Entlang des Panj zwischen Pamir und Hindukusch
Aug 5–9 in Tajikistan
☀️ 31 °C
In Qalai Khumb erreiche ich schließlich den Panj, den mächtigen Grenzfluss zu Afghanistan. In der Kleinstadt nutze ich die Chance, meine Vorräte im Supermarkt aufzustocken und wie der Zufall es will, treffe ich dort Phoebe und Laurence wieder, das englische Pärchen, das ich bereits auf dem Flug von Georgien nach Usbekistan kennengelernt habe.
Auch der folgende Streckenabschnitt entlang des Panj wurde erst vor Kurzem von chinesischen Bautrupps komplett neu asphaltiert, allerdings haben stellenweise Felsstürze und Geröllabgänge den frischen Belag bereits wieder verschüttet oder zerstört, sodass kurze, behelfsmäßige Schotterumfahrungen eingerichtet werden mussten. Auf ansonsten zum Großteil feinstem Belag rollt es fantastisch, sodass ich nach den kurzen Etappen der Vortage endlich wieder ordentlich Kilometer machen kann.
Auch hier ist die Landschaft sehr beeindruckend. Links die steilen Felswände, rechts der rauschende Grenzfluss, oft abgetrennt durch einen Stacheldrahtzaun und dazu eine gigantische Kulisse mit dem Pamirgebirge auf der tadschikischen und dem Hindukusch auf der afghanischen Seite.
Die Atmosphäre entlang des Flusses ist allerdings spürbar angespannt und seltsam. Alle paar Kilometer liegt ein Militärstützpunkt und dazwischen patrouillieren immer wieder bewaffnete Soldaten. Die Bestimmungen am Ufer sind streng, Wildcamping ist hier völlig ausgeschlossen und selbst als ich eine kurze Mittagspause am Wasser einlegen will, um nach drüben zu schauen, werde ich direkt von Soldaten weggeschickt.
Es ist faszinierend und beklemmend zugleich, immer wieder die afghanischen Siedlungen auf der anderen Flussseite zu sehen. Sie wirken greifbar nah und liegen doch in einer völlig anderen Welt.
An diesem Tag bin ich Teil einer Gruppe aus insgesamt sechs Radreisenden, die immer wieder Streckenabschnitte und Pausen miteinander verbringen.
Am Nachmittag finde ich gemeinsam mit Phoebe und Laurence einen herrlichen Zeltplatz im Vanj-Seitental. Das absolute Highlight dort ist ein kleiner, mit Grundwasser gefüllter Pool, der für die perfekte Erfrischung sorgt.
Da Laurence am folgenden Morgen mit Magenproblemen zu kämpfen hat, setze ich meine Fahrt wieder alleine fort und es erwartet mich ein extrem anstrengender Tag. Nach wenigen Kilometern endet der frische Asphalt und weicht wieder rauem, staubigem Schotter. Zusammen mit reichlich Höhenmetern und entgegenkommenden Lkw, die mich in dichte Staubwolken hüllen, zieht sich der Weg wie Kaugummi. Auf unbefestigtem Grund komme ich nur quälend langsam voran, wodurch die Kilometer gefühlt kein Ende nehmen wollen.
Erst am letzten Tag vor Khorugh wird der Belag auf altem, löchrigem Asphalt wieder etwas besser und erlaubt ein schnelleres Vorankommen. In der Provinzhauptstadt Khorugh beziehe ich für zwei Nächte ein gemütliches Gästehaus und hier treffe ich auf drei weitere Radreisende, einen Deutschen und ein russisches Paar, mit denen ich mich intensiv austauschen kann. Die Kleinstadt dient mir als idealer Stützpunkt, um durchzuatmen, frische Lebensmittel einzukaufen und mich mental wie logistisch auf das vorzubereiten, was als Nächstes kommt, nämlich der Aufstieg in die extremen Höhen des Pamir-Hochplateaus.Read more





















