Hinauf zur anatolischen Hochebene
May 16–20 in Turkey
⛅ 24 °C
Nach einer Woche des Stillstands in Istanbul fordert der Aufbruch vor allem eines: Geduld mit dem eigenen Körper. Meine Motivation ist sofort wieder da, doch meine vertraute Routine und die Gewöhnung an die tägliche Belastung brauchen etwas Zeit, um nach der Pause wieder ineinanderzugreifen.
Schon der Start verlangt Improvisation. Ich verpasse meine geplante Fähre nach Yalova um ein paar Minuten und muss spontan auf das Boot nach Çınarcık ausweichen. Statt der gedachten Route führt mich dieser heiße Umweg unter brennender Sonne hinauf in die Hügel und vorbei an dichten Olivenhainen, bis schließlich der İznik-See vor mir auftaucht.
Auf dem Rad erlebe ich oft diese kleinen, absurden Kontraste, die den Blick schärfen. Während meine Reifen nach Tausenden von Kilometern noch keinen einzigen Mangel aufweisen, schwächelt ausgerechnet mein wichtigstes Utensil für die Nachtruhe. Eine schleichend undichte Luftmatratze hat mir schon vor Istanbul die Nächte unbemerkt verkürzt. Die Rettung bringt schließlich das warme Wasser des Sees. Ich gehe kurzerhand mit der gesamten Isomatte baden und dabei offenbaren sich mir endlich die verräterischen Luftblasen. Es ist ein befreiender Moment der Reparatur in einer Kulisse, die ohnehin zum Verweilen einlädt.
In İznik faszinieren mich vor allem die vielen gut erhaltenen, historischen Bauten und die mächtige alte Stadtmauer, die den Ort bis heute prägen. Hier haben auch die kunstvollen Fliesen ihren Ursprung, die mir schon in Istanbul aufgefallen sind.
Dort zwingt mich auch der erste schwere Sommerregen zu einer langen Mittagspauseause, die ich bei reichlich Tee und einem Gespräch mit einem lokalen BMX-Fahrer verbringe.
Die Natur ist zurzeit zwar wunderschön und unglaublich grün, aber der Preis dafür ist eben, dass ich ab und zu einen Schauer abwarten muss.
Dem entspannten Reisen tut das jedoch keinen Abbruch, denn das Camping ist hier absolut unkompliziert und ich finde überall problemlos einen Platz. Besonders die großen Stauseen erweisen sich als perfekte Nachtlager. Sie sind momentan noch kaum besucht und es kommen lediglich ab und zu ein paar Tagesgäste vorbei, aber nachts habe ich diese idyllischen Orte meist völlig für mich allein.
Das Phänomen der gedehnten Zeit begleitet mich auf dem gesamten Weg hinauf auf die anatolische Hochebene. Die Landschaft wird spürbar rauer, einsamer und monumentaler. So wie in İnönü, wo die Stadt regelrecht unter gewaltigen, mit Höhlen durchsetzten Felswänden klebt.
Doch die größte Herausforderung für meinen Zeitplan sind nicht etwa die steilen Schotterpisten, sondern die unvorhersehbare Herzlichkeit am Straßenrand. Als ich beispielsweise an einer Tankstelle lediglich meinen Benzinkocher auffüllen will, lande ich prompt bei der nächsten Einladung zum Tee. Ich lerne schnell, dass ich in der Türkei keine starren Ankunftszeiten kalkulieren kann. Jede dieser kleinen Begegnungen fordert ihren Raum, bereichert meinen Tag aber umso mehr, wenn ich schließlich im letzten Dämmerlicht mein Zelt am Stausee von Sofca aufschlage.Read more




























TravelerWunderschöne Bilder mein Guter. Pass weiterhin gut auf dich auf