Zurück aufs Festland
15 czerwca, Norwegia ⋅ ☁️ 14 °C
Eine unvergessliche Zeit mit tollen Wanderungen, schroffen Gipfeln und arktischen Stränden liegt hinter uns.
Nun stehen wir beim Fähranleger in Moskenes in der Schlange für die Autofähre nach Bodø.
Die Motoren laufen, das Boarding kann beginnen.
Im Inneren des Schiffes, bei der finalen Parkposition angekommen, rufen 5 Mitglieder unserer Truppe wie aus einem Munde: „Viktor, hast du den Schlüssel?!“
Ja, er hat daran gedacht. So schnell passiert ihm so ein Malheur nicht noch einmal!
Während die Zacken der Lofoten-Wand im Kielwasser langsam immer kleiner werden, genießen wir die ruhige Fahrt über den Vestfjord zurück zum norwegischen Festland. Jeder von uns hängt noch seinen Gedanken nach, ist vielleicht noch ein stückweit auf den Lofoten und spürt, wie tief sich die Bilder in die eigene Seele eingebrannt haben.
In Bodø rollen die Reifen wieder auf festen Boden. Wir halten uns nicht lange in der Stadt auf, denn unser nächstes Ziel wartet nur knapp 30 Kilometer südöstlich entlang der Fv17: der legendäre Saltstraumen.
Die Straße dorthin schlängelt sich durch dichte Küstenwälder und vorbei an rauhen Felsformationen, während das Wasser des Skjerstadjords immer wieder bläulich durch die Bäume blitzt.
Wer kurz vorher noch die Lofoten im Kopf hatte, glaubt kaum, dass er sich immer noch im selben Land befindet. Es ist das absolute Kontrastprogramm zu den letzten Tagen: Das Saltdal, durch das wir nun fahren, ist weltberühmt für seine riesigen, dichten Kiefern- und Birkenwälder, die sich links und rechts der E6 bis hoch auf die Berghänge ziehen. Wir fühlen uns plötzlich wie im tiefsten Kanada.
Während auf den Lofoten noch der arktische Seewind um unsere Ohren pfiff, herrscht hier eine fast andächtige, geschützte Stille, denn das Tal liegt eingebettet zwischen mächtigen Gebirgszügen, die den Wind komplett abhalten.
Nicht zum ersten Mal realisieren wir, wie unglaublich vielseitig Norwegen ist.
Auf der E6 nach Süden teilt man sich übrigens die Straße nicht nur mit anderen Campern und Trucks. Schon bald machen wir Bekanntschaft mit den eigentlichen Herrschern Norwegens: den Schafen. Sie sind überall! Es ist wie ein Running-Gag. Alle paar Kilometer liegen sie seelenruhig direkt auf dem Asphalt des Seitenstreifens. Wir fragen uns :Warum?
Der Asphalt speichert die Sonnenwärme des Tages und bietet für die Tiere so etwas wie eine gemütliche, beheizte Wellness-Oase.
Während wir mit dem Auto vorbeirollen, würdigen sie uns keines Blickes. Sie kauen einfach weiter, blinzeln träge in die Sonne und weigern sich strikt, auch nur einen Zentimeter zur Seite zu weichen.
Die norwegischen Schafe befinden sich absolut tiefenentspannt im "Chill-Modus".
Als wir an unserem heutigen Ziel ankommen, kündigt sich das Schauspiel schon von Weitem an: ein tiefes, unheimliches Grollen und Rauschen.
Was ist hier los? Woher kommt dieses urzeitliche Gröhlen, und wieso scheint der Boden unter unseren Füßen zu vibrieren und unsere Magengrube zu kitzeln?
Der Saltstraumen ist nicht einfach nur ein normaler Fluss oder Kanal – er ist der stärkste Gezeitenstrom der Welt, ein echtes Naturschauspiel der Superlative.
Mit unvorstellbarer Gewalt treffen hier die unbändigen Kräfte des Mondes und des Ozeans aufeinander.
Stellt euch vor, ihr habt zwei riesige Meeresbecken (den offenen Fjord) und das gewaltige Binnenmeer dahinter. Jedes Mal, wenn die Gezeiten wechseln – also bei Ebbe und Flut –, müssen unfassbare Wassermassen von dem einen Becken in das andere gelangen. Das Problem? Der einzige Verbindungsweg ist eine winzige, schmale Nadelöhr-Schlucht: nur 150 Meter breit und drei Kilometer lang.
Fast 400 Millionen Kubikmeter Wasser (das entspricht etwa der Wassermenge von 160.000 olympischen Swimmingpools!) versuchen nun gleichzeitig, sich durch dieses schmale Felsentor zu pressen.
Weil der Platz fehlt, wird das Wasser extrem beschleunigt. Am Ende rast es mit bis zu 40 km/h durch den Sund. Wenn diese tosenden Strömungen dann auf die unebenen Felswände unter Wasser treffen, gerät das Meer komplett außer Kontrolle. Es entstehen die berüchtigten Mahlströme, riesige, kreisrunde Trichter im Wasser, die bis zu 10 Meter breit und mehrere Meter tief werden. Man bekommt beinahe den Eindruck, als hätte jemand am Meeresgrund den Stöpsel gezogen, und ein gigantischer Abfluss saugt alles, aber wirklich ALLES, in die Tiefe.
Schaut man senkrecht nach unten, verliert das Auge jegliche Orientierung. Da gibt es nicht mehr nur "Vorwärts" oder "Rückwärts".
Das Wasser dreht sich, wirft Blasen, sinkt ab und schießt an anderer Stelle wie kochend wieder nach oben. Dieser Ort lehrt uns mit seiner unglaublchen Kraft wahrhaftig das Fürchten. Czytaj więcej























Inge HohmeierJa, der Ort soll hervorragend zum Angeln sein!