• Svolvær

    11. juni, Norge ⋅ 🌬 11 °C

    Norwegen hat uns in den letzten Tagen unglaublich und vor allem unerwartet mit Sonne, Helligkeit und warmen Temperaturen verwöhnt. Doch in dieser Nacht zeigt uns der Norden ein anderes, finsteres und unwirtliches Gesicht.
    Das prasselnde Geräusch auf dem Autodach lässt keinen Zweifel zu – es regnet ununterbrochen.
    Ein Blick auf das Thermometer bringt Gewissheit: In der Nacht gab es einen massiven Wettersturz. Die Temperatur ist um mindestens 12 Grad in den Keller gerauscht.
    So also fühlt sich die echte, arktische Kälte an!

    Noch am Vorabend saßen wir bei bestem Sommerwetter in T-Shirt und kurzer Hose entspannt draußen und haben gegrillt. Keine zwölf Stunden später ist die Sommeridylle wie weggewischt. Die Shorts wandern ganz tief nach unten in den Schrank. Stattdessen kramen wir die dicken Jacken, langen Unterhosen, winddichten Schichten und warmen Mützen hervor. Es hilft ja alles nichts: Die Natur gibt die Rahmenbedingungen vor, und wir passen uns an.
    Trotz des grauen Dauerregens bereiten wir uns für den Aufbruch vor und starten den Motor. Unser Ziel für heute ist die inoffizielle Hauptstadt der Inselgruppe: Svolvær.
    Die schroffen Nunatak-Gipfel, die uns gestern noch im Sonnenschein entgegenblickten, sind jetzt tief in dicke, mystische Wolkenbänder gehüllt. Die Kontraste sind verschwunden, die Felswände wirken düster und unfassbar gewaltig.
    Doch genau in diesem Moment wird uns eines klar: Auch bei solchem Wetter büßen die Lofoten nichts von ihrer Schönheit und ihrer verzaubernden Magie ein.
    Diese Landschaft braucht keinen Filter und keinen perfekten Sonnenschein, um die Menschen tief im Inneren zu berühren.
    In Svolvær bestaunen wir
    die wunderschönen, traditionellen roten Fischerhütten (Rorbuer) direkt am Wasser. Auch hier finden wir die riesigen, hölzernen Fischgestelle (Fish Racks), auf denen im Frühjahr der weltberühmte Stockfisch getrocknet wird.
    Wir schlendern noch ein wenig durch die Geschäfte des Städtchens, dann teilt sich unser Team spontan auf. Während die einen das Kulturprogramm suchen, zieht es die anderen trotz des miesen Wetters unaufhaltsam nach oben. Dennis und Bernd fackeln nicht lange, schnüren ihre Wanderstiefel und kraxeln unerschrocken den steilen Pfad hinauf bis fast zu den weltberühmten Felsziegen der Svolværgeita
    („Svolvær-Ziege“ ) - einer markanten Felsformation mit zwei Hörnern, die steil über der Stadt thront.
    Eine absolute Willensleistung bei diesem Wetter.
    Es herrscht immer noch ein fieser, nasskalter Wind bei gefühlten Kühlschranktemperaturen – und was macht der Rest der Truppe? Wir flüchten freiwillig vor der Kälte in eine Halle, die konstant auf Minus 6 Grad heruntergekühlt wird. Ein Plan, der schon ein wenig an Ironie grenzt.
    Das Magic Ice Svolvær ist eine Halle komplett aus Eis, in der Skulpturen die Geschichte der Lofoten-Fischer von mächtigen Seeadlern bis hin zu historischen Fischerbooten erzählen.
    Doch schon am Eingang wird es gemütlicher als erwartet:
    Jeder von uns wird in einen dicken, wärmenden Winter-Poncho gesteckt und bekommt warme Handschuhe verpasst.
    Jeder? Nein, nicht ganz. Viktor schaut sich die Winterausrüstung nur kurz an, hebt fast spottend die Hände und lehnt den ganzen Kram dankend ab. Und so wandert er – ganz genau so, wie wir ihn alle kennen und lieben – komplett barfuß und ohne Handschuhe durch die arktische Kältekammer! Während uns trotz Wintermontur die Zähne klappern, spaziert unser hauseigener Wikinger tiefenentspannt und mit seinem gefürchteten diabolischen Grinsen an den Eiswänden vorbei. Ja, so ist er nun mal. 😀
    Die Stimmung hier drinnen ist magisch, wir befinden uns in einer völlig surrealen Winter-Wunderwelt.
    Die bunten LED-Lichter spiegeln sich in den Eiswänden, es funkelt und glitzert an jeder Ecke.
    Unglaublich! Lokale Künstler haben hier tonnenweise bkankes Eis in atemberaubende Skulpturen verwandelt.

    Als wir Dennis und Bernd schließlich einsammeln, und die Crew wieder komplett ist, sind wir uns alle einig. Für jeden war es ein wieder mal schöner Tag, und
    Viktor ist offiziell und unangefochten der „König der Arktis“.
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