Tbilisi
Jul 14–19 in Georgia
⛅ 31 °C
Vom ersten Moment an zieht mich Tiflis in seinen Bann. Die georgische Hauptstadt präsentiert sich als eine faszinierende, facettenreiche Metropole, die mich direkt mit ihrer Lebendigkeit überrascht.
Meine Unterkunft liegt an der monumentalen Schota Rustaveli Avenue, mitten im Herzen des Geschehens, von wo aus ich den Großteil des Zentrums wunderbar fußläufig erkunden kann.
Das Stadtbild verströmt einen unerwartet modernes westeuropäisches Flair. Alles wirkt sehr hochwertig, sauber und elegant, was in reizvollem Kontrast zu den historischen Winkeln der Stadt steht.
Ein Spaziergang durch die verwinkelte Altstadt führt mich auch in das geschichtsträchtige jüdische Viertel Abanotubani. Hier ragen die markanten Ziegelkuppeln der unterirdischen Schwefelbäder wie architektonische Wellen aus der Erde. Folgt man dem schmalen, felsigen Tal hinter den Bädern, stößt man überraschend auf einen hohen Wasserfall, der sich mitten im urbanen Raum in die Tiefe stürzt.
Ein weiteres Highlight ist die Fahrt mit einer der drei städtischen Seilbahnen hinauf zur monumentalen Statue der Mutter Georgiens. Auch wenn der Berggipfel selbst fest in touristischer Hand ist, eröffnet sich von oben ein grandioser Blick über das schier endlose Häusermeer entlang der Kura.
Die sakrale Architektur der Stadt beeindruckt mich auf ganz unterschiedliche Weise. Während die gigantische Sameba Kathedrale als eine der größten orthodoxen Kirchen der Welt prachtvoll und unübersehbar über der Stadt thront, sind es vor allem die kleinen, jahrhundertealten Steinkirchen in den ruhigen Gassen der Altstadt, die eine andächtige, fast mystische Atmosphäre verströmen.
Die Tage der Ruhe geben mir auch den nötigen Raum, um auf die vergangenen Wochen im Sattel zurückzublicken. Der intensive Schlenker durch den Kaukasus war eine bewusste Entscheidung für einen massiven Umweg von über tausend Kilometern. Die direkte Strecke zwischen Batumi und Tbilisi wäre sonst wohl in fünf Tagen machbar gewesen wäre, aber ich nehme mir dafür einen Monat Zeit.
Im Nachhinein erweist sich dieser Entschluss als goldrichtig, da die landschaftliche und kulturelle Vielfalt einzigartig waren. Dennoch hat dieser Umweg eine ganz neue mentale Dynamik mit sich gebracht. Wenn das große Endziel zwischenzeitlich als Motivation fehlt, braucht es an zähen Tagen, an denen die Strecke langweilig ist oder es mal nicht läuft, eine andere, tiefere Motivation, um sich jeden Morgen wieder auf das Rad zu setzen.
Umso angenehmer fühlt sich das gelassene Treiben in Tiflis an, bei dem sich Sightseeing und praktische Erledigungen wie die Reparatur einer offenen Naht an der Rahmentasche unaufgeregt abwechseln.
Das größte Projekt wartet schließlich ganz am Ende, denn von Georgien aus setze ich meinen Weg erst einmal nicht auf zwei Rädern, sondern per Flugzeug fort. Vor dem Abflug nach Usbekistan gilt es, eine passende Fahrradbox und weiteres Verpackungsmaterial zu organisieren. Es wird zu einem logistischen Geduldsspiel, das schwere Reiserad und die restlichen Taschen so kompakt, stabil und sicher zu verpacken, dass sie den Transport unbeschadet überstehen. Am Ende fügt sich aber alles perfekt zusammen.
Auf dem Gepäckwagen am Flughafen steht die festgezurrte Box bereit für den Check-in und markiert den endgültigen Abschluss dieses intensiven Kapitels, bevor mich der Weg über das Kaspische Meer in ein völlig neues Abenteuer führt.Read more






























Traveler
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