• Über die Türkische Seenplatte nach Konya

    May 27 – Jun 1 in Turkey ☀️ 22 °C

    Als ich Isparta bei bestem Wetter verlasse, geht es seit längerem mal wieder Richtung Osten. Die darauffolgenden Tage werden landschaftlich von zwei großen Seen geprägt, die ich trotz ihrer geografischen Nähe als völlig unterschiedliche Welten wahrnehme.

    Der Eğirdir-See empfängt mich nach einer herrlichen Abfahrt mit traumhaften Ausblicken auf das türkisfarbene Wasser. Die kurvige Straße am Ostufer erweist sich als absoluter Traum für Radfahrer. Kaum Verkehr, ein wunderbares Auf und Ab und ständig neue Perspektiven auf die schneebedeckten Gipfel im Hintergrund.

    ​Der anschließende Weg zum Beyşehir-See zwingt mich erst einmal zu einem schweißtreibenden Anstieg auf fast 1.500 Meter Höhe.
    Dieser zweite große See zeigt mir dann ein völlig anderes Gesicht. Er wirkt wesentlich natürlicher und unberührter. Geprägt von einer ausgeprägten Ufervegetation und einer weitaus größeren, lebendigen Vogelwelt. Auch das Wasser schimmert hier witterungsbedingt in ganz anderen Nuancen.

    ​Genau in diese Tage fällt das islamische Opferfest Kurban Bayramı, das den Etappen eine ganz besondere Dynamik verleiht. Überall am Ufer des Eğirdir-Sees treffen sich Familien zum Picknicken und Grillen. Kaum habe ich mein Nachtlager an einem belebten Platz unweit des Wassers erreicht, holt mich die türkische Gastfreundschaft auch schon ein. Eine Familie holt mich kurzerhand zu sich herüber und lädt mich ganz selbstverständlich zum gemeinsamen Essen ein.

    Während dieser Tage im Seenland feiere ich außerdem ein kleines Jubiläum: Ich bin nun auf den Tag genau zwei Monate unterwegs und habe etwa 3.300 Kilometer zurückgelegt.

    ​Die letzten zwei Etappen bis Konya fordern mich dann eher wieder mental, da die Route über weite Strecken auf der Bundesstraße verläuft. Das monotone Dahinrollen im lauten Verkehr nervt zwar, doch selbst hier bricht die Herzlichkeit am Straßenrand nicht ab. Bei einer Pause an einer Raststätte werde ich prompt von einer weiteren Familie abgefangen, die dort ebenfalls kurz anhält. Sie packen ihre hausgemachten Spezialitäten aus und dazu kann ich natürlich unmöglich nein sagen.

    ​Die Ankunft Konya fühlt sich nach den langen Bundesstraßenkilometern gut an. Zum einen weil es sehr lange nur bergab geht und zum anderen wegen der echten Radwege im Stadtgebiet, die ich so schon lange nicht mehr gesehen habe.
    Die Stadt ist eine faszinierende Mischung aus tief verwurzelter Spiritualität und modernem anatolischen Alltag. Da ich am Samstagabend ankomme, nutze ich die Gelegenheit und besuche direkt eine Derwisch-Zeremonie. Das rituelle Drehen der Tänzer zu den traditionellen Klängen entfaltet eine einzigartige Wirkung. Es ist eine zutiefst beeindruckende, mystische und spirituelle Erfahrung.
    Ausefem besuche ich das Mevlana-Museum, das dem Sufi-Mystiker Rumi gewidmet ist und lasse mich treiben, um die architektonisch hochinteressanten und abwechslungsreichen Moscheen der Stadt zu besichtigen.

    ​Auch der weitläufige Bazar zieht mich an und erweist sich nebenbei auch als praktischer Stopp für die Wartung meiner Ausrüstung. Hier kann ich absolut unkompliziert meine kaputten Sandalen reparieren lassen und zudem finde ich Hilfe für mein Fahrrad. Da mir für eine spezielle Schraube das passende Werkzeug fehlt, lässt sich diese in einer der kleinen Werkstätten im Handumdrehen festziehen.

    ​Kulinarisch wird die Zeit in Konya zu einer echten Entdeckungsreise, bei der ich mich durch die lokalen Spezialitäten probiere. Besonders das traditionelle Tirit und der unglaublich zarte Fırın Kebap haben es mir angetan.
    Für den Aufenthalt habe ich mir ausnahmsweise ein Hotel direkt im Zentrum gegönnt. Das hervorragende, reichhaltige Frühstücksbuffet ist nach den anstrengenden Kilometern im Sattel genau das Richtige und ich schlage jeden Morgen ordentlich zu um die gestärkt in die nächste Etappe starten zu können.
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