Durch Armeniens bunte Vielfalt
Jul 8–13 in Armenia
☀️ 29 °C
Meine ursprüngliche Idee war, von Yerevan aus direkt wieder nach Norden zu fahren. Spontan entscheide ich mich jedoch um und mache erst noch einen Schlenker weiter in den Süden Armeniens.
Direkt nach der Hauptstadt folgt ein langer Anstieg, auf dem ich fasziniert die langsame Veränderung der Natur um mich herum beobachten kann. Die Landschaft ist zu Beginn noch trocken und erstrahlt in verschiedensten Gelbtönen, aber mit jedem Höhenmeter wird sie zunehmend grüner.
Die anschließende, wunderschöne Abfahrt bringt mich in das Dorf Areni, das für einige bemerkenswerte archäologische Funde bekannt ist. Hier wurden unter anderem die älteste, vollständig erhaltene Weinproduktionsstätte sowie der älteste Lederschuh der Welt entdeckt.
Die Strecke führt zwischen den steilen Felswänden im Tal des Flusses Arpa entlang, ist unheimlich sehenswert und bildet den südlichsten Punkt meiner Reise in Armenien.
Von hier aus drehe ich wieder nach Norden ab und am Fuß des Selim Passes finde ich einen schönen Picknickplatz für mein Nachtlager.
Hier erlebe ich eine dieser herrlichen Begegnungen, die mich sofort an die enorme Gastfreundschaft in der Türkei erinnern. Eine lokale Familie ist bereits vor Ort und lädt mich direkt zum gemeinsam Kaffeetrinken und anschließendem Grillen ein. Vollkommen unerwartet sprechen sie sogar ein bisschen Deutsch und wir verbringen einen sehr angenehmen Nachmittag zusammen.
Am nächsten Morgen steht unmittelbar der steile Anstieg bis auf knapp über 2.400 Metern Höhe auf dem Programm. Nach den zahlreichen Serpentinen geht es entspannt bergab in Richtung des riesigen, tiefblauen Sewansees.
Nach der langen Strecke durch das karge Hinterland wirkt dieser wie eine echte Oase. Er ist einer der am höchsten gelegenen Süßwasserseen der Welt und bietet mit den Bergen im Hintergrund eine beeindruckende Kulisse.
Entlang seines Westufers besuche ich erst einen alten, faszinierenden Friedhof voller kunstvoller Kreuzsteine und besuche kurz darauf ein abgelegenes Kloster, das auf einer kleinen Klippe thront.
Wenig später finde ich einen herrlichen Zeltplatz mit einem kleinen Kiesstrand, sodass ich direkt eine Runde schwimmen gehen kann.
Generell sind diese Tage landschaftlich unglaublich abwechslungsreich, verlangen mir aber auch sehr viel ab. Die Etappen sind vor allem am Nachmittag extrem heiß und schweißtreibend und es gibt abseits der Seen und Flüsse kaum Bäume, sodass ich oft der prallen Sonne schutzlos ausgesetzt bin.
Nach dem Sewansee nehme ich statt des Tunnels die alte Passstraße in Richtung Dilijan. Diese führt mich erst über eine weite, völlig friedliche Weidelandschaft komplett ohne Bäume, aber kurz nach der Passhöhe zeigt sich mir plötzlich ein ganz anderes Bild. Entlang einer scharfen Linie beginnt mit einem Schlag der Wald und während der gesamten langen Abfahrt hinein in den Dilijan Nationalpark wird dieser immer dichter.
So grün und dicht bewaldet habe ich Armenien bisher überhaupt noch nicht gesehen, was für eine wunderschöne Abwechslung sorgt.
Kurz danach folgt bereits das nächste landschaftliche Highlight. Auf meinem Weg in Richtung der georgischen Grenze fahre ich fast einen ganzen Tag lang durch den beeindruckenden Canyon des Flusses Debed.
Die Etappe ist ein echter Genuss, denn bei bedecktem Himmel und angenehmen Temperaturen geht es permanent bergab.
Nach einem ganz entspannten Grenzübergang zurück nach Georgien geht es schließlich in Richtung Tiflis. Die finale Etappe gestaltet sich jedoch ziemlich chaotisch.
Schon nach den ersten zehn Kilometern merke ich, dass ich mein Handy nicht bei mir habe, aber ich bin mir direkt recht sicher, dass es mir auf dem unebenen Feldweg am Zeltplatz aus der Tasche gerutscht sein muss. Weil ich keine Lust habe, den ganzen Weg mit dem schweren Rad zurückzufahren, lasse ich es stehen und trampe die paar Kilometer hin und zurück. Das klappt zum Glück recht schnell und unkompliziert und tatsächlich liegt das Handy weitestgehend unbeschadet im Dreck, dort wo ich es vermutet habe.
Später am Tag finde ich mich in einer Sackgasse wieder und statt in aller Ruhe querfeldein über eine unbefestigte Schotterstraße nach Tiflis zu fahren, muss ich mit der sehr stark befahrenen Schnellstraße vorlieb nehmen. Aber die Aussicht auf eine kalte Dusche und ein weiches Bett lässt mich die Zähne zusammenbeißen und die stressigen Kilometer durchstehen.
Nachdem ich nun fast zwei Monate ohne nennenswerte Unterbrechung unterwegs war und nur kurze, eher pragmatische Pausen zur oberflächlichen Regeneration eingelegt habe, spüre ich jetzt deutlich, dass ich eine echte Pause brauche. Mein Körper und auch mein Kopf verlangen nach einer längeren Auszeit, um einfach mal richtig zur Ruhe zu kommen. Tiflis scheint mir dafür genau der richtige Ort zu sein und ich freue mich sehr auf die entspannten Tage hier.Read more


























