• Georgische Mongolei

    October 8 in Georgia ⛅ 14 °C

    Als wir am heutigen Morgen aus unseren äußerst bequemen Hotelbetten aufstehen und die Gardine zurückziehen, sind wir zunächst etwas verwirrt: Die Sonne blendet und der Himmel erstrahlt in leuchtendem Blau! Wir können uns kaum erinnern, wann wir das in diesem Urlaub zuletzt erlebt haben. In Georgien war das zumindest nicht der Fall. Heute steht eine entspannte, weil eher kurze und nicht besonders höhenmeterlastige Etappe auf dem Programm. Wir lassen es entsprechend ruhig angehen. Nach dem Frühstück verbringen wir noch eine Weile im Hotelzimmer, das uns so gut gefällt, und beladen erst um halb zwölf die Räder. Einen Einkauf erledigen wir noch, um u.a. auch wirklich genug Schokolade an Bord zu haben, dann rollen wir los. Als wir nach einigen Kilometern die Stadt hinter uns lassen, fällt sofort auf, dass die Landschaft sich im Vergleich zu den letzten Tagen radikal verändert zeigt. Es fühlt sich an, als hätten wir ein Tor in eine andere Welt durchschritten: Keine engen Canyons mehr, sondern eine schier unendliche Weite. Das Dschawacheti-Plateau, welches wir mit dem Aufstieg in den Ort Achalkalaki erreicht haben, empfängt uns mit weiten Graslandschaften und einer rauen, fast mystischen Schönheit. Wir verstehen jetzt, warum diese Hochebene auch als "georgische Mongolei" bezeichnet wird. Auf fast 2000 Metern über dem Meeresspiegel rollen wir durch die Landschaft, während am Horizont die Gipfel erloschener Vulkane aufragen. Die malerische Kulisse wird gebildet von den recht nahegelegenen Trialeti- und Javakheti-Bergketten, zwei bedeutenden vulkanischen Gebirgszügen des Kleinen Kaukasus im Süden von Georgien. Ein besonders prominent emporragender Berg ist der Didi Abuli. Er ist mit einer Höhe von 3301 Metern der höchste Gipfel des Samsari-Gebirges sowie der gesamten südgeorgischen Region Samzche-Dschawachetien. Bei dem sehr markanten, wohl oft und auch jetzt schneebedeckten Massiv handelt es sich um einen erloschenen Stratovulkan, der die Weite des Hochlandes weithin sichtbar dominiert. Und auch wir dürfen den hübschen Schneegipfel aus verschiedenen Perspektiven bewundern. Einzig störend an unserer heutigen Fahrt ist der Verkehr. Es sind für unseren Geschmack deutlich zu viele LKW auf der Straße, die an uns vorbeidonnern und die Geschwindigkeit der Autos auf der langen Geraden halten wir auch für übertrieben. Im Ort Ninozminda, etwa 20 Kilometer vor der armenischen Grenze, verlassen wir die Hauptstraße und schwenken nach links weg. Im Sommer prägen in diesem Ort und der umliegenden Region Weißstörche das Bild. Uns bleibt zur jetzigen Jahrenszeit aber nur der Blick auf die vielen massiven Nester auf den Strommasten, deren Bewohner sind längst gen Afrika ausgeflogen. Wir hoffen indes, dass der Großteil des lästigen LKW-Verkehrs in Richtung Armenien unterwegs ist und es nach dem Abzweig für uns nun ruhiger auf der Straße wird. Einige Radelkilometer weiter machen wir auf einer Wiese eine ausgedehnte Pause. In der Sonne! Ohne zu frieren! HERRLICH!!! Nach der Rast schwingen wir uns noch für sagenhafte sechs Kilometer in den Fahrradsattel. Eine kleiner Felswall in der riesigen Graslandschaft scheint uns gut geeignet, um dahinter unser Nachtlager aufzuschlagen. Zum jetzigen Zeitpunkt kommen aber erstmal nur Tisch und Stühle zum Stehen und wir widmen uns bei herrlichem Blick auf den Didi Abuli unserem warmen Abendessen. Parallel bekommen wir mehrfach tierischen Besuch. Nacheinander ziehen zwei riesige Kuhherden, eine Ziegen- und eine Schafherde, mit teils berittenen Hirten und Eselbegleitung vorbei. Einige Tiere zeigen sich dezent irritiert bei unserem Anblick und halten einen Moment vor uns inne, ziehen dann aber gemächlich weiter. Ein toller Anblick sind diese Herden, immer wieder! Das Kinoprogramm des heutigen Abends ist ein wunderbarer Sonnenuntergang, den wir gerne bei Tee und Schokoriegel bestaunen. Es dauert nicht mehr lange, bis es dunkel und auch empfindlich kalt wird, so dass wir den geordneten Rückzug in Zelt und Schlafsack antreten.Read more