• Zweigeteiltes Sightseeing

    September 29 in Georgia ☁️ 22 °C

    Leider bietet unser Hotel kein Frühstück an, folglich müssen wir uns selbst organisieren. Aus "unserem" Block C begeben wir uns in Block A, welcher ein kleines Café beherbergt. Wir bestellen Tee, Kaffee und gefüllte Croissants, der Rest der Karte überfordert uns. Draußen regnet es Bindfäden und so verschieben wir unser für den heutigen Pausentag vorgesehenes Sightseeing auf einen späteren Zeitpunkt und sitzen zunächst den Regen im Hotelzimmer aus. So gänzlich trocken will es einfach nicht werden und so rüsten wir uns mit Regenjacke und Regenschirm, bevor es an die Luft geht. Wir spazieren an der palmengesäumten Strandpromenade entlang in Richtung der etwa 2,5 Kilometer entfernten Altstadt. Das erste Ziel ist ein Laden des Mobilfunkanbieters Magti, wo wir eine Sim-Karte für Georgien kaufen wollen. Das Vorhaben gelingt problemlos und noch dazu sehr kostengünstig, für gerade mal fünfzehn Euro sind wir nun für den Rest des Urlaubes mit grenzenlosem Datenvolumen ausgestattet. Im Dauernieselregen setzen wir unseren Spaziergang fort, das Touri-Programm will abgearbeitet werden. Uns treibt es als erstes zum Europaplatz, der Ende des 19. Jahrhunderts während des Osmanischen Reiches angelegt und später in der Sowjetzeit renoviert wurde. Zu sehen bekommen wir hier schöne neoklassizistische Gebäude, Springbrunnen sowie eine Vielzahl an Cafés und Restaurants. Außerdem steht an diesem Ort die ikonische Medea-Statue, welche die mythische kolchische Prinzessin darstellt. Leider wirkt bei dem heutigen nassgrauen Wetter alles etwas trist und trostlos. Das haben wir schon an der ansonsten bestimmt recht hübschen Strandpromenade so empfunden und in der Stadt sieht es nicht anders aus. Wir malen uns aus, wie die Orte an einem sonnigem Tag mit buntem Treiben auf uns wirken würden. Wir lassen uns weiter durch die Straßen und Gassen treiben, statten unterwegs dem Piazza Square einen Kurzbeduch ab. Der Platz wurde nach dem berühmten Markusplatz in Venedig benannt und ist wohl bekannt für seine italienisch inspirierten Gebäude und sein Design. Nun gut, wir drehen uns einmal um die eigene Achse, nehmen die Kulisse zur Kenntnis und ziehen weiter. Eine ganze Weile werden wir ab jetzt von einem freundlichen Hund begleitet, vielleicht konnte der auch nicht so viel mit der italienisch angehauchten Architektur anfangen, wer weiß. Als nächstes verschlägt es uns an die Küste, wo wir bei weiterhin tristem Einheitsgrau und leichtem Regen weitere Sehenswürdigkeiten begutachten. Das Wetter lädt nicht zum Verweilen ein und so belassen wir es bei einer recht kurzen Stippvisite an Leuchtturm, Riesenrad, Alphabetturm sowie Ali & Nino Statue. Um dem Regen für einen Moment zu entfliehen, steuern wir lieber ein Café an. Unsere Wahl fällt auf einen kleinen Laden namens "The Baklava House", wir können es einfach nicht lassen. Beim Schlürfen des türkischen Tees schmieden wir mal wieder neue Pläne. Da die Wettervorhersage für morgen mehr als bescheiden aussieht und Starkregen sowie kräftigen Wind prognostiziert, beschließen wir, noch einen weiteren Tag in der Stadt zu bleiben. Darüber hinaus entscheiden wir uns für einen Hotelwechsel, näher an der Altstadt und mit Frühstück darf es gerne sein. Schnell werden wir fündig, lassen uns von einem sogenannten BOLT-Taxi zum aktuellen Hotel bringen, packen, beladen die Räder und fahren über den tollen Küstenradweg zum neuen Hotel. Es hat inzwischen aufgehört zu regnen und der Abend scheint tatsächlich noch ganz schön werden zu wollen. Nachdem wir uns häuslich eingerichtet