Aus luftiger Höhe hinab nach Şavşat
September 24 in Turkey ⋅ ☀️ 27 °C
Es ist ungefähr drei Uhr in der Nacht, als scheinbar ein Tier um unser Zelt schleicht, das Schnüffeln ist deutlich zu hören, ebenso das Klappern der Tasse, die draußen an den Packtaschen befestigt ist. Diese Geräusche nimmt jedoch nur Claudia wahr, Heiko hört dank seiner Ohropax nix. Als das Tier, was auch immer es sein mag, mehrfach das Zelt zum Wackeln bringt, möglicherweise ist es über die Zeltschnüre gestolpert, regt auch Heiko sich. Während Claudia stumm und regungslos im Schlafsack liegt und den nächsten Angriff fürchtet, tritt Heiko die Flucht nach vorne an. Er steht auf, verlässt das Zelt, leuchtet mit der Stirnlampe in alle Richtungen und kommt zu dem Ergebnis: "Da ist nix!" Der Mann kriecht zurück in den Schlafsack und schläft weiter, die Frau lenkt sich in den nächsten Stunden mit Lesen ab und freut sich, als es endlich wieder hell wird. Die Nacht war recht kühl, entsprechend freuen wir uns über die ersten Sonnenstrahlen, die sofort für angenehme Wärme sorgen. Bei perfektem Radelwetter starten wir nach unserer üblichen morgendlichen Routine gegen viertel nach neun in die heutige Etappe. Nach sehr kurzem Einrollen wird es direkt schweißteibend. Unterbrochen von kurzen Verschnaufpausen arbeiten wir uns über eine Strecke von ungefähr 13 Kilometer 600 Höhenmeter nach oben und freuen uns sehr auf Chips und Tee kurz nach Erreichen des Gipfelschildes mit der Aufschrift 2470m. Eine ganze Weile sitzen wir in luftiger Höhe in der Sonne und genießen die Ruhe und den Pausensnack. Als wir unsere Fahrt fortsetzen eröffnet sich ein spektakulärer Blick, kaum das wir im Sattel sitzen und die ersten Meter gerollt sind. Während wir bislang durch eine Gegend geradelt sind, die vorwiegend durch geschwungene, kuppenartige und fließend ineinander übergehende Berge geprägt ist,
eröffnet sich jetzt der Blick auf eine völlig andere Welt. Am Horizont ragen die messerscharfen Felsgrate des imposanten Karçal-Gebirgszuges empor, ein wahrlich grandioses Panorama. In dieser Szenerie zwischen sanften Hügeln und schroffen Felsen sind nun weniger die Muskeln unserer Beine gefragt, vielmehr werden ab jetzt die Handgelenke und die Bremsen gefordert. Bereits der Blick von oben lässt erahnen, was auf uns zukommt: Viele Serpentinen und enormer Höhenverlust. Steil ist die Abfahrt, die sich unter anderem durch kleine Dörfer mit für diese Region typische Holzhäuser windet. Deutlich mehr als 1000 Höhenmeter verlieren wir in kurzer Zeit, auf einmal präsentiert sich die Umgebung nicht mehr schroff und grau, sondern sanft und in satten Grüntönen. Diese vielfältigen Eindrücke sollen natürlich festgehalten werden. Die Drohne wird zum Speichern von Erinnerungen auf die Reise geschickt, wir filmen, fotografieren oder schauen und staunen einfach. Plötzlich und unerwartet ist die Zeit schon recht fortgeschritten, so dass wir die Entscheidung fällen, uns einfach im vor uns liegenden Ort Şavşat einzuquartieren. Das Ziel ist schnell erreicht und wir beziehen ein einfaches Zimmer im zentral gelegenen "Otel 7 mart". Frisch geduscht ist der Plan nun, uns mit einem Restaurantbesuch für die Anstrengungen des Tages zu belohnen. Die Umsetzung gestaltet sich allerdings schwieriger als gedacht. Obwohl in den Straßen reges Treiben herrscht, ist die Auswahl an Lokalen eher mau. Am Ende gibt's einen Adana-Dürum im Kebab-Laden, der laut Google-Rezensionen als Treffpunt der Einheimischen gilt. Nach diesem nicht ganz so feudalen, aber durchaus schackhaftem Abendessen, werden wir noch von einigen Männern, die vor dem gegenüberliegenden "Çay Evi" (Tee-Haus) sitzen, zum Tee eingeladen. Nachdem die Gläser leer und einige Worte ausgetauscht sind, ziehen wir uns ins Hotelzimmer zurück. Hier hängen bereits Akkus u.ä. zum Laden am Netz, denn morgen in der Frühe soll es mit voller Power weitergehen. Auch die müden Radler beenden den Tag, um Energie für die nächste Etappe zu tanken. İyi geceler!Read more















