• Kappadokien Teil 1

    Jun 1–3 in Turkey ☀️ 25 °C

    Kappadokien stand schon lange auf der Liste meiner Highlights dieser Reise. Als ich in Konya aufbreche, spüre ich eine gewisse Ungeduld und entscheide mich spontan, die monotone Strecke bis Aksaray im Bus zu überspringen.
    Ich will keine Zeit verlieren und wähle den entspannten Weg mitten hinein ins Abenteuer. Meine Route lege ich dabei bewusst so, dass ich mich von den eher untouristischen, einsamen Ecken Schritt für Schritt bis ins touristische Zentrum rund um Göreme vorarbeite.

    ​Landschaftlich und kulturell erinnert mich vieles an das Phrygische Tal, doch die Dimensionen hier sind noch einmal völlig andere. Auch diese Region ist vulkanischen Ursprungs. Über Jahrmillionen haben die Ascheausbrüche der umliegenden Vulkane wie dem majestätischen Erciyes Dağı oder dem Hasan Dağı dicke Tuffschichten abgelagert, aus denen Wind und Wetter diese surreale Landschaft geformt haben.

    Auf dem Fahrrad fasziniert mich dabei ein krasser Kontrast: Ich fahre kilometerlang über weite, fast flache Plateaus und plötzlich tauchen wie aus dem Nichts mehrere hundert Meter tiefe Täler auf. Das ist absolut spektakulär, bedeutet aber auch ein ständiges Auf und Ab und einige Höhenmeter, die es zu überwinden gilt, um vom einen Tal ins nächste zu gelangen. Das ist durch die grandiosen Ausblicke aber jeden einzelnen Schweißstropfen wert.

    ​Dadurch verändert sich auch mein Rhythmus komplett. Ich sitze in diesen Tagen deutlich weniger im Sattel, fahre kürzere Etappen und lasse das Fahrrad stattdessen regelmäßig stehen, um wandern zu gehen.
    Ich steige hinab ins idyllische Ihlara-Tal und wandere am Ufer des Melendiz entlang. Er wird flankiert von senkrecht aufragenden Felswänden, in die frühe Christen fantastische Felsenkirchen mit bunten Fresken geschlagen haben.
    ​Auf meinem Weg werde ich außerdem auch wieder von der türkischen Gastfreundschaft begleitet. Mehrfach bieten mir herzliche Restaurantbesitzer an, mein Zelt in ihren Gärten aufzuschlagen. Ich lehne jedoch dankend ab, denn mein Ziel für die Nächte sind die einsamen Plätze, am liebsten oben am Rand eines Plateaus mit traumhafter Aussicht.

    ​In Derinkuyu schlage ich mein Nachtlager ausnahmsweise mitten im Stadtpark auf, um am nächsten Morgen als einer der Ersten die beeindruckende Untergrundstadt besichtigen zu können. Diese liegt bis zu 85 Meter tief und erstreckt sich über 12 Ebenen, von denen die oberen 8 für Besucher zugänglich sind.
    Am Abend zuvor werde ich von einer Familie, die neben mir im Park grillt, verwöhnt. Erst bringen sie mir ein liebevoll belegtes Brötchen vorbei und überlassen mir zum Abschied sogar noch ihre Reste an gegrilltem Geflügel. Solche herzerwärmenden Begegnungen im Alltag sind einfach unbezahlbar.
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