haben, zieht es uns noch einmal hinaus. Der Gastgeber hat uns ein Restaurant empfohlen und hier werden wir nicht enttäuscht. Im Bermukha gibt es authentische georgische Küche, die Speisekarte ist mit Bildchen bestückt und das Personal sehr hilfsbereit. Unser Essen ist ausgesprochen köstlich, unter anderem probieren wir sehr landestypische Gerichte wie Khinkali und Adjarian Khachapuri. Der anschließende Verdauungsspaziergang entwickelt sich zu einer neuerlichen Sightseeing-Runde. Ohne Regen, bei milden Temperaturen und lebhaftem Treiben in den inzwischen bunt beleuchteten Straßen ist die Stimmung gleich eine ganz andere. Wir spazieren erneut über den Europaplatz und flanieren anschließend durch den Batumi Boulevard Park, wo wir uns eine Weile an einer musikalisch und farblich untermalten Wasserfontänenshow erfreuen. Zur besonderen Atmosphäre dieses Ortes trägt auch der von vielen am Boden liegenden Leuchtkugeln angestrahlte Bambushain bei, der hier in den 1970er Jahren auf einer Fläche von 1.500 Quadratmetern angelegt wurde. Sämtliche Gebäudekomplexe in der Umgebung leuchten und blinken ebenfalls in den schrillsten Farben. Am Hafen angekommen herrscht reges Treiben, das freundliche Wetter am Abend hat scheinbar viele Menschen ins Freie gelockt. Und auch wir sind jetzt wesentlich motivierter, den bereits vorher abgegrasten Sehenswürdigkeiten mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Da ist z.B. der 130 Meter hohe Alphabetturm, auf welchem eine bunt beleuchtete Kugel mit Restaurant und Aussichtsplattform kreist. Der Turm zeigt die 33 Buchstaben des georgischen Alphabets, die an ein DNA-Modell einer Zellstruktur erinnern. Er zählt zu den bedeutendsten modernen Bauwerken, die dem georgischen Alphabet gewidmet sind. Und schließlich halten wir an der Ali & Nino Statue inne. Die weltberühmte, 8 Meter hohe kinetische Skulptur aus Edelstahl ist für ihre faszinierende mechanische Bewegung und tiefe Symbolik bekannt. Sie besteht aus zwei großen, transparent wirkenden Figuren, einem Mann (Ali) und einer Frau (Nino), die aus horizontalen Stahlscheiben übereinandergeschichtet sind. Die beiden Figuren stehen auf getrennten Plattformen und beginnen sich im Kreis aufeinander zuzubewegen. Sie kommen sich näher, scheinen sich für einen kurzen Moment zu umarmen und zu verschmelzen. Da die Metallscheiben der beiden Körper perfekt auf Lücke versetzt konstruiert sind, gleiten die Figuren buchstäblich ineinander und gehen vollständig durcheinander hindurch, ohne sich tatsächlich zu berühren. Nach der "Verschmelzung" bewegen sie sich weiter und entfernen sich mit dem Rücken zueinander wieder voneinander. Die Skulptur ist von dem berühmten, 1937 veröffentlichten gleichnamigen Roman "Ali und Nino" inspiriert, die Geschichte gilt als das "georgische Romeo und Julia". Sie erzählt von der Liebe zwischen Ali Khan Shirvanshir, einem muslimischen aserbaidschanischen Adligen, und Nino Kipiani, einer christlichen georgischen Prinzessin, zu Zeiten des Ersten Weltkriegs. Trotz der religiösen und kulturellen Barrieren finden sie zueinander, doch die Wirren des Krieges und der Einmarsch der Roten Armee trennen sie am Ende dauerhaft und tragisch. Die Bewegung der Statue spiegelt genau das wider: Das kurze, intensive Glück des Zusammenseins und das unvermeidliche, schmerzhafte Wieder-Auseinandergehen. Durch die farbige Illumination der Skulpturen am Abend vor der Kulisse des Schwarzen Meeres wirkt die Szene besonders stimmungsvoll. Mit diesen vielen schönen Eindrücken im Gepäck sind es nun nur noch ein paar Schritte bis in unser Hotelbett, perfekt!Read more