Per Abkürzung nach Almaty
Aug 29 – Sep 3 in Kazakhstan
⛅ 23 °C
Der Abschied vom ruhigen Ufer des Yssyk Köl beginnt mit einer kleinen organisatorischen Herausforderung, denn Großbusse verkehren hier nicht, sondern nur vollgepackte Sprinter. Ein Reiserad inklusive kompletter Ausrüstung in einem dieser Kleinbusse unterzubringen, erfordert etwas Geduld. Nach einigem Suchen finde ich einen Fahrer, dessen Gepäckraum so umgebaut ist, dass das Rad nach der Demontage von Vorderrad und Pedalen halb unter die Sitzbänke geschoben werden kann. Schon auf den ersten Kilometern der Strecke wird mir klar, dass die Entscheidung gegen den Sattel richtig war. Der dichte Verkehr und die unruhigen Ausfallstraßen bieten kaum Reiz für eine Radetappe.
Am Rande von Bischkek steige ich frühzeitig aus, um die verbleibende Distanz zum Busbahnhof auf zwei Rädern zu überbrücken. Der geplante Bus um 14 Uhr ist bereits ausgebucht, sodass fünf Stunden Wartezeit entstehen, die ich in einem kleinen Café direkt am Terminal entspannt überbrücke. Um 18 Uhr geht es schließlich im Fernbus weiter Richtung Norden.
Der Grenzübertritt nach Kasachstan, dem 14. Land der Reise, folgt kurz darauf. Das Prozedere erfordert erneut Körpereinsatz, denn das gesamte Gepäck muss aus dem Bus geladen und das Rad soweit fahrbereit gemacht werden, dass es sich durch die Kontrollgebäude schieben lässt. Nach den Abfertigungen auf kirgisischer und kasachischer Seite wird alles wieder im Bus verstaut. Durch die Verzögerungen an der Grenze erreicht der Bus das Ziel erst tief in der Nacht.
Die verbleibenden zehn Kilometer vom Busbahnhof zu meiner Unterkunft quer durch das nächtliche Almaty werden zu einem unverhofften Highlight. Ähnlich wie bei meiner nächtlichen Ankunft im georgischen Batumi eröffnet die Dunkelheit einen völlig eigenen Blick auf die Stadt. Almaty präsentiert sich überraschend modern, aufgeräumt und extrem lebendig. Beleuchtete Fußgängerzonen, belebte Straßen und breite, baulich getrennte Radwege machen die Fahrt im späten Stadtverkehr erstaunlich entspannt.
Die folgenden Tage in Almaty stehen ganz im Zeichen der Erholung und der Vorbereitung. Die Stadt lädt weniger zu klassischem Sightseeing ein, als vielmehr zum treiben Lassen. Im schattigen Panfilow-Park ragt die farbenfrohe Zenkov-Kathedrale auf, eine der weltweit größten Holzkirchen, die komplett ohne eiserne Nägel errichtet wurde. Die weitläufigen Parkanlagen mit ihren Seen bieten ruhige Orte zum Spazierengehen, während der Grüne Basar mit seinen Düften und frischen Zutaten ideal ist, um selbst zu kochen und die Vorräte aufzufüllen.
Einen großen Teil der Zeit nimmt jedoch die organisatorische Vorbereitung auf den bevorstehenden Grenzübertritt nach China ein. Kein Land der bisherigen Reise erfordert im Vorfeld so viel digitale Umstellung. Neue Bezahlsysteme müssen auf dem Smartphone eingerichtet, spezielle Apps installiert und Zugänge konfiguriert werden. Es wird spürbar, dass mit dem Schritt über die nächste Grenze eine völlig neue Welt auf mich wartet. Wie tiefgreifend dieser System- und Kulturwechsel tatsächlich werden würde, ahne ich zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht.Read more












