Der Sprung über das Kaspische Meer nach Xiva
Jul 19–21 in Uzbekistan
☀️ 36 °C
Die Anreise von Tiflis nach Usbekistan erfordert zwar einiges an Vorbereitung, verläuft am Ende aber erstaunlich reibungslos.
Ein Transporter-Taxi bringt mich samt der wuchtigen Fahrradbox zum Flughafen, wo das Einchecken nach Taschkent recht unkompliziert klappt. In der usbekischen Hauptstadt angekommen, verläuft die Einreise zwar entspannt, stellt mich logistisch aber noch einmal vor eine kleine Aufgabe. Ich muss das Gepäck selbst zum Inlandsterminal transportieren, das allerdings gut fünfzehn Autominuten entfernt liegt. Ich treffe zufällig auf zwei Radreisende aus England und wir teilen uns spontan ein Taxi. Der Fahrer schnallt die drei riesigen Kartons kurzerhand mit dünnen Schnüren auf das Dach seines Familienvans, was zwar etwas abenteuerlich aussieht, uns aber sicher ans Ziel bringt.
Schon auf dem Weiterflug nach Urganch habe ich das Glück, neben einem Einheimischen aus Xiva zu sitzen. Er teilt voller Stolz erste wertvolle Tipps und Geschichten über seine Heimat mit mir, was die Vorfreude auf das Ziel noch vergrößert.
Ein wunderbarer erster Eindruck wartet schließlich am späten Abend direkt am Gepäckband auf mich. Als ich beginne, das Fahrrad noch im Flughafen aus dem Karton zu holen, steuert direkt ein Sicherheitsmitarbeiter auf mich zu. Statt mich aufzuhalten, packt er ohne zu zögern tatkräftig mit an. Seine unvoreingenommene, herzerwärmende Hilfsbereitschaft wird zu meiner allerersten richtigen Interaktion auf usbekischem Boden und prägt augenblicklich mein Bild von diesem gastfreundlichen Land. Nach einer kurzen nächtlichen Fahrt ins Stadtzentrum erreiche ich mein Hotel punktgenau vor Mitternacht, um nach diesem langen Transfertag noch das WM-Finale zu verfolgen.
Am nächsten Morgen trennen mich nur noch knapp dreißig Kilometer von meinem eigentlichen Ziel. Bereits die Einfahrt durch eines der massiven Stadttore von Xiva gleicht einer Zeitreise. Mein Gästehaus liegt direkt innerhalb der gewaltigen Lehmmauern der Altstadt Ichan Kala, die wie ein eindrucksvolles Freilichtmuseum wirkt.
Das orientalische Stadtbild vermittelt mir sofort das Gefühl, in eine Kulisse aus einer längst vergangenen Epoche einzutauchen. Obwohl die imposanten Bauten und kunstvollen Minarette ein sehr hohes Alter vermuten lassen, stammen die meisten der gut erhaltenen Strukturen aus dem 18. und 19. Jahrhundert.
Ein prägendes Element des Zentrums bilden die zahlreichen Medresen, die einst als islamische Hochschulen dienten und heute mit ihren kunstvoll gefliesten Portalen das Straßenbild dominieren.
Lediglich die Fundamente der geschwungenen Stadtmauer reichen weiter zurück, da die ursprüngliche Stadt im Laufe der Geschichte, unter anderem durch die Eroberungen von Dschingis Khan, mehrfach zerstört wurde.
Zur Mittagszeit wirkt die Altstadt unter der brennenden Sonne zunächst fast gespenstisch ruhig und wie ausgestorben. Erst am späten Nachmittag füllen sich die verwinkelten Gassen langsam mit Leben. Da der historische Kern nahezu komplett autofrei ist, kann ich die Kulisse unheimlich entspannt zu Fuß erkunden. Zwar ist die Präsenz des Tourismus durch die vielen Souvenirstände, Restaurants und Hotels unübersehbar, dennoch fügt sich alles in ein optisch sehr stimmiges und faszinierendes Gesamtbild.
Nach der jüngsten Hitzewelle in Usbekistan kurz vor meiner Ankunft mit extremen Temperaturen von knapp unter 50 Grad sind die aktuellen 36 Grad eine spürbare Erleichterung für die Spaziergänge durch die Stadt.
Mit dem Sonnenuntergang wandelt sich die Atmosphäre in der Altstadt noch einmal komplett. Die kunstvoll beleuchteten Fassaden erstrahlen im Dunkeln, während ein erfrischender Regenschauer den Staub aus der warmen Luft wäscht. Der feuchte Lehm der alten Mauern verströmt augenblicklich einen ganz charakteristischen Duft und auf dem nassen Natursteinpflaster der Gassen spiegeln sich die illuminierten Bauwerke in warmen Farben.
Dass aus dem kurzen Schauer schließlich ein stundenlanger, kräftiger Sommerregen wird, grenzt hier an ein kleines Wunder. In einer Wüstenregion, die im Hochsommer statistisch gesehen kaum einen einzigen Regentag erlebt, verwandelt dieser seltene Guss die ausgetrocknete Stadt in ein ganz besonderes Spektakel.Read more




























TravelerDas lesen Deiner spannenden Reise macht richtig Spaß 👍
TravelerWieder einmal traumhaft schön. Pass gut auf Dich auf.
TravelerTraumhaft. Weiter so.