• Ankuft auf den Lofoten

    10 giugno, Norvegia ⋅ ☀️ 21 °C

    Nach all den Erlebnissen und Abenteuern auf den Vesterålen schlagen wir heute das nächste Kapitel dieser Reise auf. Unser Ziel auf der anderen Seite des Wassers sind die weltberühmten Lofoten.
    Die Überfahrt von Melbu nach Fiskebøl sollte eigentlich ganz entspannt ablaufen.
    Am Auto packen wir noch schnell unsere Sachen zusammen, die wir an Bord brauchen – vor allem freuen wir uns schon riesig auf die legendären, frischen norwegischen Zimtschnecken (Kanelboller), die wir kurz vorher ofenfrisch in einer kleinen Bäckerei besorgt haben.
    Doch genau in diesem Moment zerplatzt die Urlaubsidylle mit einem Schlag. Viktor schaut mich mit betretenem Gesicht an und sagt den ultimativen Horror-Satz eines jeden Autofahrers: „Ich habe den Autoschlüssel in der Fahrerkabine eingeschlossen."
    Nein, das darf jetzt einfach nicht wahr sein! Ein Blick auf die Uhr lässt noch mehr Adrenalin einschießen: In einer knappen halben Stunde werden wir in Fiskebøl anlegen. Wenn das Auto bis dahin nicht offen ist, blockieren wir die komplette Ausfahrt der Fähre und legen den gesamten Verkehr lahm. Ein Albtraum!
    Ich greife sofort zum Handy und rufe Korda an, die kurzerhand Bernd und Dennis als Rettungskommando zu uns nach unten ins Autodeck schickt. Was folgt, sieht aus wie eine Szene aus einem schlechten Einbrecher-Film. Gemeinsam versuchen die drei Männer mit absolut allem, was greifbar ist, den Wagen zu knacken. Jedes verfügbare Utensil, das einigermaßen brauchbar erscheint, wird ausgepackt: Drahtschlingen, Feinmechanikerwerkzeug, gebastelte Schlaufen. Es wird gehebelt, gefummelt und geschwitzt – aber das Auto bleibt unbarmherzig dicht. Und die Zeit läuft uns gnadenlos davon.
    Schließlich bitte ich ein Mitglied der Fähr-Crew um Hilfe. Der norwegische Seemann kommt herüber, schaut sich die Situation kurz und völlig tiefenentspannt an. Er dreht sich zu uns um und fragt trocken: „May I?“ (Darf ich?).Ehe wir überhaupt genau kapieren, was er eigentlich vorhat, ist es auch schon passiert. Er quetscht seine Finger mit purer Kraft oben in den hauchdünnen Spalt zwischen der Fensterscheibe und dem Türrahmen. Mit einem brachialen, unglaublichen Ruck und einem wirklich fiesen, markerschütternden Geräusch reißt er die Scheibe mit bloßen Händen nach unten! Er greift durch den Spalt nach dem Türknöpfchen – und klack, das Auto ist offen.
    Wir sind in diesem Moment natürlich unendlich erleichtert und überglücklich, dass der Wagen wieder offen ist und wir die Fähre pünktlich verlassen können. Doch ein mulmiges Gefühl bleibt: Haben wir jetzt statt eines vergessenen Schlüssels ein komplett demoliertes Autofenster samt kaputter Fensterheber-Mechanik?
    Wir werden sehen.

    Während die Fähre leise vibrierend weiterzieht, schrumpfen die sanfteren Hügel der Vesterålen hinter uns im Kielwasser,
    und am Horizont baut sich mit jedem Meter die monumentale Kulisse der Lofoten-Wand vor uns auf. Die Gipfel wirken von hier noch ein Stück mächtiger, schroffer und abweisender. Wir stehen an Deck, der Wind bläst uns um die Nase, und wir realisieren erst jetzt so richtig, wie weit nördlich auf dem Globus wir uns eigentlich gerade befinden.
    Dann sind wir in Fiskebøl angekommen!
    Während sich der normale Touristenstrom in Fiskebøl auf der Hauptstraße E10 nach Süden wälzt, entscheiden wir uns ganz bewusst für die Einsamkeit. Wir biegen ab auf den Laukvikveien (Fv888).
    Diese rund 32 Kilometer lange Küstenstraße führt uns direkt an der wilden, ungezähmten Nordwestküste der Insel Austvågøya entlang.
    Die Straße ist schmal, der Asphalt manchmal uneben, aber die Kulisse lässt uns den Fähr-Stress augenblicklich vergessen. Der Laukvikveien zieht sich wie ein einsames Band durch eine Landschaft, die im Sekundentakt zwischen arktischer Einsamkeit und dramatischer Bergwelt wechselt.
    Schließlich taucht vor uns das urige Fischerdorf Laukvik auf. Schon von Weitem sieht man die riesigen, hölzernen Stockfischgestelle, die wie Kunstwerke in der Landschaft stehen.

    Am Campingplatz angekommen, fackeln die Männer nicht lange: Werkzeug raus, die Türverkleidung wird komplett auseinandergenommen. Mit viel Geduld und handwerklichem Geschick richten sie die Mechanik wieder. Am Ende funktioniert das Fenster wieder wie vorher.
    Später sitzen wir zusammen am Camper und genießen einen weiteren gemeinsamen Abend in Norwegen.
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