• Istanbul Teil 2

    May 13–16 in Turkey ☀️ 22 °C

    Beim Erkunden der historischen Halbinsel Sultanahmet wird die jahrtausendealte Geschichte unter den Füßen spürbar. Die Schichten von Byzanz und Konstantinopel sind allgegenwärtig, eingebettet in das moderne Chaos.
    Doch die klassischen Sehenswürdigkeiten hinterlassen gemischte Gefühle bei mir. Auf den großen touristischen Achsen herrscht eine fast anstrengende Kommerzialisierung. Endlose Menschenströme werden an immer gleichen Verkaufsständen vorbeigeleitet, an denen Süßwaren und billige Kopien angeboten werden.

    ​Einen ruhigen Gegenpol dazu bieten die Moscheen, die eine willkommene Zuflucht vor dem Lärm bieten. Während die monumentalen Bauten wie die Süleymaniye-Moschee durch ihre schiere Größe beeindrucken, sind es oft die kleinen Details, die hängen bleiben. In der Rüstem-Paşa-Moschee verliere ich mich in den Mustern der tiefblauen Iznik-Fliesen, die den Raum in ein kühles, friedliches Licht tauchen.

    ​Ein ganz anderes, farbenfrohes Gesicht der Stadt zeigt sich mir beim Spaziergang durch das Viertel Fener. Die alten, dicht gedrängten und bunt bemalten Häuser in den steilen Gassen versprühen einen ganz eigenen, historischen Charme. Diese charakteristische Architektur schlägt auch einen schönen Bogen zur anderen Seite des Bosporus. Ähnliche Häuserreihen begegnen mir auch in bestimmten Ecken von Üsküdar auf der asiatischen Seite wieder.

    Diese Kontraste fordern jedoch ihren Tribut. Die Stadtwege sind steil, die Wege weit und nach einigen Tagen macht sich eine gewisse körperliche Erschöpfung bemerkbar.
    Der Spagat zwischen dem Drang alles sehen zu wollen und der Notwendigkeit sich zu erholen, prägt diese Woche. Ich entscheide mich deshalb auch für bewusste Tage des Nichtstuns. Zudem gönne ich mir eine intensive Massage, die zwar schmerzhaft, aber auch eine echte Wohltat für die beanspruchten Muskeln ist.

    ​Die Planung für die nächsten Etappen verliert in diesen Tagen spürbar an Bedeutung. Istanbul ist für mich kein Ort für schnelle Entscheidungen, sondern für eine tiefere Retrospektive. Die Woche des Stillstands gibt mir den nötigen Raum, um die vergangenen 2.500 Kilometer im Sattel zu verarbeiten.
    Ich blicke nun mit einer Mischung aus Respekt und großer Vorfreude auf die kommenden Wochen, wenn das Fahrrad wieder rollt und die ersten echten Kilometer auf dem neuen Kontinent beginnen.
    Read more