine oder andere Höhenmeter will mal wieder bezwungen werden. Der Wind meint es gut mit uns und schiebt von hinten, so dass wir schneller als erwartet am Gipfelschild, welches eine Höhe von 2150m ausweist, ankommen. Am nächstbesten Pausenplatz lassen wir uns nieder, schlürfen Tee bzw. Kaffe, essen Sesamkringel mit Schokopaste und lesen. Außerdem checken wir den Routenvorschlag des Eisverkäufers und beschließen tatsächlich, unseren ursprünglichen Plan zu ändern. Die vorgeschlagene Strecke hat zwar mehr Kilo- und auch mehr Höhenmeter, sieht aber angesichts der Wegführung durch einen Nationalpark sehr reizvoll aus. Und die Aussicht auf weniger oder sogar keine Tunnel kommt uns auch sehr gelegen. Wir lassen also auf unserer Weiterfahrt den Abzweig, den unsere Navigationsgeräte anzeigen, links liegen und folgen der Straße nach Ardahan. Flott geht's voran, denn wir dürfen etwa 13km abwärts rollen. Der Stadt Ardahan schenken wir nicht viel Beachtung, sondern belassen es bei einer zügigen Durchahrt. Vielleicht wäre ein Aufenthalt in diesem Ort mit historischer Festung, durch den der Fluss Kura fließt, sogar ganz lohnenswert gewesen, aber wir ziehen es vor, noch ein paar Kilometer zu radeln. Als wir an einem Straßenhändler vorbeikommen, hält er uns an und will uns unbedingt mit Obst beschenken, Widerrede zwecklos! Im Korb an Claudias Fahrrad sammeln sich inzwischen Pflaumen, zwei Sorten Äpfel und rote und grüne Weintrauben, Bananen hatten wir bereits zuvor gekauft. Es bleibt die Frage: "Wer soll das alles essen?" Bis 16 Uhr fahren wir noch durch die Ebene und können heute noch den Blick auf die Berge genießen die wir in den kommenden zwei Tagen erklimmen sollen. Auf einer Wiese, die mit Sicherheit auch wieder für Tierherden-Besuch gut ist, beenden wir die heutige Etappe. Wir teilen uns den Platz mit einem Rind, welches skelettiert und in Einzelteilen als 3D-Puzzle im Gras verteilt ist. Es folgt das übliche Procedere: Tee, Gemüsetopf (heute mal mit Fladenbrot, noch ein Tee, lesen, Schokolade essen, Zelt aufbauen und "Gute Nacht" sagen.Read more















TravelerGute Fahrt!
ClaudiaDanke 😀