Güle Güle Türkei - Gamardschoba Georgien
September 28 in Georgia
☁️ 22 °C
Während unseres Frühstücks vor unserem Zelt auf dem Holzlagerplatz, wo wir eine sehr gute Nacht verbracht haben, hängen die Wolken noch tief über der Landschaft und verschlucken stellenweise die Baumwipfel. Die Luft wirkt schwer von Feuchtigkeit und das spiegelt sich auch auf unserem kleinen Zelt wider: Es ist klitschnass. Im Verlauf unserer eher gemächlichen morgendlichen Routine vertreibt die Sonne die tiefen Wolken. Der feuchte Nebel, der eben noch durch das Geäst gekrochen ist, löst sich in Wohlgefallen auf, als auch die ersten Sonnenstrahlen unser Zelt treffen und die klamme Kälte recht bald wohliger Wärme weicht. So lässt es sich gut in die nächste Etappe starten. Zunächst gilt es, den letzten Teil des Anstieges abzuhaken, den unsere Beine am gestrigen Abend verweigert haben. Unerwartet flott spulen wir die Strecke bis zum höchsten Punkt auf gut 700m ab, das Landschaftsbild lädt dabei zum Genießen ein. Nicht zum letzten Mal am heutigen Tag freuen wir uns darüber, diesen Umweg der direkteren Tunnelroute vorgezogen zu haben. So erleben wir auch den wunderbaren Moment, uns mit dem Erreichen des Gipfels über den ersten Blick auf das Schwarze Meer und den kleinen Küstenort Hopa am Horizont erfreuen zu können. Ebenfalls sehr erfreulich ist die Tatsache, dass es für uns ab jetzt fast nur bergab weitergeht. Uns erwartet eine traumhaft schöne Passage auf der Fahrt Richtung Meer. Bei mildem Gefälle folgen wir den Kurven und Serpentinen, tauchen ein in ein schier endloses Meer aus Grüntönen. Wir rollen vorbei an riesigen Teeplantagen, an deren spekakulär steilen Hängen gerade Menschen die frischen Teeblätter ernten. Einige freundliche Kühe kreuzen unseren Weg, ein Fluss plätschert romantisch durch die Landschaft, wir sind restlos begeistert von dieser Fahrt. Schließlich lassen wir dann aber die grünen Berge hinter uns, erste Möwen kündigen das salzige Meer an, vor uns liegt der Ort Hopa. Nach der wildromantischen Abfahrt folgt nun ein Kontrastprogramm. Hopa präsentiert sich sehr wuselig und nicht besonders ansehnlich. Wir müssen festhalten, dass unser erstes Erreichen des Schwarzen Meeres im September 2023 am Leuchtturm von Bafra deutlich mehr Bilderbuchcharakter hatte als das heute der Fall ist. Wir wollen uns diesen Moment dennoch nicht nehmen lassen und manövrieren uns durch den dichten Verkehr der Hauptstraße an die Küstenmauer. An einer Bank machen wir Halt, blicken bei einer Tüte Chips (heute mal Tal- statt Gipfelchips) über das tiefblaue Schwarze Meer und lassen kurz die Fahrt aus den Wolken und grünen Bergen direkt an den Strand sacken. Es schließt sich eine wenig idyllische Fahrt entlang der Küste an. Unzählige (stehende) LKW prägen das Straßenbild, glücklicherweise hält sich der Verkehr aber einigermaßen in Grenzen. Außerdem müssen wir auf unserer Strecke, die geradewegs an die türkisch-georgische Grenze führt, diverse Tunnel unterschiedlicher Länge durchfahren, was nicht wirklich Spaß macht. In Kemalpaşa, dem letzten Örtchen vor der Grenze, hauen wir unser restliches türkisches Geld auf den Kopf, nicht viel später haben wir dann tatsächlich die letzten Meter türkischen Asphalt unter den Reifen. An der Grenzanlage müssen wir uns kurz orientieren und dann zur Kenntnis nehmen, dass wir uns nicht in die Autoschlange einreihen dürfen, sondern erstmals bei einer Grenzüberquerung als Fußgänger gelten. Das heißt, wir müssen mit den bepackten Rädern in ein Gebäude, uns über aufwärts fahrende Rollbänder (Fahrstuhl außer Betrieb) in das Obergeschoss begeben, zweifach die Räder zum Passieren der Sicherheitskontrolle ab- und wieder aufladen und gemeinsam mit den fußläufig Reisenden und ihren vielen überdimensionierten Rollkoffern das Gebäude auf der anderen Seite wieder verlassen. Immerhin hat der Zollbeamte uns nach kurzer Befragung geglaubt, dass wir ausschließlich "personal stuff" mitführen und auf einen Check unserer Taschen verzichtet. Ja, und dann stehen wir plötzlich mit einem neuen Stempel im Pass in Georgien, dem 14. Land auf unserer Reise. Wir machen noch das eine oder andere Foto vor dem futuristischen Bauwerk am Grenz-Kontrollpunkt, welches wir schon auf vielen Bildern gesehen hatten, dann treten wir in die Pedale und lassen das Abenteuer Georgien beginnen. Die Hauptstraße an der Küste bringt uns in die zweitgrößte Stadt des Landes namens Batumi, deren Skyline bereits viele Kilometer zuvor auf türkischer Seite gut sichtbar war. Problemlos erreichen wir die für heute angedachte Unterkunft. ORBI CITY liegt nur wenige Meter vom Strand entfernt und besteht aus fünf 55-stöckigen Türmen. Angeblich handelt es sich, gemessen an der Anzahl der Apartments, um den größten Hotelkomplex der Welt. Am Eingang von Block C angekommen fühlen wir uns eher an einen Bahnhof erinnert. Scharen von Menschen strömen in das Gebäude hinein und wieder heraus, Straßenhunde wuseln auf dem Vorplatz herum, die Lobby gleicht einer Wartehalle. Nun gut, Heiko checkt ein und wir erhält die Schlüsselkarte zu einem Zimmer in der 42. Etage. Sehr praktisch ist, dass wir mit den bepackten Rädern in das Gebäude, in den Fahrstuhl und sogar bis in unser Zimmer schieben können. Das hatten wir in der Form noch nie. Heiko stürmt sofort den Balkon und ist hellauf begeistert angesichts der Aussicht aus dieser schwindelerregenden Höhe. Claudia hingegen ist die Dimension nicht geheuer und ebensowenig das Betreten des Balkons. Einen Eindruck von der Aussicht bekommt man schließlich auch, wenn man Heikos Fotos anschaut, das muss reichen. Ein Restaurant-Besuch am Abend entpuppt sich als mäßig erfolgreich. Bei extrem lauter Musik sind wir zunächst etwas überfordert mit der Speisekarte (neue Sprache, neue Schrift, keine Bilder) und die Bestellung endet in einem Missverständnis. Statt den Gerichten, die wir eigentlich hätten essen wollen, haben wir am Ende eine Käsepizza zum Teilen auf dem Tisch. Uns wird bewusst, dass die uns über die letzten Jahre so vertraut gewordene Türkei nun wirklich hinter uns und etwas gänzlich Neues vor uns liegt. Es gilt jetzt, offen dafür zu sein, sich einzulassen auf das neue Land mit einer ganz anderen Kultur. Wir sind bereit, aber für heute ist erstmal Feierabend. ღამე მშვიდობისა (das könnte vielleicht "Gute Nacht" heißen...)Read more

























Traveler🍕🤣! Ich drücke die Daumen für die kommenden Essensbestellungen!
ClaudiaDanke, die Daumen haben geholfen 👍😊