• Auf und ab nach Artvin

    September 25 in Turkey ⋅ ☁️ 22 °C

    Eigentlich hatten wir den Wecker auf sieben Uhr gestellt, aber bereits eine Stunde früher wird unsere Nachtruhe durch den Auszug einer Gruppe arabischer Männer aus den anderen Zimmern jäh beendet. Es wird gepoltert, laut miteinander gesprochen, Musik gespielt..., an schlafen ist nicht mehr zu denken. Nun gut, dann stehen wir eben auch auf und starten heute mal etwas früher in den Tag. Unser Hotel bietet kein Frühstück an, deshalb packen wir direkt unsere sieben Sachen, beladen die Räder und verlassen dem Ort Şavşat. Die Wolken hängen tief, Nebelschwaden wabern durch die bewaldeten Berghänge, es ist noch empfindlich kühl. Schon nach zwei abwärts gerollten Serpentinen bietet sich eine schöne Sitzgelegenheit mit Panoramablick auf die Berge. Der Gaskocher wird ausgepackt und bald riecht es herrlich nach Kaffee, es ist Zeit für Frühstück. Die Fortsetzung unserer Fahrt lässt uns weiterhin rasant an Höhe verlieren, Haarnadelkurve für Haarnadelkurve schwinden die gestern mühsam erarbeiteten Höhenmeter. Wir passieren die Überreste der Festung von Şavşat, zu unserer linken plätschert der Fluss "Berta-Çayı", der in dem uns umgebenden Karçal-Gebirge entspringt. Gemeinsam mit dem Fluss schlängeln wir uns auf der Straße D010 zwischen Şavşat und Artvin durch die markante, tief eingeschnittene Schlucht oder auch das "Tal des Berta-Flusses" (türkisch: Berta Vadisi). Wir rollen durch eine spektakuläre Kulisse, die an jeder Ecke zum Staunen und Fotografieren einlädt. Die üppige Vegetation hat fast Urwaldcharakter und lässt Erinnerungen an unsere Fahrt in der Schwarzmeerregion vor drei Jahren wach werden. Inzwischen strahlt der Himmel leuchtend blau und die Sonne meint es so gut, dass etwas Sonnencreme fällig wird. Als die Abfahrt durch die landschaftlich beeindruckende Flussstrecke sich dem Ende nähert, legen wir eine Pause ein, um uns für den folgenden Anstieg zu wappnen. Waren wir gestern noch in fast 2500m Höhe unterwegs, sind es nun nur noch 400m, jetzt soll es aber wieder rauf auf 800m gehen. Ach ja, manchmal wünscht man sich, dass von irgendwo zwei große Hände erscheinen, um mit einem kräftigen Schütteln die Erdfalten zu glätten - nur kurz - bis wir drübergerollt sind. Aber das bleibt wohl ein frommer Wunsch, es werden stattdessen die kleinsten Gänge eingelegt und das Damenrad auch gerne mal geschoben. Der Berta-Fluss, welcher uns weiterhin treu begleitet (oder wir ihn...) ist inzwischen zu einem wilden Gebirgsfluss angeschwollen, bald soll er in das östliche Ende des riesigen Deriner-Stausees münden. Es ist bereis halb vier am Nachmittag, als wir uns wieder auf die Höhe von 800m gearbeitet haben. Was machen wir? Vor der Stadt einen Zeltplatz suchen oder in Artvin ein Zimmer buchen? Heiko checkt den einen oder anderen Spot auf Campingtauglichkeit, so richtig geeignet ist aber nichts. Und so schrauben wir uns durch enge Kurven wieder 600m nach unten und checken im "Villa da Otel" ein. Es handelt sich um eine moderne Hotelanlage mit viel bunter Beleuchtung, einer Gartenanlage mit Palmen und Außenpool sowie einem eigenen Restaurant, Wir beziehen dort ein großzügiges Appartement. Welch ein Kontrast zum Zelten auf dem Acker! Wir beschließen, dem Luxus etwas länger zu frönen und zwei Nächte hier zu verbringen. Morgen ist somit radelfrei! Am heutigen Abend besuchen wir noch das Restaurant "unserer" Hotelanlage, lassen uns ein üppiges Mahl schmecken und hängen anschließend in unserem Zimmer ab. Nix mehr los mit den alten Leuten. Gute Nacht!Read more