• Wieder Richtung Süden

    18 czerwca, Norwegia ⋅ 🌬 13 °C

    Als wir das hölzerne Portal „Porten til Nord-Norge“ passieren, wird uns allen bewusst: Nordnorwegen haben wir nun offiziell verlassen. Ein seltsames Gefühl macht sich im Camper breit – einerseits sind wir wehmütig, weil die Lofoten und der Polarkreis nun endgültig hinter uns liegen, andererseits aber auch voller Vorfreude auf das, was uns im Süden noch erwarten wird.
    Und es geht gleich los:
    Ein spektakuläres Insel-Hopping per Auto führt uns heute über eine Kette von Brücken, die die vielen kleinen Inseln und Schären miteinander verbinden. Links und rechts peitscht das offene Meer, während wir im Camper das Gefühl haben, mitten über den Ozean zu fliegen.
    Wir steuern auf den kleinen Fähranleger in Hennset zu. Unser Ziel, Arasvika, liegt auf der anderen Seite des Fjords. Ohne riesige Autoschlangen und ohne Hektik rollen wir entspannt auf das Autodeck, stellen den Motor ab und spüren sofort, wie der Puls nach unten fährt. Hier läuft alles entspannt und vollautomatisch. Vorab ist kein Ticketkauf nötig: Das Kennzeichen des Autos wird beim Auffahren einfach gescannt und die Gebühr über das norwegische AutoPASS- oder FerryPay-System abgebucht.
    In Arasvika auf der Insel Ertvågsøya angekommen, empfängt uns sogleich eine ganz eigene, fast verschlafene Insel-Atmosphäre. Wir fahren auf schmalen, kurvigen Straßen vorbei an winzigen, bunten Holzhäusern am Wasser – es ist eine absolut unberührte Natur.
    Danach nehmen wir Kurs auf Kristiansund. Diese Stadt ist faszinierend, denn sie liegt nicht einfach am Wasser, sie liegt im Wasser. Kristiansund verteilt sich auf die vier Inseln Nordlandet, Kirkelandet, Goma und Innlandet, die durch Brücken zu einem architektonischen Gesamtkunstwerk verbunden sind. Beim Blick auf diese modernen Bauwerke wird uns bewusst, wie hart das Leben hier früher gewesen sein muss. Bis 1992 war das Reisen ein absoluter Geduldsakt, denn Kristiansund war komplett vom Festland isoliert. Wer pendeln wollte, war ausschließlich auf Fährverbindungen angewiesen. Zu Stoßzeiten standen die Leute oft stundenlang in kilometerlangen Blechlawinen am Anleger und hofften, noch auf das nächste Schiff zu passen. Fegten im Winter schwere Stürme über den Atlantik, wurde der gesamte Fährverkehr sogar komplett eingestellt – und die Inseln waren von der Außenwelt abgeschnitten.

    Die berühmte Atlantikstraße (Atlanterhavsvegen), auf der wir nun fahren, zählt zu den bekanntesten und meist fotografierten Straßen der Welt. Auf einer Länge von exakt 8,2 Kilometern vollbringt diese Straße eine architektonische Meisterleistung: Sie springt förmlich von Inselchen zu Inselchen, scheinbar mitten durch den offenen Ozean.
    Heute verdunkeln dicke, graue Wolken den Himmel, und die Stimmung ist ungemütlich trüb. Aber ganz ehrlich? Genau so haben wir uns den rauhen Norden vorgestellt und auch ein bisschen erwartet! Wo sich sonst das blaue Meer spiegelt, peitscht uns heute die unbändige Kraft des Ozeans entgegen.
    Als die Storseisundbrua, die längste der insgesamt acht Brücken, vor unserer Windschutzscheibe auftaucht, wirkt sie fast schon unheimlich. Jetzt im Regen scheint es noch mehr so, als würde ihre geschwungene Rampe im fahlen Grau des wolkenverhangenen Himmels mitten im Nichts enden. In Wahrheit macht die Brücke eine riesige Kurve in schwindelerregender Höhe, um den Schiffen darunter genug Platz für die Durchfahrt zu bieten.
    Die Scheibenwischer sind im Dauerbetrieb. Viktor muss das Lenkrad richtig fest anpacken, denn der Wind drückt spürbar gegen die Auto. Die Wellen klatschen so heftig gegen die Fundamente, dass eine salzige Mischung aus Regen und Meeresgischt im hohen Bogen auf unsere Motorhauben fliegt.
    Doch genau diese trübe, melancholische Kulisse macht die Fahrt erst zu einem unvergesslichen Abenteuer.
    Am Abend finden wir schließlich in der Bergsteigerstadt Åndalsnes einen traumhaften Platz für die Nacht.
    Hinter unseren Autos schlängelt sich ein spiegelglatter, absolut glasklarer Fluss.
    Das Wasser ist so sauber, dass man jeden einzelnen Kieselstein am Grund zählen kann.
    Für Simone und Viktor gibt es kein Halten mehr.
    Kurz entschlossen schmeißen die beiden sich in ihre Badesachen, marschieren ans Ufer und stürzen sich mit einem tollkühnen Satz direkt in die glasklaren Fluten!
    Was für ein genialer und mutiger Abschluss für diesen Tag!

    Morgen schon wartet der berühmte Trollstigen auf uns.
    Czytaj więcej