• Huế

    April 1 in Vietnam ⋅ 🌙 26 °C

    Mit dem Zug fuhren wir eine der angeblich schönsten Zugstrecken der Welt: Von Da Nang nach Hue über den Wolkenpass.
    Glücklicherweise (und zufällig) haben wir sogar die Sitze auf der Meerseite reserviert. 💪

    In der ehemaligen Hauptstadt der Nguyen-Dynastie (1802–1945) nächtigten wir bei einer sehr süssen Familie, bei der wir uns wie zuhause fühlten.
    Leider wurde mittlerweile auch Philipp krank, da ist man über eine schöne Unterkunft gleich doppelt froh. 😊

    Chantals Geburtstag feierten wir in der kaiserlichen Zitadelle von Hue. 🥳
    Die Anlage besteht aus drei ineinanderliegenden Bereichen. Die äussere Zitadelle Kinh Thanh diente als Festungswall für Beamte und Soldaten. Das Zentrum bildet die Kaiserstadt Hoang Thanh für offizielle Staatsgeschäfte.
    Den innersten Kern bildet die Verbotene Purpurstadt. Sie war allein dem Kaiser, seinen Konkubinen und Eunuchen vorbehalten und das unbefugte Betreten wurde früher mit dem Tod bestraft.

    Wir spazierten durch die weitläufige Anlage, die nach Feng Shui gebaut wurde, und beschritten Pfade, die früher nur dem Kaiser vorbehalten waren. Verrückt, wie dekadent früher alles gewesen sein muss.
    Aus Prinzip begossen wir den Geburtstag mit einem Bier, das überhaupt keinen Spass gemacht hat, und landeten dann früh im Bett.

    Nach einem Gesundwerdentag legten wir einige Kulturtage ein und mieteten dazu einen Roller. 🛵
    Philipp musste sich erstmal an den Verkehr gewöhnen, die ungeschriebenen Verkehrsregeln unterscheiden sich hier nochmals von denen anderer asiatischer Länder. 😅

    So besuchten wir das Khai-Dinh-Grabmal, das Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut wurde. Wir sahen uns die ziemlich pompöse Anlage mit vielen Treppen und Betonfiguren an. Ein Material, das damals gerade sehr im Trend war. 😄
    Wie andere vietnamesische Kaiser legte Khai Dinh grossen Wert auf die Gestaltung seines Grabes. Um dessen Bau zu finanzieren, erhöhte der Kaiser die Steuern im ganzen Land um 30 %, was weit verbreitete Unzufriedenheit hervorrief.

    Zuoberst auf dem kleinen Hügel fanden wir den Palast vor, geschmückt mit unzähligen Mosaiken und mit Scherben aus Porzellan verzierten Wänden, sowie ein grandioses Deckengemälde, das der Künstler angeblich mit seinen Füssen gemalt hat.
    Ausserdem gibt es dort eine lebensgrosse Figur aus vergoldeter Bronze, die extra in Paris angefertigt wurde. Sie sieht dem Kaiser sehr ähnlich und zeigt ihn in seiner prachtvollen Originaltracht. Das Besondere: Der Kaiser liegt nicht in der Statue, sondern ist etwa 9 Meter tief im Boden direkt darunter begraben.

    Weiter ging es in ein kleines Dorf, das für seine Räucherstäbchenproduktion bekannt ist. Beim Besuch eines kleinen Ladens durften wir auch gleich auf der Bank sitzen und ein eigenes Zimträucherstäbchen drehen. Zweifellos ein sehr touristisches Vergnügen, aber sehr lustig. Weil wir keine Souvenirs kaufen wollten, gaben wir ein kleines Trinkgeld, worauf der nette Mann darauf bestand, dass wir eine Flasche Wasser mitnehmen. 😅

    Zuhause im Homestay erklärte uns der Papa, dass heute Vollmond sei, was den Tag und den danach zu zwei sehr wichtigen Tagen in Vietnam macht. 🌝
    Der Staat ist offiziell atheistisch geprägt, aber die Gesellschaft ist religiös vielfältig. So ist auch die Ahnenverehrung ein wichtiger Bestandteil des Alltags.
    Beim Vollmond glauben viele, dass die Verbindung zur spirituellen Welt stärker ist, und so werden die Tage entsprechend zelebriert.
    Viele Menschen stellen bei Vollmond kleine Tische mit Essen vor ihr Haus. Das sind Opfergaben für Ahnen und Geister. Drinnen ehrt man die eigenen Vorfahren, draussen gibt man den Geistern etwas, die keine Familie haben. So will man Unglück vermeiden und Glück ins Haus bringen. 🍀

    Wir sahen Tische in jeglicher Grösse mit unterschiedlichsten Gaben. Unser Hausherr schien dies sehr zu zelebrieren: In einem Mantel und mit etwa 20 Räucherstäbchen beräucherte er zeremoniell die Tische.
    Für uns war es sehr interessant, auch wenn wir zuerst dachten, dass etwas angekohlt wurde, als wir aus unserem Zimmer in die Wohnstube kamen.

    An unserem letzten Tag besuchten wir auf Chantals Drängen hin noch ein Kunstmuseum. Das hat uns nicht gerade gefesselt. 😉
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