Von Batumi bis vor die Tore des Großen Kaukasus
Jun 17–22 in Georgia
☀️ 29 °C
Die Ankunft im neunten Land der Reise hält sofort eine große Überraschung bereit. Wer an Georgien denkt, hat nicht unbedingt das Bild vor Augen, das sich mir in Batumi präsentiert.
Nach den letzten, eher naturnahen und eher einfach gestrickten Tagen in der türkischen Provinz bringt mich die Stadt in eine völlig andere Welt. Ich beziehe eine Unterkunft im 20. Stock eines der höchsten Gebäude und blicke fasziniert auf das weite Meer und die benachbarten Glasriesen.
Batumi gefällt mir gut, auch wenn es extrem touristisch ist. Authentisches georgisches Flair sucht man hier zwar eher vergeblich und gefühlt sind mehr Urlauber und russische Auswanderer als Einheimische unterwegs, aber die Stadt hat trotzdem Charme.
Ich schlendere durch die netten Ecken der Altstadt und genieße die riesige, extrem gut gepflegte und abwechslungsreiche Strandpromenade.
Kulinarisch feiere ich hier meinen Einstand mit einer echten lokalen Spezialität: dem adscharischen Khachapuri, einer absolut köstlichen Käsebombe in Bootsform.
Nach den entspannten Pausentagen bin ich extrem gespannt auf das eigentliche, unverfälschte Georgien. Mein erster Tag auf dem Rad in diesem neuen Land führt mich zunächst entlang der subtropischen Schwarzmeerküste nach Norden. Bei einer ausgiebigen Mittagspause genieße ich noch ein letztes Mal den Strand und die Wellen, bevor es für lange Zeit Abschied nehmen heißt vom Meer.
Mein Weg führt mich landeinwärts über recht belebte Landstraßen und flach durch die weite Kolchische Tiefebene. Hier offenbart sich mir sofort das ländliche Gesicht des Landes, das sich vor allem durch eine intensive Nutztierhaltung auszeichnet. In diesem Ausmaß habe ich das noch nirgends erlebt: Unmengen an Kühen, Schweinen und Ziegen stehen nicht etwa auf eingezäunten Weiden, sondern bewegen sich völlig frei mitten auf den Straßen. Dementsprechend verschmutzt ist der Asphalt und sowohl die Autofahrer als auch ich müssen ständig Slalom fahren und den Tieren ausweichen. Es ist gewöhnungsbedürftig, aber man arrangiert sich schnell.
Die erste Nacht verbringe ich noch einmal in einer festen Unterkunft im eher unbedeutenden Ort Senaki. Die Küstenregion rund um die Hafenstadt Poti gilt in einschlägigen Foren als berüchtigt für Diebstähle direkt aus dem Zelt, weshalb mein Bauchgefühl hier ganz klar gegen wildes Camping spricht.
Die Entscheidung erweist sich als absoluter Glücksgriff in sozialer Hinsicht. Im Gästehaus lerne ich einen kroatischen Radreisenden kennen, mit dem ich mich stundenlang intensiv austauschen kann und treffe zudem auf eine deutsche Auswanderin. Nach der langen Zeit allein ist dieser gesellige Abend eine schöne Abwechslung.
Von Senaki aus lasse ich die flache Ebene endgültig hinter mir und steuere auf die südlichen Ausläufer des Großen Kaukasus zu. Die Hügel werden merklich größer und schwingen sich langsam zu echten Bergen auf. Ich überquere auf ruhigen Straßen und ersten Schotterwegen zahllose kleine Brücken und passiere Flüsse, die alle aus den großen Tälern des Hochgebirges herabstürzen.
Schließlich erreiche ich mein Tagesziel Jvari und schlage unterhalb der gewaltigen Enguri-Staumauer direkt am Flussufer mein allererstes Camp in Georgien auf.
Der rauschende Enguri wird in den kommenden Tagen mein treuer und intensiver Begleiter durch das Gebirge werden.
Als ich abends am Zelt sitze und in die heraufziehende Nacht blicke, liegt eine freudige Spannung in der Luft. Ich weiß, dass direkt vor mir das erste echte Bergkapitel dieser Reise wartet.Read more



























