• Buxoro

    Jul 21–23 in Uzbekistan ☀️ 34 °C

    Angesichts der drückenden Sommerhitze und der eher eintönigen Wüstenlandschaft habe ich mich schon im Vorfeld dazu entschieden, längere Distanzen in Usbekistan mit dem Zug zu überbrücken. So lege ich auch die rund 450 Kilometer zwischen Xiva und meinem nächsten Ziel Buchara auf der Schiene statt im Sattel zurück.
    Die Mitnahme meines Fahrrades erfordert beim Einstieg zwar ein kurzes Verhandeln mit dem Schaffner, doch schließlich findet sich ein passender Platz im Gangbereich des alten Sowjetzugs.
    Im gemütlichen Vierer-Liegewagen, den ich mir nur mit einem Reisenden aus Südkorea teile, vergehen die sechs Stunden Fahrt bei guten Gesprächen erstaunlich schnell.
    Da der Hauptbahnhof nicht direkt in Buchara liegt, muss ich am späten Abend noch ein paar Kilometer durch die Dunkelheit bis zum Hotel direkt im Zentrum fahren.

    Im Vergleich zu Xiva zeigt sich Buchara von einer völlig anderen Seite. Während die Enge des kompakten Ichan-Kala ein fast intimes Wüstenflair erzeugt, prägen hier breite Boulevards, weitläufige Plätze und geschäftige Promenaden das Stadtbild.
    Ein besonderes architektonisches Merkmal sind die historischen Kuppelbasare aus dem 16. Jahrhundert, die sich direkt über den zentralen Straßenkreuzungen wölben und bis heute als schattige Handelsplätze dienen. Trotz der beachtlichen Weitläufigkeit lässt sich das historische Zentrum hervorragend zu Fuß erkunden.
    Die Architektur in Buchara wirkt an vielen Stellen noch pompöser und monumentaler. Die Handwerkskunst der filigranen Fliesenarbeiten, die riesigen Medresen und die mächtigen Moscheen zeugen von einer vielschichtigen Vergangenheit. Während in Xiva die meisten Bauten aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammen, reichen die Zeitschichten in Buchara wesentlich weiter zurück. Das berühmte Samaniden-Mausoleum gehört als schlichtes Meisterwerk der Ziegelbaukunst bereits dem frühen 10. Jahrhundert an, während die imposanten Großbauten rund um den Poi-Kalyan-Komplex vor allem im 12. bis 16. Jahrhundert entstanden. Auch das Bild der gewaltigen Lehmfestung Ark mit ihren geschwungenen, mächtigen Außenmauern erinnert stark an die Festungswerke in Xiva und unterstreicht den wehrhaften Charakter der einstigen Emirs-Residenz.

    Allerdings bringt die Größe der Stadt auch eine ganz andere Dynamik mit sich. Der Massentourismus ist spürbar präsent und die Straßen sind tagsüber wie abends von großen Menschenmengen gefüllt. Wenn bei Einbruch der Dunkelheit die historischen Fassaden kunstvoll angestrahlt werden, entsteht zwar eine beeindruckende Kulisse, doch die Atmosphäre wirkt oft weniger harmonisch. An vielen Plätzen und in den umliegenden Restaurants dröhnt laute, moderne Musik durch die Nacht, was im Kontrast zu den jahrhundertealten Bauwerken stellenweise etwas unstimmig erscheint.
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