Gastfreundschaft in Thrakien
May 7–9 in Turkey
☀️ 24 °C
Ein langer Anstieg am Morgen führt mich über die Grenze in die Türkei, das achte Land dieser Reise.
Mit dem Grenzübertritt ändert sich nicht nur die Sprache, sondern auch das Gefühl auf der Straße. Die Landschaft in Thrakien zeigt sich unaufgeregt und entspannt, geprägt von sanften Hügeln und weiten Feldern unter einer warmen Sonne.
Es ist eine Umgebung, die wenig Ablenkung bietet und den Blick für das Wesentliche schärft: den Umgang der Menschen miteinander.
Schon auf den ersten Kilometern fällt mir die veränderte Atmosphäre im Verkehr auf. Die Autofahrer halten spürbar mehr Abstand, LKW-Fahrer grüßen mit einem kurzen Hupen und immer wieder schallt ein freundliches „Merhaba“ vom Straßenrand herüber.
Es ist eine Form von Rücksichtnahme und Offenheit, die mir sofort ein tiefes Gefühl von Sicherheit gibt.
Diese Freundlichkeit setzt sich bei jedem Stopp fort. In einem kleinen Dorf entscheide ich mich bewusst gegen das einsame Wildcampen und frage auf einem Platz neben der Moschee, ob ich mein Zelt aufschlagen darf. Die Reaktion ist entwaffnend herzlich. Ohne zu zögern, werde ich nicht nur willkommen geheißen, sondern direkt zum Tee eingeladen.
Den Abend verbringe ich im Teehaus des Dorfes, umgeben von neugierigen und hilfsbereiten Menschen. Auch ohne viele Worte Türkisch zu beherrschen, entstehen Gespräche über die Herkunft, den Weg und das Ziel. Der schwarze Tee wird hier zu einem Symbol für Gemeinschaft und zum eigentlichen Türöffner in eine neue Kultur.
Dieses Gefühl der Fürsorglichkeit begleitet mich auch am nächsten Tag. Während einer Mittagspause in einer Kleinstadt werde ich von jungen Leuten angesprochen, die mich am liebsten sofort zum Essen eingeladen hätten. Da ich bereits gegessen habe, bleibt es bei einem Dessert und gemeinsamen Tee auf dem Platz.
Es sind diese ungeplanten, echten Begegnungen, die den Tag entschleunigen. Dass mir beim Abschied noch ungefragt Wasser für den Weg gekauft wird, unterstreicht eine Gastfreundschaft, die hier vollkommen selbstverständlich scheint.
Die letzten Kilometer bis zum Rand von Istanbul vergehen wie im Flug. Da der Verkehr mit jedem Kilometer Richtung Stadtzentrum zunimmt, entscheide ich mich in Çerkezköy für den Wechsel in den Bus. Es ist eine komfortable Lösung, um das Rad und mich sicher durch die unübersichtlichen Autobahnkreuze der Megacity zu bringen.
Anderthalb Stunden später stehe ich am großen Busbahnhof und tauche wenig später mit den öffentlichen Verkehrsmitteln tief in das lebendige Treiben Istanbuls ein. Nach den ruhigen Tagen auf dem Land fühlt sich die Ankunft in der Millionenmetropole fast surreal an.
Für mich beginnt hier nun eine Zeit des Innehaltens. Die nächsten Tage gehören der Regeneration, dem Ankommen in dieser Stadt zwischen den Kontinenten und der Planung für den weiteren Weg Richtung Osten.
Die Herzlichkeit der ersten türkischen Tage ist dabei ein schöner Begleiter für diese Pause, bevor die Reise bald wieder an Fahrt aufnimmt.Read more














