Hurtigruten
June 9 in Norway ⋅ ☀️ 20 °C
Als wir am übernächsten Morgen die Tür des Wohnmobils öffnen und auf das spiegelglatte Wasser schauen, fällt uns der Abschied echt schwer schwer. Toftenes Sjøhuscamping ist ein wirklich magischer Ort, direkt an einem tiefblauen Fjord gelegen, eingerahmt von sanften Bergen und absoluter Ruhe.
Doch die Straße ruft, es wartet ein echtes Stück norwegische Kulturgeschichte auf uns:
Stokmarknes – die Geburtsstätte der legendären Postschiffe Hurtigruten.
Die Straße dorthin schlängelt sich vorbei an einsamen Holzhäusern, grünen Weiden und kleinen Buchten, und immer sind die mächtigen Vesterålen-Alpen im Hintergrund unsere ständigen Begleiter.
Den futuristischen Bau aus 3.600 Quadratmetern Glas und Stahl sehen wir schon von weitem.
Die norwegische Seefahrtsgeschichte wird hier auf eine weltweit einzigartige Weise konserviert, indem ein echtes, 80 Meter langes Postschiff aus dem Jahr 1956 – die MS Finnmarken - komplett an Land gezogen und mit einem gigantischen Glashaus umbaut wurde.
So soll der Oldtimer vor dem rauhen arktischen Wetter geschützt werden.
Sobald man durch die Luke einsteigt, scheint die Zeit still zu stehen.
Vom originalen Salon im Retro-Stil über die Kombüse bis hinauf zur Kapitänsbrücke und dem Maschinenraum darf man alles hautnah erkunden, was
das Museum auf sehr lebendige Art und Weise darbietet.
Heutzutage wird Hurtigruten oft als die schönste Seereise der Welt angesehen.
Doch im späten 19. Jahrhundert ging es hier nicht um Urlaub, sondern ums nackte Überleben. Wer im Winter im isolierten Norden Norwegens lebte, war monatelang von der Außenwelt abgeschnitten. Briefe, Medikamente und frischer Fisch brauchten Wochen, um von Süd nach Nord zu gelangen.
Die tückische Küste galt bei Dunkelheit und Sturm als absolut unbefahrbar, bis der
Visionär Kapitän Richard With aus Stokmarknes 1893 die Herausforderung annahm, die niemand zuvor hatte wagen wollen.
Gemeinsam mit dem Lotsen Anders Holte entwickelte er ein System aus Koppelnavigation (Fahren nach Stoppuhr und Kompass) und nutzte das Echo des Schiffshorns von den Felswänden, um Abstand zu eventuell lauernden Gefahren zu halten.
Am 2. Juli 1893 schließlich steuerte With sein Dampfschiff DS Vesteraalen bei arktischer Dunkelheit und Nebel in Rekordzeit von 67 Stunden sicher von Trondheim nach Hammerfest. Er hatte die unberechenbare Küste bezwungen, und
„Hurtigruten“ (zu Deutsch: „Die schnelle Route“) war geboren.
Über Nacht veränderte sich das Leben fundamental. Plötzlich bildete die Küste eine Einheit, Post brauchte nur noch Tage statt Wochen, und isolierte Fischerdörfer blühten wirtschaftlich regelrecht auf.
Tief beeindruckt, voller Ehrfurcht und gefangen von all den Geschichten, die uns das geschichtsträchtige Schiff stumm erzählt hat, verlassen wir die Hallen.
Direkt in der Nähe des Fährhafens entdecken wir einen gemütlichen Platz für die Nacht.
Morgen geht es endlich auf die Lofoten!Read more

























Sehr interessant, man lernt nie aus. Schön. [Richard]
Auch sehr schöne Bilder 👍 [Richard]