Chengdu Teil 2
Sep 23–26 in China
☁️ 26 °C
Nach meiner Rückkehr aus Leshan stehe ich am nächsten Morgen früh auf, um rechtzeitig zur Öffnung an der Chengdu Panda Base, einer Aufzucht- und Forschungsstation für Große Panda, zu sein. Das frühe Ankommen lohnt sich doppelt, da ich so die größten Besucherströme umgehe und die Tiere in ihrer aktivsten Phase sehe. Die weitläufige Anlage fügt sich wie ein riesiger, naturbelassener Bambuswald in die Landschaft ein. Auf dem Areal leben über 250 Pandas, von denen etwa 100 für Besucher in großzügigen Gehegen zu sehen sind. Während die älteren Tiere gelassen Bambus fressen oder entspannt schlafen, klettern die jüngeren durch das Unterholz. Ein besonderes Highlight ist ein erst wenige Monate altes Exemplar im Innenbereich, das noch extrem ungewandt seine ersten Kletterversuche unternimmt.
Sogar die scheueren Roten Pandas lassen sich im dichten Blätterdach beobachten, sodass sich der mehrstündige Streifzug durch den Park vollends lohnt.
Direkt im Anschluss fahre ich zum Wenshu-Kloster, der größten und am besten erhaltenen buddhistischen Tempelanlage der Stadt. Ihre Ursprünge reichen bis in die Sui- und Tang-Dynastie zwischen dem 6. und 9. Jahrhundert zurück, bevor der Komplex im Jahr 1697 unter der Qing-Dynastie neu errichtet wurde. Wie schon im Daci-Tempel fasziniert auch hier die meditative Ruhe inmitten der geschäftigen Großstadt.
Den Abend lasse ich schließlich am Ufer des Flusses Jin ausklingen. Die sanft beleuchtete Uferpromenade, das Glitzern der Wolkenkratzer im Wasser und die prachtvoll illuminierte, überdachte Anshun-Brücke verleihen dem Flusslauf eine zauberhafte Kulisse.
Am nächsten Morgen gönne ich mir einen kleinen Luxus und besuche das Frühstücksbuffet im 31. Stock eines Fünf-Sterne-Hotels nahe dem Tianfu-Platzes. Für europäische Verhältnisse spottbillig, bietet sich hier eine grandiose Auswahl an chinesischen und westlichen Speisen mit Live-Cooking-Stationen. Nach Wochen benutze ich zum ersten Mal wieder Messer und Gabel und genieße dabei den spektakulären Panoramablick über das schier endlose Meer aus Wolkenkratzern, das sich bis zum Horizont erstreckt. Gestärkt besuche ich das nahe gelegene, kostenfreie Chengdu-Museum, um in die reiche Geschichte der Region einzutauchen, bevor der Nachmittag ganz im Zeichen der Grünanlagen steht.
Ein Streifzug durch drei sehr unterschiedliche Parks offenbart die faszinierende Bandbreite der chinesischen Gartenkultur. Der Kulturpark präsentiert sich voller Leben mit vollen Teehäusern, Musik und Sporttreiben. Im Baihua-Teich-Park begeistert mich ein aufwendig gestalteter Bonsaigarten, dessen meisterhafte Miniaturbäume durch kunstvolle Wandöffnungen und architektonische Rahmen in Szene gesetzt werden. Der Huanhuaxi-Bach-Park zeigt sich schließlich von seiner naturnahen Seite mit dichten Bambushainen, großen Teichen und einem Koibecken mit zahllosen Fischen.
Aus meiner fachlichen Perspektive ist diese Parkgestaltung eine absolute Offenbarung. Statt weitläufiger, auf einen Blick überschaubarer Flächen basiert die Konzeption auf dem Prinzip Yībù Yījǐng (Szenenwechsel bei jedem Schritt). Durch geschickte Untergliederungen, Wände aus Pflanzen und geschwungene Pfade entstehen selbst bei hohem Besucherandrang intime Rückzugsorte. Die extrem akribische Pflege und der tief verwurzelte Respekt der Bevölkerung ohne jeglichen Vandalismus heben diese öffentlichen Räume auf ein beeindruckendes Niveau.
Abgerundet wird das Erlebnis Chengdu durch die einzigartige Gastronomie, deren enorm hohe Dichte an Restaurants und Straßenständen der Stadt den Titel einer UNESCO-Stadt der Gastronomie eingebracht hat. Die traditionell sehr scharfe Sichuan-Küche lässt sich mit dem Hinweis auf eine milde Schärfe wunderbar genießen. Eine ganz besondere Entdeckung ist dabei der berühmte Sichuanpfeffer, der kein echter Pfeffer ist, sondern für ein faszinierendes, leicht betäubendes und prickelndes Gefühl auf der Zunge sorgt.
Mit diesen reichhaltigen Eindrücken aus Natur, Kultur und Kulinarik schließe ich das Kapitel Chengdu ab und bereite mich auf die Weiterfahrt gen Süden vor.Read more






























Traveler
Schönes Bild 🤩 Bambus