Leshan
Sep 20–23 in China
☁️ 26 °C
Der Abstecher nach Leshan ist eigentlich ein erzwungener Zwischenstopp, da die Verlängerung meiner Aufenthaltsgenehmigung vor den anstehenden Feiertagen erledigt werden muss. Berichte anderer Reisender sprechen dafür, diesen Schritt nicht in Chengdu, sondern im kleineren Leshan zu wagen, wo die Behörden als deutlich schneller und unkomplizierter gelten. Das Fahrrad und mein Gepäck lasse ich an der Rezeption in Chengdu und nur mit einem leichten Tagesrucksack besteige ich den Hochgeschwindigkeitszug und erreiche die Stadt in nicht einmal einer Stunde.
Am nächsten Morgen geht der Plan voll auf, denn die Beamten der Immigrationsbehörde leiten mich äußerst zuvorkommend durch die Antragstellung und fertigen vor Ort sogar die benötigten Passfotos kostenlos an. Bereits nach 48 Stunden ist das Dokument abholbereit, sodass mir zwei freie Tage bleiben, die sich rückblickend als glückliche Fügung erweisen.
Die verbleibende Zeit nutze ich für das berühmteste Wahrzeichen der Region. Der Große Buddha von Leshan ist eine gigantische, 71 Meter hohe Statue aus dem 8. Jahrhundert, die direkt in die rote Sandsteinfelswand des Berges Lingyun gemeißelt wurde. Das Monument thront genau am Zusammenfluss dreier Ströme, dem Min He, dem Dadu He und dem Qingyi He, um mit seiner Präsenz die einst tückischen Wasserströmungen für die Schifffahrt zu besänftigen.
Vor Ort drängen sich allerdings riesige Besucherströme auf den schmalen Aussichtsplattformen. Da der Platz oben extrem begrenzt ist, gestaltet sich der Blick auf den Koloss eher schwierig, da man sehr nah an der Kante steht und die Figur nur schräg von der Seite betrachten kann. Auf die gebührenpflichtige Bootsfahrt, die eine freie Sicht vom Wasser aus geboten hätte, verzichte ich jedoch bewusst.
Als überraschendes Highlight entpuppt sich dafür der direkt angrenzende Orient-Buddha-Park. Diese weitläufige Anlage aus den 1990er-Jahren erstreckt sich über bewaldete Hügel und unterscheidet sich grundlegend von den bisherigen Tempeln im kargen Hochland. Hier wandere ich durch das dichte Grün eines subtropischen Bergwaldes, in dem sich die Menschenmassen schnell verlaufen. Außen an der grünen Hangflanke erstreckt sich ein gigantischer, über 170 Meter langer liegender Buddha, aber der eigentliche Kern der Anlage liegt verborgen unter der Erde in weitverzweigten, gewaltigen Höhlensystemen. Im Inneren dieser kühlen Felsenräume befinden sich riesige Hallen voller feiner Wandreliefs und spektakulärer Statuen. Besonders im gedämpften, kunstvollen Licht beeindrucken die direkt aus dem Fels gehauenen, bis zu 50 Meter hohen Buddhas. Die erhabene Ruhe tief unter der Erde verleiht dem Park eine fast magische Stimmung.
Den übrigen Aufenthalt verbringe ich entspannt an der südlichen Spitze der Stadt direkt gegenüber dem Felsen des großen Buddhas. Die Gegend abseits des Zentrums überzeugt durch grüne Promenaden entlang des Flussufers, an denen Angler im Schatten uralter Banyan-Bäume sitzen, deren Luftwurzeln pittoresk gen Boden hängen.
Zurück an der Immigrationsbehörde nehme ich meinen Reisepass entgegen und treffe zufällig auf ein belgisches Paar, das mit seinem Reisemobil auf dem Landweg bis nach China gereist ist. Der Austausch mit anderen Fernreisenden tut nach langer Zeit wieder richtig gut, bevor ich mich im Schnellzug auf den Rückweg nach Chengdu mache.Read more
























TravelerIch finde das so faszinierend, was du alles erlebst. Ich verfolge es und freue mich darüber. Es ist sooo spannend und man kann viel lernen lernen
TravelerHallo Aaron, das geht ja Schlag auf Schlag mit deiner Reise. Das liest sich wie ein spannender Roman mit deinen Reiseberichten. Ich schaue immer wieder gespannt in deine neuen Storys und finde es genial wie und was du so machst und natürlich auch schreibst. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg auf deinem weiteren Weg und bin natürlich auch gespannt wohin es dich am Ende verschlägt. Es bleibt also spannend ✌️