Kontrastreicher Auftakt in Armenien
Jul 3–5 in Armenia
🌩️ 25 °C
Nach der kräftezehrenden Etappe zum Madatapa-See gewöhne ich mich so langsam an die Leere der Steppe. Zum Glück wird es ab der armenischen Grenze deutlich entspannter für die Beine, weil es erst mal viel bergab geht. So kann ich die ersten Kilometer in Land Nummer 10 auf meiner Reise richtig genießen.
Mein erster größerer Stopp ist Gyumri, die zweitgrößte Stadt Armeniens. Die historische Altstadt besteht fast vollständig aus schwarzem und dunkelorangem vulkanischem Tuffstein, was der Stadt ein ganz eigenes Gesicht verleiht.
Schon direkt ab der Grenze zeichnet sich ein treuer Begleiter am Horizont ab, der Aragaz. Mit seinen 4.090 Metern ist er der höchste Berg des Landes. Es handelt sich um ein gewaltiges, erloschenes Vulkanmassiv mit vier markanten Gipfelspitzen.
Ich fahre lange direkt auf ihn zu und umrunde ihn schließlich in einem riesigen Viertelkreis, während seine schneebedeckten Hänge langsam ihre Form verändern.
Die Fahrt durch die kleineren Dörfer hier in Armenien ist allerdings von einer ganz eigenen Atmosphäre geprägt. Wo ich sonst mit einem Lächeln empfangen wurde, ernte ich hier vor allem ungläubiges Starren und die Dorfbewohner grüßen kaum. Auf Dauer erzeugt das ein gewisses Unbehagen in mir.
Dazu kommt, dass mich das Wetter in den ersten beiden Nächten in Armenien eiskalt erwischt. Jeweils am Abend und in der Nacht entladen sich heftige Gewitter, aber vor allem der zweite Abend brennt sich tief in mein Gedächtnis ein.
Eigentlich habe ich mir einen absolut epischen Schlafplatz ausgesucht, direkt an einer steilen Klippe der Kasagh-Schlucht unweit des Klosters Saghmosawank. Doch die Idylle trügt, denn schon beim Aufbauen sehe ich aus Richtung der Berge eine dunkle Wolkenfront aufziehen.
Ich schaffe es gerade noch, im Windschatten hektisch mein Abendessen zu kochen und zu essen, bevor ich mich ins Zelt flüchte.
Im Nachhinein vielleicht nicht die beste Entscheidung, denn hier oben auf der exponierten Klippe bin ich den Elementen schutzlos ausgeliefert und im Zelt gefangen. Das heftige Unwetter zieht direkt über mich hinweg, Blitz und Donner entladen sich fast im Sekundentakt. Dazu peitscht ein brutaler Regen gegen die Zeltwand, der die Wassersäule des Materials irgendwann übersteigt, sodass es anfängt, ins Innere zu tropfen. Schwere Sturmböen packen das Zelt mit einer Wucht, die mich dazu zwingt, das Aluminiumgestänge von innen festzuhalten, um ein Kollabieren zu verhindern. Am Ende verbiegen sich sogar einige der Stangen unter dem Druck.
Eine knappe Stunde sitze ich so in der Falle, versuche krampfhaft ruhig zu bleiben und das Ganze einfach auszusitzen. Definitiv eine der längsten und furchteinflößendsten Stunden meines gesamten Lebens.
Am nächsten Morgen hat sich die Natur wieder beruhigt, als wäre nichts gewesen. Bevor ich die letzten Kilometer in die Hauptstadt in Angriff nehme, genieße ich noch einmal die Ruhe am Kloster und den tiefen, beeindruckenden Blick in die steile Schlucht.
Von hier sehe ich in der Ferne auch den Ararat, der mit seinen 5.137 Metern das heilige Symbol der Armenier ist, auch wenn er heute auf der anderen Seite der geschlossenen Grenze in der Türkei liegt und für sie unerreichbar bleibt.
In Yerevan angekommen, fällt die ganze Anspannung der letzten Tage von mir ab. Ich bin unendlich froh, nach den Strapazen ein festes Dach über dem Kopf zu haben und nutze die nächsten Tage, um die Beine hochzulegen und die pulsierende Hauptstadt in aller Ruhe zu erkunden.Read more






















TravelerBei dem Gewitter hatte dein Schutzengel ordentlich zu tun 🫣
TravelerOh mein Gott, was für ein Drama. Zum Glück ist dir nichts passiert.
TravelerVerrückt... und am nächsten Tag, als wäre nichts gewesen...