• Yerevan

    Jul 5–8 in Armenia ☀️ 28 °C

    Yerevan ist erst die zweite Hauptstadt auf meiner Reise und im Vorfeld habe ich überhaupt keine Vorstellung von der ihr. Das ändert sich während der recht kurzen Zeit, die ich hier verbringe auch kaum, denn die Stadt ist irgendwie schwer zu greifen.
    Trotz des dichten Verkehrs und der vielen Menschen ist die Atmosphäre relativ entspannt und unaufgeregt. Das Zentrum ist überraschend grün, überall gibt es kleine Parks und schattenspendende Bäume an den Straßen, was das Spazierengehen sehr angenehm macht. Angesichts des trockenen, kargen Umlandes ist das umso erstaunlicher und eine willkommene Abwechslung.

    Ein echtes landschaftsarchitektonisches Highlight ist die Kaskade, eine monumentale Treppe aus hellem Travertin, die sich über 572 Stufen und 120 Höhenmeter den Hang hinaufzieht. Jede Ebene ist wie ein kleiner Garten mit moderner Kunst gestaltet und mit individuellen Wasserspielen ausgestattet. Allerdings fehlt es komplett an Schatten, so dass der Aufstieg zu einer schweißtreibenden Angelegenheit wird, die jedoch mit einem tollen Blick über die Stadt und bis zum Ararat belohnt wird.

    Das Zentrum rund um den riesigen Republikplatz beeindruckt mich mit seinen wuchtigen Gebäuden aus dem typischen, rötlichen Tuffstein.
    Eine richtige historische Altstadt suche ich hier allerdings vergeblich. Die Stadt wurde in den 1920er Jahren komplett neu entworfen, weshalb die alten Viertel damals weichen mussten. Die allgegenwärtige Mischung aus dem markanten Naturstein und den grauen sozialistischen Plattenbauten direkt daneben ist auf jeden Fall ein ganz eigener, spannender Kontrast.

    Am zweiten Tag zieht es mich dann noch einmal raus aus der Stadt für einen Ausflug nach Garni. Der dortige Tempel ist das östlichste erhaltene Bauwerk der griechisch-römischen Antike und der einzige heidnische Tempel in der gesamten ehemaligen Sowjetunion.
    Er steht markant auf einem Felsplateau mit schönem Ausblick in die umliegenden Täler und ist sehr gut besucht.
    Direkt unterhalb des Tempels liegt die tiefe Schlucht des Flusses Azat. Ich steige hinab, um mir hier die sogenannte Symphonie der Steine anzusehen. Das ist eine riesige Basaltformation, die mich völlig sprachlos zurücklässt. An den steilen Klippen hängen gewaltige, bis zu 50 Meter hohe Basaltsäulen herab, die durch das langsame Abkühlen von Lava entstanden sind. Die Steine sind so perfekt fünf- und sechseckig geformt, dass sie fast künstlich wirken, wie riesige Orgelpfeifen aus Stein.

    Zudem erreiche ich einen weiteren Meilenstein, denn ich bin nun bereits 100 Tage unterwegs. Das nehme ich zum Anlass für einen Rückblick auf all die großen und kleinen Abenteuer, die ich auf der Reise erlebt habe.
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