Durch bunte Canyons und weite Flusslandschaften
Aug 22–26 in Kyrgyzstan
⛅ 28 °C
Die Pause in Osch tut richtig gut, vor allem weil die Stadt so herrlich unaufgeregt ist. Statt Sightseeing steht bei mir reine Regeneration auf dem Programm, denn ich nutze die Zeit zum Entspannen und Kalorienauffüllen.
In einem Café treffe ich mich außerdem mit Laurence und Phoebe, die etwas später in der Stadt eintreffen. Bei Kaffee und Kuchen lassen wir den Pamir Highway Revue passieren und tauschen unsere Eindrücke aus, was das vergangene Abenteuer sehr schön abrundet.
Um danach die verkehrsreiche Hauptstraße rund um das kirgisische Ösgön zu umgehen, wähle ich für die Weiterfahrt nach Norden einen kurzen Abstecher durch Usbekistan. Die doppelten Grenzformalitäten kosten zwar Zeit, belohnen mich aber mit ruhigen Straßen und ich spare mir zudem noch einige Kilometer.
Am Nachmittag erreiche ich wieder kirgisischen Boden. Als ich am Fluss Kök-Art an einer Quelle Wasser auffülle, lädt mich der freundliche Besitzer eines angrenzenden Gartengrundstücks ein, mein Zelt in seinem kleinen und mit Teppich ausgelegtem Pavillon aufzubauen, wodurch der Tag perfekt ausklingt.
Am nächsten Morgen dämpft der Blick auf das bevorstehende Höhenprofil meine Motivation gewaltig, denn vor mir liegen 40 Kilometer Anstieg und 1.700 Höhenmeter hinauf zum Kök-Art-Pass. Kurzerhand entscheide ich mich fürs Trampen und werde dabei wieder von der Freundlichkeit der Kirgisien überrascht. Die Fahrt verläuft in zwei Etappen per Pritschenwagen. Zuerst nehmen mich zwei ältere Herren ein Stück mit und als die Straße einsamer wird und ich mich bereits darauf einstelle, den Rest aus eigener Kraft zu bewältigen, hält ein Imker mit seinem Sohn. Bei seinen Bienenstöcken am Straßenrand legen wir einen kurzen Stopp ein und er schenkt mir spontan eine Literflasche frischen Gebirgshonig. Ein ordentliches Zusatzgewicht in den Packtaschen, aber extrem lecker. Obwohl seine Bienen eigentlich das Ziel waren, fährt er mich freundlicherweise noch die letzten Kilometer bis hoch zum Kök-Art-Tunnel auf rund 3.300 Metern Höhe.
Dort wartet eine weitere Überraschung. Der Sicherheitsmitarbeiter lässt mich nicht durch die verkehrsreiche Hauptröhre rollen, sondern lotst mich in den parallelen, etwa drei Meter breiten Wartungstunel. Komplett ohne Verkehr, gut beleuchtet, kühl und leicht feucht fahre ich entspannt bergab durch den Berg.
Auf der Nordseite schließt sich eine lange Abfahrt an, bis ich in Kasarman am mächtigen Fluss Naryn ankomme und mir einen geschützten Zeltplatz unter einer neu gebauten Brücke suche.
Der Folgetag bringt ein unverhofftes Wiedersehen. Am Morgen treffe ich am Straßenrand erneut auf Laurence und Phoebe, die eigentlich zwei Tage hinter mir lagen, aber ein Teilstück mit dem Taxi überbrückt haben. Da die Chemie und das Fahrtempo perfekt harmonieren, setzen wir die Reise gemeinsam fort. Entlang des Flusses Kökömeren geht es durch spektakuläre Landschaften. Das rote und orangefarbene Gestein, das mich seit der Grenze begleitet, prägt weiterhin die Schluchten und ist mit grünen, grauen sowie weißen Schichten durchsetzt. Die Straßen sind hier in hervorragendem Zustand und teilweise frisch von chinesischen Bauunternehmen asphaltiert, was ein schnelles Vorankommen erlaubt. Am Nachmittag finden wir einen Traumplatz am Ufer, kühlen uns im Fluss ab und teilen uns eine herrlich süße Wassermelone.
Gemeinsam folgen wir tags darauf dem Verlauf des Kökömeren und später dem Jumgal-Tal, zuerst durch eine enge Felslandschaft und danach durch weite Hochtäler. In Kuyruchuk trennen sich unsere Wege schließlich wieder, da sich die beiden für eine andere Route entscheiden.
Während der makellose Asphalt nun schlagartig in Schotter übergeht, schlage ich am Fuß des Anstiegs zum Son Köl mein Zelt alleine im Schatten einer Weide neben einem Bach auf. Der Untergrund kündigt es bereits an, denn morgen wartet die Auffahrt zu einem der bekanntesten Gebirgsseen des Landes.Read more





























