• Nervenkitzel

    October 11 in Georgia ☀️ 15 °C

    Wir können festhalten: Oktober in dieser Ecke Georgiens ist nichts für Warmduscher. Als wir morgens die Reißverschlüsse unseres Zeltes öffnen, glitzert der Frost auf den Packtaschen. Das Thermometer zeigt 4 Grad im Innern des Zeltes, die Nacht muss deutlich kälter gewesen sein. Beim zweiten Blick aus dem Zelt sitzt plötzlich ein großer, schwarzer Hund vor der Tür und wedelt freundlich mit dem Schwanz. Warm eingepackt widmen wir uns unserem Frühstück, der Hund behält uns in der Hoffnung, dass was für ihn abfällt, gut im Blick. Im Hundeblick, um es genau zu sagen, der nette Kerl guckt wirklich herzerweichend. Und so geben wir ihm am Ende doch noch ein gutes Stück von unserem Brot ab. Es dauert ewig, bis wir loskommen, dieser tolle Ort lädt einfach zum Verweilen ein. Irgendwann rollen wir dann aber doch mit bepackten Rädern hinunter zur Straße, unser schwarzer Fellfreund schaut uns noch eine ganze Weile hinterher. Wir fahren zuerst gemütlich am Ufer des Tsalka-Stausees entlang. Als wir den Ort Tsalka erreichen, werden wir von dem Geruch einer kleinen Bäckerei angelockt. Hier wird traditionelles georgisches Brot, das sogenannte "Tonis Puri" in einem Tone (Tongefäß zum Brotbacken) gebacken. Das Fladenbrot wird vom Bäcker mit gekonntem Schwung gegen die erhitzte Innenwand des Ofens geschleudert. Nach wenigen Minuten ist der Teig durchgebacken. Anschließend wird das Brot mit einem Haken von der Innenwand genommen. Durch das Schleudern entsteht die spezifische Form des georgischen Brotes. Wir kaufen erst ein Brot und nach erster Testung des noch warmen Gebäcks direkt noch ein zweites. Der Bäcker lässt uns auch noch einen Blick in die kleine Backstube und den Ofen werfen, in dem gerade diverse Brote an der Innenwand kleben und dort fachmännisch mit einem Stab wieder abgelöst werden. Am Ortsausgang verlassen wir unsere geplante Route und machen einen kleinen Umweg: Es geht zum Dashbashi-Canyon. Nachdem wir einen fiesen Anstieg und den Vergügungspark mit Wasserrutschen und Go-Kart-Strecke passiert haben, erreichen wir das Besucherzentrum des Canyons. Das absolute Highlight an diesem Ort ist die "Diamond Bridge". Der Boden dieser 240 Meter lange Hängebrücke besteht in Teilen aus Glas und schwebt mitten über der Schlucht. In der Mitte der Brücke hängt ein riesiges, diamantförmiges Café. Heiko gönnt sich den Nervenkitzel und wird auf der Brücke mit einem 360-Grad-Blick auf die stürzenden Wasserfälle und das satte Grün der Schlucht belohnt. Claudia liest derweil ihren Krimi, der ist nervenaufreibend genug...! Zurück auf den Rädern rollen wir die erarbeiteten Höhenmeter wieder runter, um selbige auf der Hauptstraße auf der anderen Schluchtseite wieder hinaufzufahren. Oben angekommen bauen wir unser kleines Wohnzimmermobiliar auf einer Wiese auf und Heiko kocht eine köstliche warme Mahlzeit. Mit Blick auf die Ausläufer des Tsalka-Stausees und mal wieder in Gesellschaft eines freundlichen Hundes genießen wir das Essen in Kombination mit dem leckeren Tonis Puri. Ein paar Kilometer wollen wir noch radeln, bevor wir den Feierabend einläuten. Die Landschaft öffnet sich und wir durchqueren die Ausläufer der Trialeti-Bergkette. Die Route führt uns durch die wellige Hochebene. Mal rollen wir kilometerweit flach dahin, mal fordert uns ein knackiger Anstieg. Am frühen Abend erklären wir die Etappe schließlich für beendet und schlagen unser Lager auf einem Feld auf. Möglicherweise steht uns hier und heute die letzte kalte Nacht bevor. Morgen wartet eine lange Abhahrt und ein enormer Höhenverlust auf uns.Read more