• Herbstliche Talfahrt

    October 12 in Georgia ☀️ 20 °C

    Die Nacht war nicht ganz so kalt wie die vorige, die Luft hier oben auf rund 1.600 Metern ist heute Morgen aber nach wie vor äußerst frisch. Der Himmel zeigt sich grau, die Luft ist schwer und feucht, dichte Nebelschwaden hüllen die Landschaft in eine geheimnisvolle, fast melancholische Atmosphäre. Während des Frühstücks nutzen wir noch den wärmenden Effekt unserer Schlafsäcke und hoffen, dass diesen Part möglichst bald die Sonne übernimmt. Bei Abfahrt versteckt sie sich allerdings noch hinter den tief hängenden Wolken. Warm angezogen kehren wir der Tsalka-Hochebene nun endgültig den Rücken. Vor uns liegen 26 Kilometer Asphalt-Surfen bergab durch das herbstliche Trialeti-Gebirge. Die Fahrt ist herrlich, das Gefälle so gut zu fahren, dass wir auch immer noch ein Auge auf die Schönheiten am Wegesrand haben können. Die Route führt uns teilweise über Serpentinen in Richtung des Ortes Manglisi. Auf der Terrasse eines Ladens am Wegesrand genehmigen wir uns Kaffee und Schokomuffins, wir müssen ja schließlich Kraft für die weitere Abfahrt tanken. Und dann passiert das, was einen solchen Tag perfekt macht: Mit jedem Höhenmeter, den wir bergab rollen, reißt die Wolkendecke weiter auf. Das Grau weicht einem strahlenden Blau, die Sonne kommt heraus und die Landschaft erstrahlt in einem ganz anderen, freundlichen Licht. Die bewaldeten Täler leuchten im Sonnenlicht in den prachtvollsten Herbstfarben. Wir gleiten regelrecht durch ein Meer aus leuchtendem Grün und Gelb, sattem Orange und tiefem Dunkelrot. Und die Oktobersonne entfaltet sogar so viel Kraft, dass wir die eine oder andere Kleidungsschicht ablegen können. Es ist purer Genuss! Unterwegs halten wir immer wieder an: Fotografieren, Filmen, Honig am Straßenrand kaufen, Fotografieren, Wasser und Tonis Puri (traditionellen, im runden Tonofen gebackenes georgisches Brot) kaufen, Landschaft bestaunen, Fotografieren...!
    Nach zwischenzeitlichem Anstieg geht es weiter bergab, vorbei an dichten, gefärbten Wäldern, bis wir schließlich etwa 1000 Höhenmeter seit dem heutigen Morgen verloren haben. Als die Schatten am Nachmittag länger werden, spähen wir mal wieder nach einem netten Plätzchen für unser Zelt. Kurz hinter dem kleinen Ort Jorjiashvili werden wir fündig, abseits der Straße hinter einer Baumreihe schlagen wir unser Lager auf. Wir genießen es sehr, dass wir noch in der Sonne sitzen können und nicht frieren. Nach einem Instant-Nudelessen freuen wir uns auf die heute unterwegs erworbenen Leckereien: Tonis Puri mit regionalem Honig. Lecker!
    Inzwischen steht das Zelt, die Sonne hat sich verabschiedet und wir machen gleich die Augen zu.
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