• Harmloser als gedacht...

    September 27 in Turkey ⋅ ☁️ 19 °C

    Der heutige Morgen beginnt mit Blümchen, Ständchen, Kerze und Geschenk, da hat wohl jemand Geburtstag. Passend dazu genießen wir noch einmal das gute Hotelfrühstück, welches wir uns auf der Terrasse schmecken lassen, vor uns plätschert der Çoruh-Fluss, hinter uns der Pool. Dann wird es aber auch Zeit, das Luxusleben mal wieder zu beenden. Die Sachen sind schnell gepackt und wir schwingen uns bei herrlich sonnigem Wetter in den Radsattel. Kleine, aber viele Anstiege sollen heute dafür sorgen, dass wir unterwegs reichlich Höhenmeter hamstern. Eine weitere Challenge stellen diverse Tunnel dar, die heute auf unserer Route liegen. Der Gedanke daran, diese engen und dunklen Röhren mit dem Auto- und LKW-Verkehr zu teilen, flösst einem immer wieder Respekt ein. Beide Herausforderungen sollen sich aber als deutlich harmloser als angenommen erweisen. Die App Komoot hat sich scheinbar gehörig zu unseren Gunsten verrechnet: Die Steigungen der heutigen Etappe sind sehr milde und in der Summe werden es deutlich weniger Höhenmeter als erwartet. Und auch die Tunnel stellen sich unproblematisch dar, da sie zum einen beleuchtet und zum anderen mit einem gut befahrbaren Gehweg ausgestattet sind. Schön! So können wir entspannt in die Pedale treten und die herrliche Sicht auf den Çoruh-Fluss und die umliegenden dunkelgrün bewaldeten Berge genießen. Eine nette Begegnung durften wir mal wieder während einer Pause erleben, nachdem uns auch unterwegs mal wieder Wasserflaschen aus dem Autofenster heraus geschenkt wurden. Als wir bei einer Tasse Tee am Straßenrand sitzen, hält ein Auto mit einer Familie an Bord. Nach kurzem Plausch wühlen sie auf der Ladefläche ihres Autos und zaubern frisches Brot und köstliche Weintrauben für uns hervor. Ach ja, die reißen einfach nicht ab, diese warmherzigen Zusammentreffen mit den Einheimischen. Da es sich so gut und entspannt radelt, beschließen wir, weiter als eigentlich vorgesehen zu fahren. Den kleinen Ort Borçka lassen wir hinter uns und stellen uns einem Anstieg, der ursprünglich für morgen auf dem Programm stand. Etwas ungemütlicher gestaltet sich die Fahrt im Verlauf, da sowohl die Bewölkung als auch der Verkehr zunimmt. Vor allem der Straßenlärm ist lästig, aber manchmal gibt es leider keine sinnvolle Alternative. Eine solche ergibt sich aber, als die Straße mal wieder durch einen Tunnel geführt wird. Angesichts der Tatsache, dass es diesmal über fünf Kilometer durch den Berg gehen soll und uns diese Vorstellung nicht wirklich gefällt, nehmen wir eine Alternativroute. Diese führt über einen Berg und handelt uns entsprechend zusätzlich Höhenmeter ein, aber das nehmen wir in Kauf. Ganz nach oben schaffen wir es nicht mehr, die Beine werden müde. Da es grundsätzlich in dieser Gegend nicht einfach ist, einen guten Platz für eine Zeltnacht zu finden, dürfen wir nicht wählerisch sein. Unser Lager errichten wir schließlich am Rande eines aktuell leeren Holzlagerplatzes. Heiko kramt unser letztes Gemüse aus den Packtaschen und kocht daraus ein leckeres Abendessen, als Beilage futtern wir das geschenkte Brot. Leichter Nieselregen setzt ein, als wir uns noch Tee und den einen oder anderen Keks genehmigen. Sehr froh sind wir darüber, dass stärkerer Regen und Gewitter erst einsetzt, als wir schon warm und trocken im Zelt liegen. Das Wetter-Timing klappt bisher perfekt in diesem Urlaub, das darf gerne so bleiben. Mit dem Grollen des Donners und dem Rauschen des Flusses sowie des Windes in den Bäumen treten wir nun recht bald die voraussichtlich letzte Nachtruhe in der Türkei an. Morgen werden wir nach langer Zeit mal wieder eine Grenze überqueren. Wir sind gespannt...Read more